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USS Pueblo (AGER-2)

Die USS Pueblo (AGER-2) ist ein Aufklärungsschiff der US-Marine, das im Jahr 1968 durch die Kaperung durch die nordkoreanische Marine besondere Berühmtheit erlangt hat. Es befindet sich noch heute im Besitz Nordkoreas und ist damit das weltweit einzige Schiff der US-Marine, das sich in den Händen einer fremden Macht befindet.

Die weit verbreitete Annahme, dass die USS Pueblo das erste von einer feindlichen Macht gekaperte Schiff der US-Marine seit der USS Philadelphia im Jahre 1803 sei, ist insofern falsch, als am 8. Dezember 1941 das Kanonenboot USS Wake im Hafen von Shanghai von japanischen Soldaten besetzt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Das Schiff wurde in der Werft Kewaunee Shipbuilding and Engineerung Co. in Kewaunee im US-Bundesstaat Wisconsin gebaut und lief am 16. April 1944 als Frachter FS-344 vom Stapel. 1954 wurde sie der Reserveflotte zugeteilt. Am 12. April 1966 wurde sie erneut von der US-Marine in Dienst gestellt und in USS Pueblo (nach der Stadt Pueblo im US-Bundesstaat Colorado) umgetauft. Ursprünglich diente sie als leichter Frachter. In den folgenden anderthalb Jahren baute die Marinewerft Puget Sound Naval Shipyard in Bremerton im Bundesstaat Washington, das Schiff zu einem elektronischen Spionageschiff um, das im Mai 1967 seiner Bestimmung übergeben wurde. Offiziell wurde sie als Umweltforschungsschiff (AGER-2) deklariert. AGER (Auxiliary General Environmental Research) bezeichnet ein gemeinsames Programm von US-Marine und des Geheimdienstes NSA. Die USS Pueblo besaß eine Verdrängung von 909 Tonnen und wurde von zwei Dieselmotoren angetrieben, die ihr zu einer Höchstgeschwindigkeit von 12,7 Knoten verhalfen. Sie war mit zwei Maschinengewehren bewaffnet und besaß Unterkünfte für sechs Offiziere und 70 Unteroffiziere und Mannschaften.

Nach verschiedenen Übungen vor der amerikanischen Westküste wurde die Pueblo am 6. November 1967 ins japanische Yokosuka verlegt. Am 13. November 1967 erreichte sie Pearl Harbor auf Hawaii.

Ablauf der Ereignisse

Am 11. Januar verließ die Pueblo den japanischen Hafen Sasebo mit der Anweisung, sowjetische und nordkoreanische Aktivitäten innerhalb der Tsushima-Straße zu überwachen.

Am 21. Januar näherte sich ein U-Boot-Jäger der sowjetischen SO-I-Klasse bis auf wenige Seemeilen der Pueblo.

Am nächsten Tag näherten sich zwei nordkoreanische Fischkutter der Lenta-Klasse der Pueblo bis auf etwa 20 Meter. An diesem Tag versuchte eine nordkoreanische Einheit, südkoreanische Führer zu ermorden, aber die Besatzung der Pueblo wurde darüber nicht informiert.

Am 23. Januar näherte sich wiederum ein U-Boot-Jäger der Pueblo und forderte sie auf, ihre Nationalität zu nennen. Daraufhin wurde auf der Pueblo die amerikanische Flagge gehisst. Nach eigener Positionsbestimmung befand sich die Pueblo zu diesem Zeitpunkt außerhalb des nordkoreanischen Hoheitsgebiets.

Das nordkoreanische Schiff befahl der Pueblo, anzuhalten und drohte damit, das Feuer zu eröffnen. Die Pueblo versuchte, zu entkommen, war aber wesentlich langsamer als der U-Boot-Jäger. Zudem erschienen drei Torpedoboote an der Kimm, wenig später zusätzlich zwei MiG-21 und ein viertes Torpedoboot. Die Maschinengewehre der Pueblo waren in Wetterplanen eingepackt und ihre Munition befand sich unter Deck. Die Maschinengewehre waren nicht geladen und es wurde nicht versucht, sie zu bemannen.

Die nordkoreanischen Schiffe versuchten, die Pueblo zu entern, wurden aber durch Ausweichmanöver der Pueblo daran gehindert. Daraufhin eröffnete ein Torpedoboot das Feuer mit einer 55 mm-Kanone. Die kleineren Schiffe feuerten Maschinengewehrsalven auf die Pueblo, die sich daraufhin ergab. Obwohl die Besatzung der Pueblo mit der Vernichtung der geheimen Informationen begonnen hatte, war es ihr wegen der ungeheuren Menge unmöglich, das ganze Material zu zerstören. Lediglich 90% konnte vernichtet werden, da die über Bord geworfenen Gegenstände und der aufsteigende Rauch verbrannter Chiffriertabellen den nordkoreanischen Einheiten sofort verdächtig vorkamen.

Zwischenzeitlich war das Oberkommando der amerikanischen Pazifikflotte über den Vorfall informiert worden. Der Besatzung wurde Hilfe versprochen, die aber niemals ankommen sollte. Offenbar wollte niemand die Verantwortung für einen Angriff auf die nordkoreanischen Schiffe tragen. Als Präsident Lyndon Johnson geweckt wurde, war die Pueblo bereits gekapert.

Die Pueblo folgte den nordkoreanischen Schiffen zunächst wie befohlen, stoppte aber plötzlich außerhalb nordkoreanischen Hoheitsgewässern. Daraufhin wurde sie erneut unter Beschuss genommen und ein amerikanischer Matrose, Duane Hodges, wurde getötet. Nordkoreanische Soldaten gingen an Bord, fesselten die Mitglieder der Besatzung, verbanden ihnen die Augen und schlugen mit AK-47-Gewehren auf sie ein.

Am 26. Januar 1968 flog der CIA-Pilot Frank Murray mit einer Lockheed A-12 einen Aufklärungsflug über Nordkorea, um die Pueblo zu finden. Viermal flog er dabei nach Nord und Süd, um Fotos des Gebietes zu machen, in dem er das Schiff gefunden hatte. Am 8. Mai 1968 flog der CIA-Pilot Jack Layton ein weiteres Mal über Nordkorea.

Nachspiel

Die Pueblo wurde in den nordkoreanischen Hafen Wŏnsan gebracht. Die Besatzung wurde in Gefangenenlager gebracht und dort nach eigenen Angaben misshandelt und gefoltert. Die Behandlung verschlimmerte sich, als die Nordkoreaner bemerkten, dass Mitglieder der Besatzung auf inszenierten Propagandafotos ihre Bewacher hinter deren Rücken verunglimpften.[1] Auf einem dieser Fotos – das auf den ersten Blick die entspannt lächelnde Besatzung zeigt – verwendet die Besatzung zudem verdeckt Zeichensprache, die das Wort Snowjob (in der amerikanischen Umgangssprache Lüge, Vertuschung) darstellt. Das Foto wurde von den Nordkoreanern anfangs mit der Begründung veröffentlicht, dass die Besatzung überlaufen wolle.

Nach dem schriftlichen Zugeständnis der US-Regierung, dass es sich bei der USS Pueblo um ein Spionageschiff handelte, einer Entschuldigung und einer Zusicherung, dass die USA in Zukunft keine Spionage mehr betreiben würde, wurden die 82 verbliebenen Besatzungsmitglieder freigelassen. Am 23. Dezember 1968 wurde die Besatzung mit Bussen zur innerkoreanischen Grenze in der Demilitarisierten Zone gebracht und über die „Brücke ohne Wiederkehr“ in die Freiheit entlassen. Die USA zogen daraufhin ihr Zugeständnis als erpresst zurück. Lloyd Bucher, Kommandant der Pueblo und alle verantwortlichen Offiziere wurden vor ein Untersuchungsgericht der US-Marine gestellt, das schließlich ein Kriegsgerichtsverfahren für den Kommandanten sowie Leutnant Steve Harris empfahl. Aber der Marineminister, John Chafee, lehnte die Empfehlung ab. Der Kommandant wurde niemals verurteilt und blieb bis zu seinem Ruhestand in der Marine.

Die USS Pueblo wurde zunächst in Wonsan der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im November 1998 gelang es Nordkorea, dass Schiff gut getarnt auf dem Seeweg um die koreanische Halbinsel in die Hauptstadt Pjöngjang zu überführen. Sie befindet sich heute im dortigen Hafen und ist eine der größten Touristenattraktionen Nordkoreas.[2]

Einzelnachweise

  1. [1]
  2. Francis Landikrov: Vor 40 Jahren – Der USS PUEBLO Zwischenfall, in Marineforum 1/2-2008 S.39f

Koordinaten: 38° 59′ 28″ n. Br., 125° 43′ 31″ ö. L.