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Kleinstadt

Kleinstädte sind nach einer Begriffsbestimmung der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 alle Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen 5.000 und 20.000. Städte mit weniger als 5.000 Einwohnern sind Landstädte, größere Stufen sind die Mittelstadt mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern und die Großstadt ab 100.000 Einwohnern.

Die Definition Kleinstadt anhand statistischer Merkmale wie sie in Form der Einwohnerzahl zwischen 5.000 und 20.000 vorgegeben ist, ist eine feste, quantitative Größe für ihre Kategorisierung, jedoch nicht das einzige prägende Merkmal. Ebenso wichtig für die Charakterisierung sind Bevölkerungsdichte oder die geografische Lage (periphere oder suburbane Areale) etc. Aus diesen Faktoren ergibt sich auch eine ganz spezifische Organisation des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Inhaltsverzeichnis

Raumpolitische Einbindung

Die klassische raumordnungspolitische Zuordnung von Kleinstädten basiert auf dem geographischen Raumordnungskonzept der Zentralen Orte. Dieses Konzept beinhaltet eine vierfache Stufung von Siedlungstypen in Ober-, Mittel-, Unter- und Kleinzentren.[1] In dieser Hierarchie finden wir die Kleinstädte in einer relativ niedrigen Ebene wieder, die sowohl infrastrukturell abhängig sind von den nächst größeren Siedlungen, als auch selbst einen Bedeutungsüberschuss gegenüber kleineren ländlichen Siedlungen (Versorgungsfunktion) besitzen. Dieses Konzept ist mittlerweile durch neuere Modelle, welche aktuellere Entwicklungen erfassen, in Frage gestellt.[2] Der Trend geht eher dahin, dass Kleinstädte mehr und mehr nur noch der Kategorie der untersten Stufe entsprechen, also lediglich die Grundversorgung der Bevölkerung gewährleisten können.

Wirtschaftsstruktur

Kleinstädte sind in der Regel wirtschaftlich spezialisiert, z.B. als Agrokleinstadt, Industrie-, Tourismus- oder Gewerbekleinstadt. Das ist zum einen im Zusammenhang mit der Größe der Kleinstadt und zum anderen mit ihrer wirtschaftshistorischen Tradition zu sehen.[3]

Sozialstruktur

Von der Sozialstruktur her ist die Kleinstadt durch eine Form partieller, auch gruppenspezifischer, sozialer Kontakte geprägt. Dies ermöglicht im Gegensatz zu den Kernstädten innerhalb großer Agglomerationen einen überschaubaren Wahrnehmungsraum. Gleichzeitig dient die soziale Kontrolle auch als Instrument der Eingliederung des Einzelnen in eine territoriale Gruppe.[4]

Bezüglich der Arbeitsmarktfunktion von Kleinstädten als Teil der Gruppe "Zentrale Orte" sind folgende Charakteristika erkennbar. In der räumliche Struktur ist die Kleinstadt als eine zentrierte Arbeitsmarktregion erkennbar, die Arbeitsplätze insbesondere für die Bevölkerung aus dem ländlichen Raum bereit hält. In Ihrer Verflechtung dominieren regionale Hierarchien. Das Arbeitsplatzspektrum ist relativ groß und liegt damit über dem der als Reviere charakterisierten Agglomerationen und dem Arbeitsmarktspektrum des ländlichen Raums. Bezüglich der Karrieremöglichkeiten ist in den zentralen Orten lediglich ein bescheidener Aufstieg möglich. Gleichzeitig kennzeichnet die Kleinstadt eine geringe Erwerbsquote weiblicher Bevölkerungsteile, die allerdings abhängig ist von biographischen Einschnitten.[5]

Einzelnachweise

  1. Akademie für Raumentwicklung und Landesplanung (ARL) (1995): Handwörterbuch der Raumordnung, S.1120ff ISBN 3-88838-507-5
  2. Blotevogel, H.H.. (1996): Zur Kontroverse um den Stellenwert des Zentrale-Orte-Konzepts in der Raumentwicklungspolitik heute, S. 654 In: Information zur Raumentwicklung (Heft 10/1996), S. 647-654 ISSN 0303-2493
  3. Stewig, R. (Hrsg.) (1987): Untersuchungen über die Kleinstadt in Schleswig-Holstein, S. 8ff, Kieler Geographische Schriften (Band 66) ISSN 0723-9874
  4. E. Lichtenberger (1998): Stadtgeographie 1: Begriffe, Konzepte, Modelle, Prozesse, S. 307f. ISBN 3-519-23424-6)
  5. E. Lichtenberger (1998): Stadtgeographie 1: Begriffe, Konzepte, Modelle, Prozesse, S. 309. ISBN 3-519-23424-6)

Literatur