Heim

Podcasting

Podcasting bezeichnet das Produzieren und Anbieten von Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kofferwort setzt sich aus den beiden Wörtern iPod und Broadcasting zusammen.[1] Ein einzelner Podcast (deutsch: ein Hörstück, genauer Hördatei oder Bewegtbilddatei) ist somit eine Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können.

Man kann Podcasts als Radio- oder Fernsehsendungen auffassen, die sich unabhängig von Sendezeiten konsumieren lassen.

Podcasting wäre so als Teilbereich von Video/Audio-on-Demand zu betrachten. Jedoch stehen letztere Begriffe eher für kostenpflichtige und durchsuchbare Dienste, während „Sender“ (im Jargon „Feeds“ genannt) Podcasts in aller Regel kostenlos und in einer vom Konsumenten ausgewählten Menge nach und nach in neuen Folgen anbieten.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Podcasting bedient sich bereits existierender Technologien. Ähnlich wie viele Techniken des sogenannten Web 2.0 erlaubt auch Podcasting nicht vorher unmögliche Dinge; es erleichtert die Bereitstellung und den Empfang von Audio- und Videoinhalten erheblich. So wurde eine breitere Basis von Produzenten wie von Konsumenten geschaffen. Das führte zu einer neuen Qualität von internetbasiertem Rundfunk – nicht mit den vereinzelten Angeboten der Vor-Podcast-Zeit zu vergleichen.

Als Erfinder des Podcastings gelten Tristan Louis, der das Konzept im Jahr 2000 erstmals vorschlug, und Dave Winer, der es leicht modifiziert als erster umsetzte. Der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry gilt auf Produzentenseite als Pionier des damals noch „Audioblogging“ genannten Verfahrens. Den Begriff „Podcast“ erfand Ben Hammersley erst 2003; es bürgerte sich schnell ein, auch die Technik fand immer breitere Verwendung, mit dem Blogger Adam Curry als ihrem größten Unterstützer. 2005 sprang die Firma Apple, deren tragbarer Digital Audio Player iPod bereits für die Namensgebung hatte herhalten müssen, auf den Zug auf und verschaffte dem Podcasting durch die Integration in die bereits weit verbreitete Software iTunes Zugang zu einem Massenpublikum.

Allgemeines

Beliebige Teilnehmer auf Anbieterseite (Podcaster) erstellen diese Medien-Dateien und stellen sie anschließend mittels eines „Newsfeeds“ auf einem Server im Internet bereit. Ein Teilnehmer kann diesen sogenannten Feed mit einer speziellen Software „abonnieren“.

Ein Abonnement bedeutet hier, dass die Software in regelmäßigen Abständen den Newsfeed des Podcasts auf neue Beiträge überprüft und diese dann herunterlädt. Beim Podcasting werden nicht nur Schlagzeilen, sondern auch Mediendateien aggregiert.

Anders als bei einem Zeitschriftenabonnement besteht keine Vertragsbeziehung zwischen Anbieter und Abonnenten. Man kann dadurch einer breiten Öffentlichkeit anbieten. Die Mediendatei eines Angebots kann beliebige Inhalte haben, beispielsweise Mitschnitte von Radio-Sendungen, Interviews, automatisch vorgelesene Zeitungsartikel, Musiksendungen, etc.

Newsfeeds und Podcasts findet man u. a. häufig in Weblogs. Es existieren mittlerweile jedoch große Verzeichnisse und Portale im Internet mit Listen solcher Links zu den unterschiedlichsten Themen.

Die einzelnen Beiträge eines Podcasts heißen gewöhnlich Episoden, obwohl teilweise der Begriff Podcast auch auf eine einzelne dieser so verbreiteten Dateien angewendet wird. Fälschlicherweise nennt man manchmal auch nur die im Newsfeed verlinkten Medieninhalte Podcast.

Im Internet kann jeder mit geringem Aufwand, z. B. einem PC mit Soundkarte, Mikrofon, sowie Internetanschluss und Webspace, einen Podcast erstellen. Webspace, der speziell auf die Belange eines Podcasters ausgelegt ist, wird Podspace genannt. Bei einem Hosting-Service, der ausschließlich Podspace anbietet, spricht man von einem Podhosting-Dienst. Es ist weder kostspielige Hard- oder Software erforderlich, noch sind öffentliche Gebühren, wie beim Betrieb eines Webradios, zu entrichten. Podcaster müssen jedoch genauso wie Betreiber von Rundfunksendern (z. B. auch Web-Radios) die Rechte Dritter an den Medieninhalten beachten und eventuell Gebühren an sie oder deren Lizenzgeber abführen (Urheberrecht).

Bücher, die exklusiv nur als Podcast, d. h. als Hörbuch im Podcast-Format, erscheinen, werden auch Podiobook genannt.

Podcast-Erstellung

Zur Erstellung der Audiodateien für einen Podcast gibt es mehrere Wege.

Zum einen kann man Audiomaterial live mit einem Aufnahmegerät aufzeichnen. Möglich sind ein Computer mit Soundkarte und Mikrofon bzw. Headset oder ein MP3- oder MD-Recorder, dessen Aufnahmen auf den Rechner überspielt und dort nachbearbeitet werden.

Mit Hilfe eines Audioschnittprogrammes z. B. dem freien Audioeditor Audacity oder Ardour können sowohl Aufnahmen direkt am PC gemacht werden, als auch einzelne Bausteine (Sprache, Geräusche, Musik) zu einem Beitrag zusammengeschnitten werden.

Will man längere Stücke gesprochenen Textes als Audiodatei erstellen, ist die automatische Sprachsynthese eine Alternative zur Aufnahme eines menschlichen Sprechers. Bei der Sprachsynthese ist die Vorlesequalität beim derzeitigen Stand der Technik von durchaus akzeptabler Qualität (noch schlechter als die eines Sprechers, indes erheblich kostengünstiger und schneller). Es ist zu empfehlen, MP3-Dateien durch Sprachsynthese lieber nur 5–8 Minuten lang zu produzieren. Auch bei einer guten Sprachsynthese ist es für die meisten gewöhnungsbedürftig, zuzuhören.

Auch MIDI-Dateien lassen sich mit Hilfe eines MIDI-Klangerzeugers leicht in Audiodaten konvertieren.

Die Audiodaten erzeugt man im MP3-Format oder mittels eines anderen Audio-Codecs, z. B. Advanced Audio Coding (AAC) oder Vorbis, überführt in Dateien und transportiert auf einen Server.
Gleichzeitig werden die Audiodaten unter Verwendung von sogenannten enclosure tags in einen Newsfeed eingetragen, der auf der Website des Podcasters platziert wird. Die Handhabung erleichtern spezielle Programme wie Podcast Maker oder GarageBand, so dass es auch ohne viel technische Einarbeitung möglich ist, Podcasts zu erstellen und im Internet verfügbar zu machen.

Podcast-Empfang

Der Podcasting-Client (engl. podcatcher) bietet einem Hörer die Möglichkeit, Listen von Newsfeeds von Podcasts zusammenzustellen (aggregieren). Diese Software wird daher auch als Feed-Aggregator bezeichnet. Der Begriff ist jedoch unzureichend gegenüber Podcasting-Client, da jener lediglich Ticker-Nachrichten abruft (Newsfeeds) – ohne Zugriff auf Audio-Dateien. Viele Podcasting-Clients bieten die Möglichkeit, regelmäßig die abonnierten Podcast-Feeds zu aktualisieren und automatisch herunter zu laden.

Die meisten der Aggregatoren legen automatisch eine Playlist in einem zur Synchronisation mit einem portablen MP3-Player fähigen Medienspieler an. Synchronisation bedeutet hierbei, dass die neuen Episoden auf das Gerät geladen werden, wenn man dieses mit dem Computer verbindet. Bei den meisten Programmen lässt sich dabei einstellen, ob man alle (Serien) oder nur die aktuellste Version (z. B. Nachrichten) herunterladen möchten. Eine Übersicht über verschiedenste Programme findet sich über die Weblinks am Ende dieses Artikels.

Neben dem Abonnement durch spezielle Podcasting-Clients können Podcasts meistens auch über eine Website in Form eines Links auf die Audiodatei publiziert und als gewöhnliche Audiodateien vom Nutzer mit dem Webbrowser heruntergeladen werden. Dort können sie dann mit einem Audio-Spieler angehört werden. Werden Audiodateien ohne Newsfeeds in einem Weblog verlinkt, spricht man manchmal von einem Audioblog.

Inhalt von Podcast-Sendungen

Meistens handelt es sich bei Podcasts um private Sendungen, ähnlich Radioshows, die sich einem bestimmten Thema widmen. Zunehmend werden aber auch professionell produzierte Podcasts, z. B. für Special-Interest-Nachrichten und -Themen angeboten.

Zunächst beschäftigte sich die kleine Gemeinschaft in den Sendungen vor allem mit sich selbst, erst langsam bildeten sich themenorientierte Sendungen heraus. Schnell vertreten waren Musiksendungen. Auch Zeitungen und Zeitschriften bieten zunehmend im Rahmen ihres Onlineangebots Podcasting an, mit aufgenommenen Sendungen und mit über Sprachsynthese vorgelesenen Artikeln.

Bei der Verwendung von Musik in eigenen Podcasts ist das Urheberrecht zu beachten. Ein zunehmender Trend ist das Benutzen von Podsafe Music, also lizenzfreier oder Creative-Commons-lizenzierter Musik.

Eine spezielle Form des Podcastings ist das Voipcasting oder Phonecasting, bei dem einzelne Beiträge per Telefon aufgezeichnet werden und die Einträge in einem Weblog begleiten.

Im Bereich von spezialisierten Musikszenen wird eine Podcast-ähnliche Funktionalität eingesetzt, damit die Szenemitglieder über neue Musik verschiedener Labels immer auf dem aktuellen Stand sind, und diese digital vorhören können. Es handelt sich hier um Podcasts im weiteren Sinne, da sie musikbezogen sind und es keine Moderation gibt. Es wird lediglich dieselbe technologische Grundlage verwendet.

Seit Sommer 2005 tauchen einige Podcasts mit erotischen Inhalten auf, sogenannte PornCasts. Daraufhin integrierte Apple in die Software iTunes ab Version 5 eine Kindersicherung, basierend auf einer freiwilligen Angabe des Podcasters, ob seine Inhalte für Kinder und Jugendliche geeignet sind.

Im Juni 2005 tauchte der erste deutschsprachige Video-Podcast[2] auf und im Herbst 2005 werden bei Portalen wie Apples iTunes schon mehrere Video-Podcasts unter der Rubrik Podcast gelistet. Sie werden in der Regel in Video-Formaten wie MPEG-4 und H.264 ausgeliefert. Auch sie werden über einen Newsfeed angeboten.

Im Februar 2006 zählte die deutsche Szene bereits ca. 1300 Podcasts. Freie Radios können mit StreamOnTheFly aus ihrem Archivnetzwerk Podcasts anbieten.

Veranstaltungen, wie die jährliche Verleihung eines Podcast Awards zeugen von der steigenden Verbreitung in alle Themenbereiche des Internets.

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) und die Financial Times Deutschland (FTD) waren die ersten Online-Medien, die personalisiertes Podcasting ermöglichten.

Alle deutsch- und englischsprachigen Wikipedia-Artikel können mittels Sprachsynthese webbasiert in Podcasts konvertiert und angehört werden.

Verbreitung

Deutschland

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) gab im April 2006 die Anzahl der seit November 2005 heruntergeladenen Podcast-Dateien auf über eine Million an.

Seit dem 8. Juni 2006 wendet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel per Video-Podcast (Vidcast) wöchentlich samstags an die Öffentlichkeit. Merkel ist die erste Regierungschefin weltweit, die dieses Medium nutzt. Sie verbindet damit die Absicht, den Bürgern die Politik der Großen Koalition besser zu erklären.

Bekannte deutschsprachige Podcasts sind bzw. waren z. B. Annik Rubens’ „Schlaflos in München“, Peter Marquardts „lemotox – die Volksentdummung“, Holger Schmidts „MacManiacs“, „Chicks on Tour“, „Kilians Podkost“ oder Computerclub 2, sowie der Video-Podcast Elektrischer Reporter des Journalisten Mario Sixtus.

Schweiz

In der Schweiz hat das Schweizer Fernsehen und Radio ein weites Podcastangebot. Die Grundlage sind meistens gesendete Sendungen (Zweitverwertungen). Die Angebote vom Radio sind Audiocasts, Beiträge vom Fernsehen sind Vodcasts. Weitere Medien, unter anderem auch Printmedien und nicht kommerzielle Originale erweitern das Schweizer Angebot.

Österreich

Die Podcast-Landschaft in Österreich wird vor allem von den Rundfunkanstalten gestaltet. Das weitestgefächerte Angebot bietet hier der ORF, doch auch er hinkt nach eigenen Angaben der internationalen Praxis noch hinterher.[3] Vereinzelt bieten auch österreichische Printmedien Podcasts an.

USA

Eine im April 2006 von Forrester Research veröffentlichte Studie (Autorin Charlene Li) ergab, dass bisher erst ein Prozent aller Internet-Nutzer in Nordamerika entsprechende Dateien herunterladen und nutzen. Rund 25 Prozent der Befragten waren grundsätzlich am Podcasting interessiert. Forrester Research prognostiziert für die US-Haushalte aber bis 2010 eine Steigerung der heruntergeladenen Dateien von 700.000 auf 12,3 Millionen.[4] Im März 2006 gab Forrester Research bereits eine Studie bekannt, dass 2 Prozent aller befragten Internet-Nutzer in Europa in den letzten 3 Monaten Podcasting nutzten.[5] Der wohl bekannteste Podcast der Welt stammt aus Amerika: Adam Currys „Daily Source Code“.

Der Einsatz von Podcasts im Fremdsprachenunterricht

Die Vorteile von Podcasts für den Fremdsprachenunterricht liegen in der Aktualität und Authentizität der Audio- und Videodateien, die im Internet herunterzuladen sind. Fortgeschrittenen Lernern stehen damit mehr Möglichkeiten authentische Texte zu nutzen zur Verfügung. Wer mehr auf der Zielsprache außerhalb des Unterrichtsraumes das Hörverstehen üben will, kann z. B. täglich aktuelle Nachrichten auf seinem Computer oder direkt auf seinem MP3 Player speichern. Auch für Anfänger gibt es Lernmöglichkeiten wie langsam gesprochene Interviews, Nachrichten oder vorgelesene Gedichte, Märchen und Erzählungen. Viele Podcasts für den Fremdsprachenunterricht haben einen begleitenden schriftlichen Text (z. B. Transkription), um das Verständnis des Ganzen zu vereinfachen.

Zu der Vorbereitung eines Fremdsprachenunterrichts können Podcasts auch beitragen. Mit Audio- oder Videodatei und ihrem passenden schriftlichen Text können Lehrer Aufgaben zu aktuellen Themen planen. So gibt es mehr Aufgaben für Hörverstehen, als nur die, die von den Lehrwerken angeboten werden.

Darüber hinaus kann auch die Fertigkeit „Sprechen“ in der Arbeit mit Podcasts geübt werden. Typische Hausaufgaben für einen Fremdsprachenunterricht sind Aufsätze oder Übungen zur Grammatik. Mit Hilfe von Podcasts kann auch das Sprechen in Form „mündlicher Hausaufgaben“ trainiert werden: Schüler können als Hausaufgabe Audio-Dateien in der Zielsprache herstellen und ins Internet hochladen. Lerner, die im Unterricht nicht oft zu Wort kommen, haben Gelegenheit eine Rückmeldung vom Lehrer zu ihren mündlichen Produktionen zu bekommen. Sie können dabei ihr Tempo bestimmen und in Ruhe die Unterrichtstexte noch einmal hören oder ihre eigene mündliche Produktion bearbeiten.

Wort des Jahres 2005 in Großbritannien

Nachdem das Wort „Podcast“ bereits im August 2005 ins Oxford Dictionary of English aufgenommen wurde, wurde es vom New Oxford American Dictionary zum Wort des Jahres 2005 gewählt. Hierbei setzte es sich gegen Kandidaten wie „bird flu“ (Vogelgrippe) und „Sudoku“ durch.

Der Entscheidung für „Podcast“ lag laut der Jury in erster Linie die „phänomenale Ausbreitung“ des Wortes zugrunde, das es „von relativer Unbekanntheit zu einem der heißesten Medientrends schaffte“.

Podcastlogo

Für die Icon-Darstellung von Podcasts z. B. in Podcatchern gibt es kein einheitliches Logo. Zu den bekanntesten gehört das bei iTunes verwendete violette Männchen, von dessen Kopf Funkwellen ausgehen. Allerdings ist diese Grafik von Apple geschützt und darf nicht von Dritten verwendet werden. Daher wird häufig auf das RSS-Logo zurückgegriffen.

Seit März 2006 gibt es das rechts abgebildete sogenannte „Podcasthörererkennungszeichen“. Es wurde von Peter Marquardt entworfen und in einem Wettbewerb gewählt, der auf Annik Rubens’ Initiative hin stattfand. Letztere besteht ausdrücklich darauf, dass es sich hierbei nicht um ein offizielles Logo handelt, sondern lediglich die Popularität von Podcasts steigern sowie dazu dienen soll, dass sich Podcasthörer und -macher untereinander als solche erkennen. Die Entwicklung des Symbols war zuvor im englischsprachigen Raum wiederholt als versuchte Monopolisierung der Symbolentwicklung kritisiert worden.

Siehe auch

Quellen

  1. Eintrag zu Podcast bei der Oxford University Press (englisch)
  2. Homepage erster deutscher Videopodcast
  3. Der Standard, „ORF baut derzeit sein Online-Angebot aus – Formate als Podcast dauert an“, Artikel vom 9. April 2008, abgerufen am 29. April 2008
  4. Golem.de: „Studie: Noch hört fast niemand Podcasts“, Artikel vom 7. April 2006, abgerufen am 10. Januar 2008
  5. fehlende Quelle

Literatur