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Horaz

Horaz (Aussprache: [hoˈʀats], * 8. Dezember 65 v. Chr. in Venusia; † 27. November 8 v. Chr.), eigentlich Quintus Horatius Flaccus, ist neben Vergil einer der bedeutendsten römischen Dichter der „Augusteischen Zeit“, das heißt der Zeit zwischen 43 v. Chr. und 14 n. Chr., also vom Tod Ciceros bis zum Tod des Augustus. Das cognomen „Flaccus“ bedeutet soviel wie Schlappohr.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Über das Leben des Dichters ist uns aus den Beschreibungen des Sueton sowie auch aus Selbstaussagen relativ viel bekannt. Geboren wurde Horaz im Jahre 65 v. Chr. in der lukanischen Stadt Venusia (Venosa). Sein Vater, ein ehemaliger Sklave, hatte es als coactor exactionum (Versteigerungsagent) zu einigem Wohlstand gebracht. Nach Sueton ist es auch möglich, dass der Vater ein salsamentarius (Salzfischhändler) gewesen ist. Nach einer Übersiedlung nach Rom erhielt Horaz eine Ausbildung in der angesehenen Rednerschule des Grammatikers Orbilius. Anschließend schickte ihn der Vater nach Athen, wo er griechische Philosophie und Literatur studierte [1]. Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. schloss sich Horaz in Athen den Truppen der Caesarmörder Brutus und Cassius an und wurde Militärtribun. Nach der Niederlage bei Philippi [2] (42 v. Chr.) konnte er zwar nach Rom zurückkehren, allerdings war es mit seinen Karrierehoffnungen zu Ende. Der Besitz seines Vaters wurde enteignet. Er erkaufte sich eine Sekretärsstellung und hatte nun viel Zeit sich der Dichtung zu widmen. Im Jahr 38 v. Chr. wurden Vergil und Varius auf Horaz aufmerksam und stellten ihn dem großen Gönner und Adeligen Maecenas vor. Dieser nahm sich des jungen Dichters an und es entstand eine große Freundschaft zwischen den sehr verschiedenen Männern.Doch Horaz war nicht gern in Rom, obwohl ihn Maecenas immer wieder einlud. Er schenkte Horaz ein Landgut in den Sabinerbergen, was der Dichter durch angestrengtes dichterisches Schaffen vergalt. Im Jahre 8 v. Chr. starb Maecenas und noch im selben Jahr, am 27. November, auch Horaz.

Lebenswerke

Die künstlerische Entwicklung des Horaz kann in drei Stufen unterteilt werden:

Satiren

Die zwei Bücher der Satiren bestehen aus zehn beziehungsweise acht teilweise recht umfangreichen Einzelgedichten in Hexametern. Horaz selbst nannte sie Sermones („Gespräche“). Er spricht darin mit Maecenas, mit dem Leser, mit sich selbst, und führt die Personen im Dialog vor. Ziel dieser nicht unbedingt harmlosen Plaudereien ist, dem Leser mit Humor die unangenehme Wahrheit aufzuzeigen. Vorbild war ihm der römische Satiriker Lucilius.

Horaz war stets um das Wesentliche und Straffheit bemüht. So lautete sein Kunstprinzip: Vielfalt in der Beschränktheit. Zentrales Thema ist die rechte Lebensgestaltung. Die meisten Gedichte geißeln Laster, die sozialen Unfrieden stiften oder zumindest die menschlichen Beziehungen beeinträchtigen, wie zum Beispiel: Habgier, Ehebruch, Aberglaube, Schlemmerei ... Im Gegensatz zu Lucilius, der schonungslos hochgestellte Zeitgenossen anprangerte, musste sich Horaz in dieser Beziehung zurückhalten. Seine Ausfälle beschränkten sich auf verstorbene Personen, einflusslose Leute und stadtbekannte Außenseiter. Nicht selten stellte er stellvertretend für den Normalbürger auch sich selbst und seine Schwächen dar.

Epoden

Als Epoden (griechisch ἐπῳδός „epodós“, Nachgesang, Refrain) werden die 17 Gedichte eines schmalen Buches bezeichnet. Epoden deshalb, weil jeweils ein Langvers mit einem refrainartigen Kurzvers abwechselt. Horaz nannte das Buch „Iambi“, obwohl nur elf Gedichte im iambischen und die übrigen sechs im daktylischen Rhythmus geschrieben sind. Urheber der Epodendichtung und Vorbild des Horaz war der Ionier Archilochos von Paros (um 650 v. Chr.). In Rom führte Horaz die Epodendichtung als Neuheit ein. Horaz dichtete einerseits für seinen Gönner Maecenas sowie andererseits für einen unbekannten Leserkreis. Deshalb waren wie schon bei den „Satiren“ auch hier Vorsicht und Rücksicht geboten. Selten nannte er Namen, und selbst dann waren es meist Decknamen. Die drei bekanntesten „Epoden“, die auch einen Übergang zur Dichtung der „Oden“ bilden, sind: „Sorge um Maecenas und den Ausgang des Krieges mit Antonius“, „Aufatmen über den Sieg bei Actium“ und „Winterliches Trinklied“.

Oden

Nach seinem Erfolg mit den „Satiren“ und „Epoden“ widmete sich Horaz der frühgriechischen Lieddichtung, deren Blütezeit etwa von 670-450 v. Chr. dauerte. Während sich die griechischen Lieddichter selbst Sänger oder Musendiener nannten, bürgerte sich später der Begriff Lyriker nach ihrem Hauptinstrument, der siebensaitigen Lyra, ein. Horaz schrieb vier Lyrikbücher, die „Carmina“, die insgesamt 104 Gedichte enthalten. Die ersten drei verfasste er um 23 v. Chr. und das vierte um 13 v. Chr. Im Gegensatz zu den nicht immer ganz ausgereiften „Epoden“ stellen die „Oden“ (Odé, Gesang) eine vollendete Meisterleistung dar.

Themen sind wie schon bei den Griechen vor allem Liebe und Politik, aber auch Freundschaft, Alltäglichkeiten des Lebens und Fragen aus der Philosophie. Vorbild war unter anderem Alkaios, von dem er teilweise auch die Strophenform übernahm. Im großen Unterschied zu seinen griechischen Vorgängern war Horaz nur Dichter und nicht Musiker. Deshalb waren seine „Oden“ nicht vertont. Eine Ausnahme bildete nur das 17 v. Chr. für die Jahrhundertfeier, die den Beginn einer Friedensära einleiten sollte, verfasste „Carmen saeculare“. Wie auch schon die Chorlyriker liebte es Horaz, in einem Gedicht die verschiedensten Themen zusammenzufügen. Oft verwendete er verhaltene, hintergründige Aussagen. Mittel dazu waren treffende Bilder, Aussparungen, Offenlassungen und leise Untertöne. Viele seiner Gedichte beginnen wuchtig und klingen leicht und heiter aus. Beispiel: 1, 9.

Obwohl Horaz kurze Gedichte bevorzugte, sind auch zahlreiche längere Gedichte erhalten. Wichtig sind hier vor allem das „Carmen saeculare“ und die sechs „Römeroden“. Letztere mahnten das römische Volk an die alten mores maiorum: der Genügsamkeit, Tapferkeit, Treue, Standhaftigkeit, Gerechtigkeit und Ehrfurcht.

Episteln

Da die Oden nicht den erhofften Erfolg brachten, ließ Horaz ab 20 v. Chr. von der Lyrik ab und widmete sich dem ersten Buch der Epistulae („Episteln“). Zusammengesetzt aus 20 Briefgedichten im Hexameter, legte Horaz in diesem Buch seine Lebensphilosophie dar. Diese Lebensphilosophie geht nicht von abstrakten Begriffen aus, sondern vom einzelnen Menschen mit seinen Fehlern, Schwächen und Eigenheiten. Sie fordert nicht auf, über den eigenen Schatten zu springen, wohl aber, sich in der eigenen Art um ein rechtes Maß zu bemühen, damit das Zusammenleben der Menschen erträglich bleibt. Vorbild für die „Epistulae“ waren ihm wahrscheinlich die Briefe des attischen Philosophen Epikur.

Im zweiten Buch der „Epistulae“ ab 13 v. Chr. betätigte sich Horaz als Literaturkritiker. Drei große Briefgedichte widmete er am Ende seiner Schaffenszeit diesem Thema. Zwei davon bilden das zweite Buch der „Epistulae“. Im ersten Brief an Augustus kritisiert der Dichter die gedankenlose Überbewertung der altrömischen Dichtung, vor allem des Dramas, und weist auf den Wert der neuen Klassik, mit den Werken von Vergil und Varius, hin. Im zweiten Brief (an Florus) entsagt er scheinbar der Dichtung zugunsten der Philosophie, nur um in Wahrheit auf die erdrückenden Anforderungen an einen Dichter hinzuweisen. Im dritten und längsten Literaturbrief (an die Pisonen), der als gesondertes Buch unter dem Titel De arte poetica überliefert ist, will Horaz als Dichter Rechenschaft ablegen und den Geschmack verständiger Leser bilden. Er will Dilettanten, Nachahmern und Modepoeten das Handwerk erschweren, aber echte Begabung auf ihrem harten Weg ermuntern. Horaz hat in seinen Epistolae ad Pisones auch eine Gliederung des Dramas in fünf Akte gefordert (Ars Poetica, V. 189) (siehe Regeldrama), die Nützlichkeit des literarischen Werkes mit dem Aspekt der Freude und der Unterhaltung verknüpft (Ars Poetica, V. 333) und den Mimesischarakter literarischer Werke (Ars Poetica, V. 361) betont.

Wirkungsgeschichte

Horaz wurde bald Schulautor, erhielt aber nicht die Breitenwirkung wie Vergil oder Ovid. Dennoch war Horaz besonders für den Gelehrtenkreis um Karl den Großen und später für die Humanisten von Bedeutung. Von größter Bedeutung war Horaz aber für die französischen Klassiker des 16. und 17. Jahrhunderts. Insbesondere versuchten Dichter und Kritiker wie Boileau oder Opitz, aus dem Brief De arte poetica eine programmatische Poetik zu (re)konstruieren, wie sie in dieser Systematik von Horaz kaum beabsichtigt war.

Bekannte Zitate

 Wikiquote: Horaz – Zitate

Lateinische Sprichwörter

Philosophie des Horaz

Horaz bezeichnete sich selbst als ein Schüler Epikurs[5]. Dabei hängt er der epikureischen Lehre nicht auf orthodoxe Weise an, sondern hat für sich einige Grundprinzipien übernommen: Lust ist das einzige Gut und Schmerz das einzige Übel. Dabei ist die wahre Lust der Zustand vollkommener Ruhe und Ungestörtheit, das stille Glück im Garten (bzw. auf dem Lande), das sich aus dem Getriebe der Welt heraushält. Götter existieren, doch sie leben glückselig und abgesondert von der Welt und üben keinen Einfluss auf sie aus.

Anmerkungen

  1. Hor. epist. 2,2,44
  2. Hor. carm. 2,1
  3. Es ist dabei jedoch anzumerken, dass der programmatische Satz erst durch eine Änderung der interpunktuation während der Tradierung entstand: ursprünglich lautete er ut pictura poesis: erit quae … (ars poetica, 361-362) und bezeichnet nur eine deutlich schwächere Gleichstellung der Malerei mit der Dichtkunst; in seiner veränderten Form wurde er zum Programmsatz in der ut-pictura-poesis-Debatte von der Renaissance bis zur Aufklärung. Das Zitat ist angelehnt an den Ausspruch des Simonides: Dichtung als sprechende Malerei, Malerei als schweigende Dichtung (Plutarch).
  4. Später das Motto der dänischen Nationalhymne Der er et yndigt land.
  5. z.B. Hor. epist. 1,4,6: Epicuri de grege porcum

Literatur

Ausgaben

Sekundärliteratur

 Wikisource: Quintus Horatius Flaccus – Quellentexte (lateinisch)
 Wikiquote: Horaz – Zitate
 Commons: Horaz – Bilder, Videos und Audiodateien
Personendaten
Horaz
Horatius Flaccus, Quintus
Römischen Dichter und Satiriker
65 v. Chr.
Stadt Venusia (Venosa, Apulien)
27. November 8 v. Chr.