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Mudershausen

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 17′ N, 8° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Lahn-Kreis
Verbandsgemeinde: Hahnstätten
Höhe: 265 m ü. NN
Fläche: 4,72 km²
Einwohner: 476 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner je km²
Postleitzahl: 65623
Vorwahl: 06430
Kfz-Kennzeichen: EMS
Gemeindeschlüssel: 07 1 41 089
Gemeindegliederung: 2 1/4 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Austraße 4
65623 Hahnstätten
Ortsbürgermeister: Klaus Harbach

Mudershausen ist eine Ortsgemeinde im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Mudershausen liegt im zum Taunus gehörenden Einrich elf Kilometer südwestlich von Limburg an der Lahn unweit der Aar die durch den Ortsteil Zollhaus fließt.

Geologie

Vor 360 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Devon lag das Gebiet des heutigen Mudershausens im Bereich eines flachen tropischen Meeres, in dem sich Korallenriffe und in der Folge Riffkalke bildeten. Ein solches ehemaliges Korallenriff ist prägend für die Landschaft um Mudershausen. Seit vor 325 bis 305 Millionen Jahre die Gebirgsbildung begann, liegt das Gebiet trocken. Durch tektonische Prozesse brachen die Gesteinsschichten in Schollen und wurden teilweise zu mehrere Hundert Meter mächtigen Gesteinsschichten vertikal aufgeworfen. In den Kalkschichten sind Karsterscheinungen zu finden, eine Besonderheit im Rhein-Lahn-Kreis ist die phreatische Verkarstung genannte Auslaugung der Kalkfelsen durch stehendes Grundwasser. Höhlenbildung ist ein prägnanter Prozess, insgesamt sind über 70 Höhlen im Rhein-Lahn-Kreis bekannt, einige davon rund um Mudershausen[1].

Nebelhöhle

Die Nebelhöhle wurde 1999 von der Höhlenkundlichen Arbeitsgruppe - Hessen (HAGH) entdeckt und im Jahr 2000 vermessen. Sie ist mit 650 m Länge und 80 m vertikaler Tiefe sowohl die längste als auch tiefste Höhle in Rheinland-Pfalz. Die Höhle beinhaltet Kristallbildungen und großflächige Perl- und Knöpfchensinter. Sie ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich[2].

Gemeindegliederung

Zum Zentralort Mudershausen gehören die Ortschaft Bonscheuer und ein Teil des 250 Einwohner zählenden Ortes Zollhaus, der, verwaltungstechnisch ein Kuriosum, insgesamt zu vier Ortsgemeinden gehört. Neben Mudershausen gehören Teile des Ortes zu den Ortsgemeinden Burgschwalbach, Hahnstätten und Schiesheim.


Geschichte

Der Ort Mudershausen wurde 1416 als Mudershußen erstmals erwähnt. Man geht aufgrund von Hügelgräberfunden davon aus, dass der Ortsteil Bonscheuer älter ist.

Der Namensbestandteil „Muders-“ geht auf einen fränkischen Edelmann namens „Mothar“ zurück, „-hausen“ deutet auf eine vormittelalterliche Waldsiedlung hin.

Im 15. Jahrhundert mussten die Einwohner des Ortes die Wachmannschaften für die Burg Katzenelnbogen stellen. Ebenfalls im 15. Jahrhundert begann der Abbau von Rot- und Brauneisenstein, Ocker, Magnetit und Phosphorit. 1960 wurde der Bergbau eingestellt. Der 4300 Meter lange Barbarastollen erinnert heute an dieses Kapitel der Geschichte und steht gelegentlich für Führungen offen. Zudem wurden Marmor und Kalkstein gebrochen. Zur Weiterverarbeitung diente unter anderem eine Ziegelei. Nahe Zollhaus ist heute noch ein Kalkwerk in Betrieb.

Um 1700 wurde im Obergeschoss des Backhauses eine erste Schule eingerichtet. Nach dem Dorfbrand und 1831 wurden jeweils neue Schulgebäude errichtet. Im März 1773 wurde der Ort durch Feuer zerstört, das in einer Scheune ausgebrochen war.

Muderhausen gehörte von 1816 bis 1866 zum Herzogtum Nassau, das als Ergebnis der Wiener Kongresses gebildet wurde. 1868 kam Mudershausen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und war nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der französischen Besatzungszone.


Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat setzt sich aus acht Ratsmitgliedern sowie dem ehrenamtlichen und vorsitzenden Ortsbürgermeister zusammen und wurde bei den Gemeinderatswahlen am 13. Juni 2004 in einer Mehrheitswahl gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,6%.


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Burg Hohlenfels

Hauptartikel: Burg Hohlenfels

Die auf einem bis zu 60 Meter über dem Hohlenfelsbachtal aufragenden Kalksteinfelsen gelegene, Mitte des 14. Jahrhunderts im Auftrag der Grafen von Nassau-Weilburg-Saarbrücken errichtete Burg befand sich zunächst im Lehnsbesitz der Adelsfamilie von Langenau und war aufgrund zahlreicher Erbteilungen im 15. Jahrhundert eine Ganerbenburg. Bis gegen 1600 konnten die Herren von Mudersbach das Burglehen dann in ihren alleinigen Besitz bringen, denen die Herren von Kronberg und Waldecker von Kempt nachfolgten. Anfang des 18. Jahrhunderts um einen Neubau erweitert, befindet sich die denkmalgeschützte Burg nach wechselvoller Besitzgeschichte heute in Privatbesitz, ist aber seit 2005 an einigen Tagen im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Am Fuße des Burgfelsens existierte im Spätmittelalter ein Dorf mit dem Namen Hohlenfels, das sich aus einem Gutshof entwickelt hatte, jedoch während des Dreißigjährigen Krieges aufgegeben wurde. Der noch bestehende Gutshof beherbergt heute eine Jugendbegegnungsstätte.

Rathaus

Das Rathaus in Mudershausen wurde 1913 entworfen und 1914 bis 1915 gebaut. Das Gebäude vereinigte Rathaus und Betsaal, was in Hessen und im Westerwald seit dem 18. Jahrhundert Tradition war. Des Weiteren wurden Vereinsräume, das Feuerwehrhaus und eine Gefängniszelle eingerichtet. Das Gebäude wird von einem Glockenturm überragt. Seit 1983 steht das Rathaus unter Denkmalschutz[3].

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Durch Mudershausen führt in Ost-West-Richtung die B 274, die in Zollhaus in die von Norden nach Süden verlaufende B 54 mündet. Etwa elf Kilometer nördlich verläuft die A 3, die nächsten Autobahnanschlussstellen sind in Limburg an der Lahn. Der nächsgelegene ICE-Bahnhof ist der Bahnhof Limburg Süd ebenfalls in Limburg an der Lahn.


Einzelnachweise

  1. Rhein-Lahn-Info - Höhlen und Höhlenforschung im Rhein-Lahn-Kreis
  2. HAGH - Nebelhöhle
  3. Aar-Touristik