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Gore Vidal

Gore Vidal (* 3. Oktober 1925 als Eugene Luther Vidal jr. in West Point) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, der gelegentlich als Schauspieler und Politiker aktiv ist. Einige Bücher veröffentlichte er unter Pseudonymen, unter anderem als Edgar Box.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gore Vidal stammt aus einer Politikerfamilie mit Verbindungen zum Kennedy-Clan. Sein Großvater Thomas Pryor Gore war Senator von Oklahoma. Er galt lange als weitläufiger Verwandter des ehemaligen US-Vizepräsidenten und Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei, Al Gore. Er selbst bezeichnet sich gerne als das „schwarze Schaf“ in der Gore-Dynastie, womit nicht nur seine radikale Kritik an den politischen Verhältnissen der USA gemeint ist, sondern auch seine unverblümt gelebte und in Büchern geschilderte Homosexualität.

Nach seiner Schulzeit in Washington (D.C.) und New Mexico studierte Gore Vidal 1940–1943 an der Philips Exeter Academy. Er war Unterstützer des America First Committees, einer isolationistischen Bewegung die 1940/41 die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg zu verhindern suchte. Anschließend trat er in die US-Army ein, wo er vor allem Verwaltungstätigkeiten ausübte. Ab 1945 diente er als Erster Maat auf einem Transportschiff. Auf diesen Erfahrungen beruht sein Debütroman Williwaw (1946), der so erfolgreich war, dass Gore 1947/48 nach Guatemala und Europa reisen konnte. 1950 wechselte Gore nach New York, verfasste Drehbücher, darunter für den Film Ben Hur und schrieb Broadway-Stücke. Visit to a Small Planet wurde fast 400 Mal aufgeführt.

1960 bewarb sich Gore Vidal mit dem Slogan „You'll get more with Gore“ („Gore bietet Ihnen mehr“) als Kandidat der Demokraten erfolglos um einen Sitz im Repräsentantenhaus der USA. 1970 war er Mitbegründer und einer der Vorsitzenden der linksliberalen People's Party. 1982 trat er – abermals für die Demokraten – in Kalifornien zu Vorwahlen für den Senat an und kam auf Platz 2. Sein politisches Engagement bewies Vidal als profilierter Kritiker des politischen Systems der USA, die für ihn längst ein Polizeistaat sind, in dem Republikaner und Demokraten als Einheitspartei für die Interessen von Großkonzernen eintreten und die Medien Propaganda-Instrumente sind. So trat Vidal 2003/04 bei Kundgebungen gegen den Irak-Krieg auf.

Gore Vidal gehörte zu den fünf Personen, welche der Attentäter von Oklahoma, Timothy McVeigh zu Augenzeugen seiner Hinrichtung am 16. Mai 2001 bestimmte, nachdem McVeigh und Gore Vidal mehrere Jahre brieflich verkehrten. McVeigh versteht das Oklahoma-Massaker von 1995 als Rache für Waco, wo bei einer Aktion der US-Bundespolizei FBI 1993 rund 80 Sekten-Mitglieder ums Leben gekommen waren. Auch Gore Vidal kritisiert die Waco-Vorgänge. Er schrieb für das Magazin Vanity Fair über die McVeigh-Hinrichtung.

Vidal gilt als einer der vielseitigsten und intelligentesten amerikanischen Schriftsteller. Seine humorvollen Gedanken und seine sarkastische Scharfzüngigkeit sind berüchtigt.

Schon frühzeitig erwarb er ein Haus in den Hügeln direkt oberhalb von Hollywood. Seit den 1970er Jahren lebte er mit seinem Lebensgefährten hauptsächlich in Rom und Ravello (Italien). Nach dessen Tod zog er 2004 zurück in die USA. Gore Vidal lebt heute in Los Angeles.

Werke

Seit den 1960er Jahren zählt Gore Vidal zu den vielseitigsten Autoren der USA, deren Geschichte er umfassend in gut 20 historischen und satirischen Romanen, 12 Bänden mit Essays, Drehbüchern und Reden aufzuarbeiten trachtet. Seine Polemik gegen die McCarthy-Ära und die moralisierende Scheinheiligkeit vieler Zeitgenossen führten zu Skandalen, wie um den Homosexuellen-Roman The City and the Pillar (1948, dt. Geschlossener Kreis). Erst 1964 schrieb sich Gore Vidal mit Julian, einer Romanbiografie des letzten heidnischen römischen Kaisers, in die Bestsellerlisten. In Myra Breckinridge greift er 1968 die Problematik der Geschlechterumwandlung auf. Seiner Zeit voraus ist Gore Vidal oft. So thematisiert Kalki die Gentechnologie und den Terroreinsatz von Biowaffen, der Essay Ewiger Krieg für ewigen Frieden warnt vor permanentem Krieg durch die USA.

Viele Romane behandeln historische Persönlichkeiten der USA oder der Weltgeschichte: George Washington in Burr (1973), Präsident Ulysses Grant in 1876 (1976), Abraham Lincoln in Lincoln (1984), Theodore Roosevelt in Empire (1987), Jesus in Live from Golgotha (1992)

Bibliografie (Auswahl)

Belletristik
Theaterstücke u.a.
Filmskripte
Sachbücher

1995 publizierte er seine Autobiografie Palimpsest, der er 2006 einen zweiten Teil folgen ließ, Point to Point Navigation.

Zitate von Gore Vidal

Auszeichnungen und Kritik

Edgar-Allan-Poe-Preis (1955); American Book Critics Circle Award für The Second American Revolution (1982); National Book Award für United States: Essays 1952–1992 (1993)

Günter Ohnemus in Die Zeit: Dieser Liberale schreibt die besten Sätze seiner Generation. (6. Dezember 1996)

Filmarbeit

Gore Vidal war mehrfach in Gastrollen zu sehen, u. a. in den Spielfilmen Fellinis Roma von Federico Fellini, The Player von Robert Altman, Bob Roberts von Tim Robbins und Gattaca von Andrew Niccol.

Personendaten
Vidal, Gore
Vidal Jr., Eugene Luther Gore
US-amerikanischer Schriftsteller
3. Oktober 1925
Westpoint, New York