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Hans Hetzel

Hans Hetzel war ein Metzgermeister, der zu großer Berühmtheit gelangte, als er 1955 fälschlicherweise wegen Mordes verurteilt wurde und 14 Jahre unschuldig im Gefängnis saß, ehe er 1969 in einem weiteren Verfahren freigesprochen wurde. Dem Schriftsteller Thomas Hettche diente dieser Fall eines Justizirrtums als stoffliche Grundlage für seinen Roman "Der Fall Arbogast" (2001).

Hintergrund

Im September 1953 wird an einer Bundesstraße in der Nähe von Offenburg eine nackte Frauenleiche gefunden. Die Leiche wird als die 25-jährige Magdalena Gierth identifiziert.

Kurz darauf meldet sich ein junger Schlachter, Hans Hetzel, bei den örtlichen Behörden und gibt an, er habe das junge Mädchen vor kurzem als Anhalterin mitgenommen und es sei an jenem Abend zu mehrmaligem Geschlechtsverkehr gekommen. Hetzel gibt an, dass er beim Analsex, bei dem er gänzlich unerfahren gewesen sei, plötzlich verspürt habe, dass Magdalena tot sei. In seiner Panik habe er dann die Leiche in nahegelegenen Büschen versteckt. Jedoch glaubt ihm keiner der Beamten seine Version des Geschehens, so dass es schließlich zum Prozess kommt.

Dieser Prozess genoss große Aufmerksamkeit in der deutschen Öffentlichkeit, insbesondere deswegen, weil zum ersten Mal in einem deutschen Gericht pikante sexuelle Details besprochen wurden. So wurde auch die angeblich besondere Größe des Penis von Hans Hetzel in die Beweiskette aufgenommen - ein Schock in der Prüderie der 1950er Jahre. Besonderes Vertrauen brachte das Gericht dem Mediziner Prof. Albert Ponsold, dem damaligen Star der westdeutschen Gerichtsmedizin, entgegen. Sein Gutachten, das sich auf mangelhafte Fotos vom Fundort der Leiche stützte, stempelte Hetzel zum sadistischen Lustmörder ab. Ponsold wollte Würgemale am Hals der Leiche entdeckt haben, die, wie er meinte, von einem Kälberstrick stammten, denn Hetzel sei schließlich Metzger. Der Kälberstrick wird nie gefunden - trotzdem wird Hetzel zu lebenslanger Haft verurteilt.

Hetzel beharrt jedoch auf seiner Unschuld und versucht mit Hilfe seines Anwalts, ein neues Verfahren anzustrengen. Dies gelingt erst 1969 - 14 Jahre nach dem Urteil und 16 Jahre nach dem Tod von Magdalena Gierth. Mit Hilfe von Prof. Otto Prokop, der glaubhaft machen kann, dass die "Würgemale" nach Eintreten des Todes von Ästen stammen könnten und dass die junge Frau wahrscheinlich durch eine Lungenembolie einen plötzlichen Herztod erlitt, wird Hetzel in diesem Verfahren freigesprochen. Die Tatsache, dass Prof. Prokop in der DDR lehrte und der Koryphäe der bundesrepublikanischen Gerichtsmedizin schlampige Arbeitsweisen nachwies, machte den Prozess zum Politikum und erschütterte das Vertrauen in die bundesdeutsche Justiz immens.

Personendaten
Hetzel, Hans
Metzgermeister und Opfer eines Justizirrtums