Heim

Lehrerseminar

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern.

Lehrerseminare wurden ursprünglich für die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrern des Elementarbereichs eingerichtet. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Unterricht an Elementarschulen in der Regel von nicht weiter ausgebildeten Küstern, Handwerkern, ehemaligen Soldaten, Gastwirten oder verkrachten Studenten erteilt. Der Zustand des Schulwesens war dementsprechend desolat. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Lehrerseminare in Verbindung mit neugegründeten Waisenhäusern, so etwa in den Stiftungen August Hermann Franckes in Halle (1707 und 1718), aber auch im Zusammenhang mit Armen- und Freischulen. Sie dienten dazu, den Zöglingen eine berufliche Perspektive zu eröffnen, indem ihnen basale Kulturtechniken, Singen und Religion, aber auch alltagspraktische Fertigkeiten etwa für die Landwirtschaft als Grundlage für Lehrtätigkeiten vermittelt wurden. Neben der Form der Seminarausbildung existierte weiterhin die Form der "Meisterlehre", in der Lehrer ihre eigenen Nachfolger als 'Schulgehilfen' ausbildeten. Nur zögerlich setzte sich die Seminarausbildung der Volksschullehrer gegen konservative politische Befürchtungen durch. Seit dem Beginnn des 19. Jahrhunderts wurden die Seminare etwa in Preußen massiv ausgebaut (1811: 15 Seminare; 1871: 81 Seminare) und werden so "zur Keimzelle der Verbesserung des niederen Schulwesens" (Sandfuchs). 1826 wurde erstmals eine Seminarabschlussprüfung eingeführt sowie eine zweite Lehrerprüfung nach drei Jahren Berufspraxis. In Preußen wurden im Jahr 1872 für die Lehrerausbildung neue Maßstäbe gesetzt, die in den Folgejahren auch das Niveau der Seminarausbildung anhoben. Ende der 80er Jahre leisteten die Seminare "die flächendeckende Versorgung mit nach dem Stand der Zeit gut ausgebildeten Lehrern" (U. Sandfuchs). Die Forderung, auch die Ausbildung der Volksschullehrer ähnlich wie die der Gymnasiallehrer einheitlich im ganzen Reichsgebiet auf universitäres Niveau anzuheben, wurde zunächst nicht realisiert. Wohl aber entstanden von den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts an in einzelnen Ländern des Deutschen Reiches Pädagogische Akademien (Preußen), teilweise wurde die Ausbildung den Universitäten angegliedert, andere Länder behielten ihre seminaristische Lehrerbildung bei (Württemberg, Bayern). In der Zeit des Nationalsozialismus wurde eine "Hochschule für Lehrerbildung" eingerichtet, ab 1941 entstanden Hunderte von nicht-akademischen Lehrerbildungsanstalten, die vornehmlich auf weltanschaulichen Drill und Sport ausgerichtet waren. Nach 1945 knüpften die Bundesländer an die Ausbildungstraditionen vor 1933 an. Die Forderung nach einer Akademisierung der gesamten Lehrerbildung, also auch der Lehrerinnen und Lehrer für die nicht-gymnasialen Schulformen, setzte sich aber zunehmend durch und wurde im "Strukturplan für das Bildungswesen (1969)aufgenommen. Das bis dahin auf die Gymnasiallehrer beschränkte Ausbildungsmodell eines Vorbereitungsdienstes an Studienseminaren wurde in der 139. Sitzung der Kultusministerkonferenz am 9.Oktober 1970 in Frankenthal auf alle Lehrämter übertragen. Der Vorbereitungsdienst für alle Lehramtsanwärter erfolgt seither an "besonderen Ausbildungsinstitutionen".

Der Begriff Lehrerseminar kann synonym mit der Bezeichnung Studienseminar verwendet werden. In einer solchen Institution werden Lehramtsanwärterinnen und -anwärter mit dem Ziel des Zweiten Staatsexamens ausgebildet.

Lehrerseminare sind (in Deutschland) eine Ausbildungseinrichtung der so genannten "Zweiten Phase" der Lehrerbildung. Teilweise unterstehen sie den Regierungspräsidien, in mehreren Bundesländern direkt dem Kultusministerium. Sie finden sich meist in größeren Städten für einen Einzugsbereich von jeweils mehreren umliegenden Städten und Kreisen oder sind Landesseminare. Sie werden nach den verschiedenen Lehrämtern eingeteilt und jeweils von einem Seminarleiter geführt.

Der Besuch eines Lehrerseminars ist ein Teil der Ausbildung auf dem Weg zum Zweiten Staatsexamen. Verpflichtend nehmen an einem Lehrerseminar die Lehramtsanwärter teil, in der Regel Lehramtsstudenten mit abgeschlossenem Ersten Staatsexamen. Sie befinden sich nach Bewerbung im Vorbereitungsdienst als Beamter auf Zeit, sind einer Schule zugeteilt und besuchen in der Regel an einem Tag der Woche das Lehrerseminar. In einigen Bundesländern haben die Referendarinnen und Referendare den Status von Angestellten.

Dozenten am Lehrerseminar sind Lehrer, die teils im Schuldienst stehen, teils auch sich beruflich ausschließlich der Ausbildung der Lehramtsanwärter widmen. Sie werden auch Fach- oder Studienleiter genannt.

Die Ausbildung am Lehrerseminar dauert in der Regel 24 Monate (welche Anerkennungsvoraussetzung sind, um in allen Bundesländern später als Lehrer eingestellt werden zu können) und schließt mit dem Zweiten Staatsexamen ab. In Baden-Württemberg dauert die Ausbildung nur 18 Monate, andere Länder überlegen, ihre Ausbildungszeit auch zu verkürzen.

Um zu dieser Prüfung zugelassen zu werden, müssen in regelmäßigen Abständen Hospitationen und Lehrproben (zumeist drei pro Unterrichtsfach und Halbjahr) abgelegt werden. Im letzten Halbjahr ist die dritte Lehrprobe zugleich Abschlussprüfung.

Zum Zweiten Staatsexamen gehört eine Examensarbeit über eine praktische Unterrichtseinheit des ersten Fachs, des zweiten Fachs oder über ein pädagogisch-gesellschaftliches Thema. Zudem wird in Pädagogik und in jedem der Ausbildungsfächer eine Prüfung abgehalten: in den Fächern findet jeweils eine Lehrprobe an der ausbildenden Schule statt, an der die Fachbetreuer der jeweiligen Schule (Mentoren) und die Fach-/Studienleiter sowie der Leiter des Lehrerseminars und der Schulleiter teilnehmen.

Quellen

Uwe Sandfuchs: Geschichte der Lehrerbildung in Deutschland, in: Blömeke, S. [2004], Reinhold, P., Tuoldziecki, G., Wildt, J. (Hrsg.): Handbuch Lehrerbildung. Braunschweig/Bad Heilbrunn: Westermann/Klinkhardt, 14-37

Berufsverband