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Slowakischer Nationalaufstand

Der Slowakische Nationalaufstand (Slovenské národné povstanie, SNP) gegen das dem nationalsozialistischen Deutschland dienende slowakische Tiso-Regime begann am 29. August 1944. Wie schon der Warschauer Aufstand (ab 1. August 1944) fand der slowakische Nationalaufstand im unmittelbaren Zusammenhang mit der militärischen Befreiung des Landes von außen statt und wie dieser wurde er von der Besatzungsmacht niedergeschlagen.

Der Aufstand ging von beträchtlichen Teilen der slowakischen Armee aus, die aus etwa 60.000 Mann bestand, und von Partisaneneinheiten, die etwa 7.000 Mann stark waren, allerdings nicht ausreichend bewaffnet.

Der Slowakische Nationalrat bildete das politische Zentrum des Aufstandes. Er berief ein Militärzentrum, an dessen Spitze der Stabschef der Landstreitkräfte in Banská Bystrica, Jan Golian stand. Das Militärzentrum plante, dass das 1. Slowakische Armeekorps die Gebirgspässe für die Rote Armee öffnen sollte. Allerdings wurde die Rote Armee sehr spät über diesen Plan und die operative Ausführung informiert.

Das deutsche Oberkommando reagierte sofort: Noch am Tage des Aufstandes wurden fünf improvisierte gut ausgerüstete Kampfgruppen, zusammen etwa 10.000 Mann stark, in die Slowakei entsandt und drei Tage später das slowakische 1. Armeekorps in der Ostslowakei entwaffnet. Die Hälfte seiner Soldaten konnte sich der Kriegsgefangenenschaft entziehen und schloss sich den Partisanen an. Die Deutschen besetzten die Westslowakei in kurzer Zeit und nahmen die starken Garnisonen Bratislava und Nitra kampflos.

Das Zentrum des slowakischen Nationalaufstandes gegen die Nationalsozialisten war Banská Bystrica (dt. Neusohl). Sowjetische Flugzeuge lieferten jede Nacht Waffen, Munition und Medikamente und überführten bis zum 20. Oktober die 2. Tschechoslowakische Luftlandebrigade in das Aufstandgebiet. Die Aufständischen hielten das Gebiet gegen den Angriff der Deutschen fast zwei Monate lang, vom 29. August bis Ende Oktober 1944.

Die Rote Armee stieß beim Duklapass und anderen Pässen auf die deutsche 1. Panzerarmee. Wegen der Niederlage des 1. slowakischen Armeekorps waren die Pässe nicht freigekämpft, das deutsche OKW hatte die eingesetzten Verbände verstärkt, um einen Durchbruch zum Aufstandsgebiet zu verhindern. Bis Ende Oktober 1944 gelang es der Roten Armee nur, die deutsche Verteidigung um 50 km zurückzudrängen. Die Wehrmacht stellte daraufhin fünf Divisionen und zwei Kampfgruppen für einen Angriff bereit.

Die entscheidende Offensive gegen die Aufständischen begann am 17. Oktober von Ungarn aus. Am 27. Oktober fiel Banská Bystrica und die Aufständischen wurden inhaftiert, desertierten oder liefen zu den Partisanen über, die den Widerstand bis zum Kriegsende fortführten.

Bei der Verfolgung der Aufständischen kamen neben dem deutschen Militär auch die SS-Truppe Heimatschutz, welche sich aus bewaffneten Einheiten slowakischer Deutscher rekrutierte und die Hlinka-Gardisten zum Einsatz. Dörfer wie Nemecká, Kalište und Telgárt wurden wegen Beteiligung und Unterstützung des Aufstandes niedergebrannt, die Männer in Konzentrationslager gebracht oder gleich auf der Stelle erschossen.

Der Aufstand mit seinen etwa 20.000 Opfern wurde später von der kommunistischen Geschichtsschreibung ausgeschmückt und glorifiziert, wird heute jedoch einer ausgewogeneren Betrachtung unterzogen. Unter anderem werden auch Morde und Grausamkeiten an der karpatendeutschen Bevölkerung, z.B. in Sklené (Glaserhau), Banská Bystrica (Neusohl), Banská Štiavnica (Schemnitz), Veľké Pole (Hochwies), Ružomberok (Rosenberg), Nitrianske Pravno (Deutschproben) und Handlová (Krickerhau) berücksichtigt.

Literatur


 Commons: Slovak National Uprising – Bilder, Videos und Audiodateien