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Vierjahresplan

Der Vierjahresplan war ein nationalsozialistisches Programm zur Aufrüstung und diente zur Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs. Er wurde auf dem Reichsparteitag 1936 verkündet und lief im Oktober des selben Jahres an.

Inhaltsverzeichnis

Der Plan

Ziel war die Ausrichtung der Wirtschaft auf die beschleunigte Rüstung und Autarkie, da Deutschland mit seiner Rohstoffabhängigkeit vom Ausland sonst keinen Krieg führen konnte. Der Vierjahresplan wurde durch eine geheime Denkschrift Adolf Hitlers befohlen. Diese war eingeleitet mit der Feststellung, dass ein Krieg mit der Sowjetunion unvermeidlich sei. Die Denkschrift beruhte auf Materialien, die der I.G.-Farben-Konzern ausgearbeitet hatte. Folgerichtig wurden dann in der neu geschaffenen Vierjahresplanbehörde hauptsächlich Vertreter der I.G. Farben beschäftigt.

Die zentralen Forderungen des Vierjahresplans waren:

  1. Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein.
  2. Die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein.[1]

Hermann Göring, der Vertrauensmann der I.G. Farben, trug die Denkschrift in einer Kabinettssitzung am 4. September 1936 vor. Er erörterte die Pläne mit den Worten: "Sie geht von dem Grundgedanken aus, dass die Auseinandersetzung mit Russland unvermeidbar ist." Er schloss die Kabinettssitzung mit dem Hinweis: "Alle Maßnahmen haben so zu erfolgen, als ob wir im Stadium der drohenden Kriegsgefahr uns befänden."[2]

Die Methoden waren durch Rohstoffkontingentierung, Investitionen sowie Lenkung des Arbeitseinsatzes gekennzeichnet. Unter anderem war es das Ziel, die Autarkie der deutschen Wirtschaft mit Hilfe der unrentablen Erzeugung synthetischer Rohstoffe (Synthetisches Benzin, Buna, Sprengstoff und Dünger) zu erreichen.

Im Rahmen des Vierjahrsplans gründete die Nazi-Regierung unter anderem die Reichswerke Hermann Göring, die dem unrentablen Abbau von erzarmen Eisenerzen dienten. Als Verantwortlicher wurde Göring eingesetzt. Der Vierjahresplan war nicht besonders effektiv organisiert. Dennoch konnte eine beträchtliche Steigerung der Wirtschaftsleistung erreicht werden. Was bei besserer Organisation möglich gewesen wäre, zeigte sich ab 1942, als unter Leitung Albert Speers unter Kriegsbedingungen die Produktion innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt wurde.

Am 17. Dezember 1936 hielt Göring, vor über 100 Industriellen im Preußenhaus, eine Rede über die Durchführung des Vierjahresplans, in dieser Rede äußerte er:

"Die Auseinandersetzung, der wir entgegengehen, verlangt ein riesiges Ausmaß von Leistungsfähigkeit. Es ist kein Ende der Aufrüstung abzusehen. Allein entscheidend ist hier der Sieg oder Untergang. [...] Wir stehen bereits in der Mobilmachung und im Krieg, es wird nur noch nicht geschossen"[3]

Gegenüber der Öffentlichkeit verkündete Göring am 28. Oktober 1936 im Berliner Sportpalast den "Vierjahresplan" als eine Konzeption zur Sicherung der Ernährung des Volkes.

Nach dieser Denkschrift Hitlers war der Vierjahresplan nur als vorübergehende Lösung anzusehen („Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes.“). Demgemäß wurde ab 1941 die Planung zunächst unter Todt und nach dessen Tod ab Februar 1942 unter Speer völlig auf die totale Kriegswirtschaft umgestellt.

Hermann Göring wurde "Bevollmächtigter für den Vierjahresplan", womit seine Macht im Dritten Reich noch weiter stieg. Der Plan löste den Neuen Plan Hjalmar Schachts ab. Durch die Ernennung Görings wurde die Macht von Hjalmar Schacht beschnitten, der sich bald genötigt sah, von seinem Posten als Wirtschaftsminister zurückzutreten.

Siehe auch

Literatur

Anmerkungen

  1. Wolfgang Michalka: Deutsche Geschichte 1939-1945. Frankfurt am Main 1999, S. 112
  2. Michalka, S. 112 f
  3. Nürnberger Dokument NI-051, Zitiert nach: Wilhelm Treue: Das Dritte Reich und die Westmächte auf dem Balkan. in: VfZ 1/1953, S. 53 f; Auszug online in Englisch
 Wikisource: Verordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes – Quellentexte