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Jugoslawienkriege

Dieser Artikel behandelt die Jugoslawienkriege Ende des 20. Jahrhunderts. Für weitere Bedeutungen siehe Balkankonflikt.
Dieser Artikel oder Abschnitt besteht hauptsächlich aus Listen, an deren Stelle besser Fließtext stehen sollte.

Als Jugoslawienkriege (oft auch Jugoslawienkrise oder Balkankonflikt genannt) wird eine Serie von Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Fünf der sechs ehemaligen Teilrepubliken waren von den Jugoslawienkriegen betroffen.

Im einzelnen handelte es sich um die folgenden Kriege:

Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende der sozialistischen Ära in Europa forderten vor allem Slowenien und Kroatien unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker den Umbau Jugoslawiens zu einer Konföderation und eine Umorientierung hin zur parlamentarischen Demokratie und Marktwirtschaft. Montenegro und Serbien setzten sich hingegen weiterhin für den Fortbestand des sozialistischen jugoslawischen Gesamtstaates ein.

Nach den ersten freien Wahlen erklärten zunächst Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit, gefolgt von Bosnien und Herzegowina und Mazedonien.

Im Laufe der Konflikte versuchte die Jugoslawische Volksarmee (JNA), unter der Führung von Veljko Kadijević und Blagoje Adžić, die Unabhängigkeitsbestrebungen in Slowenien (10-Tage-Krieg) und Kroatien militärisch niederzuwerfen. 1992 weitete sich der Krieg auch auf Bosnien und Herzegowina aus.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Jugoslawienkriege wurden unter anderem durch die schweren ökonomischen Probleme verursacht, denen sich Jugoslawien in den 1980er Jahren ausgesetzt sah, verbunden mit einer nationalistischen Politik und Propaganda, die vor allem von der damaligen serbischen und kroatischen Macht-Elite, aber auch von Politikern anderer Teilrepubliken ausging. Offiziellen Verlautbarungen zur Folge lag eine wesentliche Ursache des Streits zwischen den Republiken in der Verteilung der finanziellen Mittel zwischen den Teilrepubliken (ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich). Angesichts der aufgrund der Hyperinflation immer geringeren zur Verfügung stehenden Mittel beanspruchten Kroatien und Slowenien als die wohlhabenderen Teilrepubliken größere Teile der bei ihnen erwirtschafteten Mittel für sich, während die ärmeren Länder Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro sowie Serbien mit seinen beiden autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina einen höheren Anteil als Ausgleich für die schlechte Wirtschaftslage für sich verlangten. Dieser Konflikt konnte, auch aufgrund eines nicht klar etablierten Regierungssystems nach Titos Tod 1980, nicht politisch gelöst werden.

In dieser bereits aufgeheizten Atmosphäre veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste das Sanu-Memorandum, in dem das politische System Jugoslawiens angegriffen wird und von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es sprach von einem „Genozid“ an den Serben im Kosovo. Dieses Memorandum war eine der Initialzündungen für einen immer stärker aufkommenden Nationalismus innerhalb der albanischen und serbischen Volksgruppe, aber auch der anderen jugoslawischen Völkern. Besonders durch die Politik von Slobodan Milošević, der seit 1984 Leiter der Belgrader Regionalgruppe und seit September 1987 Parteisekretär des Bundes der Kommunisten Serbiens war, wurden diese nationalistischen Spannungen verschärft. Einen weiteren Auftrieb erhielten diese, als 1989 unter Milošević mit dem Ziel seiner Machterweiterung initiierte Änderung der serbischen Verfassung die seit 1974 bestehende Autonomie des Kosovo und der Vojvodina abgeschafft wurde. Dies geschah im Rahmen der so genannten Antibürokratischen Revolution. Die politische Führung der Regionen wurde durch Gefolgsleute von Milošević ersetzt. Zusätzlich angeheizt wurde das politische Klima auch durch nationalistische, antiserbische und antisemitische Äußerungen des späteren kroatischen Staatspräsidenten Franjo Tuđman, der etwa mehrfach betonte, dass er stolz bzw. glücklich sei, „weder mit einer Jüdin noch einer Serbin“ verheiratet zu sein.

Im Sog der politischen Umwälzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/90 bildeten sich auch in Jugoslawien neue Parteien, und es kam 1990 zu ersten freien Wahlen in einigen Teilrepubliken, die in Kroatien und Slowenien mehrheitlich von nationalistisch agierenden sowie zur staatlichen Unabhängigkeit strebenden Parteien gewonnen wurden. Nachdem in Referenda in Slowenien und Kroatien (Die Krajina-Serben boykottierten jedoch das Referendum) jeweils mit großer Mehrheit für die Loslösung aus dem Staat Jugoslawien gestimmt hatten, proklamierten am 25. Juni 1991 zunächst Slowenien und dann Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von Teilen der jugoslawischen Führung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Dies war aufgrund unklarer Formulierungen in der Verfassung von 1974 möglich, in der zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens festgeschrieben war, aber Modalitäten für einen Austritt der einzelnen Republiken aus der Föderation nicht einmal in Erwägung gezogen worden waren. Die Belgrader Führung versuchte unter maßgeblichem Einfluss von Milošević, die Unabhängigkeit mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) zu verhindern. So kam es im Juni 1991 in Slowenien zu ersten Kämpfen zwischen der jugoslawischen Armee und den slowenischen Streitkräften. Die weiteren in Jugoslawien vorhandenen Konflikte entwickelten sich zum offenen Krieg. Insbesondere in den Republiken mit ethnisch weitgehend heterogener Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien) wurden die Kämpfe hart und lang andauernd geführt. So forderte dieser Balkankrieg allein in Bosnien um die 100.000 Todesopfer. Es kam zu Massenfluchten, Vertreibungen und Zerstörungen. Da die seinerzeit nominell viertgrößte Armee Europas, die JNA, jugoslawisch orientiert war, mussten die Republiken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina eigene Armeen aus Polizei und Territorialverteidigung improvisieren. Oberbefehlshaber der JNA war Veljko Kadijević. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr ähnlichen Organisationsform im Falle eines Angriffes schnell und unbürokratisch die Verteidigung bis zum Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand. Die Waffen der kroatischen Territorialverteidigung wurden bereits im Mai 1990 von der JNA beschlagnahmt, die der bosnischen wenig später. Lediglich die Polizei behielt ihre leichte Bewaffnung. Die Kroatische Armee wurde seit 1990 jedoch erfolgreich schrittweise verstärkt und aufgerüstet. Die meisten westlichen Staaten waren im Jahr 1991 noch fest entschlossen, Jugoslawien als Staat zu erhalten, kamen jedoch mit der Zeit zur Einsicht, dass dies nicht mehr zu verwirklichen war. Die im Jahr 1992 von der EU eingesetzte Badinter-Kommission stellte abschließend fest, dass die Grenzen der ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens als zwischenstaatliche Grenzen der nun souveränen Nachfolgestaaten zu betrachten seien.

Chronologie der innerjugoslawischen Konflikte nach 1945

Mord an den Nicht-Partisanen 1945/1946

Die Reste der verschiedenen Kämpfer (und die mit ihnen verbundenen Zivilisten), die nicht auf Seiten der Partisanen standen und sich in das von den Alliierten kontrollierte Österreich geflüchtet hatten, werden von britischen Offizieren auf Titos Verlangen zu Tausenden nach Jugoslawien zurückgeschickt und innerhalb von Stunden nach ihrer Ankunft massakriert. Insgesamt werden 1945/46 bei Massenerschießungen, „Todesmärschen“ und in den Gefangenenlagern Titos nach verschiedenen Schätzungen bis zu mehreren hunderttausend Menschen getötet (siehe: Massaker von Bleiburg).

Diese Ereignisse, wie auch ein Teil der während des zweiten Weltkriegs von Jugoslawen an Jugoslawen ausgeübten Kriegsverbrechen, werden in den folgenden Jahren öffentlich weitgehend totgeschwiegen. Tatsächliche oder vermeintliche politische Gegner der kommunistischen Regierung werden darüber hinaus durch Einschüchterung, Zwangsarbeit, willkürliche Festnahmen und Strafen bekämpft. Auch Führer und aktive Mitglieder der Religionsgemeinschaften werden in den ersten Jahren starkem Druck ausgesetzt. Als potentielle Gegner betrachtete muslimische Gläubige werden zum Teil ohne Untersuchung oder Gerichtsverhandlung getötet.

Widerstand der „Jungen Moslems“ 1949

Die Studentenorganisation „Mladi Muslimani“ (dt. „Junge Muslime“), die Verbindung zu Vereinigungen aus islamischen Staaten hat, leistet der Kampagne gegen den Islam Widerstand. Ihr wird eine pro-islamische Revolte vorgeworfen. Vier Mitglieder werden zum Tod verurteilt, mehrere hundert zu Haftstrafen.

Erste Bestrebungen zur Unabhängigkeit 1967

Kroatische Sprachwissenschaftler und verschiedene Studentenorganisationen fordern die Wiedereinführung der kroatischen Sprache und verlangen ein Abschaffen der Bezeichnung des Serbokroatischen in Kroatien.

Gleichzeitig hatte sich die mazedonische Kirche gegen den Willen des serbischen Patriarchats für autokephal erklärt. Auch von den anderen orthodoxen Kirchen - einschließlich des Patriarchats von Konstantinopel - wurde die selbständige mazedonische Kirche bisher nicht anerkannt.

Franjo Tuđman wird aus der kommunistischen Partei (KP) wegen seiner politischen Thesen, die eine Unterdrückung von Kroaten durch Serben behaupteten und die bereits in jener Zeit als kroatisch-nationalistisch bezeichnet wurden, ausgeschlossen.

1970

In Sarajevo veröffentlicht Alija Izetbegovic sein Buch Islamische Deklaration (Islamska deklaracija).

Kroatischer Frühling 1971

Tausende kroatische Studenten und Intellektuelle, unter denen sich auch der heutige Präsident Kroatiens Stipe Mesić befand, demonstrierten während des kroatischen Frühlings für mehr Souveränität des kroatischen Volkes innerhalb Jugoslawiens und forderten gleichzeitig, dass ein größerer Teil des in Kroatien erwirtschafteten Kapitals für Investitionen in Kroatien (z. B. Autobahnen und andere infrastrukturelle Projekte) verwendet werden sollte. Dem Staatspräsidenten Josip Broz Tito gelang es nach Massenverhaftungen, diese politische - aus seiner Sicht separatistische und nationalistische - Bewegung niederzuschlagen. Zu den Hauptangeklagten, die nach der Beendigung der kroatischen antikommunistischen Bewegung wegen „konterrevolutionärer Umtriebe“ verhaftet wurden, zählten sowohl Franjo Tuđman als auch der heutige kroatische Staatspräsident Mesić.

Gleichzeitig wurde eine illegale Veröffentlichung eines kroatischen Wörterbuches, das von jugoslawischen Behörden verboten wurde, bekannt.

Weitere Autonomiebestrebungen 1974

Initiiert vom Zentralkomitee des BdKJ beschloss die Bundesversammlung 1974 eine neue Verfassung, mit der die einzelnen Teilrepubliken ein höheres Maß an Autonomie erhielten. Die Republik Serbien wurde mit der Autonomieausrufung des Kosovos und der Vojvodina dreigeteilt. Ein Grund hierfür waren Autonomiebestrebung von Albanern und Ungarn, die zum damaligen Zeitpunkt drei Viertel (laut Zensus von 1971: 73,7 %[1]) bzw. circa ein Fünftel (laut Zensus von 1981: 16,9 %[2]) der dortigen Bevölkerung ausmachten.

Weitere Geschehnisse bis 1990

Morde an Dutzenden von Exilkroaten und Exilalbanern durch den jugoslawischen Geheimdienst UDBA und gewalttätige Vergeltungsaktionen von Exilkroaten in und außerhalb Jugoslawiens, gegen jugoslawische Einrichtungen und Zivilisten werden durchgeführt.

Tod Titos 1980

Am 4. Mai stirbt Jugoslawiens Staatspräsident Josip Broz Tito im Alter von 88 Jahren. Ein kollektives Staatspräsidium mit jährlich wechselndem Vorsitz (Serben, dann Kroaten, dann Slowenen) übernimmt die Regierung in Jugoslawien.

Erste Unruhen im Kosovo 1981

In der sozialistischen autonomen Provinz Kosovo kommt es zu Unruhen. Albaner verlangen die Schaffung einer mit den anderen Teilrepubliken gleichberechtigten Teilrepublik Kosovo und den Status eines Staatsvolks. Dies wird von allen Teilrepubliken sowie der jugoslawischen Bundesregierung verweigert; Proteste werden niedergeschlagen und der Ausnahmezustand über die Region verhängt. Zahlreiche Menschen wurden dabei getötet. Albanische Aktivisten wurden wegen konterrevolutionärer Aktivitäten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Klage gegen Alija Izetbegović 1983

In Bosnien wird ein Gerichtsprozess wegen „feindseliger und konterrevolutionärer Handlungen aus muslimisch-nationalistischen Gründen“ gegen 13 muslimische Aktivisten durchgeführt. Hauptbeklagter ist Alija Izetbegović, der 13 Jahre zuvor seine „Islamische Deklaration“ geschrieben hatte. Die Angeklagten, von denen einige am Ende des Zweiten Weltkriegs zu den „Jungen Muslimen“ gehört hatten, werden beschuldigt, die Ziele einer „terroristischen“ Organisation wiederbelebt zu haben. Izetbegović wird gleichzeitig vorgeworfen, die Einführung einer parlamentarischen Demokratie westlichen Stils befürwortet zu haben. Das Gericht verurteilt ihn zu einer 14jährigen Gefängnisstrafe, die nach der Berufung auf elf Jahre reduziert wird.

1986

Serbische Intellektuelle fordern im Sanu-Memorandum ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“. Das Memorandum behauptet unter anderem einen Genozid am serbischen Volk im Kosovo und eine Verschwörung Kroatiens und Sloweniens gegen Serbien. Eine Revision der jugoslawischen Verfassung von 1974 wird gefordert. Gleichzeitig wird der Kosovo-Albaner Sinan Hasani routinemäßig zum jugoslawischen Staatsoberhaupt gewählt.

Aufheizung der Stimmung 1987

Im April 1987 bereist Slobodan Milošević den Kosovo und lässt sich auf verschiedenen Veranstaltungen im Beisein der Medien die Sorgen der Serben und Montenegriner mitteilen. Die orthodoxe Bevölkerung berichtet von einem massiven wirtschaftlichen, politischen und psychischen Druck durch die Albaner. Nach einer Rede im Kulturhaus von Kosovo Polje wird die Stimmung endgültig angeheizt: Eine aufgestachelte serbische Menschenmenge provoziert die Polizei mit Steinwürfen. Die Polizei geht daraufhin mit Schlagstöcken gegen die serbischen Nationalisten vor. Als Milošević vor das Gebäude tritt und die Menschen rufen „Sie schlagen uns!“, antwortet er: „Niemand darf euch schlagen!“ („niko ne sme da vas bije“). In den kommenden Monaten knüpft Milošević engere Beziehungen zur orthodoxen Kirche und nutzt seine Kontakte zu den Medien zu einer zunehmend nationalistischen, pro-jugoslawischen Kampagne. Slobodan Milošević wird zudem Vorsitzender der serbischen Kommunistischen Partei.

1988

Slobodan Milošević wird Präsident der Teilrepublik Serbien. Im Oktober 1988 veranlasst Slobodan Milošević die Regierungen der Vojvodina und Montenegros durch seine Gefolgsleute zu ersetzen. Alija Izetbegovic wird derweil zur Beruhigung der angespannten Lage im Kosovo frühzeitig aus der Haft entlassen.

Erste große Unruhen 1989

Im Februar 1989 stimmt das Parlament der SR Serbien einer Verfassungsänderung zu. Damit wird die 1974 beschlossene Autonomie der Sozialistischen Autonomen Provinz Kosovo und der Sozialistischen Autonomen Provinz Vojvodina wieder rückgängig gemacht. Darauf flammen im Kosovo Unruhen auf, der Ausnahmezustand wird verhängt. In der Folgezeit werden die Albaner von Serben aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens verdrängt.

Am „Vidovdan“ (St.-Veits-Tag) findet eine von hunderttausenden Serben besuchte Kundgebung in Gazimestan auf dem Amselfeld statt. Slobodan Milošević verlangt auf dieser Veranstaltung mehr Rechte und Einfluss für die Serben im jugoslawischen Staatsverband und betont in seiner Rede: „(...) heute befinden wir uns wieder in Kriegen und werden mit neuen Schlachten konfrontiert. Dies sind keine bewaffneten Schlachten, obwohl diese nicht ausgeschlossen werden können.“[3]

Innenpolitisch wird die Situation in Serbien verschärft. Die Medien werden gleichgeschaltet, kritische Journalisten entlassen. Oppositionelle Personen haben Hetzkampagnen zu befürchten. Die ultranationale „Tschetnik-Bewegung“ unter Vojislav Šešelj kann sich als Partei registrieren lassen.

Viele Slowenen und Kroaten fühlen sich durch den serbischen Machtanspruch bedroht. Bei ihnen wächst der Wunsch, den jugoslawischen Staat zu verlassen. Slowenien diskutiert die „asymmetrische Föderation“ (nicht jede Republik soll auf gleicher Art in die jugoslawische Föderation eingebunden sein) und schafft als erste Teilrepublik das Parteimonopol ab und setzt freie Wahlen an. Der Demokratisierungsprozess gerät zunehmend in Konflikt mit der zentral organisierten, traditionell kommunistischen Obrigkeit. Es kommt im Laufe des Jahres mehrfach zu Ereignissen, durch die sich die Beziehungen zu Serbien verschlechtern (z. B. im Februar eine Veranstaltung, bei der die Situation der Albaner im Kosovo angeprangert wird; im Sommer der Prozess gegen Redakteure der Jugendzeitschrift „Mladina“ wegen der Publikation von Armeedokumenten, in denen die geplanten Aktivitäten im Falle von Massendemonstrationen beschrieben waren). Im September und Oktober wird eine neue slowenische Verfassung entworfen und verabschiedet, in der Slowenien sich legislative Souveränität gibt und ausdrücklich das Recht auf Sezession erklärt. Als die slowenische Polizei im Dezember 1989 ein geplantes „Meeting Brüderlichkeit und Einheit“ in Ljubljana verbietet, bricht der schwelende Konflikt aus. Serbien boykottiert slowenische Produkte und bricht wissenschaftliche und kulturelle Kontakte ab.

Die kroatische Führung hält sich in dieser Zeit der Spannungen noch stark zurück. In Knin (zum Teil von Serben besiedelt) findet Mitte 1989 sogar ein „Meeting“ statt. Besonders der Slogan „Das hier (dieses Gebiet) ist Serbien“ stößt in Kroatien auf Verbitterung. Tschetniks, die dabei auftauchen, werden in der Belgrader Presse noch als „Statisten des kroatischen Fernsehens“ abgetan.

Die Hyperinflation verschärft 1989 die wirtschaftlichen Probleme. Der Staatsbankrott kann nur durch eine Intervention des Internationalen Währungsfonds abgewendet werden. Im Dezember 1989 wird der Dinar, der mittlerweile als wertloses Papiergeld in dicken Bündeln kursiert (am 19. Dezember 1989 bekam man für 1 DM (umgerechnet 0,51 €) immerhin 70.000 Dinar), im festen Verhältnis 7:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, und es werden vier Nullen gestrichen.

Kriegsausbruch

Krisenbeginn 1990

Die wirtschaftliche Talfahrt geht weiter. Die Inflation kann auf einen noch knapp zweistelligen Wert gedrückt werden. Aber der feste, realitätsfremde Wechselkurs zur Deutschen Mark erschüttert die bisher weitgehend stabile Wirtschaft in der SR Slowenien und der SR Kroatien, die bisher sehr exportorientiert waren und erhebliche Deviseneinnahmen aus dem Tourismus erzielen konnten.

Die Republiken Slowenien und Kroatien beginnen 1990, zunächst nicht mehr die vollen Steuern und Zölle an die Bundeskasse abzuführen und stellen ihre Zahlungen, auch die in den Republikenausgleichsfonds, dann ganz ein. Die Sparer, die von jeher ihre Ersparnisse überwiegend in Devisen angelegt haben, verlieren ab Mitte 1990 immer mehr das Vertrauen in das marode System. Immer mehr Sparer ziehen ihre Deviseneinlagen von den Banken ab oder vertrauen sie spekulativen Unternehmen wie der in Serbien neugegründeten Privatbank Jugoskandik an. Im Oktober 1990 wird die Situation kritisch, innerhalb weniger Tage fließen umgerechnet über 3 Milliarden Dollar ab. Als damit die Devisenreserven des Bundesstaates immer schneller dahinschmelzen und der Staatsbankrott nun nicht mehr abwendbar scheint, bleibt der Regierung Marković nichts anderes übrig, als sämtliche Devisenkonten zu sperren. Damit werden sämtliche Sparer, die sich ihre Einlagen noch nicht haben auszahlen lassen, faktisch enteignet.

Am 22. Januar 1990 verlassen die Delegierten der slowenischen und kroatischen Kommunisten den außerordentlichen Parteikongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, weil ihre Reformvorstellungen abgelehnt werden. Der Kongress wird vertagt, ohne dass er jemals wieder seine Arbeit aufnimmt. Diese Entwicklungen führen zum Auseinanderfallen der Kommunistischen Partei Jugoslawiens.

Im April 1990 werden erste demokratische Wahlen in den Teilrepubliken Slowenien und Kroatien abgehalten.

In Slowenien wird der Reformkommunist Milan Kučan zum Staatspräsidenten gewählt. Die Regierung wird vom Oppositionsbündnis „Demos“ gestellt. Sie erklärt im Juli die Souveränität Sloweniens und kündigt an, eine jugoslawische Konföderation mit anderen Republiken anzustreben. Dagegen kommen heftige Proteste aus Belgrad. Ein weiterer Konfliktpunkt ist der Wille der slowenischen Regierung, den Dienst ihrer Rekruten nur noch auf die Heimatregion zu beschränken. Es wird begonnen, eine eigene slowenische Bürgerwehr aufzustellen.

In Kroatien geht die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) unter Vorsitz von Franjo Tuđman als Sieger aus den Wahlen hervor. (Die Kommunisten hatten für sich einen relativen Wahlsieg erwartet und ein Wahlsystem unterstützt, das einen relativen Wahlsieger erheblich begünstigte). Die Serbische Partei erhielt etwa 12 Prozent der Stimmen, was dem serbischen Bevölkerungsanteil in Kroatien entspricht.

Slowenien und Kroatien legen einen Verfassungsentwurf für eine Umwandlung der jugoslawischen Föderation in die losere Form einer Konföderation vor.

Das kroatische Parlament führt in Kroatien Kroatisch als Amtssprache ein und schränkt den administrativen Gebrauch der kyrillischen Schrift ein. In den serbisch besiedelten Gebieten wird versucht, die kyrillisch beschrifteten Ortstafeln durch solche mit lateinischer Schrift zu ersetzen. Die Zahl der Polizisten, die Serben sind, soll auf 12 %, entsprechend dem Anteil an der Bevölkerung, reduziert werden. Das gleiche gilt für leitende Positionen im wirtschaftlichen Bereich. Andererseits wird den Serben kulturelle Autonomie und eigene Verwaltung der von ihnen bewohnten Gebiete angeboten. Den serbischen Parlamentsabgeordneten wird das Amt des stellvertretenden Parlamentspräsidenten und ihre Vertretung in einigen wichtigen Gremien zugesagt. Diese Angebote verhallen jedoch angesichts der auffälligen „Kroatisierungsmaßnahmen“. In einer geplanten Verfassungsrevision wird der serbische Bevölkerungsteil, der zuvor den Status eines „Staatsvolkes“ innehatte, zur „Minderheit“ herabgestuft, was den Verlust einiger staatsbürgerlicher Rechte zur Folge hat. Bei den Serben Kroatiens beginnen Proteste, die mit diesen Maßnahmen begründet werden. Die Proteste werden von Belgrad aus logistisch und ideologisch unterstützt. Ideologisch wird vor allem behauptet, die kroatische Regierung plane einen Völkermord an den Serben ähnlich wie im 2. Weltkrieg. Es kommt zu gewalttätigen Aufständen und Blockaden gegen Kroatien.

In Bosnien-Herzegowina wird der Bosniake Alija Izetbegović Staatspräsident. Im gleichen Jahr ließ er wieder eine Neuauflage der „Islamischen Deklaration“ drucken. Slowenien und Kroatien kündigen für Juni 1991 ihre Unabhängigkeit an, falls es bis dahin nicht zu einer politischen Neuordnung Jugoslawiens kommt. In Slowenien stimmen am 23. Dezember bei einer Volksabstimmung 88,5 % für die staatliche Souveränität Sloweniens und ein endgültiges Ausscheiden, falls die politische Neuordnung nicht erfolgt.

1991

1992

1993

1994

1995

[4]

seit 1996

1998

1999

2001

2004

Kriegsopfer

Zu den Zahlen der Kriegsopfer existieren unterschiedliche Angaben, die mitunter auch interessengeleitet sind.

Folgende offizielle Zahlen der Republiken zu den Kriegsopfern sind bekannt:

Gerichtsprozesse vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag

Der Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien verhandelt seit dem Jahr 1994 einen Teil der während der Kriege individuell als Einzelperson oder Teil einer Befehlskette begangenen Kriegsverbrechen.

13 Jahre nach Einreichung der Klage von Bosnien und Herzegowina gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien wurde am 26. Februar 2007 von dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag das Verfahren gegen den Staat Serbien und Montenegro beendet. Das Gericht entschied dabei, dass es sich bei dem Massaker von Srebrenica um Völkermord handelte, für den die Führer der Republika Srpska verantwortlich waren. Ein direkter Schuldspruch gegen Serbien wurde nicht gesprochen, allerdings wird Serbien vorgehalten, nicht alles Mögliche unternommen zu haben, den Völkermord zu verhindern.[5]

Die im Jahr 1999 eingereichte Klage Kroatiens gegen Serbien und Montenegro wird derzeit vom Gericht noch geprüft.

Quellen

  1. Çollaku, Bekim. 2003. A Just Final Settlement for Kosovo is Imperative for the Peace and Stability in the Region., M.A. Thesis: University of Newcastle.
  2. Bieber, Florian & Jenni Winterhagen: Ethnic Violence in Vojvodina: Glitch or Harbinger of Things to Come. Flensburg: European Center for Minority Issues. 2006, S. 4.
  3. Deutsche Fassung der Amselfeld-Rede Slobodan Miloševićs 1989 (rtf-Format)
  4. The military structure, strategy and tactics of the warring factions, Abschlussbericht der UN-Expertenkommisssion, 1992
  5. Urteil des Internationalen Gerichtshofs vom 26. Februar 2007

Siehe auch

Zur Rolle der Religion im Konflikt:

Literatur

Kinofilme