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Zeitung

Das Wort Zeitung war ursprünglich der Begriff für eine beliebige Nachricht („Er bittet, vorgelassen zu werden, er hab' Euch eine wichtige Zeitung.“ - Friedrich Schiller: Die Räuber, 1781); dieser erfuhr jedoch im Laufe des 18. Jahrhunderts eine Bedeutungsveränderung. Heute versteht man darunter ein periodisch erscheinendes Druckerzeugnis mit aktuellem Inhalt (vgl. die sprichwörtliche Wendung: „Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.“).

Inhaltsverzeichnis

Definitionen

In allgemeinster Definition ist eine Zeitung ein Druckwerk von mäßigem Seitenumfang, das in kurzen periodischen Zeitspannen, mindestens einmal wöchentlich, öffentlich erscheint, Nachrichten aus aller Welt und allen Gegenstandsbereichen vermittelt und von jedermann käuflich erworben werden kann. Vier Kriterien müssen also gegeben sein, wenn man von einer Zeitung spricht: Aktualität (zeitnahe Berichterstattung), Periodizität (regelmäßiges Erscheinen), Publizität (für Leser zugänglich) und Universalität (inhaltliche Vielfalt).

Eine Zeitung ist, anders als die Zeitschrift, ein der Aktualität verpflichtetes Presseorgan und gliedert sich meist in mehrere inhaltliche Rubriken wie Politik, Lokales, Wirtschaft, Sport, Feuilleton und Immobilien, die von eigenständigen Ressorts erstellt werden. Ein Ressort bearbeitet immer ein bestimmtes Themengebiet, eine bestimmte Rubrik, für das es eigenverantwortlich und unabhängig von den anderen Ressorts ist – wobei hier die Grenzen zunehmend zugunsten des Konzepts einer integrierten Redaktion aufgabenspezifisch und kompetenzübergreifend weitgehend eingeebnet werden (vgl. Newsdesk). Oftmals werden innerhalb eines Ressorts die einzelnen Themengebiete unter den Redakteuren aufgeteilt, je nach Qualifikation und Wissen der Redakteure. Die einzelnen Segmente einer Zeitung heißen Bücher (schweiz. Bünde).

Die Redaktion ist die Abteilung in einem Zeitungs- oder Zeitschriftenverlag, die die journalistische Arbeit erbringt. In einer oder für eine Redaktion schreiben Redakteure, Pauschalisten, Freie Journalisten und Volontäre, von Fall zu Fall auch externe Experten.

Inhalte

Die Inhalte werden mit journalistischen Stilmitteln präsentiert und sind thematisch nicht eingegrenzt (universell), meldungsaktuell und allgemein gesellschaftlich, jedoch nicht fachlich oder beruflich bestimmt.

Zeitungen bestehen inhaltlich aus dem so genannten redaktionellen Teil, der durch die Redaktion oder einzelne Autoren verantwortet wird, und dem Anzeigenteil. Anzeigen werden in ihrem Inhalt von demjenigen verantwortet, der die Anzeige „schaltet“, d. h. bei der Anzeigenredaktion aufliefert und für ihr Erscheinen bezahlt. Der Verlag kann bestimmte Anzeigen dagegen auch ablehnen. Ist die Anzeige gedruckt, ist der Verlag für den Inhalt der Anzeige verantwortlich. Deshalb ist eine intensive vorherige Prüfung notwendig. Die Anzeigenpreise richten sich vor allem nach der Auflagenhöhe der jeweiligen Zeitung und der Größe der entsprechenden Anzeige.

Nutzungsforschung

Der Leser gilt in Zeitungsredaktionen oftmals als „unbekanntes Wesen“. Zwar existieren verschiedene Werkzeuge, um Leserverhalten, -zufriedenheit und -wünsche zu ergründen. Doch alle haben neben Vorteilen auch Nachteile. Klassische Feedbackinstrumente sind Leserbriefseiten und Lesertelefone. Sie werden jedoch nur von gewissen Lesertypen genutzt. Auch die jeweils verkaufte Auflage kann zur Nutzerforschung ausgewertet werden. Mächtigere Instrumente sind Copytests, verbunden beispielsweise mit Befragung oder technischen Hilfsmitteln wie Blickverlaufsaufzeichnung und Readerscan.

El País, die erste Retortenzeitung

Wie wichtig, ja: entscheidend konsequent ausgewerteter Feedback (etwa: Nutzerrückmeldungen) und empirische Erhebungen zum Rezipientenverhalten in den Mediengewerben sind, zeigt ein markantes Beispiel. El País („Das Land”), die größte und international bekannteste Tageszeitung Spaniens, die 1976 kurz nach dem Tod Francisco Francos gegründet wurde, ist ein auf intensive Nutzungsforschung und Leserbefragung im Vorfeld zurückgehendes „Retortenprodukt”. Das Blatt praktizierte zudem als erstes die inzwischen weitverbreitete Beilagen-Publizistik in Magazin-Form (TV-Programm, Jugendmagazin, feuilletonistische Supplements usw.). Die größtmögliche Berücksichtung der Leserwünsche und -erwartungen scheint sich für die spanische Grupo PRISA, dem bedeutendsten Medienunternehmen auf dem iberoamerikanischen Markt, gelohnt zu haben: „Eines der besten Blätter der Welt”, urteilte z.B. Hans Magnus Enzensberger[1] über die Zeitung. In einem Beitrag zum zehnjährigen Jubiläum ging „Die Zeit” noch weiter: „Andere große Journale wirken im Vergleich leicht tantenhaft (The New York Times), unzuverlässig (La Repubblica), bleiern (Le Monde) oder reaktionär (Frankfurter Allgemeine Zeitung).”[2] – Nach einem erfolglosen Versuch, den Webauftritt bezahlpflichtig zu machen (ein Schicksal, das auch zahlreichen anderen Medien, darunter die „Washington Post” oder die „New York Times”, widerfuhr), gingen die Verantwortlichen in die Offensive. Der Online-Auftritt von El País bietet seit Ende 2006 mit die umfassendsten Nutzerbeteiligungsmöglichkeiten in Form von Weblogs und anderen interaktiven Funktionen unter den führenden nachrichtenorientierten Websites[3] (siehe dazu auch: Partizipativer Journalismus; User Generated Content), die Verzahnung von Webpräsenz und Printausgabe ist mit am weitesten gediehen.[4]

Der Zeitungsmarkt weltweit

Explosives Wachstum: Schon um die Jahrtausendwende überstieg die Zahl der Internetnutzer weltweit die Zahl der Zeitungskäufer (2005: 439 Mio. lt. Angaben der World Association of Newspapers). Man muss allerdings berücksichtigen, dass Zeitungsexemplare nicht nur in ärmeren Ländern (viele davon in der medial in jeder Hinsicht notorisch unterversorgten afrikanischen Subsahara[5];[6]) i.d.R. von mehreren Personen gelesen werden und das oftmals mit mehr Aufmerksamkeit. Andererseits bietet der Zeitungsmarkt nicht im Entferntesten die (potentielle) Vielfalt des Webs, von dessen Aktualitätsvorsprung ganz zu schweigen; zahlreiche Leser sind – nicht selten sogar erzwungenermaßen – auf eine Monopol-Publikation verwiesen. – Zu den Zusammenhängen siehe: Medienkompetenz; Digitale Kluft, 100-Dollar-Laptop; allgemeiner: Digitale Revolution, Informationsgesellschaft, Wissensgesellschaft

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) war der deutsche Tageszeitungsmarkt mit einer Auflage von 21,67 Millionen Exemplaren im ersten Quartal 2005 der größte Markt in Westeuropa. Demnach wurden in diesem Zeitraum pro Erscheinungstag 27,376 Millionen Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen verkauft; davon seien rund 18 Millionen Exemplare (65 Prozent) im Abonnement vertrieben worden. Weltweit ist der chinesische Zeitungsmarkt der größte, gefolgt von Japan. Deutschland liegt hinter den USA und Indien auf Rang fünf, hieß es.[7]

2005 verzeichnete der internationale Zeitungsmarkt nach einem Bericht der World Association of Newspapers (WAN) ein Wachstum von 0,56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft kletterten demnach auf ihr bestes Ergebnis seit vier Jahren. Seit der Jahrtausendwende steigerten sich die globalen Zeitungsverkäufe um rund sechs Prozent, wofür vor allem die Zuwächse das boomende Geschäft auf dem asiatischen Markt sowie die zunehmende Verbreitung von kostenlosen Titeln sorgte. Wie Timothy Balding, Geschäftsführer der WAN, mitteilte, wächst die Leserschaft sowohl im Print- als auch im Online-Bereich; die Reichweite könne durch die Nutzung verschiedener Distributionswege gesteigert werden, die von kostenlosen Tageszeitungen bis hin zu den Internetpräsenzen reichen. Trotz der starken Konkurrenz durch andere Medien seien Zeitungen „unverwüstlich“, unterstrich Balding. Die Gratiszeitungen konnten ihre Reichweite laut WAN weltweit um rund sechs Prozent, in Europa sogar um 17 Prozent steigern. Dabei erhöhten sich die Werbeeinnahmen der Verkaufszeitungen 2005 im Vorjahresvergleich um 5,7 Prozent. Gemessen am Stand des Jahres 2000 haben sie um 11,7 Prozent zugelegt.

Während die Verkäufe in China und Indien 2005 gesteigert werden konnten, hatten die USA und Deutschland Rückgänge zu verzeichnen. Insgesamt verringerten sich in Europa die Einnahmen auf dem Zeitungsmarkt um 0,24 Prozent, in Nordamerika um 2,5 Prozent und in Australien um zwei Prozent. Das größte Wachstum wies Südamerika mit einem Plus von 3,7 Prozent auf. In Asien habe das Geschäft mit den Tageszeitungen um 1,7 Prozent zugenommen, in Afrika gab es einen Zuwachs von immerhin 0,2 Prozent.

Insgesamt untersuchte die WAN eigenen Angaben zufolge den Zeitungsmarkt in 216 verschiedenen Ländern. Weltweit kaufen rund 439 Millionen Menschen Tageszeitungen. Rechnet man die Gratis-Zeitungen hinzu, steigt die Verbreitung sogar auf 464 Millionen, so die WAN.[8]

Tageszeitungen in Deutschland 2005: Einbrüche bei der Nutzung, Glaubwürdigkeit ungebrochen

Die Langzeitstudie Mediennutzung von ARD/ZDF ergab im Frühjahr 2005[9], dass im Vorjahr bei einer Gesamtnutzung tagesaktueller Medien von 600 Minuten pro Tag die Tageszeitungen mit 28 Min. gegenüber dem Internet (44 Minuten) schon beträchtlich ins Hintertreffen geraten waren (2000: 30 zu lediglich 13 Min. Internet); nach Angaben des Lobby-Verbandes BDZV hatten sie zum Zeitpunkt der Erhebungen dennoch nach wie vor einen geradezu uneinholbar scheinenden Glaubwürdigkeitsvorsprung nicht nur vor Webpublikationen. Die Glaubwürdigkeit der Mediengattungen wurde demnach wie folgt eingeschätzt[10]:

Geschichte der Zeitung

Ursprünge

Der Begriff Zeitung tauchte als „zidunge“ mit der Bedeutung „Kunde“ oder „Nachricht“ im Raum Köln bereits am Anfang des 14. Jahrhunderts auf und wurde für mündliche oder schriftliche Botschaften bis ins 19. Jahrhundert gebraucht. Das Wort tidinge aus dem Mittelniederdeutschen oder Mittelniederländischen bedeutet so viel wie Botschaft oder Nachricht.

Nach der Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg in der Mitte des 15. Jahrhunderts (1445) waren neben der Buchproduktion bald auch Pressedrucke im eigentlichen Sinn, die Einblattdrucke aufgekommen - teilweise mit Graphiken (Holzschnitten, Kupferstichen) illustrierte, einseitig bedruckte, ereignisbezogene, also nicht-periodisch erscheinende Blätter (mehr dazu im Artikel Flugblatt). Solche Einblattdrucke (wie auch mehrseitige Flugschriften jener Zeit) trugen gelegentlich den Titel Newe Zeitung von … = „neue Nachricht von …“. Diese Praxis mag dazu beigetragen haben, dass sich die Bedeutung des Begriffs „Zeitung“ allmählich von „Nachricht“ auf den Nachrichtenträger selbst, das Medium (der „Zeitungen“ = Nachrichten), verschob. Ende des 17. Jahrhunderts war diese Bedeutungsverschiebung abgeschlossen. Seither ist eine „Zeitung“ ein mit Nachrichten aus aller Welt gefülltes mehrseitiges Druckwerk, das mindestens einmal in der Woche öffentlich vertrieben wird.

Flugschrift von Reinhard Lutz: „Warhafftige Zeitung von den Gottlosen Hexen” (1571)

Neben der Gattung des Flugblattes existiert seit dem 15. Jahrhundert auch die Pressegattung der Flugschriften. Hierbei handelte es sich um mehr- bis vielseitige, ungebundene, nicht periodisch erscheinende Druckwerke, in denen Ereignisse und Gegenstände beliebiger Art thematisiert wurden. Im Zeitalter der Reformation spielten Flugschriften eine überaus bedeutende Rolle im öffentlichen Streit der konfessionellen und politisch-sozialen Parteiungen (vgl. Flugblatt).

Eine weitere nicht-periodische Pressegattung der Frühen Neuzeit sind die „Mess-“ oder „Semestralrelationen“. Es handelt sich, 1583 vom Historiker Michael von Aitzing in Köln aus der Taufe gehoben, um halbjährlich zur (Frankfurter) Buchmesse erscheinende Chroniken der vergangenen wichtigsten politischen Ereignisse in Europa. Die Bezeichnung dieser Gattung der politischen Presse ergab sich also durch die Erscheinungsweise. Wie der ältere (Jahres-)Kalender (siehe auch: Almanach) gehörte auch die Messrelation noch dem Genre der retrospektiv summierenden Annalistik an - erst die etwas jüngere politische Wochenzeitung realisiert dann das Kriterium unüberholbarer Aktualität der Nachrichten.

Erste Zeitungen

Die Pressegeschichte im weiteren Sinne reicht zurück bis zu den Kaufmannsbriefen, die seit 1380 nachweisbar erschienen. Das erste gedruckte Nachrichtenblatt, das die Bezeichnung einer Zeitung im modernen Sinn verdient, ist die Relation aller Fuernemmen und gedenckwuerdigen Historien[11] (häufig in der Forschung auch nur als „Relation“ bezeichnet). Sie erschien ab dem Herbst des Jahres 1605 in Straßburg im Elsass. Gegründet wurde sie von Johann Carolus und sie wurde, wie durch den überlieferten Jahrgang 1609 belegt, wöchentlich einmal ausgegeben.

Eine Quelle dafür ist die (undatierte) Supplik des Carolus an den Straßburger Rat, in der er ein Privileg (d. h. das Monopol der Herstellung) für sein neuartiges Druckwerk in Straßburg erbittet. In der Begründung schreibt Carolus, er habe seit einigen Wochen und jetzt das zwöhlffte Mahl ein gedrucktes Blatt herausgebracht. Der Rat Straßburgs lehnte die Eingabe am 21. Dezember 1605 ab. Da solche Suppliken vom Rat gewohnheitsmäßig unmittelbar nach ihrem Eingang behandelt wurden, dürfte des Carolus Bittschrift frühestens eine Woche vor dem 21. Dezember verfasst worden sein. Zurückgerechnet muss der Beginn des Zeitungsdrucks also auf Ende September oder Anfang Oktober 1605 zu datieren sein. Die älteste erhaltene Ausgabe dieser Zeitung stammt allerdings erst aus dem Jahr 1609.

Als die erste regelmäßig erscheinende Zeitung auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands gilt der „Aviso, Relation oder Zeitung“. Dies war eine Wochenzeitung, deren erste Nummer am 15. Januar 1609 in Wolfenbüttel erschien. Um 1615 entstand die Frankfurter Postzeitung, die in den nächsten 250 Jahren regelmäßig von Postillons verteilt wurde und kuriose Neuigkeiten, später auch amtliche Nachrichten, im ganzen Land verbreitete und erstmals eine mit heutigen Blättern vergleichbare überregionale Bekanntheit erreichte.

Im Jahr 1650 erscheint in Leipzig mit den Einkommenden Zeitungen zum ersten Mal eine Tageszeitung mit sechs Ausgaben pro Woche. Die älteste noch erscheinende Zeitung ist die seit 1645 in Schweden erscheinende Post- och Inrikes Tidningar. Die Tageszeitung blieb zunächst eine Ausnahme, ihre interessanteste Funktion gewann sie vor dem 19. Jahrhundert mit der seit 1702 in London erscheinenden „Daily Courant”, dem Blatt, das die Funktionen des Veranstaltungskalenders der Großstadt übernahm (in kleineren Städten wurden die lokalen Veranstaltungen rascher durch den Ausruf vermeldet).

Entstehung der Zeitung „auf der historischen Tagesordnung”

Johannes Weber fasste die Entwicklung und ihre vielschichtigen Voraussetzungen, Anlässe, Hintergründe und Konsequenzen so zusammen: „Um 1600 sind alle technischen, infrastrukturellen und kommunikativen Komponenten vorhanden, die das komplexe Phänomen der modernen Zeitung ermöglichen. Der Buchdruck gestattet die massenhafte Reproduktion von Nachrichtentexten; die regelmäßige Stafettenpost bedient ein professionelles handschriftliches Korrespondenzsystem mit Meldungen aus aller Welt. Die Entstehung es ersten gedruckten periodischen Nachrichtenblattes im Herbst 1605 ist deshalb auf der historischen Tagesordnung gewesen. Der Übergang von chirographisch kopierten zu typographisch gefertigten Zeitungen war von weit reichenden Folgen, da die nunmehr mögliche massenhafte Verbreitung der Blätter die neue Qualität der regelmäßigen Publizität des Politischen mit sich brachte. Der Siegeszug des Massenmediums vollzog sich unaufhaltsam. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts boten Zeitungen die meistgelesene weltliche Lektüre. Sie bildete die Voraussetzung politischer Bildung und Aufklärung. Die Säkularisierung des Politischen in den Köpfen der Untertanen wurde durch das fortgesetzte kleinteilige Referat von Herrschaftshandeln vertieft.” (Johannes Weber: Straßburg 1605: Die Geburt der Zeitung – Abstract; a.a.O.)

Weitere Meilensteine

Erste regelmäßig illustrierte Zeitungen; Postzeitung

In Amsterdam wird von dem Drucker Caspar Van Hilten 1618 die erste niederländische Wochenzeitung namens „Courante uyt Italien, Dytsland & c.“ herausgegeben. Das wöchentlich erscheinende Blatt kann auch als erste Zeitung im Broadsheet-Format bezeichnet werden; frühere Nachrichtenpublikationen wurden gewöhnlich im Quart-Format gedruckt (heute definiert: 225 × 285 Millimeter). Das einzige noch existierende Exemplar der Erstausgabe (sie enthielt vier verschiedene Berichte, u.a. aus Venedig und Prag) wird in der Kungliga Biblioteket in Stockholm aufbewahrt. Spätere Ausgaben von 1628 bis 1664 befinden sich in der Koninklijke Bibliotheek in Den Haag. – Die erste gedruckte Zeitungsanzeige erschien 1626 in der niederländischen Zeitung „Jansz' Tydinghen uyt Verscheyde Quartieren”.

Ab 1620 gibt der belgische Drucker Abraham Verhoeven in Antwerpen die Nachrichtenblätter „Nieuwe Tijdingen” heraus. Dabei handelte es sich um die erste regelmäßig (mit Holzschnitten) illustrierte Zeitung. Der kaiserliche Postmeister Johann von der Birghden (1582–1645) verwendete 1621 in seinem in Frankfurt am Main herausgegebenen Blatt „Unvergreiffliche Postzeitungen” erstmals den Begriff „Postzeitung”. Dieses Blatt erschien, später unter dem Titel „Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung”, bis 1866. Die Postmeister verfügten in der Entstehungszeit der Zeitungen häufig über den besten Zugang zu aktuellem Nachrichtenmaterial.

Frankreich: „La Gazette”

Théophraste Renaudot

Als die ersten Zeitungen Frankreichs gelten die Nachrichtenzeitung „La Gazette” bzw. die Wochenzeitung „Nouvelles ordinaires de divers en-droits”. „La Gazette”, herausgegeben von den Buchhändlern L. Vendosme und J. Martin, erschien ab Januar 1631 bis 1915. Durch Kardinal Richelieus Privilegierung gewann sie den Charakter der offiziellen Staatszeitung in Frankreich, einen Status, den sie bis 1789 fast ununterbrochen innehaben sollte. Die Zensurkommision Maître de la Librairie (wörtlich: Büchereimeister) gewährleistete insbesondere im Hinblick auf Berichte zu internationalen Angelegenheiten und Ereignissen, dass nichts veröffentlicht wurde, was den Auffassungen und Interessen der Regierung in Paris zuwiderlief. Die „Gazette” erschien zunächst einmal pro Woche (am Samstag) im Umfang von acht bis zwölf Seiten, gegliedert in das Hauptheft sowie die „Nouvelles Ordinaires” als Beilage. Die Zeitung nannte sich ab 1762 „Gazette de France”.

Théophraste Renaudot, der „Vater des französischen Journalismus”

Der französische Arzt, Publizist und Historiograph von König Ludwig XIII. (1610–1653), Théophraste Renaudot (* Loudun, Département Vienne 1586, † Paris 1653), der „Vater des französischen Journalismus” (manchmal wird er auch als der Begründer des modernen Journalismus überhaupt gesehen; der Prix Renaudot gehört zu den fünf großen Literaturpreisen Frankreichs), eröffnete im Jahr 1630 in Paris ein Anzeigenbüro. Kaufangebote und -gesuche wurden an den Wänden angeschlagen. Wer eine Stellung suchte oder anbot, konnte sich in eine Liste eintragen, die Renaudot ab 1633 als „Feuilles du bureau d’adresses et de rencontres” druckte und vertrieb; sie waren die Vorläufer der Anzeigenblätter (Intelligenzblätter), die ihre Blütezeit im 18. Jahrhundert erlebten[12]. Renaudots „Nouvelles ordinaires” erschienen in Paris wöchentlich ab 30. Mai 1631. Das Wochenblatt veröffentlichte die ersten Kleinanzeigen („petites affiches”).

1633 wurde in England der erste regelmäßige Schiffspostdienst Europas für die Postbeförderung zwischen Dover und Calais bzw. nach Dublin eingerichtet.

Erste Buchdruckerei auf dem amerikanischen Kontinent

Die erste Buchdruckerei auf dem amerikanischen Kontinent wurde 1638/1639 in Neuengland von dem aus Cambridge (England) stammenden Drucker Stephen Daye (1594–1668) und seinen Söhnen Stephen und Matthew eingerichtet. Ihr erster Druck war das Formular eines Treueeides für den König („The path of a freeman”, 1639); danach folgte ihr erstes gedrucktes Buch („The Whole Booke of Psalms”, 1640).

Früheste Veröffentlichung einer Statistik

Etwa zur gleichen Zeit erfolgte in Leipzig die vermutlich früheste Veröffentlichung einer Statistik in einer deutschen Zeitung, wo in den „Einkommenden Wochentlichen Zeitungen” eine Übersicht über „Aufgebotene, Getraute, Getaufte, Begrabene” erschien.

Der älteste Beleg einer (personalisierten) Todesanzeige stammt allerdings erst aus dem 18. Jahrhundert.[13] Diese Veröffentlichungen, mutmaßlich irgendwo zwischen (bezahlter) Annonce und redaktioneller Kurzmitteilung, blieben zunächst aber überwiegend ein Mittel von Geschäftsleuten, notwendige gewerbliche Veränderungen mitzuteilen; Entsprechendes wurde ggf. auch in kleiner Auflage gesondert gedruckt und postalisch zugestellt, u.U. auch ausgehängt. Obgleich die Todesanzeigen heute sicher eine der meist gelesenen Seiten vor allem der lokalen und regionalen Tagespresse sind, wurde diese Mitteilungsform erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch zum Ausdrucksmittel privater Trauer im Bürgertum: Es erschienen die ersten gedruckten Todesanzeigen in den Zeitungen.

„Gazeta”, die erste Zeitung Portugals, erschien 1641 bis 1642 in Lissabon.

Mezzotintotechnik

1642 wurde vom deutschen Kupferstecher Ludwig von Siegen (getauft Köln 1609, † Wolfenbüttel 1680) in Holland die Mezzotintotechnik (ital. mezzotinto = halb gefärbt; dt. Schabkunst) erfunden. Es handelt sich dabei um ein besonderes Kupfer- und Stahlstichverfahren, das auch Halbtöne im Druckergebnis ermöglicht.

England 1644: John Milton streitet für die Pressefreiheit

Der englische Dichter John Milton (1608–1674) hielt 1644 – auf dem Höhepunkt des Englischen Bürgerkriegs – vor dem britischen Parlament eine leidenschaftliche Rede, in der er für das grundsätzliche Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit eintrat. Seine Rede, die als erstes Zeugnis der Einforderung publizistischer Freiheit der Neuzeit gilt, wurde ohne Erlaubnis im gleichen Jahr in London unter dem Titel „Areopagitica; a peech for the liberty of unlicensed printing to the Parlament of England”[14] gedruckt.

1645 wurde die erste Zeitung in schwedischer Sprache herausgegeben. Die „Orinari Post Tijender” des Postmeisters Johan von Beijer wurde von Ignatius Meurer, einem Deutschen, in Stockholm gedruckt.

Redaktionslokal und Nachrichtenbörse: das Kaffeehaus

Ein englisches Kaffeehaus am Ende des 17. Jahrhunderts. Vor den Gästen am Tisch liegen Papiere (Zeitungen?), im Hintergrund wird eifrig diskutiert

1647 wurde in Venedig das erste europäische Kaffeehaus eröffnet; in ihm lagen bereits Zeitungen und Zeitschriften zur Lektüre aus und wurden Spiele (Karten, Schach, Billard) und Unterhaltung (Musik, Gesang, später Kabarett) geboten. Weitere Kaffeehäuser folgten 1650 in Oxford, 1652 in London, 1674 in Paris, um 1677 in Hamburg und 1685 in Wien, 1686 in Regensburg (gegenüber dem Rathaus und dem Immerwährenden Reichstag). – Das Kaffeehaus entwickelte sich als Treffpunkt von Literaten, Künstlern, Journalisten, Gelehrten, Politikern, Geschäftsleuten usw. besonders im 18. und 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationszentrum. Diverse Presseunternehmen verdanken dem Kaffeehaus ihre Gründung. So dienten z.B. die Londoner Kaffeehäuser den Herausgebern der englischen moralischen Wochenschriften als Redaktionslokal und Nachrichtenbörse (vgl. Button’s Coffee-house). Die erste deutsche Zeitschrift, die möglicherweise im Kaffeehaus entstanden ist, ihm zumindest aber ihre Existenz verdankte („Kaffeehauszeitschrift”), erschien in Leipzig 1698 unter dem Titel „Das curieuse Caffe-Hauß zu Venedig”. Fiktive Kaffeehausdiskurse zu Themen wie Mode, Barttrachten, politische Ränkeschmieden bzw. Gerüchte und dergleichen bildeten überwiegend den Inhalt. „Das neue und curiöse Caffe-Hauß, vormals in Italien, nunmehro aber in Teutschland eröffnet” erschien ebenfalls in Leipzig von 1707 bis 1708; es hatte nichts mit dem „Caffe-Hauß zu Venedig” von 1698 zu tun.

Briefkästen

Die nachweislich ersten Briefkästen wurden 1653 in Paris angebracht. In sie durfte man Briefe werfen, an denen ein Papierstreifen mit der Bestätigung des vorausbezahlten Portos („billet de port payé”) befestigt sein musste. Diese Billets können als die ältesten Postwertzeichen angesehen werden. – In Deutschland wurde der erste Briefkasten 1766 in Berlin aufgestellt. Landesweit wurden Briefkästen in Preußen am 1. Januar 1824 offiziell eingeführt. Größere Bedeutung erlangten sie jedoch erst mit der Einführung der Briefmarke.

1656 erschien in Haarlem die erste heute noch bestehende niederländische Zeitung als der „Weeckelycke Courante van Europa”. Heute heißt das Blatt „Haarlems Dagblad”.

Die erste polnische Zeitung, der „Merkuriusz Polski” („Polnischer Merkur”), erschien ab dem 3. Januar 1661 wöchentlich in Krakau, ab dem 14. Mai 1661 auch in Warschau.

Deutschland: erste Impulse zur Vereinheitlichung der Rechtschreibung

Erste Impulse zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung gingen vom Sprachwissenschaftler und Schriftsteller Justus Georg Schottel, latinisiert Schottelius, (* Einbeck 1612, † Wolfenbüttel 1676) aus, der die Schreibung der deutschen Sprache nach der Aussprache regeln wollte („Ausführliche Arbeit von der Teutschen Haubt Sprache”, Braunschweig 1663).

Haupt- und Staatsblatt: die „London Gazette”

Die 1665 ins Leben gerufene „London Gazette” war während des Zweiten Englisch-Niederländischen Krieges die einzige in England offiziell zugelassene Zeitung. Das Blatt erschien zweimal wöchentlich montags und donnerstags im einblättrigen Folioformat; Vorder- und Rückseite eines jeden Blattes waren zweispaltig bedruckt. Die „London Gazette” hatte bis zu 105 Nummern mit rund 210 Seiten Umfang. Herausgeber in den 1670er-Jahren war Thomas Newcomb. – Gegründet wurde das Blatt, das als erste reguläre englischsprachige Zeitung gilt, ursprünglich als „Oxford Gazette”, weil der englische Königshof wegen der Pest aus London geflohen war. Die „Continuation of Our Weekly News”, ein Newsbook im Quartformat mit acht bis 24 Seiten, war in London seit 1623 publiziert worden.

Die Geschichte der dänischen Presse begann mit der Monatszeitung „Den Danske Mercurius”, der in Kopenhagen von 1666 bis 1677 erschien.

Um 1670 erfand ein Unbekannter in Holland die erste die Papierfabrikation rationalisierende Maschine. Die zum Zerkleinern (Mahlen) der Hauptrohstoffe dienende Vorrichtung wird „Holländer” genannt.

Zeitungswesen: frühe Kritik, frühes Lob

Als die erste Buchveröffentlichung mit Kritik am Zeitungswesen gilt die 1676 in Jena erschienene Schrift „Discursus de novellarum, quas vocant Newe Zeitungen, hodierno usu et abusu” (dt. Diskurs über den Gebrauch und Mißbrauch von Nachrichten, die man Newe Zeitungen nennt) des Dichters, Rechtsgelehrten und Hofkanzlers Ashaver Fritsch (* Mücheln 1629, † Rudolstadt 1701). In diesem Pamphlet polemisierte Fritsch gegen die „Zeitungssucht” und „eitles, unnötiges, unzeitiges und daher arbeitsstörendes, mit unersättlicher Begierde getriebenes Zeitungslesen”.[15]

Vom Schulmann und Dichter Christian Weise (* Zittau 1642, † ebd. 1708) stammt die früheste Rechtfertigung des Zeitungswesens (und des Zeitungslesens). Seine Apologie des damals noch jungen Mediums veröffentlichte er in dem Buch „Schediasma curiosum de lectione novellarum” (dt. Interessanter Abriß über das Lesen von Zeitungen), Frankfurt/M., Leipzig 1676. 1706 veröffentlichte Weise sein Werk „Curieuse Gedancken von den Nouvellen oder Zeitungen“. Die erste deutsche zeitungswissenschaftliche Dissertation, „De relationibus novellis” (dt. Über Zeitungsberichte), wurde an der Universität Leipzig von Tobias Peucer aus Görlitz (Lausitz) angefertigt und 1690 veröffentlicht. Peucer untersuchte in ihr vor allem den wissenschaftlichen Nutzen der Zeitungslektüre für den Historiker. Die erste umfassende Gesamtdarstellung des Zeitungswesens verfasste der Barock-Schriftsteller und -Sprachforscher Caspar (Kaspar) Stieler (* Erfurt 1632, † ebd. 1707; 1705 geadelt) mit der 1695 in Hamburg erschienen Abhandlung „Zeitungs Lust und Nutz, Oder: derer so genannten Novellen oder Zeitungen, wirckende Ergetzlichkeit, Anmut, Notwendigkeit und Frommen …”. Darin heißt es unter anderem: „Die Zeitungen sind der Grund / die Anweisung und. Richtschnur aller Klugheit.“ Stieler gab hier bereits detaillierte Anweisungen für guten und angemessenen Zeitungsstil:

„Inmittels muß der Stilus / oder Schreibart Historisch verbleiben / daß ist / er muß einfältig / aber doch auch munter; gleich fliessend / doch auch hurtig und sinnreich seyn. Alles gekünstelte und gezwungene findet darinnen keine statt. Wortwandlungen und Blumenwerk gehören in die Zeitungen nicht / so wenig als Poetische Grillen und neu erfundene Worte.“

Und er klärt seine Leser über das Wesen der Zeitung auf:

„Das Wort: Zeitungen kommt von der Zeit / darinnen man lebet / her und kan beschrieben werden / daß sie Benachrichtigungen seyn / von den Händeln / welche zu unserer gegenwärtigen Zeit in der Welt vorgehen / dahero sie auch Avisen / als gleichsam Anweisungen genannet werden. Denn das Wort Avisen bedeutet anweisen / anzeigen / oder berichten / was bey uns oder anderswo sich begibt. […] Sie seyn Gedruckte Erzehlungen derer hin und wieder / oder vermeintlich vorgegangenen Dinge / ohne gewisse Ordnung und Beurteilung: zu ersättigung der Lesenden Neugirigkeit und Benachrichtigung der Welt-Händel erfunden.“

Die wahrscheinlich erste spanische Zeitung erschien 1677 unter dem Titel „Gaceta de Madrid” (eingestellt 1680, neugegründet 1697, seit 1808 Amtsblatt, 1936 erloschen).

Erste Zeitungen in den britischen Kolonien Nordamerikas

Die erste amerikanische Zeitung: „Publick Occurrences, Both Foreign and Domestick” (25. September 1690)

Die erste, von dem Quäker William Bradford (1663–1732) und anderen gegründete Papiermühle Amerikas nahm 1690 in der Nähe von Germantown (Pennsylvania) den Betrieb auf. Im gleichen Jahr erschien am 25. September auch die erste amerikanische Zeitung unter dem Titel „Publick Occurrences, Both Foreign and Domestick” (etwa: „Öffentliche Begebenheiten aus dem Aus- und Inland”) in Boston, herausgegeben von Richard Pierce und Benjamin Harris. Der britische Gouverneur von Massachusetts verbot die Zeitung umgehend, weil er das Nachrichtenmonopol offizieller Informationen aus London aufrechterhalten wollte. Am 24. April 1704 erfolgte die zweite Zeitungsgründung in den britischen Kolonien Nordamerikas mit dem von Bartholomew Green in Boston gedruckten „Boston News Letter” (erschienen bis 1776).

Die ersten „Wettervorhersagen” erschienen am 14. Mai 1692 in dem von John Houghton (1640–1705) herausgegebenen Wochenblatt „A collection for improvement of husbandry and trade” (dt. Sammlung für den Fortschritt von Landwirtschaft und Handel). Dabei handelte es sich allerdings nur um eine Tabelle mit Angaben zum Luftdruck und zu den Windstärken der gleichen Zeit des Vorjahres, mit der sich die Leser selbst die Vorhersage erstellen sollten. Houghtons weithin als unwissenschaftlich angesehene Methode wurde mehrfach nachgeahmt; erst nach Einführung der Telegrafie waren Wettervorhersagen in Zeitungen auf wissenschaftlicher Grundlage möglich. Die erste Heiratsanzeige erschien am 19. Juli 1695 ebenfalls in Houghtons Wochenblatt. „Ein Herr von etwa 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz” suchte mit der Annonce „für die Ehe eine junge Dame mit einem Vermögen von ca. 3000 Pfund”.

Die erste Frauenzeitschrift der Welt: „The Ladies’s Mercury”

„The Ladies’s Mercury”, die erste Frauenzeitschrift der Welt, erschien am 27. Juni 1693 in London. Das von dem Buchhändler John Dunton herausgegebene Blatt enthielt bereits eine Kummerspalte, eine heute noch vielfach in vergleichbaren Publikationen geplegte Einrichtung. Die Zeitschrift stellte ihr Erscheinen noch im selben Jahr ein. – 1725 erschien in Leipzig eine der ersten deutschen Frauenzeitschriften, die von Johann Christoph Gottsched (1700–1766) und seiner Ehefrau Louise Adelgunde (1713–1762) gegründete Zeitschrift „Die vernünftigen Tadlerinnen” (in der Tradition der englischen Moralischen Wochenschriften). Der Begriff „Zeitschrift” wird jedoch erst 1751 gesichert verwendet; vorher sprach man von einem Journal, Magazin oder einer Monatsschrift.

Titelseite der „Boston Gazette” Nr. 1739 vom 26. November 1787. Das Motto der Zeitung lautete nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg: „A free press maintains the majesty of the people“

Bis allerdings Frauen regelmäßig selbst zu Berufsjournalistinnen (namentlich zu Redakteurinnen) aufsteigen konnten, verging noch mehr als ein Jahrhundert. In den Niederlanden etwa wurde erst im Jahr 1884 mit Henriëtte van der Meij (1850 bis 1945) die erste festangestellte Journalistin bei einer Zeitung beschäftigt („Middelburgsche Courant”, heute: „Provinciale Zeeuwse Courant”). Eine Ausnahme war Ann Franklin, die 1762 in Newport, Rhode Island, die Zeitung „The Newport Mercury” herausgab. Sie hatte die Stellung als Herausgeberin von ihrem Mann James Franklin, einem Halbbruder von Benjamin Franklin, übernommen. Der Drucker James Franklin publizierte ab 1719 die „Boston Gazette”, die als Konkurrenzblatt zum „Boston News-Letter” intendiert war, und druckte ab 1728 auch den „Rhode Island Almanac”.

Weitere Wegmarken

Die älteste noch (bzw. seit 1991 wieder) bestehende russische Zeitung, die „Sankt-Peterburgskie Vedomosti”, erscheint 1703 zum ersten Mal. Ihre Publikation wurde von Peter dem Großen am 16. Dezember 1702 per Ukas angeordnet. Sie stand in der Tradition der handschriftlich abgefassten „Kuranty” des 17. Jahrhunderts (Erstausgabe: 1621) und beinhaltete wenig mehr als Berichte über diplomatische Beziehungen und Peters militärische Siege – entweder von ihm höchstpersönlich verfasst oder aus holländischen Zeitungen seiner Wahl übersetzt.

Die Erstausgabe der ältesten immer noch erscheinenden Zeitung Dänemarks, der „Berlingske Tidende”, datiert von 1749.

1763 wird der „Norske Intelligenz-Sedler”, die erste Zeitung Norwegens, zum ersten Mal herausgegeben.

1785 gründet John Walter die britische Zeitung „The Daily Universal Register”. Ab dem 1. Januar 1788 nennt sich das Blatt „The Times”. Die später sehr angesehene Zeitung war zunächst im Wesentlichen ein Skandalblättchen; Walter verdiente einige Jahre einen Teil seines Einkommens mit Nachrichten, die er nicht veröffentlichte. Wie es damals durchaus üblich war, bezahlten ihm Prominente Geld dafür, dass bestimmte Meldungen unterdrückt oder unterschlagen wurden.

Mit „El Mercurio” wird 1827 in der Hafenstadt Valparaíso die erste spanischsprachige Zeitung Südamerikas publiziert. Das heute führende Blatt Chiles ist die älteste noch erscheinende Zeitung in spanischer Sprache weltweit.

Die ältesten noch erscheinenden deutschsprachigen Zeitungen

19. Jahrhundert

Ein Lesekabinett um 1840; Gemälde von Heinrich Lukas Arnold, Dresden (vgl.: Lesegesellschaft, Lesezirkel)

Im 19. Jahrhundert entstand die Massenpresse, was zum großen Teil an technischen Neuerungen der Druckpressen lag. 1812 wurde die Schnellpresse erfunden, 1845 die Rotationsmaschine und 1884 die Linotype-Setzmaschine. Außerdem stieg das Interesse der Bevölkerung an Informationen aus Politik und Gesellschaft; immer mehr Bürger konnten lesen (vgl. dazu auch: Kulturelle Bedeutung des Lesens, Lesekompetenz; im Weiteren: Literalität, Gutenberg-Galaxis, Alphabetisches Monopol; übergreifend: Mediengenealogie).

Zudem wurde das staatliche Anzeigenmonopol aufgehoben; dadurch entstand für das Zeitungswesen die zweite Einnahmequelle – der Anzeigenverkauf. Durch den Anzeigenverkauf konnte nun die Zeitung selbst günstiger verkauft werden, was zu einer wesentlich größeren Verbreitung führte. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland circa 3500 Zeitungen.

Ungeachtet bedeutsamer technischer und gesellschaftlicher Fortschritte verhinderten besonders im deutschsprachigen Raum (mit Ausnahme, unter Vorbehalt, der Schweiz), die politischen Umstände zunächst die Herausbildung einer hinreichend unabhängigen und freien Presse, die andernorts frühzeitig als ein wesentlicher Bestandteil eines genuin demokratischen Gemeinwesens erachtet und geachtet wurde. Gerade auch in diesem Zusammenhang ist an Helmuth Plessners These von Deutschland als der „verspäteten Nation” zu erinnern.

Die Pressefreiheit im Vergleich

Nach dem Sturz des Hauses Stuart hatte England als erster moderner Staat eine genuine Freiheit der Presse eingeführt; das Parlament lehnte 1695 eine Verlängerung der Zensurgesetze ab. Allerdings blieben den Zeitungen steuerliche Belastungen auferlegt, die erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufgehoben wurden. „Das Vorbild Englands strahlte hinüber in die Neue Welt und zurück auf den Alten Kontinent”, wie Martin Löffler 1969 in seinem Presserechtskommentar schrieb.[16]

„Gazetten dürfen, so sie delecti[e]ren sollen, nicht geni[e]ret werden” – diese an Voltaire gerichtete Äußerung des aufgeklärten preußischen Königs Friedrich II. vom Mai 1740 wird bisweilen als Plädoyer und Beleg für eine weitreichende Pressefreiheit im Preußen des 18. Jahrhunderts gewertet. Allerdings bezogen sich die neuen Bestimmungen ausschließlich auf den Lokalteil der Zeitungen. So wurde der Verleger der „Berlinischen Privilegirten Zeitung” schon im September 1740 darauf aufmerksam gemacht, dass er fortan nur mit „mehrer Überlegung und Behutsamkeit” die ihm „erlaubete Freyheit” gebrauchen dürfe. Nach dem Angriff Preußens auf Schlesien konnte von Garantien für die Pressefreiheit im Militärstaat Preußen keine Rede mehr sein. Der Bremer Presseforscher Holger Böning stellte fest, dass Friedrich II. „persönlich für eine Pressereglementierung” gesorgt habe, „die an Strenge in Deutschland kaum ihresgleichen fand.” Andererseits habe er „so früh wie wenige andere die Bedeutung der öffentlichen Meinung” erkannt. „Während der Schlesischen Kriege wurden von ihm unter der Identität eines 'vornehmen preußischen Officiers' vorzügliche Berichte über die militärischen Operationen verfaßt, die das Bild des genialen Schlachtenführers auszumalen halfen. Sie wurden in die Berliner Zeitungen eingerückt und überall in Deutschland nachgedruckt. Planvoll bis ins letzte Detail perfektioniert wurde die preußische Nachrichtenpolitik im Siebenjährigen Krieg. Durften die anderen deutschen Zeitungen auch der österreichischen Sicht Raum geben, so war das den Berliner Blättern untersagt. Selbst für den gelehrten Artikel hatte der König persönlich Vorzensur - Tod jeder aktuellen und interessanten Zeitung - angeordnet. Der junge Lessing schrieb seinem Vater aus Preußens Hauptstadt, er verzichte auf die Übersendung der Berliner Zeitungen, weil diese 'wegen der scharfen Censur größtentheils unfruchtbar und trocken sind, daß ein Neugieriger wenig Vergnügen darin finden' könne.” Während die Berliner Presse verkümmert sei, habe Friedrich, „perfekt die Klaviatur der Meinungslenkung beherrschend, an seinem Ruhm als Freund der Gerechtigkeit und Schirmherr der Geistesfreiheit” gearbeitet.[17]

„Der Denker Club. Wichtige Frage, welche in heutiger Sitzung bedacht wird. Wie lange möchte uns das Denken wohl noch erlaubt bleiben?” (Deutsche Karikatur von 1819)

Auch in Österreich, wo Joseph II. für wenige Jahre vorübergehend die Zügel gelockert hatte (z.B. auch im Hinblick auf die Kritik an seiner Person, die gestattet war, „wenn es nur keine Schmähschriften sind”), wurde alsbald wieder eine härtere Gangart eingeschlagen, die in der offenen Unterdrückung und systematischen Verfolgung im Metternichschen Polizeistaat kulminierte (vgl. Restaurationszeit; Karlsbader Beschlüsse; Wiener Kongress).

Die weitreichendsten Freiheiten im Europa des 18. Jahrhunderts genossen wohl die Schweden unter ihrem König Gustav III., der nicht nur ein Freund der Wissenschaft, sondern auch selbst Schriftsteller war. Noch vor den Revolutionen in Amerika und Frankreich erließ Schweden 1766 ein Pressegesetz, das die Pressefreiheit garantierte. (Dennoch gab es auch in Schweden in der Folge noch teilweise spektakuläre Fälle von Zensur; so wurden 1770 Emanuel Swedenborgs theologische Schriften verboten, der berühmteste Liederdichter Schwedens, der spätere Nationaldichter Carl Michael Bellman – gewiss kein Experte in zurückhaltender Ausdrucksweise – erhielt 1773 eine Warnung wegen eines Impromptus.) 1810 folgte ein mit Verfassungsrang ausgestattetes Gesetz über die Freiheit der Presse, 1992 das Gesetz über die Meinungsfreiheit, dessen Geltungsbereich sich auf die elektronischen Medien erstreckt. Die frühzeitig begründete Tradition hat tiefgreifende Folgen bis heute: „Die Meinungs- und Pressefreiheit genießt in Schweden eine überragende Stellung; der Schutz des Persönlichkeitsrechts tritt dahinter deutlich zurück. Ein Gegenveröffentlichungsrecht ist nicht vorgesehen und die Haftungsverantwortlichkeit für Veröffentlichungen auf den Redakteur beschränkt (es haften also weder der Verleger noch der Verfasser noch der Informant!).”[18]

Im September 1770 ließ Johann Friedrich Struensee, der zum Staatsminister aufgestiegene Leibarzt des dänischen Königs Christian VII., für die Herzogtümer Schleswig und Holstein die Zensur förmlich aufheben (Rescript, betreffend die Aufhebung der Censur)[19]. Die Hamburger Presse genoss für kurze Zeit eine „gewisse Englische Freiheit”, wie der Oberpostmeister zu Hamburg Maximilian von Kurtzrock es ausdrückte. Nach Struensees Hinrichtung am 28. April 1772 machte einer seiner schärfsten Kritiker, Ove Høegh-Guldberg, sämtliche von diesem veranlassten Reformen rückgängig und beschleunigte die Rückkehr zum dänischen Absolutismus alter Prägung. 1773 wurde die Zensur wieder eingeführt; Publizisten hatten sich direkt gegenüber dem Polizeimeister zu verantworten. In diversen mittleren und kleineren Staaten, etwa in Sachsen-Weimar, Hessen-Darmstadt, Mecklenburg-Strelitz und Neuwied, lagen die Verhältnisse ähnlich.

In der Terrorphase der Französischen Revolution (Schreckensherrschaft) zerbrach das Bündnis zwischen den gemäßigteren Regierungen in Deutschland, die sich nun auch vor einem Übergreifen der Umwälzungen auf ihren Herrschaftsbereich fürchteten, und der aufklärerischen Presse. Die bis dahin in einer Reihe von Städten und Territorien zurückhaltend gehandhabte Pressezensur wurde deutlich verschärft; das Recht der freien Meinungsäußerung bzw. der ungehinderten Informationsbeschaffung („Publizität”), ein Kernanliegen der Aufklärung, wurde dadurch neuerlich massiv beeinträchtigt.

In Frankreich selbst war mit Artikel 353 der Verfassung von 1793 die Vorzensur aufgehoben worden. Unter der Herrschaft der Jakobiner war das Publizieren gefährlich geworden: Es genügt oftmals die bloße Denunziation durch bezahlte Spitzel oder Neider, um etwa Buchhändler oder Verfasser von Flugblättern „royalistischer Umtriebe” zu bezichtigen und im Schnellverfahren auf die Guillotine zu bringen.

Unter Napoleon wird die Pressefreiheit in der Direktorialverfassung von 1796 (Artikel 355) gewährleistet – allerdings mit wesentlichen Restriktionen. Zwar gab es keine Vorzensur mehr; dafür wurden Buchhändler und Autoren jetzt nach der Publikation belangt. Dazu diente eine Impressumspflicht mit der Angabe der realen Namen von Verleger und Autor. Der für die weitere Rechtsentwicklung gerade auch in Deutschland vorbildliche Code Civil Napoleons (1804) garantierte Freiheit und Rechtsgleichheit, allerdings war die Pressezensur keineswegs abgeschafft. Noch stärker wirkte ab August 1806 die Einschränkung der Presse unter der napoleonischen Herrschaft und die damit verbundenen staatlich verordneten Konzentrationen in der deutschen Zeitungslandschaft. In den Rheinbundstaaten und in Norddeutschland durfte in jedem Departement nur eine Zeitung erscheinen, die ausschließlich die Berichte des Pariser Amtsblatts „Le Moniteur universel” nachdrucken durfte.

Die nach der Beendigung der Herrschaft Napoleons (siehe dazu: Befreiungskriege) im Artikel 13 der Bundesakte versprochenen Verfassungen wurden in den deutschen Staaten nur zögerlich umgesetzt; so erhielt z.B. Sachsen-Weimar-Eisenach (1815 auf dem Wiener Kongress zum Großherzogtum aufgestiegen) am 5. Mai 1816 als einer der ersten deutschen Staaten durch Carl August eine teils altständische, teils moderne Verfassung, die als erste in der deutschen Geschichte die vollständige Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit einschloss. Nach der Ermordung von August von Kotzebue durch Karl Ludwig Sand 1819 blieb dieses Versprechen weitgehend Makulatur. – Vgl. Wartburgfest, Urburschenschaft; Deutscher Bund.

Die „Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe“; erst am 1. Januar 1842 in Köln gegründet, wurde sie von den Behörden am 31. März 1843 bereits wieder verboten. Wichtigster Autor und ab 15. Oktober 1842 Redaktionsleiter: Karl Marx.

Erst durch die Paulskirchenverfassung wurde die Pressefreiheit 1848 gesetzlich verankert (wenn auch zunächst folgenlos) und 1874 dann in die Reichpressegesetze [20] übernommen, wobei sich deren beinahe unbedingte Hochschätzung in Deutschland besonders auch in der Rechtsprechung erst nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich herausbildete (siehe dazu u.a.: Lüth-Urteil, Spiegel-Affäre). [21] Im Vormärz hatte sich z.B. der Deutsche Preß- und Vaterlandsverein „die Wiedergeburt Deutschlands in einem freiheitlichen Europa“ auf die (schwarz-rot-goldenen) Fahnen geschrieben; die Freiheit der Presse erkannte man als ein entscheidendes Vehikel zur Verwirklichung dieses Ziels (für Österreich vgl. u.a.: Juridisch-Politischer Leseverein, Revolution von 1848/49 im Kaisertum Österreich[22]).

„Der Kontinent tat 1848 einen großen Schritt in Richtung Informationsgesellschaft - ein Terminus, der also nicht erst seit heute in der Welt ist: Europa wuchs zu einem großen Kommunikationsraum zusammen. 'Das Eigene und das Fremde erhielt für Menschen aller Sozialkreise neue Konturen.' (Langewiesche). Dank der schnellen Informationsausbreitung waren Nachrichten nicht mehr zu 'kanalisieren', zurückzuhalten oder zu instrumentalisieren. Es begann sich die moderne Staatsbürgergesellschaft zu formieren, in der alle teilhaben an Informationen und Meinungen. Die 'Exklusivität' war zerstört. Partizipation trat an ihre Stelle. Auch wenn die Revolution scheiterte - es bleibt das historische Verdienst des deutschen März, der Durchsetzung der Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland den Weg bereitet zu haben.[..] Die 'Schicksalsstunde der Demokratie', die 'uns noch immer mit der Trauer über eine verlorene Möglichkeit erfüllt', wie der Historiker Thomas Nipperdey die März-Revolution nannte, war also doch nicht vergebens.“[23]

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Presse-, Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit seit 1789/91 durch den Ersten Verfassungszusatz (dem First Amendment) in der Bill of Rights de jure offiziell uneingeschränkt[24]; die staatliche Nichteinmischung wird explizit gewährleistet („Der Kongress wird kein Gesetz erlassen [..], das die Freiheit der Rede [..] oder die der Presse einschränkt.“). Die Väter der US-amerikanischen Republik waren sich der fundamentalen Bedeutung einer freien Presse für eine freiheitliche Demokratie von Anfang an bewusst: „Wäre es an mir zu entscheiden, ob wir eine Regierung ohne Zeitungen oder Zeitungen ohne eine Regierung haben sollten, sollte ich keinen Moment zögern, das Letztere vorzuziehen“, so Thomas Jefferson im Jahr 1787. – Vgl. Vierte Gewalt; Meinungsfreiheit, Rezipientenfreiheit.

Nichtsdestoweniger ist die Geschichte der Presse und der Zeitung bis in unsere Tage[25] stets auch die Geschichte der Zensur.

Auflagenrekorde durch Lügen und Fälschen: der Great Moon Hoax von 1835

Allerdings: Nicht nur die Behinderung der freien Information durch meist staatliche Zensur, Willkür und Repression, sondern auch das grob fahrlässige (etwa aus Mangel an Professionalität oder durch unverantwortliche Leichtgläubigkeit), in aller Regel aber bewusste und gezielte Fälschen und Erfinden von Nachrichten begleiten die Presse- und Mediengeschichte von Anfang an.

In den USA gilt die „große Mondente“ in dem von Benjamin Day herausgegebenen Blatt „The New York Sun” von 1835 als das erste Beispiel einer großangelegten und bewussten Fälschung (in diesem Fall durch maßlose Übertreibung, willkürliche Ausschmückung und Hinzuerfindung) im Zeitungsjournalismus. Dabei wurde ein Aufenthalt des britischen Astronomen Sir John Herschel am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, wo er ab 1834 ein Observatorium einrichtete, am 25. August 1835 zum Anlass für wild ausufernde und frei erfundene Schildungen dessen genommen, was Herschel angeblich „mit Hilfe seines immensen Teleskops völlig neuen Prinzips“ habe erblicken können. Die für die verblüfften Leser ohnehin schon mehr als faszinierende Beschreibung von Vegetation, Meeren und Stränden, Bisons und Ziegen, Kranichen und Pelikanen auf dem Erdtrabanten wurde schließlich getoppt durch die vorgebliche Entdeckung von pelzbekleideten, geflügelten Menschen, die wie Fledermäuse aussehen sollen. Beim Erscheinen des ersten Teils der Serie hatte „The Sun” noch eine Auflage von 15000 verkauften Exemplaren täglich; als die vermeintliche Existenz von Menschen auf dem Mond enthüllt wurde, verkündete Benjamin Day, dass sein Blatt mit 19360 Expl. die höchste Auflage aller Zeitungen weltweit habe. Viele der konkurrierenden Verleger waren vor Neid außer sich und druckten die Serie eilig nach. Die höchst verwunderliche Zeitungsente sorgte drei Wochen lang für so erheblichen Aufruhr, dass eine Missionsvereinigung in Springfield, Massachusetts, ernsthaft erwogen haben soll, Missionare zum Mond zu entsenden, um die Fledermausmenschen zu bekehren. – Erst am 16. September 1835 räumte die „Sun” die Fälschung ein und stieß damit nicht etwa auf Empörung, nein: Die Öffentlichkeit reagierte größtenteils amüsiert (was in unseren Tagen bei vergleichbaren Vorkommnissen wohl kaum mehr der Fall wäre; siehe: Hitler-Tagebücher, Tom Kummer, Jayson-Blair-Affäre). „The Sun” konnte sogar die mit dem legendären Hoax erreichte Auflagenhöhe dauerhaft halten.[26]

Penny-Press: erschwingliche Zeitungen für jedermann

Statistik: Das Wachstum des Zeitungsmarktes in den USA von 1840 bis 1860

Die 1833 gegründete „New York Sun” war auch die erste so genannte Penny-Press-Zeitung. Benjamin Day kam auf den Einfall, die Leserschaft und den Absatz seiner Zeitung durch einen günstigen, für beinahe jedermann erschwinglichen Preis und durch organisierten Straßenverkauf zu vergrößern (siehe: Kaufzeitung). Die meisten Blätter dieser Tage kosteten sechs US-Cents (viel zu viel für weniger Bemittelte) und wurden per Abonnement vertrieben. „The Sun” wendete sich auch inhaltlich bzw. konzeptionell an ein breiteres Publikum, befleißigte sich eines vereinfachten, direkteren Stils, einer lebhaften Sprache und publizierte Human-Interest-Geschichten. Der parataktische und elliptische Stil mit oftmals gezielt übertreibenden, nicht selten reißerischen Formulierungen ist bis heute kennzeichnend für weite Teile der Boulevardpresse („Räuberpistolen”).

Der von James Gordon Bennett herausgebene „New York Herald”, ebenfalls ein erschwingliches Massenblatt, praktizierte als erster mittlerweile durchweg gängige Formen der Nachrichtengewinnung: Die Zeitung zog nicht nur (vielfach offizielle oder offiziöse) Dokumente und mittelbar (meist im Nachhinein) recherchierte Berichte als Informationsquellen heran, sondern auch die observierende (Vor-Ort-)Reportage und das Interview. Der „New York Herald” beschäftigte neben zahlreichen Lokaljournalisten, die z.B. regelmäßig auch von der Wall Street berichteten, ab 1838 zudem einen Stab von sechs festangestellten Korrespondenten in Europa und weitere in wichtigen Städten der Vereinigten Staaten. Dazu gehörte auch der erste Reporter in Washington D.C., der regelmäßig aus dem US-Kongress berichtete. Bennetts „Herald” kann somit als die erste moderne Zeitung nach heutigem Verständnis gelten.

Horace Greeleys „New York Tribune”

Von 1841 bis in die 70-er Jahre des 19. Jahrhunderts zählte die von Horace Greeley herausgegebene „New York Tribune” zu den führenden und einflussreichsten Zeitungen in den Vereinigten Staaten. Greeley wollte dem Publikum in einer Zeit, in der Blätter wie die „New York Sun” und der „New York Herald” durch ihre Sensationsheischerei prosperierten, eine geradlinige und vertrauenswürdige Nachrichtenquelle zur Verfügung zu stellen. Das Blatt hatte rasch Erfolg und gewann zehntausende von Abonnenten im gesamten Land, auch weil sie als führendes Blatt der Whig-Partei in New York City galt. Der Historiker Allan Nevins meinte 1931: „Die Tribune setzte einen neuen Standard im amerikanischen Journalismus mit seiner Kombination geballter Nachrichten, guten Geschmacks, hoher Moralstandards und intellektuellem Anspruch. Polizeiberichte, Skandale, zweifelhafte medizinische Reklameanzeigen und oberflächliche Personennachrichten waren von ihren Seiten verbannt, die Leitartikel waren markig, aber gewöhnlich gemäßigt, die politischen Meldungen waren die genauesten der Stadt, Bücherberichte und Buchauszüge waren zahlreich und als eingefleischter Dozent räumte Greeley Vorträgen großzügig breiten Raum ein. Das Blatt wirkte anziehend auf solide und geistreiche Leute.“ – Ursprünglich ein Gründungsmitglied der Republikanischen Partei (1854), blieb Greeley an seiner Grundüberzeugung orientiert, dass alle Amerikaner politisch und wirtschaftlich frei sein sollten. Er sprach sich – ähnlich wie Thomas Jefferson – vehement gegen Monopole aus und unterstützte die neu entstandenen Gewerkschaften (labor unions). Vom utopischen Sozialisten Albert Brisbane (der das Journal The Phalanx herausgab) beeinflusst, war er in wesentlichen Belangen ein Anhänger des Fourierismus. Brisbane schrieb für die „Tribune” eine wöchentliche Kolumne. Kompromisslos war seine Ablehnung der Sklaverei, was zum Bruch mit Abraham Lincoln führte, den er publizistisch wiederholt wegen dessen in seinen Augen zu zögerlichen Vorgehens in der Sklavenfrage anging.

Aufgrund der zunehmenden Zahl eingewanderter, ursprünglich europäischer Leser in den Staaten nach dem Revolutionsjahr 1848 suchte Greeley journalistische Kontakte jenseits des Atlantiks – so wurde zum Beispiel Lincolns Duz-Freund Karl Marx als Londoner Korrespondent für die „New York Tribune” verpflichtet; auch Friedrich Engels schrieb für die US-Zeitung.

Die britische Presse in der viktorianischen Ära

„Illustrated London News”; erste Wirtschaftszeitungen

„The Illustrated London News”: Die Titelseite der Erstausgabe vom 14. Mai 1842 zeigt u.a. ein Bild der Feuersbrunst in Hamburg

Nachdem im November 1841 in London der „Jewish Chronicle”, die älteste noch erscheinende jüdische Zeitung der Welt, gegründet worden war, erschienen in der britischen Hauptstadt am 14. Mai 1842 die „Illustrated London News”, die erste durchgehend illustrierte Wochenzeitung im Vereinigten Königreich (32 Holzschnitte auf 16 Seiten). Das Blatt erschien bis 1971, danach monatlich. Ab 1989 wurde es zunächst zweimonatlich, dann vierteljährlich publiziert, um schließlich endgültig eingestellt zu werden. Gründer waren Herbert Ingram und sein Freund Mark Lemon, Mitherausgeber des „Punch”.

Am 2. September 1843 wurde die WirtschaftszeitungEconomist“ ins Leben gerufen, der sich zum Ziel gesetzt hatte, den freien Handel zu propagieren und zu fördern (vgl. Industrielle Revolution; Kapitalismus). Obgleich das heute jeden Freitag erscheinende Blatt sich selbst als Zeitung bezeichnet, wird es vielfach als Zeitschrift wahrgenommen. (Die „Financial News”, Vorläufer der seit 1888 erscheinenden „Financial Times”, eines der einflussreichsten Wirtschaftsblätter weltweit, folgten erst 1884.) Ebenfalls 1843 erschien mit der von John Browne Bell herausgegebenen „News of the World” auch in England erstmals eine billige Kaufzeitung für drei Schilling. Der Zeitungshandel (in jenen Jahren entstanden auch die ersten Bahnhofsbuchhandlungen und Zeitungskioske; siehe dazu auch: Geschichte der Eisenbahn) weigerte sich zunächst, eine Zeitung zu einem so niedrigen Preis zu vertreiben. – Das als Sonntagszeitung erscheinende Blatt kann als Wochenzeitungspendant zu der weltweit größten englischsprachigen Tageszeitung „The Sun” betrachtet werden (beide Publikationen gehören heute dem Medientycoon Rupert Murdoch).

Ab 21. Januar 1846 gab Charles Dickens die „Daily News” heraus.

Abschaffung des Stamp Act ermöglicht Massenpresse im Vereinigten Königreich

Erst die Widerrufung des Stamp Act am 1. Juli 1855 allerdings ermöglichte das Aufkommen einer preisgünstigen Massenpresse auf den britischen Inseln. Vorausgegangen war erheblicher lobbyistischer Druck vor allem durch das von Henry Hetherington geführte Newspaper stamp act Abolition Committee. Der British Stamp Act war die Besteuerung von Papierprodukten durch im Voraus zu zahlende Stempelmarken; er verteuerte Zeitungen erheblich. Erhoben wurde die Steuer in England nach dem Modell der Niederlande (wo sie 1624 im Zuge einer „öffentlichen Ausschreibung” erfunden und eingeführt worden war) seit dem Jahr 1694 – eigentlich als eine Art zeitlich befristeter Kriegssteuer auf Papier- und Pergamentprodukte, nämlich An act for granting to Their Majesties several duties on Vellum, Parchment and Paper for 10 years, towards carrying on the war against France (vgl. Pfälzischer Erbfolgekrieg; in der englischen Geschichtsschreibung gewöhnlich der Nine Years' War genannt, in älteren historiografischen Texten auch: War of the Palatine Succession oder War of the English Succession. – Die Londoner City war spätestens mit der Gründung der Bank of England am 27. Juli 1694 auch zum bedeutendsten Bankenstandort der Welt aufgestiegen.) – Es entstanden in der Folge der Aufhebung des Stamp Act auch typografisch modern gestaltete Blätter, die durch ihre Augenfälligkeit Aufmerksamkeit im zunehmenden Zeitungswettbewerb zu erregen versuchten.

Erstes Presseverzeichnis

1846 wurde „Mitchell's Newspaper Press Directory” (später: Benn's Media Directory[27]) gegründet, eines der ersten umfassenden Medienverzeichnisse der Welt. – Für Deutschland wurde unter derlei Verzeichnissen neben dem offiziellen Zeitungskatalog (Preisliste) des deutschen Generalpostamtes u.a. der Deutsche Zeitungs-Katalog (Leipzig 1841-1853), fortgesetzt u.d.T. Hübner's Deutscher Zeitungs-Katalog (Leipzig 1862 ff.), bedeutend.

Adressbücher, Annoncenkataloge, Hand- und Jahrbücher, aktuelle Bestandsverzeichnisse und Spezialbibliographien dieser Art gewannen in den folgenden Jahrzehnten rasch an Bedeutung – für die Medienmacher selbst wie auch für die Rezipienten. In unseren Tagen wäre zum Beispiel das Angebot des Internets ohne einschlägige Datenbanken, Webkataloge und Suchmaschinen nur sehr eingeschränkt oder überhaupt nicht nutzbar.

Postreform im Vereinigten Königreich

Rowland Hill reformierte ab 1837 das englische Postwesen. Er entwickelte u.a. die Idee für die so genannte Portoquittung, die heutige Briefmarke.

Zeitzeugnis: Meyers Konversationslexikon über die englische Presse

In der vierten Auflage von Meyers Konversationslexikon aus dem Verlag des Bibliographischen Instituts (Leipzig und Wien, 1885-1892; 16. Band: Uralsk - Zz) hieß es zur Presselandschaft des Vereinigten Königreichs im 19. Jahrhundert: „Der Charakter der englischen Presse ist Gediegenheit, innerlich und äußerlich. Großbritannien zählt unter seinen ca. 4000 periodischen Schriften ca. 1800 Journale vorwiegend politischen und ca. 700 überwiegend nichtpolitischen Inhalts; letztere erscheinen fast ausschließlich in Form von Wochenblättern, Revuen oder 'Magazines'. Tagesblätter gibt es 145, von denen die Hälfte in London erscheint, wo überhaupt gegen 1470 periodische Schriften herauskommen. [..] Von den bedeutendern, jetzt noch bestehenden Blättern stammen nur wenige aus dem letzten Jahrhundert. Die 'Times', immer noch das einflußreichste Blatt, wurde 1788 gegründet, während der konservative 'Standard' das gediegenste der Pennyblätter, der vielgelesene 'Telegraph', die 'Daily News', das Hauptblatt der Manchesterleute, erst Schöpfungen der Neuzeit sind. Zahlreich sind auch die politischen Abendblätter, wie 'Pall Mall Gazette', 'Globe', 'Echo' und 'Star', letzteres ein radikal-irisches Blatt. Unter den Wochenblättern allgemeinern Inhalts nehmen die 'Saturday Review' [Anm.: Das Blatt verursachte Ende der 1890-er Jahre mit der Schlagzeile „Germania delenda est” (Deutschland muss zerstört werden; s. Ceterum censeo; German-Bashing) einen erheblichen Aufruhr im Deutschen Reich[28]], 'Observer' und einige Arbeiterzeitungen, wie 'Lloyd's News', einen hervorragenden Rang ein. 'Punch' behauptet noch immer den Vorrang unter den Witzblättern, während die illustrierte 'Graphic' der ältern 'Illustrated London News' den Rang streitig macht und das 'Athenaeum' an der Spitze der rein litterarischen Zeitschriften steht. Zahlreich und teilweise glänzend ausgestattet sind die monatlichen 'Magazines', welche der Mehrzahl nach der bloßen Unterhaltung dienen, teilweise aber im Dienste der Wissenschaft, der Kirche, der Kunst und andrer Interessen stehen. Ehrwürdig durch ihr Alter sind hier die 'Edinburgh', die 'Westminster' und die 'Quarterly' Reviews, mehr gelesen aber die 'Fortnightly' und das 'Nineteenth Century'. Vgl. Duboc, Geschichte der englischen Presse (Hannov. 1873).”[29]

Das erste deutsche Blatt von Weltrang: Cottas „Allgemeine Zeitung“

Eine Jahrhundert-Meldung: Heinrich Schliemann schreibt in einem Bericht aus Troja vom 17. Juli 1873 in der „Augsburger Allgemeinen”, er habe den Schatz des Priamos gefunden

Die „Allgemeine Zeitung“, am 1. Januar 1798 von Johann Friedrich Cotta in Tübingen zunächst unter dem Titel „Neueste Weltkunde“ gegründet (erster Chefredakteur sollte nach Cottas Wunsch Friedrich Schiller werden, der jedoch absagte), war bis zur Märzrevolution 1848 die renommierteste deutsche Tageszeitung und das erste deutsche Blatt von Weltgeltung. Ihre bekanntesten Mitarbeiter waren u.a. Heinrich Heine (ab 1832 Korrespondent der Zeitung in Paris; vgl. Junges Deutschland, Julirevolution), Ludwig Börne und Friedrich Engels (bezeichnete das Blatt als „die deutsche Times“).

Am 5. August 1873 landete die damals schon als „Augsburger Allgemeine” firmierende Zeitung einen Jahrhundert-Scoop, wie man heute sagen würde: Heinrich Schliemann, der exklusiv für das Blatt und die Londoner „Times” schrieb, meldete, habe den Schatz des Priamos gefunden: „Es scheint, daß die göttliche Vorsehung mich für die übermenschlichen Anstrengungen während meiner dreijährigen Ausgrabungen in Ilion auf eine glänzende Art und Weise hat entschädigen wollen …”

Erste Nachrichtenagenturen

1835 wurde die weltweit erste Nachrichtenagentur gegründet, die Agence Havas in Paris; am 20. August 1944, dem Tag der Befreiung von Paris, wurde sie zunächst in Agence française de Presse, einen Monat später in Agence France-Presse umbenannt. Die heute weltweit führende Associated Press (AP) wurde im Mai des europäischen Revolutionsjahrs 1848 in New York City als „Harbour News Association“ ins Leben gerufen[30].

Der Telegraf als technischer Meilenstein

Ganz wesentlichen Anteil an der Verbesserung der Zuverlässigkeit, der Qualität und vor allem der Aktualität der Nachrichten hatte – neben der Anstellung hauptberuflicher Korrespondenten, die zunächst meist in den wichtigen Häfen stationiert wurden, die stets auch Umschlagplätze für Neuigkeiten aus aller Welt waren – die Erfindung des Telegrafen durch Samuel F. B. Morse im Jahr 1837. Plötzlich war es möglich, äußerst zeitnah über Geschehnisse zu berichten, die hunderte und tausende Kilometer entfernt stattgefunden hatten (vgl. auch: Paul Julius Reuter).

„Es gibt keinen Zweifel darüber, dass das Telegramm ein revolutionäres Stück Kommunikation war, das die Welt mitgestaltet hat und die Menschen näher zusammen gebracht hat”, erklärte David Hay, Chef von BT Heritage, zum 170-jährigen Jubiläum der Telegrafie im Jahr 2007. BT (vormals British Telecom) betrachtet sich als direkter Nachfolger der von William Cooke 1846 gegründeten Electric Telegraph Company als ältestes Telekommunikationsunternehmen der Welt.[31]Siehe dazu auch: Charles Wheatstone.

Der erste Zeitungsbericht in Europa, der auf einer telegrafischen Übermittlung beruhte, wurde am 6. August 1844 von der Londoner „Times” gedruckt. Gemeldet wurde die Geburt von Alfred, später „Alfie” genannt, Sohn der Königin Victoria I., die einer ganzen Epoche (s. Viktorianisches Zeitalter, 1837 bis 1901) den Namen gab.

1847: erstes Dampfschiff für den regulären transatlantischen Postverkehr

Am 1. Juni 1847 wurde in den USA die Washington, das erste Dampfschiff für den regelmäßigen transatlantischen Postverkehr, in Dienst gestellt und stach nach Bremerhaven in See.

Meinungspresse

Die in der Folge der Märzrevolution vom Verleger Bernhard Wolff (1811-1879) zusammen mit dem Journalisten Theodor Mügge am 1. April 1848 gegründete Berliner „National-Zeitung“ gilt als eines der frühesten Beispiele der parteibezogenen Meinungspresse (ohne deshalb eine genuine Parteizeitung zu sein) in Deutschland; sie entwickelte sich in den 1860er Jahren zum Hausblatt der Nationalliberalen Partei in Preußen. „Wir wollen den Fortschritt in jeder Beziehung”, proklamierte der Leitartikel der Erstausgabe. Vor den Märzereignissen gab es in Berlin nur vier Tageszeitungen: neben der „Vossischen Zeitung” und der „Spenerschen Zeitung” (1874 in der „National-Zeitung” aufgegangen), die beide aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammten, die seit 1819 bestehende „Allgemeine Preußische Zeitung” als offizielles Regierungsblatt und als deren Gegenspielerin seit 1846 die „Zeitungs-Halle”.[32]

In der ersten Ausgabe der in Lyon erschienenen Tageszeitung „Le Salut Public” (dt. Das öffentliche Heil, sieben Ausgaben pro Woche) vom Montag, 13. März 1848 heißt es in eigener Sache: „Die Presse, plötzlich befreit von ihren Fesseln, die ihre Handlungsfreiheit einschränkten und ihren Aufschwung aufhielten, erlangt heute eine unerwartete Autorität und einen unerwarteten Einfluss.” Die Presse nehme das Erbe der drei anderen Gewalten an, die dazu beigetragen hätten, sie zu zerstören. – Vgl. Februarrevolution 1848, Zweite Französische Republik

Bernhard Wolff gründete 1849 auch Wolffs Telegraphisches Bureau (W.T.B.), zunächst unter dem Namen „Telegraphisches Correspondenz-Bureau (B. Wolff)“. Zunächst verbreitete das W.T.B. nur kommerzielle (Börsen-), bald aber auch politische Nachrichten. Seit dem Jahre 1868 veröffentlichte es zudem die amtlichen Nachrichten der preußischen Regierung, später auch die der Reichsregierung. Die Meldungen des W.T.B. war daher zu großen Teilen zumindest offiziös, amtliche Verlautbarungen gaben den offiziellen Standpunkt der preußischen bzw. deutschen Regierung natürlich ohnehin gänzlich unredigiert und unkommentiert wieder, was vielfach in Hofberichterstattung mündete.

In Wolffs „National-Zeitung” wurden telegraphische Depeschen zunächst auf der letzten Seite abgedruckt; die allererste lautete: „Politisch Wichtiges Nichts.” – Es war umständlich und noch längere Zeit sehr teuer, Nachrichten mit dem Telegrafen zu verschicken. So kostete ein Telegramm mit 20 Wörtern von Berlin nach Aachen 1849 gemäß dem preußischen „Regulativ über die Benutzung der elektro-magnetischen Staatstelegraphen seitens des Publikums“ 5 Thaler und 6 Silbergroschen. Der Historiker Heinrich Wuttke beschrieb die Auswirkungen auf Nachrichtengestaltung und -stil im Jahr 1875 so: „Weil das Telegrafiren noch so theuer berechnet wird, faßt man die Nachricht so kurz als möglich, überspringt also Zwischenworte, übergeht Nebensächliches.” Diese Zwänge erklären auch, weshalb seitdem in Nachrichten das Wichtigste immer vorne steht; der klassische Aufbau einer Meldung (Lead und Body) war daher nicht nur den unsicheren Leitungen etwa im US-Bürgerkrieg geschuldet, wie häufig kolportiert wird, sondern schlicht dem Preis der Übermittlung.[33]

Vor dem Ersten Weltkrieg war das W.T.B. eine der größten Unternehmungen seiner Art. Mit der britischen Nachrichtenagentur Reuters und der französischen Havas bestanden seit 1870 Kooperationsverträge. – Am 1. Januar 1934 wurden das W.T.B. und die zum Hugenberg-Konzern gehörende Telegraphen-Union (T.U.) verstaatlicht; beide gingen im von den Nationalsozialisten gegründeten staatlichen Deutschen Nachrichtenbüro auf.

Der erste „Medienkrieg“

Der Krimkrieg (1853-1856) gilt als erster europäischer Medienkrieg. Kriegsberichterstatter wie etwa der aus Dublin stammende William Howard Russell, der wegen seiner Reportagen von der Krim Berühmtheit erlangte, konnten ihre Berichte ohne Zeitverlust an Zeitungsredaktionen senden, etwa jenen über die verklärte Attacke der Leichten Brigade. Die Londoner „Times“ meldete bereits am selben Abend den militärisch sinnlosen Angriff. Die Berichterstattung Russells war teilweise so genau, dass der russische Zar meinte, er brauche keine Spione, er habe die „Times“. Eine Folge dieser neuen realistischen Schilderungen war, dass der britische Oberkommandierende, General William John Codrington, im Februar 1856 die Zensur einführte. – Erstmals wurde ein bedeutender Kriegsschauplatz auch fotografisch dokumentiert, obgleich auch schon hier Aufnahmen bewusst (nach-)gestellt wurden (wenn auch überwiegend auf Grund technischer Zwänge; vgl. dazu: Roger Fenton) – womit eine bis dato fortgesetzte unrühmliche Tradition einen weiteren Höhepunkt erreichte. [34] Dennoch verfehlten die Presseberichte ihre Wirkung in der Öffentlichkeit nicht (siehe dazu: Florence Nightingale).

„Mesalliance zwischen Presse und Militär“

Aber schon bei der Entscheidung für den Krieg selbst – der „Vorwegnahme von Verdun“, den „ersten Krieg der Moderne“, den „ersten industriellen Krieg“ – „hatte für die britische Regierung auch der Druck der öffentlichen Meinung eine Rolle gespielt. In Großbritannien sah man die Türkei als eine schwache, liberale (!) Nation an, die von einer starken autokratischen Nation [nämlich Russland] angegriffen worden sei. Diese Stimmung wurde durch die antirussisch eingestellte Presse angeheizt.”[35] Der Krimkrieg leitete „eine lange dauernde Mesalliance zwischen Presse und Militär” ein. „Neben waffentechnischen Neuerungen kam 1855 erstmals die Presse als Kriegsberichterstatter zum Einsatz und spielte eine zentrale Rolle in der Beeinflussung der öffentlichen Meinung, insbesondere in Großbritannien. – Das Nachrichtenmanagement in Kriegen, heute salopp als 'CNN-Effekt' umschrieben, nahm im Krimkrieg seinen Ausgang, als erstmals Telegraf und Fotografie zum Einsatz kamen, um ein möglichst realistisches Bild vom Kriegsschauplatz zu liefern. [..] Obwohl im Krimkrieg der politische Einfluss der geschriebenen Nachrichten noch größer war, zeichnete sich erstmals die Wirkmächtigkeit und Einflussgewalt visueller Berichterstattung ab und leitete eine ikonografische Wende in der Art ein, dass sich das Verhältnis zwischen Wort und Bild zu verkehren begann: Das Bild kam nicht mehr zum Text hinzu, um diesen zu illustrieren, sondern das Wort kam zum Bild, wodurch sich diese Beziehung in ihr Gegenteil verkehrte. Die im Krimkrieg aufgetretene erste Revolution in Reporting Affairs stellt so einen Meilenstein auf dem Weg zur Integration medialer Informationskriegführung in das moderne militärstrategische Denken dar.”[36]Vgl. u.a.: Embedded Journalist; Revolution in Military Affairs.

Der Beginn der modernen Bildberichterstattung

Mathew B. Brady dokumentierte mit seinem Kamerateam, zu dem u.a. A. Gardner, T. H. O’Sullivan und G. N. Barnard gehörten, den amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865 auf rund 7.000 Nassplatten-Negativen, von denen über tausend digitalisiert wurden und über die Website der Library of Congress abrufbar sind[37]. Davon wurden allerdings zeitgleich auch nur wenige einem größeren Publikum bekannt, da Bildvorlagen für den Druck zunächst aufwändig und weitestgehend manuell in Strichzeichnungen umgesetzt werden mussten (vgl. Holzstich; Kupferstich)[38]. Die moderne Bildberichterstattung und Pressefotografie entwickelte sich nämlich erst ab ca. 1880, als die ersten Fotos als Illustrationen in Zeitungen erschienen: Stephen H. Horgan veröffentlicht im „New Yorker Daily Graphic“ ein gerastertes Halbtonfoto. 1883 erschien das erste Foto in einer deutschen Publikation: Georg Meisenbach veröffentlichte in der LeipzigerIllustrirten Zeitung“ eine gerasterte Fotografie (siehe Autotypie). – Die Entwicklung einsatzbereiter Verfahren zur Bildtelegrafie[39] dauerte bis zum ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts (vgl. Arthur Korn[40]). Im November 1907 begannen regelmäßige Übertragungen zwischen Paris, Berlin und London. Am 17. März 1908 wurde das erste Fahndungsfoto in zwölf Minuten von Paris nach London übertragen und im „Daily Mirror“ abgedruckt. Durch dessen Veröffentlichung konnte ein flüchtiger Juwelenräuber gefasst werden. Der „Daily Mirror” hatte 1904 als erste Zeitung zur Wiedergabe von fotografischen Bildinformationen vollständig auf den Autotypiedruck umgestellt. – Allerdings konnte erst 1923 ein Bild (des Papstes Pius XI.) von Rom nach New York über den Atlantik geschickt werden. 1861 war die erste interkontinentale Telegraphenverbindung zwischen Nordamerika und Europa hergestellt worden (siehe auch: Seekabel).

Gründerzeit: Erste Pressemagnaten

Die Ära der großen Berliner Tageszeitungen begann 1872 nach der Konstituierung des Deutschen Reichs mit der Gründung des Berliner Tageblatts durch Rudolf Mosse (vgl. Gründerzeit, Wilhelminismus).

Nach einer Buchhandelslehre ging Rudolf Mosse (* 1843) 1861 nach Berlin, wo er im Verlag der Satirezeitschrift „Kladderadatsch” mitarbeitete. In Leipzig übernahm er wenig später die Geschäftsleitung des Telegraphen der „Gartenlaube”, danach leitete Mosse mit großem Erfolg deren Anzeigenakquistion.

1867 gründete er die Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, 1872 seine erste Zeitung, das „Berliner Tageblatt”. Die Anfänge des Blattes schilderte Fritz Mauthner in seinem Schlüsselroman Die Fanfare (1888). Es setzte konsequent auf die Gewinnsteigerung durch den Inseratenteil. Mosse ging schließlich dazu über, die Inseratenteile anderer Zeitungen und Zeitschriften als Ganze zu pachten, um sie ausschließlich mit von seinem Unternehmen vermittelten Inseraten bestücken zu können. Im Zeitungskrieg des ausgehenden 19. Jahrhunderts gründete der jüdische Verleger gemeinsam mit Emil Cohn (nicht zu verwechseln mit dem Physiker gleichen Namens) 1889 die „Berliner Morgen-Zeitung”, ein Konkurrenzblatt zu der von Leopold Ullstein herausgegebenen „Berliner Abendpost” – worauf Ullstein ab dem 20. September 1898 seinerseits wiederum mit der „Berliner Morgenpost” konterte. Das Blatt nutzte eine von Ullstein betriebene Annoncen-Expedition.

1904 übernahm Mosse die „Berliner Volkszeitung”. Der Mäzen, Kunstliebhaber und Sammler war zu Beginn des Ersten Weltkriegs Berlins größter Steuerzahler mit einem geschätzten Vermögen von fünfzig bis sechzig Millionen Reichsmark. Durch Heiraten war seine Familie schließlich mit dem Kunsthistoriker Erwin Panofsky und dem Biochemiker Konrad Bloch verbunden. Der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg widmet Mosse im März 1918 – zwei Jahre vor seinem Tod – den Betrag von 400.000 Mark zur Errichtung der Rudolf-Mosse-Stiftung.

Der Typus des Generalanzeigers

Titelseite des 1888 gegründeten Reutlinger General-Anzeigers vom 1. November 1904

Der seit 1888 in Frankfurt am Main ansässige Verleger August Huck (1849-1911), genannt der „General-Anzeiger-König”, avancierte vom Besitzer einer Schriftgießerei zum Herrscher über ein reichsweites Zeitungsimperium. Zeitungen vom Typus des „General-Anzeigers” entstanden überwiegend in der Zeit von 1870 bis 1900. Diese Blätter zielten mit hohen Auflagen auf ein Massenpublikum; Gewinnstreben und Meinungsmache wurden hier in der Regel unter dem Etikett der „Überparteilichkeit” nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Kulturkampfes zwischen der katholischen Kirche und dem Königreich Preußen bzw. dem kaiserlichen Deutschen Reich unter Reichskanzler Otto von Bismarck, der zu einer erheblichen Polarisierung der deutschen Gesellschaft führte, so verknüpft und justiert, dass möglichst wenige potentielle Anzeigenkunden und Abonnenten abgestoßen oder gar verprellt werden konnten. „Die politische Haltung des Blattes wird dabei vor allem unter dem Aspekt gesehen, ob sie dem geschäftlichen Erfolg dienlich oder abträglich ist. Der redaktionelle Teil der Zeitung gerät immer mehr zur Verpackung jenes Teils, der das eigentliche Geld bringt, nämlich der Anzeigenseiten. Der 'General-Anzeiger' ist aus Prinzip 'liberal', da jede starre Festlegung dem Geschäftszweck abträglich wäre. Gerade durch den Primat des Geschäftszwecks erfüllt er aber in der zuverlässigsten und flexibelsten Weise die Bedürfnisse der herrschenden gesellschaftlichen Kräfte. Er funktioniert als eine Art Regelkreis, der unter dem kategorischen Imperativ des kommerziellen Erfolgs die Ansprüche von Lesern, Anzeigenkunden und politischen Gewalten in optimaler Weise aufeinander abstimmt.” [41]

Fortsetzungsromane und andere unterhaltende Rubriken wurden – begünstigt durch das Konzept des General-Anzeigers – genauso wie Sonntagsbeilagen vermehrt fester Bestandteil der inhaltlichen Gestaltung auch von Tageszeitungen, wobei man natürlich nicht zuletzt die Leserbindung im Auge hatte (vgl. dazu auch:Die Gartenlaube”).

Das Imperium Hucks, dass sich ganz überwiegend auf Provinzzeitungen stützte, hatte 1917 eine Gesamtauflage von etwa 850.000 Exemplaren. Das erfolgreichste seiner Blätter waren die „Dresdner Neuesten Nachrichten” (DNN). Der 1892 zwar nicht von Huck gegründete, aber von ihm finanzierte „General-Anzeiger der kgl. Haupt- und Residenzstadt München” wurde zum meistgelesenen Blatt der bayerischen Hauptstadt. Später übernahm Huck auch zwei Drittel der Anteile an der trotz des Engagements von Rudolf Mosse weiter kränkelnden „Vossischen Zeitung” (Berlin).

Als eigentlicher Schöpfer des Generalanzeigertyps in Deutschland gilt der Aachener Verleger Josef La Ruelle, der 1871 mit dem „Aachener Anzeiger” den ersten General-Anzeiger gründete. Das Blatt erschien vom 28. Mai 1871 bis zum 12. September 1944.

„Die typischen Züchter politischer Indifferenz”

In seinem 1919 gehaltenen Vortrag Politik als Beruf stellte Max Weber zum vermeintlich apolitischen Charakter dieser Pressegattung resümierend fest: „Die moderne Demagogie bedient sich zwar auch der Rede: in quantitativ ungeheuerlichem Umfang sogar, wenn man die Wahlreden bedenkt, die ein moderner Kandidat zu halten hat. Aber noch nachhaltiger doch: des gedruckten Worts. Der politische Publizist und vor allem der Journalist ist der wichtigste heutige Repräsentant der Gattung. [..] Bei uns waren allerdings bisher die großen kapitalistischen Zeitungskonzerne, welche sich vor allem der Blätter mit »kleinen Anzeigen«, der »Generalanzeiger«, bemächtigt hatten, in aller Regel die typischen Züchter politischer Indifferenz. Denn an selbständiger Politik war nichts zu verdienen, vor allem nicht das geschäftlich nützliche Wohlwollen der politisch herrschenden Gewalten. Das Inseratengeschäft ist auch der Weg, auf dem man während des Krieges den Versuch einer politischen Beeinflussung der Presse im großen Stil gemacht hat und jetzt, wie es scheint, fortsetzen will. Wenn auch zu erwarten ist, dass die große Presse sich dem entziehen wird, so ist die Lage für die kleinen Blätter doch weit schwieriger. Jedenfalls aber ist bei uns zur Zeit die journalistische Laufbahn, so viel Reiz sie im übrigen haben und welches Maß von Einfluss und Wirkungsmöglichkeit, vor allem: von politischer Verantwortung, sie einbringen mag, nicht – man muss vielleicht abwarten, ob: nicht mehr oder: noch nicht – ein normaler Weg des Aufstiegs politischer Führer. [..] Es waren – ohne Parteiunterschied – zum Teil gerade die notorisch übelsten Boulevard-Blätter, die damit einen erhöhten Absatz erstrebten und auch erreichten. Vermögen haben die betreffenden Herren, die Verleger wie auch die Sensationsjournalisten, gewonnen, – Ehre gewiss nicht.” [42]

Von Seiten der Politik blieb es in Deutschland oftmals bei der vordergründigen Geringschätzung der Vierten Gewalt durch die Mächtigen, die nicht erkannten oder erkennen wollten, wie sehr sie bereits in ihrem Bann waren: „Die Presse ist für mich Druckerschwärze auf Papier”, lautete einmal die ebenso lapidare wie herablassende Auskunft Fürst Otto von Bismarcks.

Pressefreiheit halb und halb: das Reichspressegesetz 1874

Durch das Reichspressegesetz 1874 war die Pressefreiheit in Deutschland zum ersten Mal einheitlich gesetzlich geregelt geworden. Sie hatte jedoch keinen Verfassungsrang, konnte also mit einfacher Mehrheit des Reichstags eingeschränkt oder wieder aufgehoben werden, was während des sogenannten Kulturkampfes und im Zuge der Umsetzung des Sozialistengesetzes 1878 (in Kraft bis 1890) auch geschah. Im Kriegsfall war die Pressezensur für Gegenstände von militärischer Bedeutung vorgesehen (Paragraph 15: „In Zeiten der Kriegsgefahr oder des Krieges können Veröffentlichungen über Truppenbewegungen oder Vertheidigungsmittel durch den Reichskanzler mittelst öffentlicher Bekanntmachung verboten werden.”). Blätter, die Anzeigen veröffentlichten, waren verpflichtet, amtliche Verlautbarungen auf Verlangen gegen übliches Entgelt zu veröffentlichen. Festgelegt wurde auch ein weitreichendes Gegendarstellungsrecht von Behörden wie von Privatpersonen (§ 11). Einschränkend hieß es auch in den Schlussbestimmungen: „Das Recht der Landesgesetzgebung, Vorschriften über das öffentliche Anschlagen, Anheften, Ausstellen, sowie die öffentliche, unentgeltliche Vertheilung von Bekanntmachungen, Plakaten und Aufrufen zu erlassen, wird durch dieses Gesetz nicht berührt.” (Gesetz über die Presse, Fassung vom 7. Mai 1874) – Zu Belangen wie dem Zeugnisverweigerungsrecht, dem Beschlagnahme- und Durchsuchungsverbot oder dem Datenschutz, heute weithin als Grundpfeiler der journalistischen Arbeit erachtet, gab es in Deutschland noch lange keine ausreichend präzisierten Regelungen.

Im Vergleich zu den Regelungen des preußischen Pressegesetzes vom 12. Mai 1851[43] entfielen jedoch auch wesentliche Beschränkungen. So musste vorher schon bei einer Zeitungsgründung eine Kaution hinterlegt werden – als Pfand für später zu zahlende Strafgelder (Kautionszwang). Gestrichen war auch die Konzessionspflicht: Bis zum Inkrafttreten des Reichspressegesetzes waren Herausgeber einer Zeitung verpflichtet, für die Betriebseröffnung eine Erlaubnis bei den Behörden einzuholen. Die in erster Linie auf die Tageszeitungen zugeschnittenen Regulationsmittel wie Zeitungsstempel (Sondersteuer) und Postzwang (Verbot des Einzelvertriebs) wurden 1874 zwar auch abgeschafft, hatten allerdings schon erhebliche Auswirkungen auf die Struktur des Pressemarktes in Deutschland gezeitigt (in Österreich blieben Zeitungsstempel bis zum Ende der k.u.k.-Monarchie Vorschrift).

Postmarken für den vorausbezahlten Massenversand von Presseerzeugnissen wurden in den USA von 1865 bis 1899 verwendet

Nach der Novelle des Strafgesetzes 1899 im Kaiserreich konnten sich Gegner von unliebsamen Werken und Veröffentlichungen auf diverse Artikel des StGB (etwa: Verbreitung unzüchtiger Schriften (§ 184 des Reichsstrafgesetzbuches), Gotteslästerung, Beleidigung, Majestätsbeleidigung) berufen und so die Verbreitung dieser Werke unterbinden. Die Strafgesetznovelle im Jahr 1899 schuf wirksame Mittel im Vorgehen gegen kritische Kunst und Literatur, da die Vorwürfe nicht selten lediglich als Vorwand dienten, um Schriften und Werke aus ganz anderem Anlass zu verbieten. Eine heute eher beiläufig anmutende Anmerkung Rosa Luxemburgs etwa in einer Rede während des Reichtagswahlkampfs 1903 („Der Mann, der von der guten und gesicherten Existenz der deutschen Arbeiter spricht, hat keine Ahnung von den Tatsachen.”) trug ihr ein Verfahren und eine Gefängnisstrafe wegen Majestätsbeleidigung gegenüber Kaiser Wilhelm II. ein. Ähnlich wurde bei Presseveröffentlichungen vergleichbarer „Brisanz” verfahren – klar wird an dem Beispiel auch, dass es mitnichten um die Majestät Wilhelms ging, sondern um die Beschreibung der sozialen Lage in seinem Reich (vgl. auch: Frank Wedekind).

Konrad Duden: einheitliche deutsche Rechtschreibung

Das 1880 von Konrad Duden herausgegebene „Orthographische Wörterbuch“ bildete erstmals die Grundlage für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung. An seinem Werk Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache hatte Duden 30 Jahre geschrieben. Vorangegangen war der 1872 in Leipzig erschienene „Schleizer Duden“. – Die jüngsten Neuerungen der deutschen Rechtschreibreform von 1996 werden von manchen deutschen Zeitungen (z.B. der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”) und einigen deutschen Autoren (Martin Walser, Günter Grass) ignoriert bzw. boykottiert. – Vgl. Orthographische Konferenz von 1901.

Der Aufstieg der Zeitungen in Japan ab 1871

Die erste genuin einheimische Tageszeitung Japans, die „Yokohama Mainichi Shimbun” (Yokohama Daily News), wurde ab 1871 gedruckt.

In der Forschung ist unklar, auf welchen Zeitpunkt das Erscheinen der ersten Zeitung (jap. shinbun bzw. shimbun) in Japan zu datieren ist. Genannt werden das vom Engländer A. W. Hansard auf Englisch herausgegebene Blatt „Nagasaki Shipping List and Advertiser”, die überwiegend japanische Übersetzungen holländischer Artikel enthaltende, 1862 von der Shogun-Dynastie der Tokugawa publizierte „Kampan batabiya shimbun” oder die „Kaigai Shinbun”, die ebenfalls in erster Linie Übersetzungen ausländischer Artikel veröffentlichte. Flugblattähnliche kawara-ban (Ziegeldrucke), die ab 1615 nachgewiesen werden können, gelten als Vorläufer der japanischen Zeitungen. In der Meiji-Periode (1868-1912) wurden Zeitungen in oshinbun (große Zeitung) und koshinbun (kleine Zeitung) eingeteilt. Obwohl die Regierung die Gründung von Zeitungsverlagen ermutigte, beschränkte sie gleichzeitig die Pressefreiheit: Kritik an Regierung, Verwaltung, Gesetzgebung und anderem war untersagt und wurde mit Geld- oder Gefängnisstrafen geahndet.

In diese Zeit fallen die Gründungen der drei größten nationalen Zeitungen des heutigen Japans: „Yomiuri Shinbun” (die auflagenstärkste Zeitung der Welt; 26 Mio. Leser in Japan, also rund ein Fünftel der Bevölkerung) in Tokyo (1874), „Asahi Shinbun” (1879; heute die zweitgrößte Zeitung Japans und der Welt) und „Mainichi Shinbun” (1888) in Osaka. Alle großen japanischen Tageszeitungen kooperieren mit Fernsehsendern bzw. besitzen selber solche.[44]

1876: Alexander Graham Bell meldet sein Patent auf das Telefon an

„Die Schrecken des Telefons”: Der Fernsprecher war noch gar nicht richtig erfunden – und wurde umgehend zum Gegenstand von Karikaturen (aus: „Daily Graphic”, New York, 15. März 1877)

Die Erfindung des Telefons war eine weitere technische Neuerung, die sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts immer tiefgreifender auf die journalistische und redaktionelle Arbeit, aber auch auf die persönliche und gesellschaftliche Kommunikation insgesamt auswirkte. Der erste per Telefon gemeldete Bericht in einer Zeitung erschien bereits am 13. Februar 1877 im „Boston Globe”.

Heinrich von Stephan reformierte das Post- und Telegraphenwesen nicht nur in Deutschland grundlegend (u.a. Übernahme der Thurn- und Taxisschen Post durch den preußischen Staat, Verbindung aller wichtigen Städte des Deutschen Reichs mit Telegrafenkabeln). Unter der Devise „Jedem Bürger sein Telefon“ baute er zwischen 1877 und 1881 das Telefonnetz in Deutschland auf. Mit der von ihm initiierten Schaffung des Weltpostvereins (mit Sitz in Bern) wurde der internationale Nachrichtenaustausch vereinheitlicht und somit erheblich erleichtert und verbessert.

Wiener Postkongress 1891: Zeitungsverein regelt internationalen Bezug von Publikationen

Allerdings wurde erst auf dem Wiener Postkongress am 1. Juli 1891 auch der internationale Zeitungs- und Zeitschriftenbezug geregelt. Am 1. Juli 1892 trat das Postzeitungsabkommen zwischen Deutschland, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich-Ungarn, Rumänien, Schweden, der Schweiz, Ägypten und Uruguay in Kraft. Die Postanstalten der genannten Länder nahmen danach Bestellungen von Publikationen aus den Vertragsländern an; Deutschland vermittelte für die anderen Zeitungsvereinsländer den Zeitungsverkehr mit Nichtvereinsländern, insbesondere mit Frankreich, Großbritannien, Russland, Spanien, die USA, Australien, Brasilien, Britisch-Indien, China, der Kap-Kolonie (das spätere Südafrika), Japan und Marokko. Der Zeitungsbezugsdienst vollzog sich durch Vermittlung von „Auswechslungspostanstalten” (also Ersatzpostämtern), die von jeder Verwaltung zu benennen waren. Es war vorher keineswegs so einfach wie heute, an ausländische Zeitungen und Zeitschriften zu gelangen, insbesondere im Abonnement.

Im Jahr 1900 waren in den USA bereits rund 1,6 Millionen Kilometer Telefonleitungen verlegt. Der 25. Präsident der USA (von 1897 bis 1901), William McKinley, in dessen Regierungszeit die USA außenpolitisch einen imperialistischen Kurs einschlugen und zur Weltmacht aufstiegen, war dafür bekannt, per Telefon Dauergespräche zu führen.

Die Firma Zwietusch & Co. produzierte 1902 in Berlin den ersten Münzfernsprecher in Deutschland; durch seine Einführung konnten endlich auch jene die Technik nutzen, die sich – entgegen der Zielsetzung des Generalpostdirektors Heinrich von Stephan – selbst kein Telefon leisten konnten.

Sportberichterstattung

Bemerkenswerterweise stellte der „Berliner Börsen-Courier” (vgl. Börse) – eine 1868 gegründete Tageszeitung, die 1934 mit der „Berliner Börsen-Zeitung“ vereinigt wurde – 1885 den ersten Sportredakteur in Deutschland ein. Die erste deutsche Tageszeitung, die eine regelmäßige Sportrubrik einführte, war im Jahr 1886 die „Neuesten Nachrichten” (München, 9. April 1848 bis Juni 1887; dann unter dem Titel „Münchner Neueste Nachrichten” vom 14. Juni 1887 bis 28. April 1945 erschienen. Die „Süddeutsche Zeitung” setzte ihre Tradition nach dem Zweiten Weltkrieg fort).

1885: das erste deutsche Zeitungsmuseum

Das erste deutsche internationale Zeitungsmuseum wurde 1885 in Aachen von Oscar von Forckenbeck (* 1822, † 1898) als Privatsammlung ins Leben gerufen. Seit 1899 befindet es sich im Besitz der Stadt Aachen und heißt heute „Internationales Zeitungsmuseum der Stadt Aachen”. Von Forckenbeck, Bürgermeister von Rheine, Sammler und Privatgelehrter, gab auch „Das Zeitungs-Museum” heraus (Aachen, Jg. 1, 1889-1890), die erste deutsche Fachzeitschrift für das Zeitungswesen.

Die Schreibmaschine wälzt die Textproduktion um

Eine der zweifellos wichtigsten technischen Innovationen des 19. Jahrhunderts wird in ihrer Tragweite und in ihren Auswirkungen auf die Textproduktion im Allgemeinen und den Journalismus im Besonderen oftmals nicht annähernd angemessen gewürdigt, was sich vermutlich auch ihrer späteren Allgegenwart bis in die 90-er Jahre des 20. Jahrhunderts, in denen sie recht rasch von Computern verdrängt wurde, verdankt, obwohl Zeitgenossen sich dessen schon sehr wohl bewusst waren: Die Schreibmaschine zeitigte neben den einschlägigen Fortschritten bei Satz und Druck die sicher nachhaltigsten Folgen in den damit verbundenen Metiers.[45] Die US-Journalistenfachzeitschrift „The Fourth Estate” (dt. Die Vierte Gewalt) beschrieb sie 1897 „als förmlich notwendig” in den meisten Nachrichtenredaktionen und bemerkte: „Die rasche Einführung der Schreibmaschine in den Zeitungsredaktionen verdankt sich weitgehend dem Umstand, dass sie in Verbindung mit der Setzmaschine von vorteilhaftestem Wert ist. Die Schreibmaschine bedeutet eine praktisch perfekte Kopie, die leicht in kleinen 'Schnipseln' verteilt werden kann.”[46] „The Journalist” erklärte: „Es gibt keine moderne Erfindung mit Ausnahme vielleicht des Fahrrads, die so offensichtlich einen lang empfundenen Wunsch erfüllt und die ihren Platz in der Ökonomie des modernen Geschäftslebens eingenommen hat wie die Schreibmaschine.” Als die American Newspaper Publishers’ Association ihr Jahrestreffen in New York City im Februar 1897 einberief, stand unter anderem auch die Frage auf der Tagesordnung: Do typewriters “lower the literary grade of work done by reporters?”, also etwa: „Vermindern Schreibmaschinen die literarische Qualität der von Reportern geleisteten Arbeit?”[47]

Derlei damit angestoßene Debatten finden in unseren Tagen ungebrochen ihre Fortsetzung: „Der Computer beeinflusst den Stil, das ist gewiss. Nur wie weiß so genau niemand. Schon bei der Schreibmaschine gab es nur Vermutungen. Zum Beispiel, dass die Schreibmaschine für den 'kargen Stil des Ernest Hemingway' verantwortlich gewesen sei, da er 'einer der ersten Schriftsteller war, die in die Maschine tippten'. Das schreibt der Stilist Wolf Schneider, der übrigens den Computer eine 'elektronische Schlampe' nennt. 'Der Computer begünstige einen schlampigen Umgang mit der Sprache, das im Durchschnitt schlechtere, ärmere Deutsch'. – Sein Hamburger Journalistenkollege Dieter Zimmer stellt sich in seinem Buch 'Die Elektrifizierung der Sprache' ebenfalls die Frage: 'Verändert der Computer das Schreiben?' Er beobachtet einen 'Qualitätssturz.'[48] – Der Schriftsteller Hemingway selbst, der zeitlebens auch als renommierter Journalist tätig war (trotz der Ankündigung gegenüber Gertrude Stein im Jahr 1920: “I am going to chuck journalism I think. You ruined me as a journalist last winter.”), hatte einen ähnlichen Verdacht schon im Hinblick auf die Schreibmaschine und plädierte – entgegen dem, was ihm nachgesagt wird – für den handschriftlichen Erstentwurf: “When you start to write you get all the kick and the reader gets none. So you might as well use a typewriter because it is much easier and you enjoy it that much more. After you learn to write your whole object is to convey everything, every sensation, sight, feeling, place and emotion to the reader. To do this you have to work over what you write. If you write with a pencil you get three different sights at it to see if the reader is getting what you want him to. First when you read it over; then when it is typed you get another chance to improve it, and again in the proof. Writing it first in pencil gives you one-third more chance to improve it. That is. 333 which is a damned good average for a hitter. It also keeps it fluid longer so that you can better it easier.”[49]

Distinguierte Herren in repräsentativen Räumlichkeiten: die Redaktion der französischen Tageszeitung „Le Progrès” (Lyon; dt. Der Fortschritt) um Mitternacht im Jahr 1894 – noch ohne Schreibmaschinen und Telefone … (Foto: M. Heron)

Der erste Schriftsteller und Journalist im Besitz einer (Remington-)Schreibmaschine war Mark Twain (* Florida, Missouri 1835, † Redding, Connecticut 1910), der sie, verführt durch ein im Schaufenster eines Bostoner Geschäftes präsentiertes Modell, 1874 erwarb. Als erster Autor konnte er seinem Verlag ein maschinengeschriebenes Buchmanuskript abliefern, nämlich den Text zu The Adventures of Tom Sawyer, London: Chatto & Windus, 1876.

„Sie liefern die Bilder, ich liefere den Krieg“: Hearst, Pulitzer und die „Yellow Press“

Die Besetzung der Philippinen durch die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1898 wird als ein entscheidender Wendepunkt in der US-Außenpolitik gesehen. Die USA wurden erstmals in großem Stil Kolonialmacht und fassten als solche auch weit außerhalb ihrer Hemisphäre Fuß (vgl. Philippinisch-Amerikanischer Krieg, Geschichte der Philippinen: Amerikanische Kolonialzeit, Spanisch-Amerikanischer Krieg; zum außenpolitischen Paradigmenwechsel: Monroe-Doktrin). Vor allem die Zeitungsbarone William Randolph Hearst[50] (sein wichtigstes Blatt war neben seinem Flaggschiff „San Francisco Examiner” das „New York Journal”) und Joseph Pulitzer (u.a. Herausgeber der „New York World”) heizten die Stimmung gegen Spanien an, wobei der Schlachtruf der Hearst-Presse unter Anspielung auf das am 15. Februar 1898 im Hafen von Havanna durch eine Explosion, deren Ursache bis heute umstritten ist, gesunkene US-Kriegsschiff Maine lautete: „Denkt an die Maine – Zur Hölle mit Spanien!“ („Remember the Maine, to hell with Spain!“). Legendär ist noch heute Hearsts Anweisung an seinen 1897 nach Kuba entsandten Korrespondenten Frederick Remington, in Havanna zu bleiben und Bilder zu schicken: „You furnish the pictures. I’ll furnish the war.” (Sie liefern die Bilder. Ich liefere den Krieg.) – als prompte Antwort auf Remingtons Einwand, es gebe keinen Ärger und es werde keinen Krieg geben: „There is no trouble here, there will be no war.”

„Tötet jeden über zehn“ – der berüchtigte Befehl des US-Generals Jacob H. Smith im Philippinisch-Amerikanischen Krieg war Gegenstand dieser Karikatur auf der Titelseite von Hearsts „New York Journal“ am 5. Mai 1902

Es war der Höhepunkt der Yellow Press: „Yellow Journalism ist, kurz gesagt, eine voreingenommene Meinung, die sich als objektive Tatsache maskiert. Darüber hinaus ging der Yellow Journalism mit Sensationsmache, verfälschten Storys und irreführenden Bildern zum einzigen Zweck der Zeitungsverkaufssteigerung und der Erregung der öffentlichen Meinung einher.“[51] (Das deutsche Regenbogenpresse denotiert und konnotiert teilweise andere Eigenarten und Schwerpunkte dieser Art von Presseerzeugnissen, so dass der Ausdruck nur bedingt als Übersetzung des englischen Yellow Press taugt.) 1905 wies Hearst seine Redakteure an, Schlagzeilen zu verfassen, die „die Öffentlichkeit wie eine Bulldogge beißen” (vgl. Bulldog edition). In Orson Welles' Film Citizen Kane, der oft als verhülltes Portrait von William Randolph Hearsts Leben und Karriere gesehen wird, sagt Charles Foster Kane zu seiner zweiten Frau Susan Alexander: „Die Bulldogge ist gerade zur Presse gegangen“, worauf Susan sarkastisch erwidert: „Schön – ein Hurra für die Bulldogge.“ Der Yellow Journalism kann als eine degenerierte Form des sich nach dem Amerikanischen Bürgerkriegs herausbildenden New Journalism gesehen werden, der nicht etwa grundsätzlich und in allen Facetten unlauter oder gar korrupt war und der die US-Presselandschaft in der Zeit von 1865 bis 1919 dominierte.[52] – (Anm. In den 60-er und 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es unter dem gleichen Etikett New Journalism, diesmal von Tom Wolfe geprägt, unkonventionelle Publikationsformen in den Staaten, die davon unterschieden werden müssen.)

Präsident William McKinley bezeichnete den Erwerb der Philippinen als ein „Gottesgeschenk“ und Senator Albert Beveridge sah sie als „Sprungbrett nach China“, dessen gigantische Märkte den Amerikanern nun offenstünden.

Karikaturen, Cartoons, Comics

Das 19. Jahrhundert erlebte frühzeitig auch erste Höhepunkte der Karikatur (vgl. z.B. Honoré Daumier, Kladderadatsch, Punch); Cartoons und Comics wurden allmählich zum festen Bestandteil zunächst vorwiegend angelsächsischer Presseerzeugnisse. Auch das war ein bedeutender und keineswegs zu unterschätzender Teil des „Visualisierungsschubs[53] der Epoche.

Der erste täglich in einer Zeitung erscheinende Comic-Strip war A. Piker Clerk, den Clare Briggs 1904 für den „Chicago American” zeichnete. Der Strip wurde jedoch nach vierzehn Tagen wieder eingestellt.

Die erste illustrierte Tageszeitung in Europa

Mit der „Daily Graphic” wurde in London am 4. Januar 1890 die erste europäische illustrierte Tageszeitung gegründet. Ab dem 3. Januar 1953 nannte sie sich „Daily Sketch and Daily Graphic”. Sie wurde durch ihre aktuellen Zeichnungen, u.a. aus dem Parlament, bekannt. „Die Woche. Moderne illustrierte Zeitschrift”, erschienen von 1899 bis 1944 im von August Hugo Friedrich Scherl (* Düsseldorf 1849, † Berlin 1921) 1883 in Berlin gegründeten Scherl-Verlag, führte als erste deutsche Illustrierte den Mehrfarbdruck und die aktuelle Fotoreportage ein. – Die weltweit erste Farbillustration in einer Tageszeitung war 1877 im niederländischen „Algemeen Handelsblad” erschienen. Die erste farblich illustrierte Zeitung überhaupt, „Colored News”, erschien erstmals am 4. August 1855 im Vereinigten Königreich; sie war jedoch bereits am 29. September des gleichen Jahres wieder eingestellt worden.

In Deutschland wurde die erste Rotationsmaschine, die gleichzeitig Text und Bilder drucken konnte, 1902 für den Druck der „Berliner Illustrirten Zeitung” (Berlin 1892-1945, seit 1894 im Verlag Ullstein) in Betrieb genommen.

Offsetdruck

Der Offsetdruck, heute sowohl beim Druck von Büchern (Bogen-Offsetmaschine) als auch beim Zeitungsdruck (Rotations-Offsetmaschine) das am häufigsten angewandte Druckverfahren, wurde 1904 vom US-Amerikaner Ira Washington Rubel, dem Besitzer einer kleinen Papierfabrik in Nutley (N. J.), entwickelt. Die erste Offsetmaschine der Welt wurde 1905 nach Rubels Entwürfen von der Druckmaschinenfabrik Potter Printing Press Company in New Jersey gebaut.

Funk

1884 hatte Heinrich Rudolf Hertz James Clerk Maxwells elektromagnetische Theorie des Lichts experimentell bestätigt. Am 13. November 1886 gelang ihm die Übertragung elektromagnetischer Wellen von einem Sender zu einem Empfänger. – Seit 1890 widmete sich Guglielmo Marconi, ein weiterer bedeutender Pionier der drahtlosen Kommunikation, der drahtlosen Telegrafie. Am 12. Dezember 1901 gelang nach 62 Tagen erfolgloser Versuche die erste transatlantische Funkübertragung (zwischen Cornwall und Neufundland, Kanada). Das System wurde sogleich von der Kriegsmarine übernommen. Noch bevor ein Seekabel verlegt worden war, konnte Island am 26. Juni 1905 das erste Telegramm seiner Geschichte empfangen. Seit 1907 gibt es einen drahtlosen transatlantischen Telegrafendienst für die Öffentlichkeit (vgl. Funktechnik, Funkdienst). Der Funk ermöglichte im beginnenden 20. Jahrhundert auch die beschleunigte nachrichtentechnische Erschließung von Weltregionen und Gebieten, die ohne ihn gewiss noch lange abseits geblieben wären. Die ersten Nachrichten per Schiffsfunk empfing am 22. Februar 1902 der britische Dampfer Philadelphia über eine Entfernung von 3200 km – ein revolutionärer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass Schiffe auf hoher See (die für die interkontinentale Passagierbeförderung und den Welthandel noch geraume Zeit alternativlos blieben) vordem von jeglicher Kommunikation schlichtweg abgeschnitten waren, und das oft über Wochen oder Monate.

Weltweit waren 1902 rund 380.000 km Seekabel verlegt; auf sie als telekommunikative Infrastruktur stützt sich noch heute weitestgehend das Internet. Das erste Telegramm rund um die Erde wurde am 11. Juli 1903 von der 1861 bis 1942 in Paris erschienenen Zeitung „Le Temps” aufgegeben. Es durchlief eine Strecke von rund 60.000 km in gut sechs Stunden - zum großen Teil noch durch Seekabel.

Die Geburtsstunde des Rundfunks als eines publizistischen Mediums

Der kanadische Elektrotechniker Reginald Aubrey Fessenden (* East Bolton, Provinz Quebec 1866, † Bermuda-Inseln 1932) unternahm im Jahre 1900 die ersten Versuche zur drahtlosen Sprachübertragung. Am 28. September 1901 wurde ihm das erste Patent für die Übertragung der menschlichen Stimme durch Funkwellen erteilt. Fünf Jahre später gelang ihm die erste Funkübertragung von Sprache und Musik unter Verwendung eines Lichtbogensenders, der 1903 von dem dänischen Physiker Valdemar Poulsen (* 1869, † 1942) zur Erzeugung ungedämpfter elektrischer Schwingungen erfunden worden war, und einer Hochfrequenzmaschine (zwischen 1904 und 1906 von dem schwedischen Hochfrequenztechniker Ernst Frederik Werner Alexanderson (* 1878, † 1975) konstruiert). Am 24. Dezember 1906 sendete Fessenden von seiner Versuchsstation in Brant Rock (Massachusetts) aus über einen 130 m hohen Antennenmast das erste Rundfunkprogramm der Welt – als Weihnachtsüberraschung: Es begann mit Charles François Gounods Lied „O heilige Nacht”, das Fessenden auf der Violine spielte. Dann sang und rezitierte er einige Verse aus dem Lukasevangelium. Im Laufe der 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts erwuchs den Zeitungen mit dem neuen Medium erstmals eine ernsthafte Konkurrenz.

Aufgrund der rasanten Zunahme der Funkübertragungen fand bereits 1906 die erste Konferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) statt, auf der Grundsätze und Verhaltensregeln im drahtlosen Kommunikationsverkehr festgelegt wurden. – Vgl. Rundfunkgeschichte; Nikola Tesla, Alexander Stepanowitsch Popow.

Mehr zur Geschichte der Zeitungen unter Pressegeschichte und den einzelnen Artikeln.

20. Jahrhundert: Die 20-er Jahre als Höhepunkt der Zeitungsgeschichte

Erst die Rotationsdruckmaschine ermöglichte die rasche Herstellung hoher Auflagen; sie war eine der wesentlichen technischen Voraussetzungen für den exponentiellen Aufschwung im Zeitungswesen ab den 1840-er Jahren

Die große Zeit der Zeitungen war vor der Einführung und Verbreitung des Radios, als Verlagsobjekte aus den Berliner Mosse-, Scherl- und Ullstein-Verlagen teilweise viermal am Tag erschienen: Morgenausgabe, Mittagsausgabe, Abendausgabe, Nachtausgabe. Die weltweit schnellsten Zeitungs-Rotationspressen standen damals an der Spree.

Die reiche Zeitungskultur der Zwanziger Jahre wurde neben den neu hinzugekommenen Medien Radio und Fernsehen[54] auch durch Konzentrationsprozesse (Hugenberg-Konzern; Ufa) und so genannte Arisierungen (Amann-Verlag) während der Zeit des Nationalsozialismus ab- und aufgelöst.

Die Einführung des Radios wurde seinerzeit von einigen Zeitgenossen ähnlich skeptisch aufgenommen wie später das Fernsehen (als es gerade mal zwei bzw. drei öffentlich-rechtliche Programme gab, machte in den 60-er Jahren vornehmlich in besorgten Pädagogenkreisen das Schlagwort von der vermeintlichen „Reizüberflutung“ die Runde) und Ende des 20. Jahrhunderts das Word-Wide-Web, in dem nicht wenige Uneingeweihte erstaunlich lange vornehmlich einen unseligen Verbreitungsweg von Kinderpornographie erkennen wollten. Die Zeitungsverlage z.B. in Deutschland und der Schweiz versuchten geraume Zeit durchaus erfolgreich, die Verbreitung von tagesaktuellen Informationen und Nachrichten, die sie als ihr angestammtes Terrain betrachteten, übers Radio zu verhindern.[55]

Das Gegenstück zum deutschnationalen Hugenberg-Konzern war in der Weimarer Republik das Medienkonglomerat des Kommunisten Willi Münzenberg, der in seinem Neuen Deutschen Verlag u.a. die Zeitungen „Welt am Abend“, „Berlin am Morgen“ und vor allem die nicht nur in politischer Hinsicht revolutionäre „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ (AIZ) publizierte. Die AIZ und ihre Bildautoren (darunter u.a. der Erfinder der politischen Fotomontage, John Heartfield) setzten Maßstäbe in der Entwicklung des modernen Fotojournalismus und mittelbar darüber hinaus, mit nachhaltiger Wirkung bis in den Bereich der Werbefotografie – ähnlich der US-Zeitschrift TIME (ab 1923) und noch vor dem dann darin führenden LIFE Magazine ab Mitte der 1930-er Jahre in den USA (vgl. dazu auch: Berliner Illustrirte Zeitung; Illustrierte).

Die „Vossische Zeitung“, das Blatt des liberalen Bildungsbürgertums und – indirekt über ihre Vorläufer – die älteste Zeitung Berlins, nahm in der ersten deutschen Demokratie in etwa jene Stellung ein, die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in der Bundesrepublik innehatte und teilweise noch innehat. Ein so renommierter Autor wie Kurt Tucholsky schrieb sowohl für die „Vossische Zeitung“ (1924 Korrespondent des Blattes in Paris) als auch für die „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ (dort in der Regel unter einem seiner Pseudonyme: Theobald Tiger). 1927 titelte die „Vossische“ in ihrem Feuilleton anlässlich einer Besprechung von Adolf HitlersMein Kampf“ noch höhnisch: „'Mein Kampf' gegen die deutsche Sprache“. – 1934 musste sie ihr Erscheinen auf Druck der Nazis einstellen.

Aber schon während des Ersten Weltkrieges und auch später in der Weimarer Republik war die Pressefreiheit nicht gesetzlich gewährleistet (siehe dazu: Weltbühne-Prozess, Republikschutzgesetz). Das unmittelbar der Obersten Heeresleitung unterstellte Kriegspresseamt, eine Unterabteilung des militärischen Nachrichtendienstes, gab ab 1915 bis zum Ende des Kaiserreichs regelmäßig ein Zensurbuch heraus; es beinhaltete stets neu überarbeitete Bestimmungen unterschiedlichster Art mit Blick auf Publikationen jedweder Provenienz. [56] Während des Dritten Reichs wurde das Pressewesen „gleichgeschaltet“ und von staatlichen Stellen, wie der Reichspressekammer, streng kontrolliert[57].

Die 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts (siehe auch: Goldene Zwanziger) waren unzweifelhaft ein Höhepunkt in der Zeitungsgeschichte: Weil das Radio noch in den Kinderschuhen steckte und das Fernsehen noch lange nicht zur Marktreife entwickelt war, genossen Zeitungen als Massenmedien quasi eine Monopolstellung. Zudem erlebte das Jahrzehnt – nicht nur in Deutschland – zahlreiche bewusst und gezielt geführte weltanschauliche Propagandaschlachten, die sich erstmals mit teilweise beträchtlichem Aufwand überwiegend der Massenmedien Zeitung und zunehmend auch des Films bedienten. Nachdem jenseits des Atlantiks bereits vor dem Ersten Weltkrieg riesige Zeitungsimperien entstanden waren, die bereits erheblichen und unverhohlenen Einfluss auf die Politik ausübten (Hearst, Pulitzer), war nun auch in Deutschland und im übrigen Europa vor dem Hintergrund zunehmender Konzentrationsbestrebungen endgültig das Zeitalter der Medienzaren bzw. Pressemagnaten und Medienkonzerne angebrochen, eine Entwicklung, die sich nach 1945 in Westdeutschland fortsetzte (s. z.B. Axel Springer, Rudolf Augstein; Medienkonzentration).

Egon Erwin Kisch revolutioniert den Journalismus

Durch seine präzisen und sprachlich auf höchstem Niveau aufbereiteten Milieuschilderungen und Reiseberichte gilt Egon Erwin Kisch, der „rasende Reporter“ (so der Titel eines seiner wohl bekanntesten Werke, 1924 erschienen in Berlin), als der Begründer der literarischen Reportage. Samuel Sillen nannte in einmal „den am meisten nachgeahmten Schriftsteller der Welt“, so umfassend, ja: durchschlagend war seine Wirkung nicht nur auf den Journalismus im engeren Sinne.

Erich Salomon erfindet den „Bildjournalismus“

Die Leica I von 1925, eine Kleinbild-Sucherkamera, die auch die Pressefotografie revolutionierte

Der Pressefotograf Erich Salomon, eigentlich Doktor der Jurisprudenz, der erst 1926 im Alter von 40 Jahren überhaupt mit der Fotografie in Kontakt kam, erregte nicht durch seine Bildreportagen und die meist mit der neuartigen, für damalige Verhältnisse äußerst lichtstarken und gleichzeitig relativ kleinen Ermanox-Kamera teilweise heimlich (oder genauer: „investigativ“) entstandenen Aufnahmen Aufsehen, die er 1931 in seinem Bildband Berühmte Zeitgenossen in unbewachten Augenblicken veröffentlichte – der Meister der candid camera (ein von der Londoner Zeitschrift „Graphic“ 1929 geprägter Begriff für Salomons Arbeitsweise [58]) erfand auch die Berufsbezeichnung Bildjournalist als solche.

An Wirkung und stilprägendem Einfluss kommen dem „König der Indiskreten“, wie ihn der französische Außenminister Aristide Briand einmal spontan nannte (und der dabei auf Salomons berühmtestem Foto abgebildet ist), höchstens Fotografen wie Henri Cartier-Bresson gleich, der 1947 Mitbegründer der Fotoagentur Magnum Photos war und dessen Auffassung des fotografischen Metiers der Salomons wohl am nächsten kommt. Die Technik der „versteckten“ oder „unbemerkten“ Kamera wurde später allerdings von den Paparazzi auch systematisch missbraucht und deshalb vielfach in Verruf gebracht.

Die Einführung der Kleinbildkameras, allen voran der Leica (ab 1925), hatte weitreichende Auswirkungen auf den Fotojournalismus und änderte in mannigfacher Hinsicht auch die Sicht der Massen auf die Welt. – Das Berliner Boulevardblatt „Tempo” veröffentlichte von 1928-33 in täglich drei Ausgaben „Bilder vom Tage”. Zahlreiche Fotoagenturen wurden in den Zwanzigern gegründet; eine der erfolgreichsten war – vor allem durch ihre Geschwindigkeit, ihren großen Mitarbeiterstab und die Vielfalt ihrer Sujets – die Schweizer Pressebildagentur Keystone (seit 1892, in Deutschland seit 1924). Durch sie übermittelte Bilder der Berliner Maifeiern 1929 zum Beispiel, aufgenommen um 10.30 Uhr, erschienen sowohl in London als auch in New York noch am selben Abend in dort ansässigen Zeitungen.

Die Fotografie-Theoretikerin Gisèle Freund bemerkte dazu: „Die Einführung des Photos in der Presse ist ein Phänomen von außerordentlicher Bedeutung. Das Bild verändert die Sehweise der Massen […] Mit der Photographie öffnet sich ein Fenster zur Welt. Die Gesichter von Personen des öffentlichen Lebens, die Ereignisse, die sich in seinem Land abspielen und auch diejenigen, die außerhalb der Grenzen stattfinden, werden ihm vertraut. […] Die Photographie leitet das Zeitalter der visuellen Massenmedien ein, als das Einzelportrait durch das kollektive Massenportrait verdrängt wird. Gleichzeitig wird die Photographie zu einem mächtigen Instrument der Propaganda und der Manipulation[59]. Die Bilderwelt wird entsprechend den Interessen jener gestaltet, die die Presse besitzen: die Industrie, das Finanzkapital, die Regierungen.” [60] – Insbesondere „brachten es die Nationalsozialisten auch auf dem Gebiet der politischen Instrumentalisierung der Bilder zu einer traurigen Perfektion.” (Ralf Hecht, a.a.O.; vgl. Leni Riefenstahl)

„Sterbendes Schweinchen“: die antidemokratische Hetze des Friedrich Hussong

Die weltanschaulichen Grabenkämpfe und ideologischen Schlachten der Weimarer Republik lassen sich in ihrer Härte und Kompromisslosigkeit an einer zentralen Figur der äußerst rechten Publizistik dieser Zeit veranschaulichen, die heute – sofern nicht vergessen – meist als Paradebeispiel für einen unverbesserlichen und uneinsichtigen Steigbügelhalter des Nationalsozialismus herangezogen wird und die sich mit ihrer oft schwülstig aufgeblähten Rhetorik und bisweilen erschreckend aggressiven völkisch-nationalen Demagogie zum unangefochtenen Vorreiter einer unversöhnlichen und rigoros antidemokratischen Gesinnungsjournaille entwickelte, der selbst die Nazis nach dem Ende der mit allen Mitteln verächtlich gemachten „Systemzeit” nicht viel hinzuzufügen hatten – obgleich sie natürlich vehement den Anspruch erhoben, die einzig wahre „nationale Bewegung” zu repräsentieren.[61]

Der deutschnationale Publizist Friedrich Hussong, frühzeitig Anhänger Alfred Hugenbergs und dessen Alldeutschen Verbandes, der ab 1. Januar 1919 für den von Hugenberg aufgekauften Scherl-Verlag tätig wurde (und dessen Chefredakteur ab Oktober 1922 war), wo er zunächst als Leitartikler für den „Tag” und den „Berliner Lokal-Anzeiger” (zu jener Zeit Berlins auflagenstärkste Tageszeitung) schrieb, gilt weithin als der „rabiateste journalistische Demagoge“, den die „Zeitungsstadt Berlin je erlebt hat“, wie Peter de Mendelssohn einmal feststellte: „Er entwickelte eine publizistische Manier und Technik, die in allem Wesentlichen den später von Joseph Goebbels im „Angriff” zur Hochblüte emporgezüchteten Stil vorwegnahm.“ Die liberalen Hauptstadt-Blätter rechneten zu seinen bevorzugten Zielscheiben; insbesondere schürte Hussong den Hass auf Theodor Wolff (von 1906 bis 1933 Chefredakteur des „Berliner Tageblatts”) als führenden Repräsentanten der liberalen Hauptstadtpresse. Zahlreiche nachweisbare Leitartikel in den Provinzzeitungen des Scherl-Verlags (insgesamt hatte Hugenbergs Imperium 14 davon) belegen, dass er als einer der einflussreichsten Publizisten seiner Zeit gelten muss. Georg Honigmann bezeichnete Hussong 1976 deshalb als „Stimme seines Herrn“, Alfred Hugenberg.

Zum demagogischen Repertoire Hussongs zählten wie bei anderen rechtsgerichteten Journalisten und Politikern Schlagworte wie „Novemberverrat”, „Schandvertrag” oder „Dolchstoß”. Bei Bekanntwerden der Friedensbedingungen sprach Hussong 1918 von „volksmordenden Bedingungen“, „Notzüchtigung der Nation“ und „unerträglicher, planmäßiger Erwürgung”. Demokratische Politiker schmähte er als „Speichellecker von Feindesstiefeln”. Im „Gewirre und Getriebe der parlamentarischen Schiebungen” witterte er allerorten „parlamentarische Wandelganggerüchte” oder „parteipolitische Geschäftemacher”, in „parlamentarische Klüngelbildung” verstrickt.

Die Notverordnung von Reichskanzler Heinrich Brüning vom Sommer 1930, die die Weimarer Verfassung faktisch außer Kraft setzte, kommentierte Hussong ätzend unter der Überschrift „Sterbendes Schweinchen“: „Dieser Parlamentarismus ist nicht einmal mehr einer Katastrophe fähig. Zu einem Abgang und Untergang mit irgendwelchem Aplomb fehlt ihm alles. Er rutscht und sinkt leise greinend in sich zusammen, wie das Kinderspielzeug, das sterbende Schweinchen, wenn es komisch seufzend die eingepustete Luft ausströmt und lächerlich verröchelt.“

Kurt Tucholsky antwortete auf die antiintellektuelle und „volkhaft”-mythisch unterfütterte Dauerhetze Hussongs („Wichtiger als alle Vivisektion des Intellektualismus ist das Wachstum eines nationalen Mythos; eines Mythos, nicht aus den Nerven geschwitzt, sondern aus dem Blute blühend.”) in der „Weltbühne”: „Das ganze Kleinvolk, das sich heute die Kehlen gegen die Ratio, gegen die Liberalen, gegen die Demokratie heiser brüllt, wäre nicht, wenn die Aufklärer nicht gewesen wären. [..] Und wichtiger als alle Volkheit scheint mir zu sein, dass sich der Mensch nicht zum Vieh degradiere, auch nicht für sein Vaterland. Was eine sanfte Beleidigung des Viehs darstellen dürfte. Im übrigen sagt Hussong vom Mythos das richtige, ohne es sagen zu wollen: 'Er ist in der Bildung begriffen.' – Was ist das nur, was sich da heute als theoretische Begründer des deutschen Nationalismus aufspielt –?

Carl von Ossietzky erlaube mir, dass ich ihn zitiere: Germanisches Café.”[62]

Letztere Einlassung ist eine Anspielung auf das wahrscheinlich bekannteste Café Berlins in dieser Zeit, das Romanische Café, das ein (wie man es später vielleicht genannt hätte) beliebter Szenetreff war (vgl. auch: Bohème).[63]

Einflussreiche Publizisten der Weimarer Republik

Weitere einflussreiche Publizisten der Weimarer Republik waren neben den schon genannten unter anderem:

Gegen Ende der Weimarer Republik und im Übergang zum so genannten Dritten Reich gab es in Deutschland so viele Zeitungen wie nie zuvor und auch später nicht mehr. 1932 wurden 4703 Tages- und Wochenzeitungen mit einer Gesamtauflage von 25 Millionen (einschließlich Nebenausgaben) gezählt; die Hälfte war grundrichtungsbestimmt (s. Tendenzbetrieb). – Viele Blätter mussten jedoch wirtschaftlich subventioniert werden.

Laut Peter de Mendelssohn (a.a.O) wurden „Mitte der Zwanziger bereits rund 1000, also mehr als ein Drittel aller damals im Reich erscheinenden Zeitungen, von Berlin aus mit Matern versorgt”, also mit einem Mantel. Demnach gab es um 1928 „in ganz Deutschland nur etwa 35 bis 40 Zeitungen, die es sich zeitlich und finanziell leisten konnten, mehrere Nachrichten- und Korrespondenzdienste nebeneinander in Anspruch zu nehmen”. Die bei weitem erfolgreichste Nachrichtenagentur im Deutschland jener Jahre war Hugenbergs Telegraphen-Union; sie war „so mächtig geworden, daß sie sogar einen allgemeinen Weltnachrichtendienst betreiben konnte, den TU-Pressefunk mit eigenem Sender.” Die elf Korrespondenzdienste unter der Flagge des Literarischen Verlag Patria sollten Vielfalt und Neutralität vorschützen. „Wirklich neutral und politisch objektiv war aber keiner von Hugenbergs Diensten. Die Telegraphen-Union gab sich als Nachrichtenfabrik, war jedoch eher eine Meinungsfabrik. Waren im Jahre 1925 bereits ca. 1200 Zeitungen an den TU-Korrespondenz-Dienst angeschlossen, so waren es 1926 bereits ca. 1600 und Ende der 20-er ca. 2000, also gut zwei Drittel aller in Deutschland erscheinenden Blätter. Die Spannweite der Zeitungen ging von der 'Deutschen Zeitung' auf der Rechten [nicht zu verwechseln mit der „Deutschen Zeitung”, die vom 1. Juli 1847 bis Ende September 1850 erschien und die sich im Vorfeld der Märzrevolution als Leitorgan des aufgeklärten bürgerlichen Liberalismus verstand], bis hin zur 'Roten Fahne' auf der Linken. Nur sehr wenige der großen deutschen Tageszeitungen konnten es sich leisten, den TU-Dienst bis zuletzt zu meiden”, stellte de Mendelssohn fest.

Charles Lindbergh, der „erste Mediensuperstar“

Als der „erste weltweite Mediensuperstar“, der „unwissentlich den Weg für das Zeitalter der massenmedialen Berühmtheiten bahnte“[64], gilt der „erste Held des 20. Jahrhunderts“, der – wie ihn Teile der Presse vor seinem sensationellen Non-Stopp-Flug über den Atlantik (1927) verspotteten – „fliegende Narr“ Charles Lindbergh (1902 bis 1974). Zeitungen in den USA und auf allen Kontinenten begleiteten das waghalsige Unternehmen des Postfliegers aus der amerikanischen Provinz mit einem ehedem ungesehenen Aufwand, Millionen von Menschen versammelten sich vor den Radios, um die jüngsten Neuigkeiten über den Verlauf des Fluges zu hören. Nicht nur seine bahnbrechende Tat, sondern auch die Entführung und Ermordung seines erstgeborenen Sohnes, die durch die umfassende zeitgleiche Berichterstattung beinahe „Event“-Charakter gewann (wie man vielleicht heutzutage formulieren würde; manche sprechen vom einem regelrechten „Medienzirkus“) und später sein unverhohlenes Symphatisieren mit dem „Dritten Reich“, verbunden mit einer vehementen Befürwortung einer isolationistischen Haltung der Vereinigten Staaten (vgl. dazu: America First Committee), sicherten ihm eine unerhörte Bekanntheit und globale Aufmerksamkeit.[65]

Beinahe umgehend wurde er auch zur literarischen Figur, so etwa in Bertolt Brechts Hörspiel Der Ozeanflug (1929) oder in Agatha Christies Roman Mord im Orient-Express (1934). „Charles Lindbergh war die größte Berühmtheit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der erste, der dem vollen und unbarmherzig grellen Licht der modernen Massenmedien ausgesetzt war.“[66]

Begründung der Publizistikwissenschaft in Deutschland

Auf Bestreben Karl Büchers war bereits 1916 in Leipzig das Institut für Zeitungskunde eingerichtet worden, dessen erster ordentlicher Lehrstuhlinhaber 1917 Erich Everth war. Emil Dovifat, der zu den Begründern der Publizistikwissenschaft (heute: Kommunikationswissenschaft) in Deutschland gehört, arbeitete seit 1924 als Assistent des neu gegründeten Deutschen Instituts für Zeitungswissenschaft und wurde 1928 dessen Leiter. Schon zuvor, 1926, wurde er zum außerordentlichen Professor für Zeitungswissenschaft und Allgemeine Publizistik an die Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin berufen.

Neuerung im Nachrichtenaustausch: Fernschreiber

Ab ca. 1930 kamen vermehrt Fernschreiber in Gebrauch (sowohl bei Nachrichtenagenturen und Redaktionen wie auch z.B. für die Geschäftskommunikation bei international tätigen Firmen), die entweder über das Telefonnetz bzw. spezielle Fernschreibnetze kommunizierten oder über Kurzwelle sendeten (siehe auch: Nachrichtenticker). Diese haben den entscheidenden Vorteil, dass Texte direkt und unkodiert über eine Schreibmaschinentastatur eingegeben werden können; gewöhnlich geschulte Bürofachkräfte konnten solche Geräte bedienen. Sie waren bis in die 1990-er Jahre weithin im Einsatz.

Die onomatopoetische Wortprägung Ticker aufgrund des typischen Geräusches beim Ausdrucken von Meldungen hat sich bis heute weitgehend erhalten – selbst im Internet.

Für die weitere Entwicklung in Deutschland siehe:

Für die Entwicklung in Österreich siehe:

Zur Entwicklung in der Schweiz vgl.:

Die Zeitungen und die Neuen Medien

Konzentrationsprozesse und Zusammenschlüsse der Presse halten aus meist wirtschaftlichen Gründen bis heute an (siehe: Mantelzeitungen, Publizistische Einheit, Einzeitungskreis [67]). Paul Sethe, einer der fünf Gründungsherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zwischen 1949 und 1955, formulierte vor diesem Hintergrund in einem Leserbrief an den „Spiegel“ am 5. Mai 1965 seinen bekannten Ausspruch: „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“

Von 1964 bis 2004 sank die Zahl selbstständiger deutscher Zeitungsverlage um nahezu 40 Prozent; im Zuge dieser Entwicklung verschwanden annähernd 250 Zeitungen vom Markt (Quelle: A.T. Kearney 2006, a.a.O.). In Österreich konnte man 1946 zwischen 35 Tageszeitungen wählen, 1998 erschienen nur noch 17.[68]

Angesichts der weiteren Zuspitzung der Medienkonzentration[69] und einer damit einhergehenden – für die Konsumenten und Rezipienten oftmals undurchschaubaren oder nicht als solche erkennbaren – „Scheinvielfalt”[70] (siehe dazu auch: Medientransparenz) der Mono-, Duo- und Oligopole (siehe z.B.: Bertelsmann, Verlagsgruppe Holtzbrinck, Hubert Burda Media, Silvio Berlusconi, Rupert Murdoch, Gazprom-Media, Time Warner) schon lange vor der Jahrtausendwende (insbesondere nach dem Aufkommen des Privatfernsehens), verbunden mit einer forcierten Digitalisierung und Konvergenz beinahe aller Medien[71][72], befürchten Beobachter zunehmende Gefahren für die Demokratie als solche: „Pluralismus und Meinungsvielfalt könnten nicht mehr nur als Aufgabe der lokalen Politik begriffen werden, schreibt auch Aidan White, Generalsekretär der European Federation of Journalists [73]: 'Es ist ein europäisches Thema und verlangt nach Antworten auf europäischer Ebene.' Ohne die nötigen Maßnahmen, so White, werde 'das europäische Demokratiemodell, das wir mittlerweile seit Generationen für ganz selbstverständlich genommen haben, ernsthaft kompromittiert'”. [74] – In diesem Zusammenhang stellt sich offenbar immer dringlicher auch die Frage nach der (Über-)Lebensfähigkeit des klassischen Mediums Zeitung selbst.

Das World Wide Web: Standbein, Feindbild oder Existenzbedrohung?

Seit Ende des 20. Jahrhunderts ergänzen viele Zeitungsverlage ihre gedruckten Ausgaben durch die Neuen Medien. Vorreiter dieser Entwicklung in Deutschland war die „Schweriner Volkszeitung“, deren Webauftritt hansenet bereits am 5. Mai 1995 online ging. Sie war damit die erste deutsche Tageszeitung im Internet. – Es folgten u.a. „Die Welt“, der Berliner „Tagesspiegel“, die „Rhein-Zeitung“ (Koblenz) und die „taz – die tageszeitung“. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass weltweit 1995 nicht mehr als 200 Zeitungen mit einem eigenen Angebot im Netz waren, meist US-amerikanische Blätter. In Deutschland hatten erst etwa fünf bis sechs Prozent der Bürger Zugang zum Internet, die Nutzerzahlen waren daher zwangsläufig sehr gering.[75] Durch fallende Preise bei Hard- und Software sowie durch zunehmend verbilligte Telekommunikationsleistungen, verbunden mit dem beschleunigten Ausbau der Netzinfrastruktur (vgl. u.a.: Digital Subscriber Line), änderte sich dies bis zur bzw. ab der Jahrtausendwende rasch. Nicht nur zahlreiche Unternehmen, sondern auch viele hartgesottene IT- und Medienprofis standen dem anhebenden Siegeszug des Webs allerdings ungewöhnlich lange mehr als nur skeptisch gegenüber, um dann, dessen Unausweichlichkeit und Potential erkennend, im Zuge der Dotcom-Blase geradezu euphorisch und nicht selten unverantwortlich hasardierend auf den Zug aufzuspringen.[76]

Das Ausmaß und die Tragweite des inzwischen erfolgten Wandels und Umbruchs fasste das US-Magazin „Time“ so zusammen: „Vor zehn Jahren war es eine Herausforderung für Websites, Leute dazu zu bewegen, ihre Zeit zum Vergnügen vor einem Computerbildschirm zu verbringen. 'Ihr Problem wird statistisch gelöst werden', versicherte ein IT-Professor einer Gruppe von Webpionieren, und ganz sicher wurde es das. Jetzt ist das Problem, Leute unter 50 oder so dazu zu bringen, eine Zeitung zur Hand zu nehmen.“[77]

Die Neuen Medien werden von den etablierten Zeitungsverlagen mehr oder weniger geschickt zur Cross-Promotion genutzt. Die gedruckten Ausgaben der Zeitungen in den führenden Industrieländern verlieren unterdessen dennoch kontinuierlich an Auflage; die Leser wandern zunehmend zu deren Webportalen ab[78] [79]. Viele Redaktionen bewerten ihre Online-Ausgabe mittlerweile als zumindest gleichberechtigt mit ihrer Print-Ausgabe, bei einigen spielt sie seit geraumer Zeit bereits die Hauptrolle[80]. Die „New York Times“ – fraglos eine der bedeutendsten Zeitungen der Welt – erwägt sogar die Einstellung der Druckausgabe: „Ob die ‚New York Times‘ in fünf Jahren noch gedruckt wird, ist mir egal“, so Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger jr. Anfang 2007[81]. Auch eine Analyse des Meinungsforschungsinstitutes Allensbach belegt, dass bei jungen Menschen die Bedeutung der Zeitung zugunsten des Internets stark abnimmt.[82] Eine weitere Studie zeigt das Überlaufen von Lesern von Zeitungen zu Onlinenachrichten.[83] US-Amerikaner nutzen als Nachrichtenquellen vorwiegend (48 Prozent) das Internet, wogegen die Zeitungen nur noch von 10 Prozent als primäre Nachrichtenquelle genutzt werden nach Fernsehen (29 Prozent) und Hörfunk. [84]

„Ich bin überzeugt, dass es in zehn bis 15 Jahren keine Papierzeitung mehr geben wird“, meinte Prof. Klaus Schönbach vom Kommunikationswissenschaftlichen Seminar der Freien Universität Berlin bereits am 29. Oktober 2000 [85]. Seit der Jahrtausendwende entspann sich eine anhaltende Diskussion um die Zukunftsaussichten bzw. -fähigkeiten und die mögliche künftige Rolle des ehedem unangefochtenen Leitmediums (vgl. Online-Journalismus).

Die Auseinandersetzungen werden durchaus nicht immer sachlich geführt: Angesichts der rapiden Änderungen in den Nutzungsgewohnheiten und der zunehmenden, im Einzelfall gewiss auch existenzgefährdenden[86] Konkurrenz etwa durch das „Mitmach-Internet“ (s. Web 2.0[87]) kommt es dabei gelegentlich auch zu einer „rhetorisch hochgeschraubten, argumentativ allerdings nicht gerade besonders herausragenden Polemik[88] etablierter Printmedien „gegen die Niederungen des Internetpöbels“. [89]

IVW: Rekordzuwächse bei Onlineangeboten von 2007 bis 2008

Von März 2007 bis März 2008 verzeichneten die von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erfassten (ganz überwiegend deutschen) Onlineangebote einen Zuwachs bei den Pageviews von 118 Prozent und damit einen neuen Rekord.[90] Besonders unter den jüngeren Konsumenten geht diese Entwicklung zusehends nicht nur zu Lasten der Printmedien im Allgemeinen, sondern betrifft immer mehr auch das (klassische) Fernsehen.[91] [92]

Ist die Tageszeitung obsolet?

„Wir werden es bald erleben, dass sich große deutsche Tageszeitungen für einen wöchentlichen Erscheinungsrhythmus entscheiden“, gab sich Wolfgang Blau, seit März 2008 Chefredakteur von Zeit Online, anlässlich einer Podiumsdiskussion der dpa-Tochter News aktuell am 8. April 2008 gewiss und wollte die Notwendigkeit einer Marktbereinigung erkannt haben: „In Deutschland gibt es zu viele Tageszeitungen. An dieser Wahrheit kommen wir nicht vorbei.“ – Gleichzeitig plädierte Blau für eine neue Offenheit im Journalismus. [93]Online First“ (etwa: das Web hat Vorrang) wurde jenseits des Atlantiks bereits ab ca. 2005 zum Trend: Anfang 2008 hat z.B. die in Madison, Wisconsin, ansässige „Capital Times“ angekündigt, ihr tägliches Erscheinen einzustellen, um sich auf ihren Webauftritt zu konzentrieren. Das seit 90 Jahren existierende Blatt kommt nun mit zwei Ausgaben wöchentlich auf den Markt; in einer davon werden vorwiegend Editorials und Kommentare veröffentlicht, die andere hat als erweitertes Feuilleton die Schwerpunkte Kunst, Literatur und Musik.[94]

Noch 2006 zeigte sich Markus Ruppe, Geschäftsführer der Zeitungs Marketing Gesellschaft, im Hinblick das traditionelle Kerngeschäft der Zeitungsverlage weitaus optimistischer: „Zeitungen müssen einen Internet- und Printauftritt anbieten, um auch weiterhin wettbewerbsfähig bleiben zu können.“ Der Webauftritt einer Tageszeitung allein werde nicht ausreichen oder gar die dominierende Oberhand gewinnen, so Ruppe. Er hob hervor, dass „der Vorteil im Internet zwar in der Gestaltung von Anzeigen für Kunden liegt, dennoch ist die Tendenz zur Darstellung von Unternehmen in herkömmlicher Weise – das heißt im Papierformat – wieder evident nachzuvollziehen. Das Internet wird viel stärker als Suchmedium für traditionelle Printmedien verwendet, was sich vor allem im Immobilien- und Stellen-Anzeigenmarkt ablesen lässt“.[95]

Konzentrationstendenzen auch im Online-Bereich, zunehmende IT-Kompetenz

Unübersehbare Konzentrationstendenzen haben indessen – trotz des (oftmals vordergründigen) Hypes um Online-Communitys[96][97], Social Networks[98] und Blogs[99] – auch die Internetpublizistik erfasst. Einer Studie von Prognos mediareports[100] zufolge wird aus dem bisherigen Innovationswettbewerb zunehmend ein Verdrängungswettbewerb. Auch im Web bauen demnach die großen Player ihre Stellungen immer mehr aus, während kleine und mittlere Online-Medien ins Hintertreffen geraten. „Bislang genügte eine gute Idee, um in den Internetmarkt einzutreten. Inzwischen dominieren aber auch hier bereits ein paar große Medienkonzerne den Markt und die kleineren Zeitungsverlage müssen sich mehr und mehr nach Nischen umsehen, um erfolgreich zu sein”[101], erläuterte dazu Josef Trappel, Herausgeber des mediareports, Ende 2006.

Grundsätzlich werden Print- und Online-Medien künftig harmonisch nebeneinander existieren können, gab er sich zuversichtlich. Für die Zeitungen sei es nun aber wichtig, sich eine neue Position zu suchen und auf das Online-Medium zu reagieren, so Trappel. Bis 2010 werde ein Großteil der Internetnutzer zur Gruppe der erfahrenen User zählen. Für diese Gruppe sei das Internet schon heute als Informationsmedium unverzichtbar. Steigende Werbeeinnahmen der Zeitungen im deutschsprachigen Raum könnten ein Grundproblem im Printbereich auf Dauer nicht verdecken – nämlich die beständig abnehmenden Reichweiten und Auflagen der Kaufzeitungen.[102]

Deutschland: öffentlich-rechtliche Anstalten vs. Zeitungsverleger

ZDF-Intendant Markus Schächter hingegen fasste einen Kern der Problematik ebenso nonchalant wie unterschwellig drohend zusammen: „Wer nicht ins Netz geht, geht ins Museum.” Allerdings ist auch das avisierte bzw. unterstellte Eindringen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten[103] in ihre (vermeintlich oder tatsächlich) ureigensten Gefilde – nämlich den „Textjournalismus” – einem Gros der Zeitungsverleger ein Dorn in Auge, was die Situation speziell in Deutschland zusätzlich kompliziert (im Mutterland alles Öffentlich-Rechtlichen, nämlich im Vereinigten Königreich, sind Auseinandersetzungen jedenfalls dieser Vehemenz[104] und ggf. medienrechtlicher Tragweite bemerkenswerterweise nahezu unbekannt).

ARD und ZDF wollen im Internet möglichst unbeschränkt Angebote machen können. Alle großen Verlage wehren sich dagegen; sie fürchten, dass die mit jährlich rund sieben Milliarden Euro Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender den Wettbewerb im Internet verzerren oder gar zunichte machen würden. Die Chefs von ARD und ZDF wendeten dieses Argument im April 2008 gegen die Verlage: Sie unterstellen den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern „Marktabschottungsinteressen“. Der „Schutz von Erwerbschancen“ dürfe nicht die publizistische Vielfalt beschränken, so der ARD-Vorsitzende Fritz Raff und ZDF-Intendant Markus Schächter in einem gemeinsamen Brief vom 14. April 2008 an die Landesregierung Rheinland-Pfalz. Ihr Schreiben richtet sich gegen die erklärte Absicht einiger Länder, den Onlineaktivitäten von ARD und ZDF enge Grenzen zu setzen. In einem Arbeitsentwurf des neuen Rundfunkstaatsvertrags, der unter Federführung der Bundesländer Teil der Medienordnung in Deutschland ist, ist vorgesehen, dass die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten online lediglich „begleitend“ zum TV-Programm tätig werden dürfen; alle Inhalte müssen nach sieben Tagen wieder aus dem Netz genommen werden. Vor allem aber dürfen die Gebührensender dem Entwurf zufolge nicht als Textanbieter auftreten: „Elektronische Presse findet nicht statt“, heißt es dazu wörtlich. Angeblich soll damit sichergestellt werden, dass die Sender mit ihren Gebühreneinnahmen nicht den sich gerade erst entwickelnden publizistischen Wettbewerb behindern, hieß es in einem Bericht von stern.de. Seit jeher dürfen ARD und ZDF auch keine Zeitungen oder Zeitschriften herausgeben.[105]

Ob und wo es Textjournalismus an und für sich überhaupt noch gibt bzw. mit Aussicht auf (auch: kommerziellen) Erfolg geben kann, bliebe allerdings zu klären (und sicher auch das, was unter elektronischer Presse zu verstehen sein soll): Selbst die ihrer eigenen Tradition in höchstem Maße verpflichtete „graue Lady“ „New York Times“ unterstrich anlässlich des Relaunches ihres Webauftritts im April 2006, dass nunmehr Video und Multimedia „fundamentale Bestandteile“ der NYT-Internetpräsenz seien. Die BBC hat seit geraumer Zeit nur noch eine Multimedia-Redaktion; Inhalte (für die sich immer mehr das Marketing-Buzzword „Content” durchgesetzt hat) werden ungeachtet der Verbreitungskanäle (Radio, Fernsehen, Web) integriert aufbereitet und redigiert (vgl. Medienübergreifendes Publizieren).

„Man darf den Öffentlich-Rechtlichen nicht nur das lassen, was keiner will“, erklärte der SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck zu der Auseinandersetzung: „Dass sie auch viele Texte anbieten, tut dem Internet aber nur gut.“ Mit Blick auf die Intentionen der Verleger meinte er: „Ich glaube, dass die Verleger gut daran tun, sich einer Qualitäts-Diskussion zu stellen. Denn einige sind mehr am Ertrag als an der Zeitung oder der Zeitschrift interessiert.“[106]

Hans-Joachim Otto (FDP), Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags, monierte hingegen, es werde „immer deutlicher, dass die gebührenfinanzierten Rundfunkanstalten versuchen, sich zu Anbietern elektronischer Presseerzeugnisse im Internet zu entwickeln. Das ist so unzulässig wie unnötig - und das aus mehreren Gründen. [..] Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat Rundfunk anzubieten, und natürlich darf er dieses Angebot auch über das Internet verbreiten. Darüber hinaus ist es ihm laut Rundfunkstaatsvertrag gestattet, 'programmbegleitend Druckwerke und Telemedien mit programmbezogenem Inhalt' bereitzustellen. Alles, was weitergeht, ist weder verfassungs- noch europarechtlich zulässig.” Die in der Neufassung beabsichtigte Klarstellung, dass online nur „sendungsbezogene Beiträge” angeboten werden dürfen, sei „eine pure Selbstverständlichkeit. Die Vorwürfe aus dem ZDF, hier werde zensiert oder ein Morgenthau-Plan gestrickt, sind völlig deplatziert.”[107]

„Integrierte Multimedia-Arbeitsweise“: die Rolle und Aufgabe des Journalisten

Das „tragbare Lesesystem“ (Portable Reader System) PRS-505 von Sony (2007): Sieht so oder so ähnlich die Zukunft des Zeitunglesens aus? Auch wenn die Hersteller für den Seitenwechsel einen Raschelsound generieren mögen – mit einer Zeitung auf Papier haben derartige Geräte bislang wenig zu tun[108]. Aber Viele sind sich sicher: Das wird sich ändern …

Bill Hagerty, Herausgeber der „British Journalism Review“, sagte Ende 2006: „Ich besuchte die 'Washington Post' und die haben eine ganze Menge da – Radio, Fernsehen, Online und Print sitzen alle nebeneinander[109]. Es ist eine zweckmäßig integrierte Multimedia-Arbeitsweise. Das ist der Weg, den die Zeitungen gehen müssen. In Bezug auf die gedruckte Zeitung: Die befindet sich sicher im Niedergang, wenn man nicht irgendwas tut.“[110]

media studie 2007: Journalisten halten Verlage nur bedingt für zukunftsfähig

Bemerkenswert viele Journalisten jedenfalls in Deutschland glauben dennoch an die Zukunft der gedruckten Zeitung und räumen dem Web 2.0 nur beschränkten Einfluss auf die konkrete publizistische Praxis ein. Fast die Hälfte der im Rahmen der media studie 2007: „2.0 und dann? Journalismus im Wandel“ von news aktuell Befragten geht davon aus, dass Zeitungen in zehn Jahren noch immer überwiegend auf Papier produziert werden. Lediglich gut ein Fünftel ist dagegen vom Erfolg digitaler Lesefolien (also elektronischem Papier)[111], die sich automatisch aktualisieren, überzeugt. Allerdings glaubte schon ein Viertel an eine klare Online-Dominanz im zukünftigen Nachrichtengeschäft.

Nach wie vor ist die Tageszeitung für 81 Prozent der Journalisten der Erhebung zufolge eine sehr wichtige Informationsquelle. Aber bereits jeder fünfte Medienmacher nimmt Tageszeitungen nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr zur Kenntnis.

Ihren Arbeitgebern stellen sie kein gutes Zeugnis aus: Sie halten sie „nur bedingt für zukunftsfähig. Das dynamische Wachstum von Internetunternehmen wie Google[112] [113] [114] [115] und yahoo! hat die Medienmacher anscheinend tief verunsichert“, schließen die Meinungsforscher daraus (media studie 2007, a.a.O).

In der Tat dürfte der Münchner Verleger Hubert Burda („Bunte”, „Focus”), der auf die Vielzahl der Autoren im Internet setzt, noch die Ausnahme sein: „Tausende oftmals hervorragende Blogger bringen völlig neue Sichtweisen auf die Themen. Auch auf Wahlen nimmt diese neue Netzöffentlichkeit Einfluss.”[116]

Ist das 19. Jahrhundert noch nicht vorbei?

Benedikt Köhler, Betreiber des Weblogs viralmythen, verspottete vor diesem Hintergrund die seiner Meinung nach begrenzte Einsichtsfähigkeit insbesondere von Printpublizisten in und ihre nur zähe Adaption an die technologisch-ökonomischen Fakten als „das lange 19. Jahrhundert der Zeitungsmacher“.[117]

Im Hinblick auf die Journalisten-Zunft insgesamt dürfte das zu hart formuliert sein: Der Großteil der für den Medien-Trendmonitor (März 2008, a.a.O) Befragten sprach sich für Investitionen der Verlage in Internetangebote und Internetfirmen aus. Davon gab knapp die Hälfte an, dass, wer jetzt nicht mitzieht, zukünftig verloren hat. Eine Minderheit von 32,3 Prozent geht demnach davon aus, dass es auch lukrative Erlösmodelle im Internet geben wird, und 23,5 Prozent sind der Auffassung, dass die wachsenden Umsätze mit Online-Werbung die Investments in Internetangebote sichern. Insbesondere Befragte mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung im Journalismus sind der Meinung, dass es sich lohnt, in Internetangebote und Internetfirmen zu investieren. Investitionen in Internetangebote sind über alle (journalistischen) Berufsgruppen hinweg für die meisten Befragten ein Muss. Dennoch ergab der Trendmonitor auch eindeutig: „Die gedruckte Zeitung bleibt weiterhin das maßgebliche Leitmedium.“

Die künftige Rolle der Macher: Multiplikator und Moderator?

Unvermeidlich sogar in taiwanesische Zeitungen kommt man, wenn man die Wikipedia gründet: Jimmy Wales am 9. April 2006 in einem Teehaus in Taipeh mit einem Blatt, das er nicht lesen muss, weil er's vermutlich gar nicht kann …

„Profijournalisten werden künftig Verweise geben auf das, was wirklich wichtig ist und überprüfen, was man findet. An dieser Stelle wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Das betrifft nicht nur den Online-Journalismus, sondern auch die klassischen Medien. Aufgabe der Journalisten wird dann die Sichtung und Prüfung der Informationen. Der Journalismus wird sich so ändern, dass die Nutzerbeteiligung im Internet und in anderen Bereichen zunimmt. Das wird Rückwirkungen auf die Berufsrolle des Journalisten haben, die sich in Navigatoren und teilweise in Moderatoren verwandeln, die das Gespräch mit den Nutzern moderieren.“[118]

David Carr zog 2005 den Erfolg von iTunes heran, um die Möglichkeit von Bezahlmodellen für Inhalte auch im Journalismus der Zukunft zu belegen. „Eine Papierzeitung ist ein statisches Produkt in einem dynamischen Nachrichtenzeitalter, und während jedes Medium um Aufmerksamkeit ringt, muss die Industrie das ziemlich wörtlich nehmen.“ Mit den sich abzeichnenden neuen Techniken (zum Beispiel via Funknetz-Abonnement[119] aktualisierte elektronische Lesefolien) wandele sich auch die Rolle des Journalisten: „Das ist die Zukunft, auf die sich die Zeitungen vorbereiten müssen. Die Leser kümmern sich nicht länger so sehr darum, wer Sie sind, sie wollen nur wissen, was Sie wissen.“[120][121][122]

NYT-Herausgeber Sulzberger: „Das Internet ist ein wunderbarer Ort, und wir führen dort“

„Wir leben in der Internet-Welt. Wir haben zum Beispiel fünf Leute, die in einer speziellen Entwicklungsabteilung arbeiten, deren einziger Job es ist, Dinge zu initiieren und zu entwickeln, die mit der elektronischen Welt zusammenhängen – Internet, Mobilfunk, was immer auch kommt“, erläuterte der Herausgeber der „New York Times“ Arthur O. Sulzberger Anfang 2007 zu den Strategien seines Unternehmens. – Man habe zudem einen Vertrag mit Microsoft[123] unterzeichnet, um das Blatt mittels eines Programms namens Times Reader zu verbreiten. Die Software ermögliche es Nutzern, die Zeitung bequem auf Bildschirmen, vornehmlich Laptops, zu lesen. Zuversichtlich unterstrich Sulzberger: „Ich glaube sehr daran, dass das Erlebnis, eine Zeitung auf Papier zu lesen, auf diese neuen Geräte übertragen werden kann.“ Zum Aufwand für Entwicklung und Computerisierung meinte der NYT-Herausgeber: „Diese Kosten reichen mitnichten an die für den Druck heran. In letzter Zeit tätigten wir ein umfangreiche Investition in den Druck, die kostete nicht weniger als eine Milliarde Dollar. Die Preise für die Website-Entwicklung wachsen nicht in diese Größenordnung.“[124]

Arten von Zeitungen

Ausstellungen zum Jubiläumsjahr 2005

Siehe auch

 Wikiquote: Zeitung – Zitate

Literatur

Die Zeitungsleserin (Adolph Menzel)

Einzelnachweise

  1. Martin Dahms: Spanien: Zwanzig Jahre El País („Die Zeit” Nr. 21/1996)
  2. Der Musterbetrieb („Die Zeit” Nr. 44, 25. Oktober 1985)
  3. Participación en ELPAÍS.com
  4. El País ab Montag mit Blogs (Text & Blog, 18. November 2006)
  5. Weniger als vier Prozent der Afrikaner sind online (heise online, 30. Oktober 2007)
  6. Frank Wittmann: Zwischen Hoffnung und Ohnmacht: ICT4D und die Exklusion Afrikas (Medienheft.ch, 20. Dezember 2004)
  7. BDVZ: Deutscher Zeitungsmarkt ist der größte in Westeuropa (finanzen.net, 18. Mai 2005)
  8. Zeitung: Unverwüstliches Medium (WKO, 8. Juni 2006)
  9. Ergebnisse der 9. Welle der ARD/ZDF-Langzeitstudie zur Mediennutzung und -bewertung (PDF, 27 S., 646 kB)
  10. Medien im Alltag (Institut für Politikwissenschaft, Forschungsgruppe Regieren, Universität Duisburg, 3. Juli 2006 - diverse Schaubilder und Statistiken, PDF, 9 S., 1,35 MB)
  11. Relation aller Fuernemmen und gedenckwuerdigen Historien (Reprofotografien, Universitätsbibliothek Heidelberg)
  12. Die Pressewissenschaftlerin Astrid Blome analysierte Renaudots Stellenbörse im Zusammenhang der Gesellschaftsgenese und der Rolle des Wissens als Ressource in der frühen Neuzeit: „Während der erste umfassende Plan für ein Adressbüro in England entworfen wurde, erfolgte die erfolgreiche Umsetzung des Konzeptes erstmals in Paris durch Théophraste Renaudot. [..] 1612 erhielt Renaudot das exklusive Privileg zur Errichtung von 'Bureau & Registres d’Addreßes', 1628 eröffnete der inzwischen zum Generalkommissar für das Armenwesen ernannte Arzt das berühmte Pariser Adressbüro. Ausgangspunkt waren für ihn die Vorschläge Montaignes … Die schlechte Wirtschaftslage und eine hohe Arbeitslosigkeit führten zu Landflucht und Armutsmigration, die sozialen Spannungen in den Städten verschärften sich zunehmend. [..] Das Informationsangebot des Bureau d’Adresse scheint von der Pariser Bevölkerung sehr gut angenommen worden zu sein, mehr als 80.000 Personen sollen innerhalb weniger Jahre allein die Arbeitsvermittlung genutzt haben. Als sich in den späten 1630er Jahren die wirtschaftliche und soziale Situation weiter verschärfte, erließ die Pariser Regierung mehrere Verordnungen, die das Adressbüro einem Funktionswandel unterzogen. Es erhielt den offiziellen Status einer zentralen, kontrollierenden Instanz, einer staatlichen 'institution de bonne police' zur Registrierung und Aufenthaltskontrolle der Fremden. Das neu geschaffene Kommunikations- und Informationsangebot, dessen Grundprinzipien Möglichkeit und Freiwilligkeit waren, kehrte sich zumindest teilweise in sein Gegenteil. [..] Mit den 'Feuilles du Bureau d’Adresse' bediente sich Renaudot schließlich seit April 1633 auch des Drucks, um die registrierten Angebote einem noch größeren Interessentenkreis zugänglich zu machen [..] Für jeden einzelnen erweiterte sich der Kreis potentieller Kommunikations- und Handelspartner ebenso wie das ihm selbst zur Verfügung stehende Informationspotential und damit die Möglichkeit, über den Erwerb von Informationen hinaus individuell relevantes, handlungsleitendes Wissen zu generieren. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht unberechtigt, die Adressbüros in die Genese der Wissensgesellschaft in der Frühen Neuzeit einzuordnen.” (Astrid Blome: Vom Adressbüro zum Intelligenzblatt – Ein Beitrag zur Genese der Wissensgesellschaft, Universität Bremen – PDF, 27 S., 227 kB)
  13. „Im Jahr 1753 – vor mehr als 250 Jahren – erschien die älteste bekannte Todesanzeige mit dem folgenden Wortlaut im Ulmer Intelligenzblatt: 'In der Nacht, unterm 14. huj. ist Totl. Herr Johann Albrecht Cramer, weiland des Raths, Zeugherr und Handelsmann allhier, in einem Alter von 70 Jahren an einem Schlagfuss gestorben.' Anders als aus heutiger Sicht zu erwarten ist, wurde diese Anzeige nicht in einer eigens für Familienanzeigen eingerichteten Rubrik, sondern unter Vermischte Nachrichten veröffentlicht. Auf graphische Elemente wie den später üblichen Trauerrand und die Hervorhebung des Namens wurde verzichtet. Auch Symbole und Sprüche fehlten.[..] – Anfangs galten Todesanzeigen als 'unschicklich'. Als Ursache ist eine weit verbreitete Scheu zu sehen, persönliche Sachverhalte öffentlich zu machen.” (Sandra Hölscher: Todesanzeigen und ihre Strukturen in ausgewählten regionalen Tageszeitungen von 1902 bis 2002. Magisterarbeit im Fach Germanistische Linguistik an der Freien Universität Berlin, August 2005 - PDF, 25 S., 167 kB)
  14. Originaltext: Areopagitica by John Milton (Project Gutenberg)
  15. Die bereits sehr heftige Kritik Fritschs am Zeitungs-(un-)wesen wurde später von anderen mühelos übertroffen, wobei Friedrich Daniel Schubart im 18. Jahrhundert noch vor Arthur Schopenhauer und Karl Kraus ein unvergessenes Highlight setzte: „Das ewige Gewäsch von den Kolonisten, von englischen Parlamentsstreitigkeiten, vom pomphaften Krönungsfeyerlichkeiten, von den eingekerkerten Exjesuiten, von Brand- und Mordgeschichten, von albernen Histörchen, die wieder aufgewärmt werden, um ein gähnendes Publikum im Großvatersessel zu kützeln, kriechende Verbeugungen vor den Großen der Welt, in einen Wulst von kleinstädtischen Komplimenten eingehüllt – wer kann dies alles aushalten, ohne schläfrig das Blatt aus der Hand fallen zu lassen.“ („Deutsche Chronik“, 1775)
  16. Martin Löffler: Presserecht, Kommentar, Band I. Allgemeine Grundlagen: Verfassungs- und Bundesrecht. München: C.H. Beck, 1969, S. 41. – Zitiert nach: Volker Schulze, a.a.O.)
  17. Holger Böning: Eine kapitale Ente – Die „Zeitungsstadt Berlin” gehört ins Reich der Fabel: Deutschlands Pressemetropole ist die Hauptstadt nie gewesen (Die Zeit Nr. 11/1999)
  18. Christian Tombrink: Pressefreiheit und Persönlichkeitsschutz in der Europäischen Union (Deutscher Richterbund Landesverband Brandenburg e.V. – Tombrink ist Richter am Brandenburgischen Oberlandesgericht)
  19. Johann Friedrich Struensee: Rescript, betreffend die Aufhebung der Censur (1770) – Wortlaut: „Es ist Ew. Lbd. und euch nicht unbekannt, daß nach den obhandenen Verordnungen, niemanden erlaubet ist, eine Schrift oder Buch in Unsern Königreichen und Landen drucken zu lassen, ohne selbige vorher der Censur unterworfen und eine Approbation darüber erhalten zu haben. Wann Wir indessen finden, daß es der unpartheyischen Untersuchung der Wahrheit eben so nachtheilig, als der Entdeckung verjährter Irthümer und Vorurtheile hinderlich sey, wenn redlich gesinnte, um das allgemeine Wohl und wahre Beste ihrer Mitbürger beeiferte Patrioten, durch Ansehen, Befehle und vorgefaßte Meynungen abgeschreckt und behindert werden, nach Einsicht, Gewissen und Ueberzeugung frey zu schreiben, Mißbräuche anzugreifen und Vorurtheile aufzudecken; so haben Wir in diesem Betracht und nach reifer Ueberlegung beschlossen, in Unsern Reichen und Landen überhaupt, eine uneingeschränkte Freyheit der Presse solchergestalt zu gestatten, daß von nun an Niemand schuldig und verbunden seyn solle, seine Bücher und Schriften, die er dem Drucke übergeben will, der bisher verordneten und hiedurch gänzlich aufgehobenen Censur und Approbation zu unterwerfen. Dem zufolge gesinnen Wir an Ew. Lbd. gnädigst, euch allergnädigst anbefehlende, daß wenn Schriften oder Bücher dorten zur Censur und Approbation einkommen, selbige mit dem Bedeuten zurück gegeben werden sollen, daß sie ohne Censur und Approbation zum Abdruck befördert werden können. – Hirschholm den 14ten Sept. 1770.” – Zitiert nach: Volker Schulze: Die historische Entwicklung der Pressefreiheit (BDZV, 1998)
  20. Gesetz über die Presse vom 7. Mai 1874 (Faksimile, DHM, Z 465-1874)
  21. Hanni Chill, Hermann Meyn: Rechtliche Stellung der Medien (BPB)
  22. Märzrevolution (Österreich-Lexikon, TU Graz)
  23. Klaus Fritsch: Mit der Revolution kam auch die „Pressefreiheit”. Zuerst in: „Die Zeitung” Nr. 2/1998 (BDZV)
  24. Joachim Schwelien: Freie Pressefreie Welt („Die Zeit“ Nr. 26, 25. Juni 1971 – „Die Enthüllungen der New York Times aus der geheimen Studie des Pentagon über die Vorgeschichte des Vietnam-Krieges [..] – diese Enthüllungen haben nach dem ersten Schock der Sensation in Amerika eine 'Schlacht der Roben' in den Gerichtssälen ausgelöst. Diese Schlacht soll entscheiden, ob und wo eine Grenze zwischen der im ersten Zusatz zur amerikanischen Verfassung einschränkungslos gewährleisteten Freiheit der Presse, dem geheiligten Anspruch des Publikums auf volle Unterrichtung (the right to know) und dem Schutz von Staatsgeheimnissen zu ziehen ist.“)
  25. Reporter ohne Grenzen: Zur weltweiten Lage der Pressefreiheit (PDF-Download der Jahresberichte möglich; englisch)
  26. R. J. Brown: The Great Moon Hoax of 1835 (HistoryBuff.com)
  27. Benn's Media Directory: Source of worldwide newspaper/media outlets; vgl. Media Editorial Contacts - Benn's Media. Nicht nur hierzu, sondern zum gesamten Bereich Öffentlichkeit und politisches Bewußtsein; Massenkommunikation, Medien und Publizistik bietet z.B. die Systematik der Fachbibliothek Sozialwissenschaften der Technischen Informationsbibliothek der Universität Hannover umfangreiche Ressourcen
  28. „Saturday Review” (London), 11. September 1897: Germania delenda estAuszug: „Auf die Länge beginnen auch in England die Leute einzusehen, dass es in Europa zwei große, unversöhnliche, entgegengesetzte Mächte gibt, zwei große Nationen, welche die ganz Welt zu ihrer Domäne machen und von ihr den Handelstribut erheben möchten. England, mit seiner langen Geschichte erfolgreicher Aggression und der wunderbaren Überzeugung, dass es beim Verfolg seiner eigenen Interessen Licht unter den im Dunkeln wohnenden Völkern verbreite, und Deutschland, Fleisch vom selben Fleisch und Blut vorn selben Blut, mit geringerer Willenskraft, aber vielleicht lebhafterer Intelligenz, wetteifern in jedem Winkel des Erdballs […]. Überall, wo die Flagge der Bibel und der Handel der Flagge gefolgt ist, liegt ein deutscher Handlungsreisender mit dem englischen Hausierer im Streit. Gibt es irgendwo eine Mine auszubeuten, eine Eisenbahn zu bauen, einen Eingeborenen von der Brotfrucht zum Büchsenfleisch, von der Enthaltsamkeit zum Schnapshandel zu bekehren - ein Deutscher und ein Engländer streiten um den ersten Platz.” (Zitiert nach: Grundzüge der Geschichte, Oberstufe, Ausgabe B, Quellenband II, 1966, S. 88f. – PSM Geschichte) – Hintergrund und Zusammenhang: Die deutsche Wirtschaftspolitik vor dem Ersten Weltkrieg war von staatlichen Subventionen und starken Neigungen zu Schutzzöllen gekennzeichnet, das Vereinigte Königreich tendierte zu einer freihändlerischen Haltung. Der fulminante Wirtschaftsaufschwung und der immer aggressiver werdende Kampf um Absatzmärkte und Kolonien (Zeitalter des Imperialismus) führten die Wirtschaftsmacht Deutschland, die sich seit der Jahrhundertwende zunehmend auch als politische Weltmacht positionieren wollte (Wilhelm II. forderte „einen Platz an der Sonne”), in einen sich verschärfenden Interessenkonflikt mit den anderen Industriestaaten. In der Folge der „Krüger-Depesche” 1896, die eine Welle antideutscher Empörung in Großbritannien auslöste, verschlechterten sich die deutsch-britischen Beziehungen beträchtlich; spätestens nach der Erweiterung der 1904 geschlossenen Entente cordiale zur Tripelentente (Beteiligte: UK, Frankreich, Russland; 1907 wurde der Vertrag von St. Petersburg unterzeichnet, in dem Russland und das Vereinigte Königreich ihre Interessensphären in Zentralasien absteckten; vgl. The Great Game) fühlten sich die Verantwortlichen im Deutschen Reich von feindlichen Mächten „eingekreist”. Die Herausforderung des britischen Empire durch Wilhelms exzessive Flottenpolitik und seine nicht selten amateurhaften außenpolitischen Eskapaden, die sich in weiteren diplomatischen Missgeschicken wie der Daily-Telegraph-Affäre Ende Oktober 1908 niederschlugen, hatten den Weg zum „Großen Krieg” schon deutlich vorgezeichnet …
  29. Meyers Konversationslexikon: Autorenkollektiv, 16. Band: Uralsk - Zz: Zeitungen (Deutschland). S. 849 ff. (Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892) – Bemerkenswert sind dort vor allem die (aus reichsdeutscher Perspektive) wertenden und deshalb besonders aufschlussreichen Einlassungen und Bestandsaufnahmen zu den Zeitungen des „Erbfeinds”, also zur französischen Presse, im ausgehenden 19. Jahrhundert. Eine Kostprobe: „Von großer Wichtigkeit als klarster Ausdruck der bewegten Volksstimmung ist immer die französische Presse gewesen. Sie hat sowohl den Leitartikel als das Feuilleton eingeführt. Gegenwärtig erscheinen etwa 1300 Z. allein in Paris, darunter 60 politische Tageszeitungen. Die erste täglich erscheinende Zeitung war das 'Journal de Paris' (1777-1819)… [..] Der 'Constitutionnel', 1815 gegründet, unter der Julimonarchie eine Macht und bis um die Mitte der 70er Jahre wegen seiner litterarischen und wissenschaftlichen Fachberichte geschätzt, ging seitdem in den Besitz von Spekulanten über und fristet als Soublatt ein kümmerliches Dasein, ähnlich der 'Presse', einer Schöpfung Girardins, welche gegenwärtig im Solde des Boulangismus steht. Der 'Siècle', früher als doktrinäres Oppositionsblatt vielgenannt, zehrt, obwohl nach modernen Anforderungen mit großen Geldopfern umgestaltet, nur noch von seinem alten Ruf. 'Pays' und 'Autorité', jahrelang Vorkämpfer des Bonapartismus, haben Ansehen und Einfluß verloren. Unstreitig das bedeutendste aller französischen Blätter ist der von Nefftzer in den letzten Jahren des Kaiserreichs gegründete 'Temps', welcher einer gemäßigt republikanischen Politik huldigt, die besten litterarischen Kräfte für sein Feuilleton und Fachberichte heranzieht und mit seinen gehaltvollen ausländischen Korrespondenzen in Frankreich einzig dasteht. Die 'République française', deren Gründer Gambetta war, ist das streitbarste Parteiblatt des Opportunismus, wie die 'Justice' (das Blatt Clémenceaus) dasjenige des regierungssüchtigen Radikalismus. Zur Bildung einer Durchschnittsmeinung in den Massen, namentlich in der Provinz, trägt das sehr geschickt bearbeitete 'Petit Journal', welches neulich die Erreichung seiner eine Million starken Auflage feierte, mächtig bei.”
  30. AP History - 1846 - 1900: The News Cooperative Takes Shape
  31. 170 Jahre Telegramm: Totgesagte leben länger (Pressetext Austria, 30. Juni 2007)
  32. Horst Wagner: Als Herr Rellstab zu seinem König schlich – Die Berliner Märzrevolution und das Zeitungswesen (Berlin von A-Z)
  33. Dietz Schwiesau: „Thatsachen schnell zur Kenntnis bringen“ (Journalistische-praxis.de: Zur Nachrichtengeschichte)
  34. Stephan Russ-Mohl, Marcello Foa e Cristina Elia: Fakes in Journalism (European Journalism Observatory, Università della Svizzera italiana, 14. November 2003)
  35. Gerd Fesser: Europas erstes Verdun („Die Zeit” Nr.33, 7. August 2003)
  36. Thomas Rid: Revolution in Reporting Affairs (Österreichs Bundesheer, Österreichische Militärische Zeitschrift, Ausgabe 3/2003)
  37. The Library of Congress: Prints and Photographs Reading Room
  38. Jörg Albrecht: Was Ambrose Bierce von Shiloh sah („Die Zeit” Nr.26/1999) - Der amerikanische Schriftsteller und Journalist Ambrose Bierce beschrieb als Erster die Schrecken des Bürgerkrieges und war einer der bekanntesten Mitarbeiter von William Randolph Hearsts „San Francisco Examiner”, der als erstes Skandalblatt der Zeitungsgeschichte gilt (vgl.: Yellow Press).
  39. Geschichte der technischen Bildübertragung (1843-1923) (Universität Konstanz)
  40. Andrea Westhoff: Kronprinz Wilhelm im Porträt – Vor 100 Jahren gelang Arthur Korn die erste Bildtelegrafie (Deutschlandfunk, 17. Oktober 2006)
  41. Udo Leuschner: Das Jahrhundert der Presse – Die technisch-ökonomische Entwicklung bis zum „General-Anzeiger“ (Homepage des Autors, o.J.)
  42. Zitiert nach: Max Weber: Berufspolitiker-Typen: Politischer Journalist. In: Politik als Beruf. (1919)
  43. Am 11. November 1848 hatte sich König Friedrich Wilhelm IV. mit einer Proklamation an die Bevölkerung Berlins gewandt, in der er die konstitutionellen Freiheiten des Volkes ausdrücklich garantierte: „Preußen! Ihr, die Ihr noch feststeht in dem alten guten Vertrauen zu Mir, Ihr, die Ihr noch ein Gedächtnis habt für die Geschichte Meines Königlichen Hauses und Seiner Stellung zum Volke, Euch bitte ich, daran ferner festzuhalten, in guten wie in bösen Tagen! – Ihr aber, die Ihr schon darin zu wanken beginnt, Euch beschwöre Ich Halt zu machen auf dem betretenen jähen Pfade, und abzuwarten die Thaten, die da folgen werden! – Euch Allen aber gebe Ich nochmals die unverbrüchliche Versicherung, daß Euch nichts verkümmert werden soll an Euren konstitutionellen Freiheiten, dass es Mein eiligstes Bestreben sein wird, Euch mit Gottes Hülfe ein guter konstitutioneller König zu sein, auf dass wir gemeinsam ein stattliches und haltbares Gebäude errichten, unter dessen Dache zum Frommen Unseres Preußischen und ganzen Deutschen Vaterlandes, unsere Nachkommen sich ruhig und einträchtig der Segnungen einer echten wahren Freiheit Jahrhunderte lang erfreuen mögen! – Dazu wolle Gott Seinen Seegen verleihen! – Sanssouci, den 11. November 1848” – Obwohl zum Beispiel die die Demagogenverfolgung eingestellt (Abschaffung der Karlsbader Beschlüsse durch den Bundestag am 2. April 1848) und einige liberale Denker aus der Haft entlassen wurden, blieb die Pressezensur weiterhin in Kraft, entgegen Friedrich Wilhelms Zugeständnis vom 18. März 1848, sie aufzuheben; auch sein Versprechen der Ausarbeitung einer gesamtdeutschen Verfassung blieb eine uneingelöste Zusicherung. Am 30. Mai 1849 führte er per Notverordnung das Dreiklassenwahlrecht für die zweite Kammer ein; die oktroyierte Verfassung vom 5. Dezember 1848 (in revidierter Form seit 2. Februar 1850 gültig; sie hatte bis zum November 1918 Bestand) läutete de facto das Ende der Revolution in Preußen durch einen Staatsstreich ein. (Vgl. rbb Preußen-Chronik: Der König legt einen Eid auf die Verfassung ab)
  44. Japanische Zeitungen (NihongoPedia, Universität Wien)
  45. Journalists and the Tools of their Trade: Typewriters (The Park Library, School of Journalism and Mass Communication - University of North Carolina at Chapel Hill)
  46. Der Copy-and-Paste-Journalismus ist also nicht ganz so neu, wie wir Heutigen allgemein vermuten …; vgl. Copy-Paste-Journalismus (Dienstraum Medienweblog, 5. Mai 2004)
  47. W. Joseph Campbell: 1897 American journalism’s exceptional year. In: Journalism History 29, (4) Winter 2004 - Homepage des Autors; eine Frage, die sich - so oder sinngemäß übertragen - einigen Skeptikern offenbar geradezu zwanghaft und notorisch bei jedweder technischen Neuerung aufzudrängen scheint …
  48. Emil Zopfi: Computer und Sprache: „Auf ewig im Text verloren“ (Homepage des Autors)
  49. Hemingway on Writing, pg. 51 (exerted from By-Line: Ernest Hemingway, pg. 216) – Hemingways Argumentation dürfte allerdings in Bezug auf die elektronische Textverarbeitung kaum Bestand haben und durch die technischen Möglichkeiten des Computers per se entkräftet werden: Dort sind Korrekturen und das „Im-Fluss-Halten” ja noch wesentlich einfacher (und „sauberer”) möglich als beim handschriftlichen Verfassen von Texten, wie man einwenden könnte.
  50. The William Randolph Hearst Historical Society and Library
  51. Yellow Journalism (Oracle ThinkQuest Library)
  52. The New Journalism 1865-1919 (History Department at the University of San Diego)
  53. Werner Faulstich: Geschichte der Bildkultur bis zum Visualisierungsschub im 19. Jahrhundert (BPB, 13. Dezember 2005) – vgl. Visuelle Kommunikation
  54. Wobei das Fernsehen in Deutschland allerdings bis 1953 in statu nascendi verharrte, mit Ausnahme einer vornehmlich propagandistisch intendierten Zurschaustellung des Mediums und seiner Technik selbst bei den Olympischen Spielen 1936 und diverser avancierter militärischer Anwendungen, etwa in Form von Miniatur-TV-Kameras, die Manfred von Ardenne auf Geheiß Hitlers für den Einbau in die V2 entwickelte – in vielen heutigen Marschflugkörpern gang und gäbe; vgl. Geschichte des Fernsehens in Deutschland.
  55. Matthias Plüss: Wir Gewohnheitsfanatiker – Ob Segen oder Fluch – Neuerungen ängstigen die Menschheit und rufen seit jeher die Kulturpessimisten auf den Plan („Tagesspiegel“, 7. Januar 2006 – „Als dann im 20. Jahrhundert das Radio auf Sendung ging, wurde nicht etwa die wiedergewonnene Mündlichkeit bejubelt, sondern abermals die angebliche Künstlichkeit des neuen Mediums beklagt. 'Durch die einseitige Hingabe an die künstliche Übertragung und Vermittlung wird die Empfänglichkeit und Genussfähigkeit für alle natürlichen Eindrücke und Wirkungen der Natur, der Kunst und Wissenschaft abgestumpft und verkümmert', erklärte ein Dr. Hanauer in den zwanziger Jahren in einer medizinischen Fachzeitschrift. 60 Jahre später erkor Neil Postman ('Wir amüsieren uns zu Tode') das von Platon so verabscheute Buch zum allerhöchsten Kulturgut und machte das viel lebendiger kommunizierende Fernsehen zum Inbegriff des Niedergangs.“)
  56. Die Zensur im 19. und 20. Jahrhundert (Mohr Siebeck, Tübingen)
  57. Tobias Jaecker: Journalismus im Dritten Reich (Freie Universität Berlin, 2. Juli 2000)
  58. Erich Salomon, photographer (Comesaña News Agency - Stock Photo Library; mit Galerie)
  59. Bereits in Gardner's Photographic Sketch Book of the War des frühen Lichtbildners Alexander Gardner (1865) wurden zahlreiche Manipulationen mit und an Fotos aus dem US-Bürgerkrieg nachgewiesen; vgl. Does The Camera Ever Lie? (Selected Civil War Photographs Collection, The Library of Congress)
  60. Freund, Gisèle: Photographie und Gesellschaft. München: Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, 1976. Zitiert nach: Ralf Hecht: Die modernen Medien der Weimarer Republik (Philipps-Universität Marburg, 1995)
  61. „1932 brach der sogenannte Zeitungskrieg zwischen Hugenberg und Goebbels aus, der wohl zum Groteskesten und Erbärmlichsten gehört, was die Zeitungsstadt Berlin je erlebt hat. Politisch gesehen war es eine 'Hanswurstiade'. Hugenberg und Goebbels stritten sich öffentlich, wer den einzig wahren nationalen Anspruch habe. Die neuen Nationalisten, also die Nationalsozialisten, bezichtigten die alten Nationalisten der 'Erbschleicherei', wobei es sich nach Hugenbergs Ansicht gerade umgekehrt verhielt. Die Nationalsozialisten hatten begonnen, das von Hugenberg bestellte Feld abzuernten. Sie trieben seiner Zeitung die Abonnenten und die Leser weg, indem sie zu einem öffentlichen Boykott gegen den Scherl-Verlag aufriefen. Hugenberg erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen Goebbels und den Boykott-Aufruf. Als Hugenberg sich selbst als 'Wortführer und Sachwalter der nationalen Bewegung' bezeichnete, stellte Goebbels klar, Hugenberg sei ein Zwerg in der nationalen Bewegung und bezeichnete diesen fortan als 'Hugenzwerg'.” (Peter de Mendelssohn: Zeitungsstadt Berlin. Menschen und Mächte in der Geschichte der deutschen Presse. Berlin: Ullstein, 1985. – Exzerpt).
  62. Ignaz Wrobel: Friedrich mitn Mythos. In: „Die Weltbühne”, 16. Februar 1932, Nr. 7, S. 262 (textlog.de, 2004)
  63. Das romanische Cafehaus (Mascha Kaleko – Eine Hommage)
  64. Heather L. Dahl: Charles A. Lindbergh: The 20th Century's First Celebrity (27. April 2001)
  65. Charles A. Lindbergh: A Photo Gallery („New York Times“)
  66. Randy Roberts, David Welky: Charles A. Lindbergh: The Power and Peril of Celebrity 1927 - 1941.; ISBN 1-88108-942-8
  67. Altpapier vom Mittwoch (Netzeitung, 26. Mai 2004)
  68. AEIOU Österreich-Lexikon
  69. Walter J. Schütz: Vielfalt oder Einfalt? Zur Entwicklung der Presse in Deutschland 1945 - 1995 (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg)
  70. Stephan Ruß-Mohl: Die deutschsprachige Medienlandschaft im Überblick („Medien in der Krise“: 20. Sinclair-Haus-Gespräch, 9./10. Mai 2003 - PDF, 8 S., 196 kB)
  71. Hans-Jürgen Jakobs: Medienkonzentration in Deutschland - Das große Rennen – Die digitale Revolution und liberalisierte Gesetze treiben die Konzentration in dem Wirtschaftszweig an. („Süddeutsche Zeitung”, 31. Juli 2007)
  72. Krise der Verlags- und Medienwirtschaft (Aus Politik und Zeitgeschichte, B 12-13/2004 - PDF-Download möglich, 1004 kB)
  73. European Federation of Journalists (offizielle Website)
  74. Zitiert nach: Steffen Grimberg: Medienkonzentration und Digitalisierung – die europäische Perspektive (euro|topics, BPB, 20. Dezember 2007)
  75. Hans-Joachim Fuhrmann und Holger Kansky: Entwicklungen im Online-Markt der Zeitungen (BDZV, Oktober 2007)
  76. Nicht nur anekdotischen, eher vielleicht schon symptomatischen Charakter dürfte die Tatsache haben, dass niemand Geringerer als Bill Gates in der Erstausgabe seines 1995 erschienenen Buches The Road Ahead (dt. Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft, München 1997) das Wort Internet kein einziges Mal erwähnte, was manchen dazu verleiten könnte, die Plausibilität seiner aktuelleren Prophezeiungen vor diesem Hintergrund zu sehen (vgl. Bill Gates Looks Ahead at “Next Digital Decade”, Microsoft, 6. Januar 2008)
  77. Michael Kinsley: Do Newspapers Have a Future? („Time“, 25. September 2006)
  78. Zeitungen verlieren weiter an Auflage (heise online, 30. Oktober 2006)
  79. Internetboom: US-Zeitungen verlieren dramatisch an Auflage (Spiegel Online, 31. Oktober 2006)
  80. Bei der „Welt“ und der „Berliner Morgenpost“ spielt nun die Onlinepräsenz die Hauptrolle (heise online, 17. November 2006)
  81. New York Times: Der stille Abschied vom Papier („Die Welt“, 14. Februar 2007) - Übersetzung von: Arthur Sulzberger: On life in the Internet age („Ha'aretz“, 6. Februar 2007)
  82. Allensbach-Analyse: Fernsehen verliert Zuschauer an das Internet (heise online, 16. Oktober 2007) – „Anders als viele wirtschaftswissenschaftliche Theorien der 1990er prophezeiten, scheint das nun nicht mehr ganz neue Medium (Internet) dabei durchaus ältere zu verdrängen: In der Altersgruppe von 20 bis 29 Jahren liest ein knappes Drittel keine Zeitung mehr, sondern bezieht seine Informationen ausschließlich aus dem Netz und dem Fernsehen. 2004 lag der Anteil derjenigen, die in dieser Altersgruppe ganz auf Zeitungen verzichteten, noch bei etwa einem Fünftel. Die sinkende Bedeutung der Zeitungen zeigt sich auch in ihrer Bewertung: Während 37,7 Prozent der 14- bis 19-Jährigen das Internet zu den wichtigsten Informationsquellen über das Tagesgeschehen zählen, ordnen lediglich 24,5 Prozent die Tageszeitungen in diese Kategorie ein.“
  83. heise online: Studie: Online-Nachrichten nehmen Zeitungen Leser weg
  84. heise online: Internet ist für die Hälfte der Amerikaner primäre Nachrichtenquelle
  85. Thomas Becker: Von der Wiege bis zur Bahre: Kann Zeitung auch künftig ein Begleiter fürs Leben sein? (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Freie Universität Berlin, November/Dezember 2000)
  86. Besondere Aufmerksamkeit erregte in Deutschland z.B. ab 2003 die Krise der „Frankfurter Rundschau
  87. Journalisten empfinden Web 2.0 nicht als digitale Revolution (news aktuell - media studie, 2008)
  88. Henryk M. Broder: Das Internet macht doof („Tagesspiegel“, 9. Januar 2007)
  89. Florian Rötzer: Der Süddeutschen wird das Internet zuviel (Telepolis, 12. Dezember 2007)
  90. Entwicklung Zeitungen/Zeitschriften (verkaufte Auflage in Millionen Stück) 1997 - 2007 (IVW, inkl. der Parallelentwicklung der Nutzung von Online-Medien: „… im März 2008 [wurden] für 590 der IVW angeschlossenen Online-Angebote insgesamt 32,44 Mrd. PageImpressions (PIs) und 2,56 Mrd. Visits festgestellt. Im direkten Vergleich mit dem Vorjahr hat sich damit die Nutzung IVW-geprüfter Online-Angebote - gemessen nach dem Abruf einzelner Seiten - mit einem Plus von rund 118 Prozent mehr als verdoppelt und ist bei den gezählten Besuchen um gut zwei Fünftel angestiegen (März 2007: 480 Angebote mit 14,89 Mrd. PIs und 1,80 Mrd. Visits). Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Online-Angebote, die insgesamt dem Kontrollverfahren unterstellt sind, um mehr als ein Fünftel von 486 Internet-Werbeträger im März 2007 auf nunmehr 593 IVW-geprüfte Online-Medien erhöht.“ – Zum Vergleich: Während der ersten drei Monate des Jahres 2008 besuchten 40,7 Prozent der Internetnutzer in den USA eine Zeitungswebsite, ein Zuwachs von 12,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2007 (Quelle: INMA, 18. April 2008).)
  91. Alexander Rödiger und Stefan Rüesch: Der Kampf um Aufmerksamkeit Oder die Zukunft des Schweizer Fernsehens. In: Medienheft, 18. August 2006) – Seit der Jahrtausendwende nimmt auch der Medienkonsum in toto zu: In Deutschland etwa ist die Mediennutzung insgesamt im Zeitraum von 2000 bis 2005 um durchschnittlich anderthalb Stunden auf zehn Stunden pro Tag angestiegen (so die Autoren unter Berufung auf Engel, Bernhard/ Ridder, Christa-Maria (2005): Massenkommunikation 2005: Images und Funktionen der Massenmedien im Vergleich. In: Media-Perspektiven 9/2005, S. 422-448: [1] – PDF), allerdings ganz überwiegend auf Kosten der Printmedien, unter den 14- bis 29-Jährigen aber auch deutlich zu Lasten des Fernsehens. – „Alleine 220 Minuten werden täglich für das Fernsehen aufgewendet. Die Schweiz, die im europäischen Durchschnitt das Schlusslicht bildet, kommt im Jahr 2005 auf 147 Minuten, was knapp zweieinhalb Stunden pro Tag entspricht. Das Zeitbudget für das Internet hat sich innerhalb von fünf Jahren verdreifacht und beträgt heute in Deutschland 44 Minuten pro Tag, die Fernsehnutzung nimmt ebenfalls zu, wenn auch in geringerem Ausmass. In der Deutschschweiz dagegen hat sie 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Minuten erstmals abgenommen. Veränderungen sind zudem immer auch mit Erosionen verbunden: In Deutschland beispielsweise hat der Anteil der 14- bis 29-Jährigen im Fernsehpublikum zwischen 1993 und 2003 von 26,5 Prozent auf 19,8 Prozent abgenommen (vgl. Hofsümmer/Woldt 2005: 39). Dieselbe Gruppe bildet jedoch den grössten Anteil an Internetnutzern: 96 Prozent der 14- bis 19-Jährigen und 85 Prozent der 20- bis 39-Jährigen gaben 2005 an, das Internet gelegentlich zu nutzen (vgl. Frees/Van Eimeren 2005: 364)“, erläutern Rödiger/Rüesch und resümieren angesichts des unaufhaltsamen Aufwuchses des Webs: „Das Medium spielt keine Rolle. Entscheidender ist die Multimedia-Fähigkeit des Contents. Die Konvergenz bedeutet nicht nur eine Verschmelzung der Medien, auch die Grenzen der Medienunternehmen lösen sich auf. Ob Zeitung oder Fernsehsender[,] die Aufbereitung von Content für verschiedene Medienkanäle wird zur zentralen Aufgabe. Damit wird sich auch das Selbstverständnis von Medienunternehmen in Zukunft grundlegend verändern.“
  92. BITKOM: Daten zur Informationsgesellschaft (Bitkom)
  93. Zeit-Online-Chef prophezeit Ende von Tageszeitungen (Horizont.net, 9. April 2008)
  94. Newspaper drops daily print version to focus on Web (Minnesota Public Radio, 11. Februar 2008); vgl. Changing Times at The Cap Times (Poynter Online, 10. Februar 2008)
  95. Zeitungsmarkt zwischen Online- und Printauftritt - Hohe Zuwachsraten auf Websites schmälern Verkaufszahlen (Pressetext, 31. Oktober 2006)
  96. 2008 Digital Future Report (USC Annenberg School Center for the Digital Future)
  97. steinblog.com: Online Community Research and Data
  98. Social Networks von Jugendlichen selten genutzt – „Die zweite weltweite vom Community-Betreiber Habbo erstellte Studie zur Markenanaffinität von Jugendlichen bringt ein ungewöhnliches Ergebnis hervor: 40 Prozent der rund 60.000 befragten Teens aus 31 Ländern sehen Social Networks nicht als wichtigen Teil ihrer Onlineaktivitäten an. Laut dem Global Habbo Youth Survey ist eine der Hauptursachen hierfür, dass sich viele der Communitys an der englischen Sprache orientieren.” (Horizont.net, abgerufen am 16. April 2008)
  99. Weblogs und Journalismus - Adaption und Induktion (Sinnmacherblog, 24. Januar 2008 – Zusammenfassung von Forschungsergebnissen; mit weiterführenden Links)
  100. Prognos mediareports
  101. Studie: Ein Bruchteil aller Websites wird regelmäßig besucht (Horizont.net, 10. April 2008 – „Trotz des Angebots von rund 12 Millionen deutschsprachigen Websites schafft es nur eine überschaubare Anzahl ins Relevant Set der User. [..] 'Die Ergebnisse bestätigen den Trend aus der TV-Forschung: Ein höheres Medienangebot führt nicht zwangsläufig zu einer proportional vielfältigeren Mediennutzung', erklärt Matthias Falkenberg, Geschäftsführer Seven-One Interactive. [..] Das Alter spielt bei der Internetnutzung wesentliche eine Rolle: So haben die 14- bis 19-Jährigen nur rund sechs Lieblings-Portale, während die 30- bis 39-Jährigen neun Websites ansteuern. Die Neugier der User, bisher unbekannte Seiten zu entdecken, ist eher gering. Die über 14-Jährigen erkunden monatlich im Schnitt 17 fremde Web-Angebote. Männer sind beim Auffinden neuer Angebote deutlich forscher als Frauen: Sie klicken etwa 21 unbekannte Seiten pro Monat an, Frauen gerade mal 13. Die Zahl der Nutzer, die 50 und mehr neue Seiten monatlich ausprobieren, variiert je nach Alter zwischen etwa 9 und 13 Prozent.“)
  102. Werbeerlöse verschleiern Probleme am Zeitungsmarkt: Reichweiten von Kaufzeitungen weiter rückläufig (Pressetext, 8. November 2006)
  103. Vor dem Hintergrund der beschleunigten Medienkonvergenz und des enorm ausgeweiteten audiovisuellen Potentials des Internets (vgl. z.B. IP-TV, Internetradio, YouTube) sehen Rundfunk-Verantwortliche auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Verzug: „Kommen wir zu den neuen Verbreitungswegen: Sie sagen, ohne online keine Zukunft. Warum?“ – „Weil wir sonst sehenden Auges einen Generationenabriss zulassen. Für die junge Generation ist der Computer wichtiger als der Fernseher. Umgekehrt beobachten wir, dass das Internet zunehmend zu einem audiovisuellen Medium geworden ist, in dem Bewegtbilder eine sehr große Rolle spielen, und das bedeutet, wir müssen gerade jüngere Menschen auf allen Übertragungswegen und den Plattformen erreichen, die sie nutzen. Das ist also keine Entwicklung, die wir betreiben, sondern wir müssen uns sputen, um bei dieser Entwicklung noch unsere Zuschauer und Hörer zu erreichen.“ („Das Netz ist für alle da“. Ein epd-Interview mit SWR-Intendant Peter Boudgoust, epd medien Nr. 27, 5. April 2008)
  104. Markus Brauck: Medienpolitik: Ein Köder für die Presse (Spiegel Online, 14. April 2008)
  105. Frank Thomsen: Online-Medien: ARD und ZDF attackieren Verleger (stern.de, 23. April 2008)
  106. Internet: Beck will ARD und ZDF stärken (Zeit Online, 7. Mai 2008)
  107. Hans-Joachim Otto: Digital ist nicht legal („Financial Times Deutschland”, 8. Mai 2008)
  108. Rob Tillotson: Sony Portable Reader System PRS-500 (The Gadgeteer, 5. September 2007 - Für den Rezensenten ist der Sony Reader „both useful and frustratingly imperfect“)
  109. Transcript: Newspapers: The Future (Frank Ahrens, Reporter der „Washington Post“ für die Medien- und Unterhaltungsindustrie, diskutiert mit Russ Wilcox, CEO der E Ink Corp., 12. Oktober 2005. – Die Firma E Ink arbeitet seit Jahren an einem papierdünnen Medium bzw. Display, das die Vorteile der Papierzeitung mit denen eines internetfähigen Rechners verbinden soll.)
  110. Ian Burrell: The future of newspapers („The Independent“, London, 13. November 2006 – führende Medienmacher zur Zukunft der Zeitung)
  111. Christian Deker: Digitale Zeitung: Gutenberg trifft Halbleiter Filme gucken in der Zeitung soll bald möglich sein. Forscher arbeiten an kleinen Bildschirmen, die auf Papier gedruckt werden können. – „Einen echten Boom sagt das Marktforschungsunternehmen ID-Tech-Ex der gedruckten Elektronik voraus: Von derzeit zwei Milliarden Dollar soll der weltweite Umsatz in den nächsten Jahren um mehrere Milliarden steigen.” („Süddeutsche Zeitung”, 29. April 2008)
  112. Hanspeter Kellermüller: Generationenkonflikt oder Ehegeplänkel? Google News und die Sorgen der Verleger („Neue Zürcher Zeitung“, 7. Dezember 2007 – Der Autor ist Geschäftsführer des Verbands Schweizer Presse.)
  113. Christoph Dernbach/DPA: Buchrezension „Die Google-Falle“: Porträt einer „unkontrollierten Weltmacht“ (Stern.de, 20. April 2008)
  114. Interview zur Zukunft des Journalismus: „Google News ist unser Feind“ (Sueddeutsche.de, 15. Januar 2008 – Interview mit John Lloyd, Herausgeber der „Financial Times“ und Direktor des Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford University.)
  115. The Googlization of Everything – A book in progress by Siva Vaidhyanathan (Blog)
  116. Zitiert nach: Hans-Jürgen Jakobs: Medienkonzentration in Deutschland, a.a.O.
  117. Das lange 19. Jahrhundert der Zeitungsmacher (viralmythen, 14. April 2008)
  118. Berufsrolle im Wandel – Im Gespräch mit Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster (Menschen - Macher - Medien, Verdi.de, September 2006)
  119. Das ist keineswegs Zukunftsmusik. Zu den Anfang 2008 noch weitestgehend rudimentären und arbiträren drahtlosen digitalen Netzen könnte es bald eine nahezu flächendeckende, höherwertige Alternative geben, das „WLAN 2.0“ – jedenfalls in den USA. Die großen Spieler haben dessen Potential längst erkannt: John Borland: Googles WLAN-Träume (Technology Review, 22. April 2008)
  120. David Carr: Forget Blogs, Print Needs Its Own IPod („New York Times“, 10. Oktober 2005)
  121. Internet and Society Seminar: Robert Stein on 'The Evolution of Reading and Writing in the Networked Era' (Oxford Internet Institute, University of Oxford; vgl.: expressive processing: an experiment in blog-based peer review – if:book - A project of The Institute for the Future of the Book, 22. Januar 2008)
  122. Ben Kaden und Maxi Kindling: Rezension von: Siever, Torsten; Schlobinski, Peter; Runkehl, Jens (Hrsg.): Websprache.net. Sprache und Kommunikation im Internet. Berlin, New York: Walter de Gruyter, 2005. (LIBREAS. Library Ideas, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin)
  123. Der Software-Riese aus Redmond hat im Frühjahr 2008 selbst einen Kurswechsel bei seiner Unternehmenstrategie angekündigt, der sich nach Ansicht von Analysten vor allem vor dem Hintergrund des Kampfes um das sogenannte Cloud-Computing erklärt; vgl.: Radikaler Strategiewechsel bei Microsoft („Financial Times Deutschland“, 23. April 2008 – „Mit dem neuen Internet-Service 'Live Mesh' will der Softwarekonzern Microsoft Daten und Software von jedem Gerät aus verfügbar machen. Erstmals in der Unternehmensgeschichte heißt es damit offiziell: PC ist Vergangenheit, Internet ist Zukunft.“)
  124. Eytan Avriel: NY Times publisher: Our goal is to manage the transition from print to internet („Ha'aretz“, 7. Februar 2007)
  125. European Newspaper Congress
  126. Isabella Wallnöfer: European Newspaper Congress: Der Trend zum Tabloid (DiePresse.com, 17. April 2004)
  127. Society for News Design: Best of Newspaper Design
  128. World's Best-Designed Newspapers: Hartford Courant (NewsDesigner.com; vorgestellt wird ein US-Preisträger aus dem Jahr 2005)

Allgemein

 Wiktionary: Zeitung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Verbände und Organisationen

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Siehe dazu auch: Geschichte des Journalismus, Pressegeschichte; zur Voraussetzung der massenhaften Verbreitung vgl. Geschichte der Post; Leonhard I. von Taxis

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