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Baltrum

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 53° 44′ N, 7° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Aurich
Höhe: 5 m ü. NN
Fläche: 6,50 km²
Einwohner: 479 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26579
Vorwahl: 04939
Kfz-Kennzeichen: AUR
Gemeindeschlüssel: 03 4 52 002
Adresse der Gemeindeverwaltung: Postfach 1355
26574 Baltrum
Webpräsenz:
www.baltrum.de
Bürgermeisterin: Antje Wietjes-Paulick (CDU)

Baltrum ist eine Insel vor der Küste Ostfrieslands in Niedersachsen. Sie liegt in der Mitte der Kette der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln und ist deren kleinste.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Luftbild

Baltrum hat eine Länge von 5 km, eine Breite von 1,4 km und eine Fläche von derzeit rund 6,6 km². Es ist die kleinste der sieben dauerhaft bewohnten ostfriesischen Hauptinseln, die zweitkleinste ist Wangerooge.

Im Westen wird Baltrum durch das Seegatt Wichter Ee von Norderney und im Osten durch die Accumer Ee von Langeoog getrennt. Höchste Erhebung ist die große Aussichtsdüne mit ca. 19,6 m über NN. Der besiedelte Teil im Nordwesten der Insel besteht aus drei Teilen, dem „Westdorf“, dem „Ostdorf“ und dem „alten Ostdorf“. Baltrum verfügt über einen Fährhafen, einen kleinen Flugplatz und verschiedene Fremdenverkehrseinrichtungen.

Name

Die Herkunft des Inselnamens ist nicht eindeutig geklärt. Sie wurde erstmals urkundlich 1398 als „Balteringe“ erwähnt. In der altfriesischen Sprache soll dies für „Weideland“ stehen. Es gibt auch eine These wonach der Name vom Gott Balder abgeleitet wurde. Balder war ein Sohn der germanischen Götter Odin und Frigg. Eine heutige spöttische Art behauptet, die Insel heiße Baltrum, weil man „bald 'rum“ ist. Dies spielt auf die geringe Größe der Insel an, die man in überschaubarer Zeit zu Fuß umrunden kann.

Geschichte

Durch die Geographen Strabon und Plinius gab es bereits im 1. Jahrhundert vor und nach Christus Hinweise auf die Existenz von Baltrum. Während der Häuptlingszeit 1350 bis 1464 gehörten die ostfriesischen Inseln zum Herrschaftsgebiet der Familie tom Brok. Baltrum wurde erstmals 1398 urkundlich erwähnt, als Widzel tom Brok Balteringe (wie auch die anderen ostfriesischen Inseln) dem Herzog Albrecht von Bayern übereignete und sie anschließend von diesem als Lehen zurückerhielt.

Im 17. Jahrhundert hatte Baltrum die typische langgestreckte Form einer Barriere-Insel wie Norderney oder Juist heute. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte verlor sie massiv Land am Westende, ohne dass im Gegenzug vergleichbar Land am Ostende dazu gewonnen wurde. Zwischen 1650 und 1960 ist die Insel am Westende etwa 5 km nach Osten gewandert, das Ostende wurde dagegen nur um etwa 1,5 km nach Osten verlagert. Von der Bereisung durch eine Kommission 1650 wird berichtet, dass die 14 damaligen Bewohner der Düneninsel durch das Meer gefährdet waren. 1737 gab es ein Inseldorf mit Inselkirche, das um 1800 wegen Übersandung durch Wanderdünen aufgegeben wurde. Als neues Dorf entstand etwa 800 Meter westlich der heutigen Insel (im Bereich der heutigen Othelloplate, einer Sandbank zwischen Baltrum und Norderney) das Westdorf. Außerdem bestand im Osten das Ostdorf. Nach einer Sturmflut 1825, die die Insel in mehrere Teile zerriss und fast unbewohnbar machte, wurde das Westdorf aufgegeben. Ab etwa 1870 wurden Inselschutzwerke durch Buhnen, Holzpalisaden und halbmassive, später massive Deckwerke geschaffen. Auf der Insel bestehen Deiche zum Schutz gegen Überflutung des bebauten Gebietes.

Auf Baltrum gibt es keine offiziellen Straßennamen, sondern lediglich Hausnummern. Derzeit (2008) sind es etwas über 300. Die Nummer wird im Grundsatz entsprechend dem Zeitpunkt des Hausbaus aufsteigend zugewiesen. Auf diese Weise erlaubt die Hausnummer einen groben Einblick in die bauliche Historie. Jedoch ist die Hausnummer nicht an das Gebäude, sondern an den Bauplatz gebunden. Daher kann ein Neubau eine sehr niedrige Nummer führen, wenn er als Ersatz für ein älteres, abgebrochenes Haus errichtet wurde.

Tourismus

Strand auf Baltrum

1876 wurde Baltrum „Seebad“, doch die touristische Entwicklung ging nur langsam voran. Seit 1966 ist Baltrum staatlich anerkanntes Nordseeheilbad.

1892 wurde das Hotel Küper, 1895 das Hotel zur Post eröffnet. Vor dem Zweiten Weltkrieg kamen pro Saison 5.000 - 6.000 Besucher, 1960 fast 17.000, und seit den 1970er Jahren sind es pro Saison über 30.000 Gäste. Neben den etwa 500 Baltrumern sind in der Saison ständig rund 3.000 Gäste auf der Insel, womit die Aufnahmekapazität erschöpft ist. Im Vergleich zu anderen Inseln wurde der Tourismus auf Baltrum erst relativ spät gefördert. Dadurch hatten die Baltrumer Gelegenheit, aus den Fehlern der anderen zu lernen und zu erkennen, wie wertvoll die Erhaltung der natürlichen Umgebung und der Ruhe sind.

Verkehr

Baltrum ist eine mittlerweile weitgehend auto-, eisenbahn- und elektrofahrzeugfreie Insel. Ausnahmen sind die Fahrzeuge der freiwilligen Feuerwehr, ein Krankentransportwagen und ggf. Radlader oder selbstfahrende Arbeitsmaschinen, die zum Zwecke des Küstenschutzes benötigt werden. Außerdem besaß Baltrum von 1949 bis 1985 eine kleine Inselbahn (Spurweite 600 mm) mit wechselndem Streckennetz, ausschließlich zur Güterbeförderung. Es existiert kein Fahrradverleih, und Touristen werden gebeten, keine Fahrräder mit auf die Insel zu bringen. Man kann sich allerdings von den ansässigen Kutschfahrern gegen Entgelt über die Insel kutschieren lassen (Taxikutsche). Geschäfte und Restaurants werden mit Pferd und Wagen beliefert. Touristen transportieren ihr Gepäck mit einer „Wippe“ (Handwagen) oder einem Bollerwagen der Gastgeber, oder lassen sich und ihr Gepäck mit der Pferdekutsche transportieren. Folglich herrscht auf Baltrum eine besondere Ruhe und unbeschwerte Freiheit für Fußgänger. Inlineskaten sowie Tretroller für Kinder sind auf der Insel erlaubt, solange man nicht rast.

Erreichbarkeit

Baltrum wird gezeitenabhängig von Fährschiffen der Reederei Baltrum-Linie von Neßmersiel aus (Fahrzeit ca. 30 Minuten) angesteuert. Je nach Jahres- und Reisezeit gibt es ein bis maximal vier Abfahrten täglich. Das Gepäck der Urlauber wird vor der Abfahrt in Container verladen und dann mit auf der selben Fähre mit nach Baltrum befördert. Höhepunkt der Überfahrt sind die Seehundsbänke von Norderney, an denen das Schiff vorbei fährt. Die Reederei betreibt eine eigene Busanbindung zum DB-Bahnhof Norden. Seit 2006 wird auch der Güterverkehr mit dem Versorgungsschiff "Baltrum II" über den Anfang der 1970er Jahre angelegten Neßmersieler Hafen (bislang über den Hafen Norddeich) abgewickelt, der derzeit (April 2008, geplanter Abschluss: August 2008) erweitert wird.

Über seinen Flugplatz ist Baltrum für einmotorige und bestimmte zweimotorige Maschinen auch auf dem Luftwege zu erreichen.

Zu Fuß kann Baltrum bei Niedrigwasser vom Hafen Neßmersiel aus per geführter Wanderung in zweieinhalb bis drei Stunden durch das Watt zum Hafen Baltrum erreicht werden.

Literatur

 Wiktionary: Baltrum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Baltrum – Bilder, Videos und Audiodateien