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Evangelisches Ratsgymnasium Erfurt

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Evangelisches Ratsgymnasium Erfurt
Schultyp Humanistisches Gymnasium
Anschrift Meister-Eckehart-Straße 1
99084 Erfurt
Bundesland Thüringen
Land Deutschland
Schulträger Evangelischer Kirchenkreis Erfurt
Gründungsjahr 1561
Schulleiter Michael Friese
Website www.evrg.de

Das Evangelische Ratsgymnasium ist eines der beiden in kirchlicher Trägerschaft stehenden Gymnasien in Erfurt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung 1561

Das Ratsgymnasium wurde am 9. Dezember 1561 durch Beschluss des Magistrats der Stadt Erfurt als "gymnasium evangelicum" gegründet und am 13. Januar 1562 gegen erzbischöflichen Einspruch eröffnet. Als erster Rektor wurde Paul Dummrich, ein Schüler Philipp Melanchthons, berufen. Sein Sitz war zunächst das 1559 endgültig säkularisierte Augustinerkloster. Daher nannte man es auch "schola" oder "paedagogium" "in coenobio Augustiniano". Bis zur Gründung einer Jesuitenschule 1611 nahm es neben Kindern evangelischer Eltern auch Kinder katholischer Eltern auf. Als die Stadt Erfurt 1664 ihre Autonomie an die kurmainzische fürstbischöfliche Herrschaft verlor, behielt der Stadtrat dennoch seine Kompetenz für das nunmehr "gymnasium senatorium" oder "Ratsgymnasium" genannte und weiterhin evangelisch geprägte Schule.

Weiterführung als humanistisches Gymnasium 1820

1820 verfügte die neue preußische Regierung die Aufhebung des Ratsgymnasiums und kündigte auf Grundlage des Humboldtschen Bildungskonzeptes gleichzeitig die Gründung eines neuhumanistischen Gymnasiums mit 6 Klassenstufen an. Das "Königliche Gymnasium" wurde 1820 zunächst in einem Haus in der Eichengasse eröffnet und zog 1822 in das Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs in der Schlösserstraße um. Schulträger blieb die Stadt Erfurt, als vorgesetzte Behörde fungierte allein die kgl. Regierung.

1844 fand auch Turnunterricht statt, der zunächst im Freien vor dem Schmidtstedter Tor und nach Beginn der Eisenbahnbaus vor dem Andreas-Tor im Freien durchgeführt wurde. 1854 wurde das westlich des Gymnasialhofs gelegene Grundstück angekauft und 1868 zu einem ordentlichen Turnplatz umgebaut. 1867 werden Prima und Tertia auf jeweils zwei Jahre zerlegt, ein Jahr später erfolgt auch die Teilung der Sekunda, so dass es nun 9 Klassenstufen gibt. Gleichzeitig werden - beginnend in der Quarta - Parallelklassen eingeführt, um den wachsenden Schülerzahlen gerecht zu werden. Die Sprachenfolge war 1. Latein, 2. Französisch, 3. Altgriechisch und 4. (für die Theologiestudienanwärter) Hebräisch. Das Schulleben wurde mit erläuternden Statistiken in einem jährlich erscheinenden Jahresbericht veröffentlicht.

1894 ließ die Stadt Erfurt für die erheblich gewachsene Schülerzahl ein neues Schulgebäude in der Schillerstraße errichten, das am 3. Juli 1896 feierlich eingeweiht wurde. Zu dieser Zeit waren neben dem Direktor 12 Oberlehrer, 2 Hilfslehrer und je ein Elemtar, Zeichen, Gesangs- und katholischer Religionslehrer sowie weitere freiwillige Hilfslehrer tätig. Von den 396 Schülern bekannten sich ca 70 % zum evangelischen, 20 % zum katholischen und 10 % zum jüdischen Glauben.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Schule in "Staatliches Humanistisches Gymnasium Erfurt" umbenannt. 1938 nahm die Schule den Namen "Staatliches Langemarck-Gymnasium"an.

Unter der Sowjetischen Verwaltung folgte nach 1945 eine nochmalige Umbenennung in "Staatliches Thomas-Müntzer-Gymnasium". Die alten lateinischen Klassenstufenbezeichnungen wurden aufgegeben und durch 5-12 ersetzt. Da die Grundschulen gleichzeitig Oberstufen aufbauten, ging die Schülerzahl zurück, so dass schließlich 1950 eine Zusammenlegung mit dem Heinrich Mann Realgymnasium unter deren Schulleitung erfolgte. Das Gebäude in der Schillerstraße wurde anschließend zum "Pionierhaus" umgebaut und 1953 durch Otto Grotewohl wiedereröffnet.

Wiedergründung in kirchlicher Trägerschaft 1992

Nach der Wiedervereinigung setzte sich die "Vereinigung ehemaliger Schüler und Freunde des humanistischen Gymnasiums zu Erfurt", geführt von Werner Seydlitz, zunächst bei der Stadt Erfurt für die Wiedergründung ihrer Schule im alten Gebäude in der Schillerstraße ein. Da die Stadt jedoch keinen Bedarf für ein traditionelles humanistischen Gymnasiums sah, konnte als Träger für eine solche Schule die Evangelische Kirchenkreis Erfurt gewonnen werden. Dabei spielte auch eine Rolle, dass bald mit der Edith-Stein-Schule bereits ein Gymnasium in katholischer Trägerschaft in Erfurt gegründet werden sollte. Am 30.Mai 1991 beschloss die Synode des Kirchenkreises, "ein Gymnasium mit evangelischem Charakter unter Aufnahme der Tradition des Erfurter Ratsgymnasiums" zu errichten. Als Gebäude stellte die Stadt Erfurt eine neben der Predigerkirche gelegene ehemalige Regelschule in der Erfurter Altstadt zur Verfügung. 1998 erfolgte die staatliche Wiederanerkennung als Gymnasium durch den Kultusminister des Freistaates Thüringen.

Schulleiter

  1. 1562-1571 Paul Dummrich
  2. 1571-1575 Basilius Faber
  3. 1575-1583 Paul Dummrich
  4. 1583-1602 Anton Möcker
  5. 1601-1612 Henning Rennemann
  6. 1612-1616 Johann Retsch
  7. 1616-1643 David Zinckernagel
  8. 1643-1654 Liborius Capsius
  9. 1654-1655 Justus Herbert Boetticher
  10. 1655-1676 Zacharias Hogel d.Ä.
  11. 1676-1714 Zacharias Hogel d.J.
  12. 1714-1754 Hermann Nicolaus Stieler
  13. 1754-1759 Eusebius Ernst Stieler
  14. 1759-1777 Hermann Ernst Rumpel
  15. 1778-1794 Heinrich August Frank
  16. 1794-1804 Johann Joachim Bellermann
  17. 1804-1805 Johann Jakob Friedrich Sinnhold
  18. 1805 Johann Ernst Möller
  19. 1805-1807 Johann Christoph Petri
  20. 1807-1820 Johann Friedrich Müller
  21. 1820-1843 Johann Gottlieb Friedrich Strass
  22. 1843-1864 Georg Schöler
  23. 1864-1867 Johann Adam Hartung
  24. 1867-1881 Adolf Friedrich Albert Dietrich
  25. 1882-1887 Albert Hartung
  26. 1888-1891 Gottlieb Leuchtberger
  27. 1892-1893 Georg Friedrich Heß
  28. 1893-1907 Richard Thiele
  29. 1908-1924 Johannes Biereye
  30. 1924-1937 Georg Boesch
  31. 1937-1939 Herbert Holtdorf
  32. 1939-1945 Wilhelm Rögels
  33. 1945-1950 Gottfried Wolterstorff
  34. 1950-1951 Hironymus Krause
  35. 1992-2000 Robert Schilling
  36. seit 2001 Michael Friese

Bekannte Schüler

Literatur

Koordinaten: 50° 58' 33" N, 11° 1' 44" O