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Grafschaft Limburg

Dieser Artikel behandelt nicht das gleichnamige Herzogtum Limburg in den Niederlanden und Belgien.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Territorium

Die historische Grafschaft Limburg umfasste einen etwa 118 km² großen Bereich zwischen der unteren Lenne und der Ruhr.

Zur Grafschaft Limburg zählten im 17. Jahrhundert sieben Kirchspiele und Herrensitze Berchum, Elsey (Kloster), Ergste, Gerkendahl, Hennen, Letmathe und Ohle. Im Hoch- und Spätmittelalter gehörten auch die Herrschaften Broich und Styrum bei Mülheim an der Ruhr sowie die Herrschaften Bedburg und Hackenbroich bei Dormagen dazu. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen noch die Herrschaften Linnep bei Ratingen und Gemen bei Borken hinzu. Darüber hinaus besaßen die Regenten der Grafschaft zahlreiche Güter, Höfe und Rechtsansprüche im Bergischen Land, im Rheinland und in Westfalen.

Das bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches (1806) bestehende, 1808 aufgelöste kleine Territorium umfasste nach der preußischen Gebietsreform 1816 den westlichen Teil des Kreises Iserlohn mit den Gemeinden Berchum, Elsey, Ergste, Hennen, Letmathe (seit 1935 Stadt), Limburg an der Lenne (1876 umbenannt in Hohenlimburg und seit 1903 Stadt), Oestrich und Reh.

Seit 1975 erstreckt es sich auf den Stadtteil Ergste der Stadt Schwerte im Kreis Unna, die Stadtteile Hennen, Letmathe und Oestrich der Stadt Iserlohn im Märkischen Kreis und die Stadtteile Berchum, Elsey, Hohenlimburg und Reh der kreisfreien Stadt Hagen.

Entwicklung des Territoriums

Bis 1225 war das Gebiet der späteren Grafschaft Limburg ein Teil des Territoriums der Altena-Isenburger Linie der Grafschaft Altena (später Grafschaft Mark). Um 1220 entstand bei Elsey als Familienstiftung des Grafenhauses Isenberg das Kloster Elsey, das seit dem Spätmittelalter und bis zur Auflösung 1810 ein adeliges Damenstift war. Neben der Kirche in Hennen zählt die Stiftskirche in Elsey zu den ältesten erhaltenen Sakralbauten im Gebiet der früheren Grafschaft Limburg.

1226, ein Jahr nach dem Totschlag des Kölner Erzbischofs Engelbert I. von Köln durch Graf Friedrich II. von Isenburg bei Gevelsberg, wurde das Territorium der Grafen von Isenberg von seinem Cousin, Graf Adolf I. von der Mark, als „herrenloses Gut“ eingezogen.

Wahrscheinlich entstand zu dieser Zeit oder wenig später die Raffenburg der Erzbischöfe von Köln. Diese Befestigung sollte als Landesburg die Ostgrenze des Kölnischen Territoriums gegenüber der Grafschaft Mark und ab 1242 zusätzlich auch der Grafschaft Limburg sichern.

Regierende Grafenhäuser

Eine genaue und nachprüfbare genealogische Abfolge der Grafenhäuser ist schwierig. Regierende Häuser der Grafschaft Limburg waren:


Standesherrschaftliche Rechte (zum Beispiel Gerichtsbarkeit) durch die Fürsten von Bentheim-Tecklenburg von 1817 bis 1848. Die Schlossanlage und umfangreicher Grundbesitz in Hohenlimburg befinden sich noch heute im Eigentum des Fürstenhauses Bentheim-Tecklenburg.

Landesherrschaft im Mittelalter

Der Sohn Friedrichs von Isenberg, Graf Dietrich von Altena-Isenberg (* um 1215, † 1301), versuchte sein Erbe mit Hilfe seines Onkels, Herzog Heinrich von Limburg, der auch Graf von Berg war, militärisch durchzusetzen. Die Grafen, und später Herzöge, von Berg waren bis 1612 bzw. 1669 die Lehnsherren der Grafen von Limburg und dessen Nachfolger.

1242 erhielt Graf Dietrich von Altena-Isenberg einen kleinen Teil des väterlichen Territoriums, zwischen Ruhr, Lenne und Hönne. Er nennt sich fortan auch: von Limburg, nach seiner Mutter Sophie von Limburg. Weitere Besitztümer besaß Graf Dietrich im Kirchspiel Mülheim: den Altenhof und ein altes, königliches Hofgut in Styrum, wo er gemeinsam mit seinem Sohn Eberhard 1289 ein erstes Burghaus mit Befestigung errichtete. Ihre Nachfolger vermehrten den Besitz 1370 durch das Haus Vitinghof bei Neu-Isenburg in Essen, 1422 durch die Herrschaften Bedburg und Hackenbroich. Kleine Güter und Rechte an Höfen und Einnahmen besaß das Grafenhaus Limburg in Dortmund und bei Unna. Über das Grafenhaus Neuenahr-Alpen wurde im 16. Jahrhundert auch die Herrschaft Linnep bei Ratingen ein Zubehör der Grafschaft.

In Broich und Styrum bildeten sich im 13. und 14. Jahrhundert die Nebenlinien Limburg-Broich und Limburg-Styrum. Im Jahre 1372 fiel durch das Aussterben der Nebenlinie Broich die Herrschaft und das Schloss Broich an die Hauptlinie Limburg zurück. Durch Erbfolge gelangte Broich 1508 schließlich an das 1682 ausgestorbene Grafengeschlecht Daun-Falkenstein, die bis 1542 auch die Grafschaft und das Schloss Limburg besaßen. Das Haus Limburg-Styrum existiert noch heute.

Bitte beachten! Sehr problematisch ist hingegen die genealogische Einordnung der angeblich „direkten und noch lebenden Nachfahren“ der Grafen von Limburg in den Niederlanden, die der „Verein für Orts- und Heimatkunde Hohenlimburg e.V.“ auf der Grundlage der „Familienforschung“ eines Angehörigen dieser bürgerlichen Familie mit dem Nachnamen „van Limburg“ seit einigen Jahren als „Nachkommen Dietrich I.“ der Öffentlichkeit auf Veranstaltungen und in Publikationen präsentiert. Diese heimatkundlichen „Forschungsergebnisse“ müssen sehr kritisch betrachtet und rezipiert werden.

Erbstreitigkeiten um die Grafschaft

Das Grafenhaus Limburg war zum Ende des 15. Jahrhundert finanziell ruiniert, politisch angeschlagen und stand vor dem Aussterben. Die Linie Alpen des Grafenhauses Neuenahr versuchte seit dem 15. Jahrhundert in den Besitz der Grafschaft Limburg zu gelangen. Zwischen den Grafenhäusern Neuenahr und Limburg wurden Verhandlungen geführt und eine Heiratspolitik praktiziert.

1442 vermachte Graf Wilhelm von Limburg nach einem Erbvertrag von 1425 die Grafschaft Limburg seiner 1406 geborenen Tochter Margarethe, die mit Graf Gumprecht I. von Neuenahr verheiratet war. Bereits 1435 hatte das Ehepaar aus dem Besitz der Grafschaft die Herrschaft Bedburg erhalten.

Das Grafenhaus Neuenahr erlangten jedoch nur zur Hälfte den Besitz an der Grafschaft. Mit der Grafschaft und das Schloss Limburg wurde nach dem Tod von Graf Wilhelm I. von Limburg 1449 das Grafenhaus Limburg-Broich belehnt. Es kam zu einer Fehde zwischen den Grafen von Neuenahr, die das Schloss Hohenlimburg besetzt hielten, und den Grafen von Limburg-Broich. Die militärischen Aktionen führten zu keiner Lösung des Problems.

Um die Rechtsverhältnisse abschließend zu klären, unterwarfen sich die beiden Parteien 1460 nach den langjährigen Erbstreitigkeiten einem Schiedsspruch der Kurfürsten von Köln. Danach besaßen die Grafenhäuser Limburg-Broich und Neuenahr jeweils zur Hälfte Anteile am Besitz der Grafschaft Limburg. 1461 teilte sich das Haus Neuenahr in die Linien Alpen und Bedburg auf. Die Ansprüche auf die Grafschaft Limburg fielen an die Linie Neuenahr-Alpen.

Landesherrschaft in der Frühen Neuzeit

Die Grafen von Daun-Falkenstein

1505 ließ sich Graf Gumprecht II. von Neuenahr-Alpen, der hohe politische Ämter in der Reichsverwaltung bekleidete, durch Kaiser Maximilian mit der Grafschaft Limburg belehen.

Die Grafschaft war jedoch keine Reichsgrafschaft, so dass der Kaiser nicht der eigentliche Ansprechpartner war, sondern stand unter der Lehnsherrschaft der Herzöge von Berg. Graf Johann von Limburg hatte seine adoptierte Erbtochter Irmgard von Sayn 1505 mit Graf Wirich V. von Daun-Falkenstein verheiratet. Mit Graf Johann starb 1511 der letzte männliche Vertreter der alten Linie Limburg und Limburg-Broich.

Die Grafen von Daun-Falkenstein wurden als Nachfolger der Grafen von Limburg-Broich mit dem Erbteil belehnt. Auf diesem Weg gelangten sie auch in den Besitz der Grafschaft Limburg. Graf Wirich V. von Daun-Falkenstein war ein einflussreicher Hofrat der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg. Auch übte er 1535 das Amt des Oberbefehlshabers der kaiserlichen und erzbischöflichen Truppen aus, die das Täuferreich in Münster belagerten und niederschlugen.

Die Grafen von Neuenahr erlangen die Landesherrschaft

1542 schenkte Graf Wyrich seiner Tochter Amöna im Ehevertrag mit Graf Gumprecht IV. von Neuenahr-Alpen die Grafschaft Limburg mit Zubehör und Rechten. Gumprecht IV. wurde im Mai 1546 durch die Herzöge von Berg mit der Grafschaft Limburg belehnt. Nach seinem Tod um 1550 erbte sein einziger Sohn Adolph die Besitztümer. Adolph und seine Schwester Magdalena wurden am Hof des reformationsgeschichtlich bedeutenden Grafen Hermann von Neuenahr-Bedburg in Moers erzogen.

Ab 1572 trat Adolph als Regent in Erscheinung. Er heiratete seine rund 20 Jahre ältere Tante Walburga und erbte so nach dem Tod seines Onkels Hermann den umfangreichen Besitz der Grafen von Neuenahr-Bedburg am Niederrhein.

Zwischen 1583 und 1589 war Graf Adolph eine führende Gestalt im Kölner Krieg und befehligte das Heer des abtrünnigen Erzbischofs Gebhard I. von Waldburg. Bereits 1584 eroberten Truppen des Kaisers und des neuen Erzbischofs Ernst von Bayern die Territorien von Graf Adolph. Nach mehrwöchiger Belagerung fiel auch Schloss Hohenlimburg in die Hände dieser Truppen, die erst 1610 die Grafschaft Limburg verließen.

Das Grafenhaus Bentheim-Tecklenburg

Der frühe und kinderlose Tod von Graf Adolph von Neuenahr, Limburg und Moers 1589 bei einer Sprengstoffexplosion in Arnheim führte zu Erbstreitigkeiten. Ansprüche auf die Grafschaft und den Besitz wurden unter anderem von Graf Wyrich VI. von Daun-Falkenstein gestellt.

1592 wurde der Erbstreit durch die Belehnung des Grafen Arnold von Bentheim, der mit Magdalena von Neuenahr verheiratet war, entschieden. Da die Grafschaft und das Schloss Limburg seit 1584 und bis 1610 durch kölnische Truppen besetzt war, trat Graf Konrad Gumprecht I. von Bentheim erst 1612 die Regentschaft an.

Auf seinen frühen Tod 1619 folgte eine Krise. Seine Ehefrau Johannetta Elisabeth, Gräfin von Nassau-Dillenburg, übernahm für den gemeinsamen Sohn Wilhelm die vormundschaftliche Regentschaft. Als Wilhelm 1626 starb, erlosch auch die Nebenlinie Limburg des Grafenhauses Bentheim. Die Grafschaft wurde bis 1654 vertretungsweise durch Gräfin Johannetta Elisabeth regiert und fiel anschließend an den neuen Landesherrn Graf Moritz zu Bentheim-Tecklenburg.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bevölkerung der Grafschaft durch zahlreiche Einquartierungen, Brandschatzungen, Plünderungen und vieles mehr stark betroffen. Zwischen 1633 und 1636 wurde das Schloss und die Ortschaft von kaiserlichen Truppen und dem Generalwachtmeister von Bönninghausen besetzt gehalten. 1636 brach eine große Pestepidemie aus, die Hunderte von Todesopfer unter der Bevölkerung forderte.

Nur durch das Eingreifen des Grafen später Fürsten Johann Heinrich Ludwig von Nassau-Hadamar, Bruder der Gräfin Johannetta Elisabeth und Gesandter am kaiserlichen Hof sowie bei den Friedensverhandlungen in Münster, konnte die Grafschaft für das Haus Bentheim-Tecklenburg vor Ansprüchen des brandenburgischen Kurfürstenhauses gerettet werden.

Nach einem Vergleich mit seinem Bruder Johann Adolf nahm 1681 Graf Friedrich Moritz zu Bentheim-Tecklenburg seine ständige Residenz auf dem Schloss Hohenlimburg. Er übte bis zu seinem Tod die Landesherrschaft in der Grafschaft Limburg aus. 1709 verlieh er der Ortschaft Limburg erweiterte Freiheitsprivilegien. Nach dem Tod seines Brudes Johann Adolf, der keine männlichen Nachfolger hinterließ, trat Graf Friedrich Moritz 1704 auch die Regentschaft in den übrigen Territorien des Grafenhauses an. Bereits 1707 verlor das Grafenhaus die restlichen Anteile an der Reichsgrafschaft Tecklenburg an Preußen. Als Herrschaft war dem Grafenhaus Bentheim-Tecklenburg der volle Besitz der Grafschaft Limburg und ein Anteil von 3/4 an der Herrschaft Rheda geblieben.

Eine letzte Blütezeit erlebte die Grafschaft Limburg in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Graf Moritz Casimir I., der Graf Friedrich Moritz und seiner Mutter Christiane Marie von Lippe-Brake, die bis um 1720 für ihren Sohn regierte, nachfolgte. Ab 1720 diente das Schloss als Hauptresidenz der Grafen von Bentheim-Tecklenburg. Auf dem Schloss und in der Grafschaft entwickelte sich ein reiches gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben, das Auswirkungen bis in das 19. Jahrhundert haben sollte.

1729 erlangte Graf Moritz Casimir I. von Bentheim-Tecklenburg im Berliner Vergleich mit Preußen die volle Lehnshoheit über sein Territorium. Gegen die Zahlung einer hohen Geldsumme sowie den Verzicht auf alle bestehenden und zukünftigen Ansprüche an der Grafschaft Tecklenburg wurde die Grafschaft Limburg reichsunmittelbar und von Preußen gegenüber dem Reich vertreten. Die Herrschaft Rheda gelangte in den Vollbesitz des Grafenhauses.

1756 verlegte Graf Moritz Casimir I. die Hauptresidenz nach Rheda. Seit dieser Zeit diente das Schloss Hohenlimburg nur noch als Sitz der Landesverwaltung und Nebenresidenz für Angehörige des Grafenhauses.

Ende der Grafschaft Limburg

Nach dem Ende des Alten Reichs im August 1806 war die Grafschaft unter dem Landesherrn Graf Emil Friedrich I. zu Bentheim-Tecklenburg für kurze Zeit ein souveräner Kleinstaat.

Napoleon ergriff 1808 Besitz über die Region:

Im Jahre 1813 kam die Grafschaft provisorisch zu Preußen.

Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde die Grafschaft dann endgültig Preußen zugesprochen. Seit 1817 war das Gebiet ein Teil des preußischen Kreises Iserlohn. Der westliche Teil des früheren Territoriums mit Hohenlimburg wurde 1975 ein Teil der kreisfreien Stadt Hagen; die östlichen Teile gehören heute zu den Städten Schwerte im Kreis Unna und Iserlohn im Märkischen Kreis.

Literatur