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Consulat

Das Konsulat (lateinisch consulatus), das Amt eines Konsuls (lateinisch consul[1]), war das höchste zivile und militärische Amt der Ämterlaufbahn (cursus honorum) im Römischen Reich. Es wurden jährlich jeweils zwei Konsuln vom römischen Volk gewählt. Seit 153 v. Chr. traten sie ihr Amt am 1. Januar an, der seither als Jahresanfang galt, denn die Konsuln waren die eponymen (gr. namensgebenden) Beamten Roms, nach denen also die Jahre benannt wurden (siehe Liste der römischen Konsuln). Als Jahresnennung wurden die Namen der beiden Konsuln hintereinander im Ablativ angegeben, z. B. bedeutet die Angabe Cn. Domitio C. Sosio consulibus zu einem Ereignis, dass es sich im Jahr 32 v. Chr. ereignete. Ein ehemaliger Konsul (consularius bzw. Konsular) war stets besonders angesehen und gehörte zur senatorischen Elite.

Inhaltsverzeichnis

Römische Republik

Eingeführt wurde das (auch: der) Konsulat angeblich 509 v. Chr. mit dem Sturz des letzten römischen Königs, als Lucius Iunius Brutus der erste Konsul Roms geworden sein soll. Es bestand bis in die Spätantike, verlor aber mit dem Beginn der Kaiserzeit einen Großteil seiner politischen Bedeutung und Macht. In der Frühzeit der Republik mussten die Amtsträger dem Stand der Patrizier angehören, was sich erst 367 v. Chr. durch die leges Liciniae Sextiae änderte. Sie ermöglichte auch den Plebejern den Zugang. Verschiedene Althistoriker gehen heute davon aus, dass das Konsulat erst in dieser Zeit geschaffen wurde, während zuvor ein einziger Oberbeamter, der Praetor maximus, an der Spitze des Staates gestanden habe.

In der Republik wurden die Konsuln von den Centuriatskomitien gewählt. Die Voraussetzung für eine Bewerbung um das Amt des Konsuls war die Bekleidung der Ämter des cursus honorum. Bewerber mussten gegen Ende der Republik ein Mindestalter von 43 Jahren haben, um zu kandidieren. Um eine Alleinherrschaft und Machtmissbrauch zu verhindern, war die Ausübung des Amtes auf ein Jahr begrenzt (Annuität) und gleichberechtigt auf zwei Konsuln aufgeteilt (Kollegialität). Jeder Konsul konnte mit seinem Veto (lat. ich verbiete) die Entscheidungen seines Kollegen aufheben. Starb ein Konsul während der Ausübung seiner Tätigkeit oder legte sein Amt nieder, so wurde ein consul suffectus (Suffektkonsul = Ersatzkonsul) nachgewählt.

Die Konsuln hatten mit den Prätoren gemeinsam als einzige römische Magistrate das Imperium inne, das heißt, innerhalb ihrer Amtsführung konnte nur von ihrem jeweiligen collega, vom Senat oder einem Volkstribun eine Entscheidung rückgängig gemacht bzw. gestoppt werden. Das Imperium beinhaltete zudem das Recht zur Truppenführung. (In der späteren Zeit der Republik erlangten auch die kurulischen Aedilen das Imperium.)

Die Konsuln hatten den Vorsitz des Senats inne, worin sie sich monatlich abwechselten. Ihnen stand der militärische Oberbefehl zu, bei dem sie sich im Kriegsfall täglich abwechselten, sofern beide gemeinsam bei einem Heer waren. Sie brachten Gesetzesanträge im Senat ein, deren Ausführung die Quästoren überwachen mussten. Zu ihren Aufgaben gehörte außerdem die Einweihung von Tempeln, der Vollzug von Opferungen und die Auspizien. Die den Konsuln obliegenden Verwaltungsaufgaben wurden mit der Zeit zunehmend auf andere Amtsträger übertragen, so dass das Konsulat vor allem ein politisches Amt war.

Die äußeren Erkennungsmerkmale eines Konsuls waren das Anrecht auf den kurulischen Stuhl, die toga praetexta und zwölf Liktoren.

Ein großer Teil der gewählten Amtsträger entstammte den alteingesessenen Familien, die bereits in früheren Jahren einen Konsul gestellt hatten. Erreichte ein Bürger als erstes Mitglied seiner Familie (als homo novus) das Konsulat, so kam dies einer Aufnahme in die römische Nobilität gleich. Dies geschah am Ende der Römischen Republik nur noch selten, in der Kaiserzeit dafür wieder umso häufiger.

Das Amt eines Konsuls – wie auch die anderen Staatsämter – wurde nicht entlohnt, sondern es wurde im Gegenteil erwartet, dass die Amtsträger eigenes Vermögen in den Staatshaushalt einbrachten. Einen Ausgleich dafür stellte die prokonsularische Zeit dar, in der den aus dem Amt geschiedenen Konsuln eine prokonsularische Provinz zur Verwaltung zugewiesen wurde, meist für eine Dauer von einem oder zwei Jahren. Sie regierten dort als Statthalter mit militärischem Kommando (pro consule) (im Gegensatz zu den ehemaligen Prätoren, die meist als Statthalter ohne militärisches Kommando entsandt wurden, auch wenn sie prinzipiell ebenfalls über ein imperium verfügten). Die ehemaligen Konsuln, die Consulares, bildeten eine sehr einflussreiche Gruppe im römischen Senat. Seit der späten Republik war die Bekleidung des Amtes gleichbedeutend mit der Aufnahme in die Nobilität: der Konsul und seine direkten Nachfahren waren damit faktisch geadelt.

Kaiserzeit und Spätantike

In der Kaiserzeit verlor das Amt sehr bald jeden realen politischen Einfluss und wurde nun vom Kaiser verliehen, es war aber noch in der Spätantike weiterhin höchst angesehen und sehr begehrt, da es nach wie vor den Zugang zur Reichsaristokratie bedeutete. Oftmals bekleideten die Konsuln ihr Amt nun nur noch für einige Monate, um Nachrückern (Suffektkonsuln) ebenfalls die Nobilitierung zu ermöglichen. Daher galt es als besonders ehrenvoll, als „ordentlicher Konsul“ (consul ordinarius) dem Jahr den Namen zu geben, und die größte Ehre war es, als Kollege eines Kaisers das Amt zu bekleiden. Im Oströmischen Reich wurde das Konsulat dann schließlich unter Kaiser Justinian I. 542 faktisch abgeschafft, der letzte weströmische Konsul bekleidete sein Amt unter der Herrschaft der Ostgoten im Jahr 534. In Byzanz/Ostrom war Kaiser Herakleios (610-641) der letzte Monarch, der eine Zeit lang formal das Konsulat innehatte. Zu den von Herakleios durchgeführten Reformen zu Modernisierung und „Gräzisierung“ des Reiches gehörte auch die endgültige Abschaffung dieser Tradition.

Auch im zeitweilig vom Rom abgefallenen Gallischen Sonderreich, das von 260 bis 274 bestand, gab es Konsuln, deren Namen jedoch nicht durchgängig überliefert sind.

Siehe auch

Literatur

Anmerkungen

  1. Altlateinische Formen: cosol oder consol. Die Etymologie ist nicht ganz klar, vermutlich leitet sich das Wort von conso „befragen“ ab, von dem auch consulo „beraten“ abgeleitet ist.