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Rugby

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Rugby (Begriffsklärung) aufgeführt.

Rugby (engl. auch rugby football) ist eine Familie von Sportarten, die gemeinsam mit dem Fußball in England entstanden ist. American Football und Canadian Football sind später aus dem Rugby entstanden. Die am weitesten verbreiteten Varianten sind Rugby Union und Rugby League.

Inhaltsverzeichnis

Das Spiel

Rugby wird mit einem Ball in der Form eines Eies oder verlängerten Rotationsellipsoids gespielt. In der verbreitetsten Variante, dem Rugby-Union, stehen sich auf einem etwa 60 m mal 100 m großen Rasenplatz zwei Mannschaften mit je 15 Spielern gegenüber, deren Ziel es ist, in einer Spielzeit von zweimal 40 Minuten mehr Punkte zu erzielen als der Gegner. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen:

Der Ball darf mit der Hand nur nach hinten geworfen oder übergeben werden. Wenn der Ball jedoch nach vorne geworfen wird, dann gibt es ein "Scrum" (deutsch: Gedränge). Ein Scrum beschreibt das gegenseitige Anbinden von den mit 1 bis 8 nummerierten Spielern, die dann "um den Ball schieben". Man könnte es als eine Art Kräftemessen bezeichnen: Die Spieler stehen in gebückter Haltung mit geradem Rücken, mit dem Gegner ineinander verschachtelt, voreinander und versuchen durch gemeinsames drücken den Gegner wegzuschieben und somit den Ball für das eigene Team freizugeben. Treten des Balles ist jedoch in alle Richtungen erlaubt. Nur der balltragende Spieler darf angegriffen werden. Es ist erlaubt, diesen durch Umklammern und Festhalten unterhalb der Schulterlinie zu behindern (Tiefhalten) und ihn nach Möglichkeit zu Fall zu bringen (bei Zubodengehen nennt man es dann Tackle). Ein Spieler, welcher mit mehr Körperfläche als den Fußsohlen den Boden berührt, hat den Ball unmittelbar loszulassen bzw. darf nicht nach diesem greifen. Wenn der Spieler auf dem Boden liegt, dürfen von beiden Teams andere Spieler nach dem Ball schieben und drücken, aber die Hände dürfen nicht benutzt werden. Schlagen und Beinstellen ist beim Tiefhalten streng verboten, passiert aber oftmals.

Die Spielkleidung besteht aus einem festen Trikot, kurzen Hosen, Kniestrümpfen und Stollenschuhen. Das Tragen eines Zahnschutzes ist im Amateur-Sport Pflicht. Harte Helme oder Panzer wie beispielsweise beim Eishockey oder American Football sind nicht erlaubt. Manche Spieler tragen jedoch fakultativ eine Kappe aus weichem, dünnen Material, welche primär die Ohren schützen soll, oder ein dünnes, schaumstoffgefüttertes Schulterpolster unter dem Trikot.

Typische Spielelemente beim Rugby sind angeordnete und offene Gedränge (engl. scrum), das Paket (engl. maul), die Gasse (Einwurf von der Seitenlinie, engl. lineout) und das Lauf- und Passspiel der sogenannten Dreiviertelreihe.

Die Mannschaft

Die acht Stürmer (die den Scrum bilden) sind kräftige, schwere Spieler, deren Aufgabe es ist, den Ball zu erobern und zu sichern, wenn ein gegnerischer oder eigener Spieler zu Boden gebracht wurde. Sie können auch als Paket zusammengeschlossen durch pure Kraft den Ball nach vorne schleppen. Sie bilden das angeordnete Gedränge, eine Standardsituation nach kleineren Regelverstößen, durch die der Ball wieder ins Spiel gebracht wird. Die Spieler haben je eine bestimmte Nummer angeordnet. Die acht Stürmer sind von 1 bis 8 nummeriert und der Rest der Mannschaft, die Hintermannschaft von 9 bis 15. Die Ersatzspieler sind von 16 bis 22 nummeriert, meistens sind die Stürmer 16 bis 19 und der Hintermannschaftsersatz 20 bis 22. Hier ist eine genauere Beschreibung eines jeden Spielers: 1/3: Im englischen heißen sie "Props" (buchstäblich ein Stütze, im deutschem Pfeiler genannt) und sie halten sich am "Hooker" (dem Hakler), der Nummer 2, fest. Sie sind dafür verantwortlich, dass, wenn das Gedränge ihnen gehört (d.h. wenn es ihr "put-in" – sozusagen Einwurf – ist), die gegnerischen Props ihrem Hooker keine Probleme bereiten z.b durch das Zumsammenquetschen seines Körpers, was aber unerlaubt ist. 2: Der sogenannte Hakler.

Nummer 4 und 5 sind Spieler der zweiten Reihe. Sie stützen im Gedränge die erste Reihe und schieben im offenen Gedränge und bei Paketen mit. In der Regel ist diese Position von kräftig gebauten Personen besetzt.

Die Nummer 6 und 7 (engl. "Flanker") halten das Gedränge zusammen sie bilden mit der Nummer 8 zusammen die so genannte 3. Reihe. Das Gedränge muss man sich als eine Art Dreieck vorstellen mit folgender Aufstellung (Zahlen=Rückennummer):

1 2 3
 4 5
  8

Die nummer 6 und 7 stellen sich seitlich von den Nummern 4 und 5, um das ganze Gedränge zu stabilisieren:

1 2 3
 4 5
6 8 7

Die Nummer 8 (Number Eight, "Eightman") ist die "Spitze" des Dreiecks und kann, um z.B. durchzubrechen, sobald der Ball hinten durchgehakelt wurde, den Ball aufnehmen und direkt den Gegner binden. Da die 3. Reihe von allen Stürmern am wenigsten in das Gedränge gebunden ist kann sie sich schneller davon lösen und bei vielleicht verlorenem Gedränge den Gegner Tacklen. Daher sollte die 3. Reihe von Spielern besetzt sein, die gute Tacklefähigkeiten besitzen, damit nach einem verlorenem Gedränge der gegnerische Sturm nicht ohne weiteres durchbrechen kann.

Die beiden Halbspieler, Gedrängehalb (engl. "scrum half") und Verbinder (engl. "fly half") bilden die Verbindungsglieder zwischen Sturm und Hintermannschaft. Sie sind meist die Spielmacher einer Mannschaft. Der Gedrängehalb rollt den Ball ins angeordnete Gedränge ein und ist dafür zuständig, den hinten aus einem Gedränge herauskommenden Ball weiterzuspielen. Gedrängehalbs sind oft flinke, gewitzte Spieler. Der Verbinder ist sein erster Anspielpunkt und entscheidet je nach Spielsituation, ob er den Ball tritt, um Raum zu gewinnen, selbst mit dem Ball läuft, ihn in den Sturm zurückspielt oder die Dreiviertelreihe zu einem Laufspiel einsetzt.

Die vier Spieler der Dreiviertelreihe sind die schnellsten Spieler einer Mannschaft. Sie haben meist mehr Raum als die Stürmer und versuchen, durch schnelle Körpertäuschungen und kombiniertes Passspiel eine Lücke in der gegnerischen Verteidigung auszunutzen, um durchzubrechen und einen Versuch zu legen.

Der Schlussspieler (engl. "full back") hat die Aufgabe, durchgebrochene Spieler abzufangen, weit getretene Bälle des Gegners abzufangen und bei günstiger Gelegenheit sich auch ins Angriffsspiel der Dreiviertelreihe einzuschalten.

Begriffe

Ein Offenes Gedränge (engl. ruck) wird gebildet, wenn sich ein oder mehrere Spieler beider Mannschaften gegenüber, auf den Füßen stehend, in körperlichem Kontakt um den auf dem Boden liegenden Ball zusammenschließen und versuchen, den Gegner wegzuschieben. Der Ball darf dabei nicht mit der Hand gespielt werden.

Ein Gedränge (engl. scrum) wird nach einer Spielunterbrechung meistens aufgrund eines leichten Regelverstoßes angesetzt. Abhängig von der Anzahl der Spieler auf dem Feld stehen sich jeweils bis zu 8 Spieler in einer 3-4-1-Formation gegenüber. Der Gedrängehalb (engl. scrum half) wirft den Ball in den Tunnel ein, worauf beide Mannschaftsteile versuchen, den Gegner wegzuschieben bzw. den Ball zu erobern. Der Ball darf, während er sich im Gedränge befindet, nicht mit der Hand gespielt werden.

Ein Paket (engl. maul) wird gebildet, indem sich ein oder mehrere Spieler beider Mannschaften auf den Füßen stehend um einen balltragenden Spieler zusammenschließen.

Eine Gasse (engl. lineout) wird angeordnet, nachdem der Ball die Seitenauslinie berührt oder überquert hat. Sie wird von mindestens zwei Spielern jeder Mannschaft gebildet, die sich in einfachen Reihen hintereinander parallel zur Gassenlinie in Erwartung des Balles aufstellen, der zwischen beide Reihen geworfen wird.

Geschichte

Siehe auch: Geschichte des Fußballs (Rugby- und Fußballgeschichte sind eng miteinander verknüpft)

Der Legende nach soll Rugby während eines Fußballspiels in der gleichnamigen Stadt entstanden sein. Als der Mannschaft von William Webb Ellis 1823 eine Niederlage bevorstand, packte er den Ball mit den Händen und legte ihn ins Tor der Gegner. Obwohl berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt der Geschichte bestehen, ist der Pokal der Rugby-Union-Weltmeisterschaft nach Webb Ellis benannt (der Webb-Ellis-Cup).

1863 wurde der englische Fußballverband FA (Football Association) mit dem Ziel gegründet, die noch vielfältigen Fußballregeln zu vereinheitlichen. Aufgrund von Streitigkeiten über Regeländerungen zogen sich einige Vereine aus dem Verband zurück und gründeten am 26. Januar 1871 mit der Rugby Football Union (RFU) einen konkurrierenden Verband, der in der Folgezeit nach und nach die Regeln der Schule von Rugby standardisierte. Bereits am 27. März des Jahres fand in Edinburgh zwischen Schottland und England ein erstes Länderspiel statt.

1895 fand aufgrund eines Streits über den Amateur-Gedanken eine weitere Trennung statt, diesmal innerhalb der RFU. 21 Clubs vor allem aus Arbeitervierteln Nordenglands spalteten sich als Northern Rugby Union (heute Rugby League) ab, legten ihre eigenen Regeln fest und erlaubten eine Professionalisierung des Sports. Bis heute existieren beide Varianten des Sports nebeneinander. Internationale Begegnungen von Nationalmannschaften werden sowohl nach den Regeln der Rugby Union wie auch nach denen der Rugby League abgehalten.

Varianten

Aufgrund seiner Geschichte liegt Rugby heute in zwei grundsätzlich verschiedenen Varianten vor, dem am weitesten verbreiteten Rugby Union („Fünfzehnerrugby“) und dem weniger verbreiteten, nur noch von wenigen Nationen dieser Welt gespielten Rugby League („Dreizehnerrugby“). Während der ursprüngliche Rugby-Union-Sport mit 15 Spielern auf dem Platz gespielt wird, gibt es mittlerweile eine Variante, bei der sieben Spieler auf dem Platz stehen (7er-Rugby). Da der Ball hauptsächlich mit der Hand geführt wird, kann man Rugby Union auch im Sand spielen (Beachrugby). Varianten mit zwölf und zehn Rugby-Spielern sind ebenfalls möglich, es gibt für sie jedoch kein eigenes Regelwerk, es gelten die Regeln des 15er Rugby Union. Äußerst beliebt sind in jüngster Zeit die aus dem Rugby League entstandenen, fast kontaktlosen Versionen Touch Rugby und Tag Rugby.

Sportarten, die sich aus dem ursprünglichen Rugby entwickelt haben
Moderne Rugby-Sportarten Football

Popularität

Rugby in verschiedenen Varianten ist vor allem in Teilen des britischen Commonwealth bzw. Nationen der südlichen Hemisphäre äußerst populär. Führende Nationen sind Neuseeland, Australien, Südafrika und Argentinien in der südlichen Hemisphäre und Frankreich, England, Wales, Irland, Schottland und Italien in Europa. Auch in Fidschi, Samoa und Tonga ist Rugby der Nationalsport. Neben diesen Ländern nehmen Japan, USA, Rumänien, Namibia, Kanada, Georgien u.a. regelmäßig an den Rugby-Union-Weltmeisterschaften teil und verfügen über eine ausgeprägte Rugby-Kultur. In deutschsprachigen Ländern versteht man unter dem Begriff Rugby meistens Union Rugby. Es gibt aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz Bestrebungen, eine Rugby-League-Kultur aufzubauen. Erste Länderspiele zwischen Deutschland und einigen europäischen Auswahlmannschaften haben bereits stattgefunden. Wachsender Popularität erfreuen sich Varianten wie Touch-Rugby an Schulen.

Von 1900 bis 1924 war Rugby-Union eine Disziplin der olympischen Spiele. Heutzutage ist innerhalb des Weltverbandes und des IOC in Diskussion, 7er-Rugby zu einer olympischen Sportart zu machen.

Unterschiede der einzelnen Rugby- und Footballspielarten

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Rugby und American Football:

Unterschiede zwischen Rugby und Football
Rugby Union 7er-Rugby Rugby League American Football Canadian Football Australian Football Gaelic Football
Anzahl Spieler 15 7 13 11 12 18 15
davon im Gedränge (Scrum) oder Scrimmage 8 (3-4-1) 3 6 (3-2-1) (mind.) 7 (mind.) 7 X X
Ball oval (Rugbyball) oval (Rugbyball) oval (Rugbyball) mit spitzen Enden (Football) mit spitzen Enden (Football) oval kugelrund
Spielfeld rechteckig rechteckig rechteckig rechteckig rechteckig oval rechteckig
Tor (Mal, Goal) H-förmig H-förmig H-förmig gabelförmig gabelförmig 4 Pfosten H-förmig (unten Netz)
Wertung Versuch (Try) 5 Versuch (Try) 5 Try 4 Touchdown 6 Touchdown 6 Goal 6 Goal 3
Erhöhung (Conversion) 2 Erhöhung (Conversion) 2 Conversion 2 Kick after Touchdown 1 Kick after Touchdown 1 Behind 1 Point 1
Straftritt (Penalty) 3 Straftritt (Penalty) 3 Penalty 2 Run after Touchdown 2 Field Goal 3
Sprungtritt (Drop Kick) 3 Drop Kick 1 Field Goal 3 Safety 2
Safety 2 Rouge Point 1
erlaubter Balltransport tragen tragen tragen tragen tragen tragen (spätestens alle 10 Schritte auf den Boden auftippen) prellen
rückwärts passen rückwärts passen rückwärts passen passen passen fausten passen
treten treten treten treten (Punt) treten (Punt, Dribble) treten treten
nicht erlaubter Balltransport vorwärts passen/werfen vorwärts passen/werfen vorwärts passen/werfen X X passen, werfen tragen
Spielfortsetzung nach Seiten-Aus Gasse (Line-out) Gasse (Line-out) Gedränge (Scrum) Scrimmage Scrimmage Boundary Throw-in (durch Schiedsrichter) oder Free-Kick Free-Kick aus der Hand
Ballbesitz wechselt automatisch X X nach 6 aufeinander folgenden Tackles nach 4 Downs, wenn keine 10 yd Raumgewinn nach 3 Downs, wenn keine 10 yd Raumgewinn X X

Siehe auch