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Boanlkramer

Boanlkramer, auch Boandlkramer oder einfach nur Boanl oder Boandl, ist eine alte bayerische Bezeichnung für den Tod.

Boanlkramer setzt sich aus dem Begriff Boanl für Gebeine und Krämer für einen Händler, der im geringen Umfang kauft und verkauft. Demzufolge ist Boanlkramer auch eine recht respektlose und abwertende Berufsbezeichnung, denn ein Händler der mit Knochen – wenig wertvollen Gütern – handelt, kann gewiss nichts besonderes sein. Dies ergibt sich nicht zuletzt auch aus der Tatsache, dass der Tod für die Jäger und Wilderer wenig Dämonie und Majestät hatte. Er gehörte halt dazu, man machte nicht viel Aufhebens um ihn.

In der Literatur

In Franz von Kobells Kurzgeschichte Die Gschicht vom Brandner Kasper (1871) und dem daraus entstandenen Roman und Bühnenstück Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben von Kurt Wilhelm (Spielzeit 1974/75 – Residenztheater München) taucht der Boanlkramer als kauzige, bisweilen sogar hilflos-liebenswerte Gestalt auf.

Er kommt, wie im bäuerlichen Leben die Viehhändler, Hochzeitslader und Schmuser, in die Bauernstube, um Geschäfte zu machen. Und ein gutes Geschäft macht der Brandner letztlich auch mit ihm. Der bayerische Volksschauspieler Toni Berger fand in der Rolle des Boanlkramers seine Paraderolle, in der er weit über 1000-mal auf der Bühne stand. Seit 2005 spielt der junge Schauspieler Maximilian Brückner im Münchner Volkstheater den Boanlkramer im Brandner Kaspar.

In einer, im Herbst 2008 in die Kinos kommenden Verfilmung des Stoffes Die Gschicht vom Brandner Kasper von Joseph Vilsmaier, wird Michael Herbig den Boanlkramer verkörpern.