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Marginalie

Als Marginalie (von lateinisch margo Rand, marginalis zum Rand gehörig) bezeichnet man im Buch- und Handschriftenwesen eine auf den Rand eines Textes geschriebene Bemerkung, die einen Kommentar, einen Hinweis (z. B. Querverweis oder Quellenangabe) oder eine Korrektur zu einer Stelle des Textes bietet.

Marginalien in antiken und mittelalterlichen Handschriften, wie zum Beispiel die Griffelglossen, oder in Frühdrucken können ebenso wie andere Arten der Glosse eine wertvolle Hilfe zum Verständnis bieten, sowohl zum Verständnis des Textes selber wie auch zum Verständnis dafür, wie der Text in der Zeit, in der die Marginalie entstand, rezipiert wurde.

Bisweilen finden sich aber auch Marginalien als bildhafte Darstellungen ohne inhaltlichen Bezug zum Text, teils als reine Ornamentik, teils erzählen sie eigene Geschichten. Zuweilen wurde der Rand der Drucke auch für Schreibübungen benutzt.

Auch bei der Untersuchung der persönlichen Bibliotheken, Leseexemplare, Akten oder Briefe bedeutender Persönlichkeiten, z. B. von Künstlern, Dichtern, Wissenschaftlern oder Politikern, können die von dem Betreffenden hinzugefügten Marginalien wertvolle Hinweise bieten, dass er bestimmte Aussagen des Textes besonders beachtet hat und davon zu eigenen Überlegungen angeregt wurde.

Im Manuskript eines zu publizierenden Textes, der gegengelesen wird, oder in dessen Druckfahnen kann die Marginalie eingesetzt werden, um Ergänzungen und Korrekturhinweise anzubringen, wofür dann oft auch ein besonderer Seitenspiegel mit entsprechend großem Rand vorgesehen ist.

Marginalien unbekannter Verfasser in den Büchern von öffentlichen Bibliotheken und Sammlungen oder auch in ausgeliehenen Schulbüchern gelten dagegen als Kritzeleien und meist nur als Ärgernis und Sachbeschädigung.

In drucktechnischem Kontext bezeichnet der Begriff aber auch gedruckte Randbemerkungen, z. B. als Erläuterung oder statt einer Abschnittsüberschrift, letzteres gelegentlich z. B. in geschichtswissenschaftlichen Werken. In dieser Verwendung werden die Marginalien auch oft ins Inhaltsverzeichnis aufgenommen, dann allerdings meist als Fließtextaufzählung (jede Marginalie mit der zugehörigen Seitenzahl dahinter, abgetrennt vom Nachfolger durch ein geeignetes Zeichen, z. B. einen Gedankenstrich) unter der zugehörigen Kapitelüberschrift.

In der übertragenen Bedeutung bezeichnet „Marginalie“ einen Vorgang oder einen Kommentar, der zwar nicht speziell auf einen Rand geschrieben ist, aber nur am Rande Beachtung verdient. Beispiele: „Seine Entdeckung blieb eine Marginalie der Wissenschaftsgeschichte“ – „Ihr Beitrag mag als Marginalie vielleicht interessant sein“

Siehe auch: Anmerkung, Fußnote, Endnote, Annotation, Glosse