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Hirohito

Hirohito (jap. 裕仁; * 29. April 1901; † 7. Januar 1989) war entsprechend der traditionellen Thronfolge der 124. Tennō Japans und der dritte der modernen Periode. Er regierte von 19261989. Seit seinem Tod ist er in Japan offiziell als Shōwa-tennō (昭和天皇; Seine Regierung stand unter der Devise des Weges des Friedens) bekannt, außerhalb Japans wird er weiter oft als Kaiser Hirohito bezeichnet. Seine Regierungszeit war die längste in der langen Geschichte der japanischen Monarchie und war eine Zeit bedeutender Veränderungen in der japanischen Gesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

Frühes Leben

Hirohito wurde im Aoyama-Palast in Tokio als erster Sohn des damaligen Kronprinzen Yoshihito und der damaligen Kronprinzessin Sadako geboren. Sein Titel in der Kindheit war Prinz Michi (迪宮, Michi no miya). Er wurde mit dem Tode seines Großvaters, Kaiser Meiji, und der Thronbesteigung seines Vaters am 30. Juli 1912 Thronanwärter. Seine formelle Einsetzung zum Kronprinzen erfolgte am 2. November 1916.

Er besuchte von 1908 bis 1914 die Gakushuin-Adelsschule, danach übernahm eine spezielle Institution für den Kronprinzen (Tōgū-gogakumonsho) von 1914 bis 1921 seine weitere Ausbildung. Am 29. November 1921 wurde er in Vertretung seines kranken Vaters Regent von Japan. 1922 bereiste Prinzregent Hirohito sechs Monate lang Großbritannien, Frankreich, Italien, den Vatikanstaat, die Niederlande und Belgien; damit wurde er zum ersten japanischen Kronprinzen, der jemals ins Ausland reiste.

Heirat

Am 26. Januar 1924 heiratete er seine entfernte Cousine Prinzessin Nagako, die danach Kaiserin Kojun hieß. Sie war die älteste Tochter von Prinz Kuni Kuniyoshi. Hirohito hob das bis dahin in Japan übliche System der Konkubinen auf, was für Diskussionen um den bis dahin kinderlosen Hirohito sorgte. Diese verstummten jedoch, sobald sein erster Sohn Akihito geboren wurde.

Ihre Ehe hatte sieben Kinder:

  1. Prinzessin Teru (Teru no miya Shigeko, 6. Dezember 1925 - 23. Juli 1961), verheiratet am 10. Oktober 1943 mit Prinz Morihiro (6. Mai 1916 - 11. Februar 1969), dem ältesten Sohn von Prinz Higashikuni Naruhiko und seiner Frau, Prinzessin Toshiko, der achten Tochter des Kaisers Meiji. Am 14. Oktober 1947 verlor sie den Status als Mitglied der kaiserlichen Familie.
  2. Prinzessin Hisa (Hisa no miya Sachiko, 10. September 1927 - 8. März 1928).
  3. Prinzessin Taka (Taka no miya Kazuko, 30. September 1929 - 26. Mai 1989). Sie heiratete am 5. Mai 1950 Toshimichi Takatsukasa (26. August 1923 - 27. Januar 1966), den ältesten Sohn des adeligen Nobusuke Takatsukasa.
  4. Prinzessin Yori (Yori no miya Atsuko, * 7. März 1931). Diese heiratete am 10. Oktober 1952 Takamasa Ikeda (* 21. Oktober 1927), ältester Sohn des früheren Marquis Nobumasa Ikeda.
  5. Kronprinz Akihito (heute Kaiser), (* 23. Dezember 1933); dieser heiratet am 10. April 1959 Michiko Shoda (* 20. Oktober 1934), die ältere Tochter von Hidesaburo Shoda, des früheren Präsidenten und Vorsitzenden der Nisshin-Mühlengesellschaft.
  6. Prinz Hitachi (Hitachi no miya Masahito, * 28. November 1935) heiratet am 30. Oktober 1964 Hanako Tsugaru (* 19. Juli 1940), vierte Tochter des früheren Grafen Yoshitaka Tsugaru.
  7. Prinzessin Suga (Suga no miya Takako, * 2. März 1939) heiratete am 3. März 1960 Hisanaga Shimazu, Sohn des früheren Grafen Hisanori Shimazu.

Thronfolge

Hirohito hatte aufgrund der Krankheit seines Vaters, des Taishō-Kaisers Yoshihito, faktisch bereits seit 1921 die Regentschaft innegehabt. Mit dessen Tod am 25. Dezember 1926 wurde Hirohito dann 124. Kaiser. Die neue Ära Shōwa (Erleuchteter Frieden) wurde proklamiert. Am 10. November 1928 wurde er im Kaiserpalast Kyōto gekrönt.

Der neue Kaiser war der erste japanische Monarch seit mehreren hundert Jahren, dessen Mutter offizielle Gemahlin seines Vorgängers war.

Anfangszeit der Herrschaft

Die ersten Jahre von Hirohitos Herrschaft sind gekennzeichnet durch ein zunehmendes Erstarken des Militärs in der Regierung, das sowohl mit gesetzlichen als auch ungesetzlichen Mitteln betrieben wurde. Die Kaiserliche Japanische Armee und die Kaiserliche Japanische Marine hatten seit 1900 ein Vetorecht bei der Kabinettsbildung, und zwischen 1921 und 1944 kam es zu nicht weniger als 64 Fällen rechtsgerichteter politischer Gewalt.

Die Ermordung des gemäßigten Premierministers Inukai Tsuyoshi im Jahre 1932 markiert das Ende jeder wirklichen zivilen Kontrolle des Militärs. Es folgte der gescheiterte Putschversuch vom 26. Februar 1936 durch niederrangige Armeeoffiziere, der Wahlverluste der militaristischen Fraktion im japanischen Parlament zum Anlass hatte. Während des Putsches wurde eine Anzahl hochrangiger Regierungsbeamte und Armeeoffiziere ermordet. Dieser wurde schließlich niedergeschlagen, wobei Hirohito eine wichtige Rolle spielte.

Von den 1930ern hatte das Militär dennoch nahezu die gesamte politische Macht in Japan in seinen Händen und verfolgte eine Politik, die Japan schließlich in den zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg und den Zweiten Weltkrieg führte, der mit der Kapitulation Japans endete.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges bildete Japan unter Hirohitos Führung eine Allianz mit Deutschland und Italien und bildete mit ihnen die so genannten Achsenmächte. Unmittelbar nach Kriegsende glaubten viele, dass Kaiser Shōwa hauptverantwortlich für Japans Rolle im Krieg sei, andere meinten, dass er nur eine machtlose Marionette war und dass die wirkliche Macht bei Hideki Tojo lag.

Eine abschließende Bewertung wird letztlich auch durch die Tatsache erschwert, dass die japanische Armeeführung nach Ende des Krieges versuchte, ihren Kaiser aus dem Focus des Interesses zu nehmen und konsequent belastende Unterlagen vernichtete bzw. bereitwillig die Verantwortung für das Geschehen während des Krieges übernahm.

Dieses Verhalten stand im Gegensatz zu dem der deutschen Generalität und NS-Führungsebene, die nach dem Endes des zweiten Weltkrieges sämtliche Verantwortung für die Geschehnisse Adolf Hitler zuzuweisen versuchte, und die ihre persönliche Verantwortung fast immer generell abstritt.

Hinzu kam, dass die amerikanische Militärregierung Hirohito als stabilisierendes Element der japanischen Nachkriegspolitik benötigte und daher ebenso wenig an einer Aufarbeitung seiner Rolle während des Krieges interessiert war wie seine Gefolgsleute im Militär.

Viele Menschen in China, Taiwan, Korea und Südostasien sehen in Hirohito den Kriegstreiber und Hauptverantwortlichen der Kriegsgreuel, und einige meinen (darunter damals die Sowjetunion), dass er wegen Kriegsverbrechen hätte vor Gericht gestellt werden sollen. Deshalb haben viele Asiaten in den damals japanisch besetzten Gebieten bis heute eine feindliche Einstellung zum Japanischen Kaiserhaus. Im Westen wird er oft als Hitler Asiens bezeichnet. Die zentrale Frage bleibt aber, wie viel Kontrolle Hirohito wirklich über das japanische Militär in den zwei Kriegen hatte. Die sowohl vom Kaiserpalast und den Amerikanischen Okkupationskräften direkt nach dem II. Weltkrieg vertretene Ansicht war, dass sich Hirohito strikt nach Protokoll zu verhalten und Abstand zu den Entscheidungsprozessen zu halten hatte.

Auf der anderen Seite hat der Autor und Historiker Herbert P. Bix (Hirohito and the Making of Modern Japan, 2000), Akira Fujiwara (Showa tenno no ju-go nen senso, 1991), Peter Wetzler (Hirohito and War, 1998), Akira Yamada (Daigensui Showa tenno, 1994) in der letzten Zeit Hinweise darauf gefunden, die zeigen, dass der Kaiser durch Mittelsmänner einen hohen Grad an Kontrolle über das Militär ausübte und dass er sogar die Haupttriebkraft hinter den Ereignissen der zwei Kriege sein könnte.

Nach Erkenntnissen der Historiker Yoshiaki Yoshimi und Seiya Matsuno, erhielt Yasuji Okamura vom Shōwa-Tennō die Erlaubnis, chemische Waffen während dieser Gefechte einzusetzen.[1].

Am 4. September 1941 traf sich das Japanische Kabinett, um die vom Kaiserlichen Generalhauptquartier vorbereiteten Kriegspläne zu erörtern und beschloss:

„Unser Kaiserreich wird zum Zweck der Selbstverteidigung und Selbsterhaltung die Kriegsvorbereitungen vollenden…(und ist)… entschlossen, falls nötig mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien und den Niederlanden in den Krieg zu treten. Unser Reich wird gleichzeitig alle möglichen diplomatischen Mittel gegenüber den USA und Großbritannien einsetzen, um dadurch zu versuchen unsere Ziele zu erreichen… Wenn es bis zum 10. Oktober keine Aussicht gibt, dass unsere Forderungen durch die oben genannten diplomatischen Verhandlungen erfüllt werden, werden wir sofort entscheiden, Feindseligkeiten gegen die USA, Großbritannien und die Niederlande aufzunehmen“

Die zu erreichenden Ziele waren klar definiert: Freie Hand bei der Eroberung von China und Südostasien, keine Verstärkung US-amerikanischer oder britischer Militärkräfte in der Region und Kooperation des Westens „bei dem Erwerb der von unserem Reich benötigten Güter“.

Am 5. September übergab Premierminister Konoe dem Kaiser informell den Entwurf der Entschließung, nur einen Tag vor der Kaiserlichen Konferenz, auf der sie formell in Kraft gesetzt werden würde. Entsprechend den traditionellen Ansichten (wiederum aber in Widerspruch zur Forschung von Blix) war Hirohito von der Entscheidung „Kriegsvorbereitungen den diplomatischen Verhandlungen vorzuziehen“ tief betroffen und er kündigte seine Absicht an, mit dem jahrhundertealten Protokoll zu brechen und bei der Kaiserlichen Konferenz am folgenden Tag die Chefs der Generalstäbe von Armee und Marine direkt zu befragen - ein Vorgehen ohne Präzedenzfall in der japanischen Geschichte der letzten Jahrhunderte. Konoe überzeugte Hirohito rasch, sie statt dessen für eine private Konferenz zusammenzurufen, auf der der Kaiser deutlich machte, dass eine friedliche Lösung „bis zum Letzten“ zu verfolgen sei. Der Chef des Generalstabs der Marine, Admiral Osami Nagano, früherer Marineminister und sehr erfahren, sagte später zu einem vertrauten Kollegen: „Ich habe den Kaiser uns noch niemals in solch einer Weise zurechtweisen gesehen, sein Gesicht rot und seine Stimme erhoben.“

Dennoch waren sich alle Sprecher auf der Kaiserlichen Konferenz darin einig, dass sie Krieg der Diplomatie vorzogen. Baron Yoshimichi Hara, Präsident des Kaiserlichen Rates und Vertreter des Kaisers, befragte sie eingehend und bekam von einigen Antworten, dass Krieg nur als letztes Mittel betrachtet würde, andere schwiegen.

An diesem Punkt erstaunte der Kaiser alle Anwesenden, indem er sich direkt an die Konferenz wandte und damit die Tradition des kaiserlichen Schweigens brach. Dies hinterließ seine Berater „starr vor Schreck“ (so Premierminister Konoes Beschreibung des Ereignisses). Kaiser Hirohito betonte die Notwendigkeit einer friedlichen Lösung internationaler Probleme, drückte Bedauern darüber aus, dass seine Minister Baron Haras Befragungen nicht beantworteten und rezitierte ein Gedicht seines Großvaters Kaiser Meiji, das er, so sagte er, „wieder und wieder gelesen“ habe.

„Ich denke, dass also alle Menschen der Welt Kinder Gottes sind,
warum sind die Wellen und der Wind heutzutage so unruhig?“

Nachdem sie sich von ihrem Schrecken erholt hatten, beeilten sich die Minister ihren tiefen Wunsch auszudrücken, alle möglichen friedlichen Mittel zu versuchen.

Die Kriegsvorbereitungen wurden jedoch ohne die geringste Änderung fortgesetzt und innerhalb von Wochen ersetzte das Kabinett den nicht ausreichend kriegswilligen Konoe mit dem Hardliner General Hideki Tojo, formell durch Hirohito im Rahmen der Verfassung gewählt. Es ist jedoch umstritten, ob er tatsächlich von Hirohito favorisiert wurde. Am 8. Dezember (7. Dezember in Hawaii) 1941 griffen die japanischen Streitkräfte in gleichzeitigen Angriffen die US-Flotte in Pearl Harbor an und begannen die Invasion Südostasiens. Von da an gab es kein Zurück.

Wie auch immer seine Beteiligung an den Ereignissen, die zu den ersten Feindseligkeiten führten war – sobald die Nation sich voll dem Krieg gewidmet hatte, zeigte Hirohito großes Interesse an militärischen Fortschritten und suchte die Moral zu stärken, genau wie es George VI. zur gleichen Zeit in Großbritannien machte. Zu Beginn gab es nur gute Nachrichten. Als sich das Blatt im späten 1942 und frühen 1943 langsam zu wenden begann, so behaupten einige, habe der Informationsfluss in den Palast immer weniger mit der Realität zu tun gehabt. Andere meinen, dass der Kaiser eng mit Premierminister Tojo zusammengearbeitet habe, weiterhin gut und zutreffend informiert worden sei und Japans militärische Lage bis zum Zeitpunkt der Kapitulation exakt kannte. In den ersten sechs Monaten des Krieges waren alle größeren Gefechte Siege. In den nächsten Jahren wurde die Reihe unentschiedener und dann eindeutig verlorener Begegnungen der Öffentlichkeit als Serie großer Siege verkauft. Nur langsam wurde es den Menschen auf den japanischen Inseln klar, dass die Situation sehr schlecht war. Der Beginn von US-Luftangriffen auf japanische Städte ab 1944 machte die endlosen Erzählungen von Siegen endgültig unglaubwürdig. Später in diesem Jahr wurden nach dem Fall der Regierung Tojo zwei andere Premierminister ernannt, um den Krieg fortzusetzen, Koiso Kuniaki und Suzuki Kantaro – wiederum mit zumindest formeller Zustimmung von Hirohito. Ob er jedoch mit ihrer Politik übereinstimmte, ist umstritten. Beide waren erfolglos und Japan näherte sich der Niederlage.

Kapitulation Japans

Als 66 japanische Städte zu über 40% sowie einige zu mehr als 90% zerstört waren, der Verkehr zwischen den Inseln größtenteils lahmgelegt war, die Lazarette überfüllt und viele Menschen aufgrund des Mangels an Lebensmitteln, Medikamenten und Ärzten verstarben, versuchte der Tenno nach einigen gescheiterten Friedensverhandlungen in Bern und Stockholm die Sowjetregierung um Vermittlung zu bitten (Zwischen Japan und der UdSSR bestand seit 1941 ein Neutralitätsabkommen für die Mindestdauer von fünf Jahren). Zu einer bedingungslosen Kapitulation war niemand bereit und so hoffte man, über Josef Stalin mit den Alliierten verhandeln zu können. So sandte man folgenden Funkspruch am 12. Juli 1945 an den japanischen Botschafter Naotake Sato in Moskau:

„Seine Majestät sind aufs äußerste bestrebt, den Krieg so bald wie möglich zu beenden, weil dessen Fortführung die schrecklichen Leiden von vielen Millionen unschuldiger Menschen in den kriegführenden Staaten nur verlängert und verschlimmert. Unsere Regierung wünscht daher schnellstens mit Verhandlungen über die Wiederherstellung des Friedens zu beginnen. Fürst Konoye wird deshalb mit einer persönlichen Botschaft unseres Tenno nach Moskau reisen. Sie werden aufgefordert, die Sowjetregierung um die Erleichterung seiner Reise zu ersuchen. Sollten die Vereinigten Staaten und Großbritannien auf einer bedingungslosen Kapitulation Japans bestehen, würden wir mit tiefstem Bedauern gezwungen sein, unsere Ehre sowie den Bestand der Nation bis zum bitteren Ende zu verteidigen.“

Während täglich Tausende Menschen starben, erfand Stalin protokollarische Ausreden und schob die Weiterleitung der Nachricht von Hirohito bis zum 18. Juli 1945 auf. Allerdings hatte man in Washington den vorausgegangenen Funkspruch des japanischen Außenministeriums schon längst entziffert und wusste von den Bemühungen des liberal eingestellten Hirohito. Auf der Potsdamer Konferenz am 18. Juli erhielt der amerikanische Präsident Truman von Stalin persönlich eine Kopie des Vermittlungsversuches des Tenno mit dem Bemerken, es sei nicht ernst zu nehmen.

Truman, der über den Funkspruch und die Friedensmissionen japanischer Diplomaten in Bern und Stockholm ausreichend informiert war, hatte den Abwurf der ersten Atombombe für den 3. August geplant und bereits am 11. Februar 1945 während der Konferenz von Jalta mit Stalin vereinbart, dass die Sowjetunion, ganz entgegen ihrem Neutralitätsabkommen mit Japan, zwei bis drei Monate nach der deutschen Niederlage in den Pazifischen Krieg eintreten werde, und auch reiche Beute versprochen (In dem Geheimabkommen des elften Februars heißt es unter anderem:

„Die ehemaligen Besitzrechte Russlands, die infolge des heimtückischen Angriffs Japans im Jahr 1904 verletzt worden waren, sollen wiederhergestellt werden. A) Die Südhälfte Sachalins wie auch alle benachbarten Inseln soll die Sowjetunion zurückerhalten. B) Der Hafen von Dairen soll internationalisiert und die sowjetischen Rechte dortselbst gesichert werden. Port Arthur wird als Flottenbasis an die UdSSR zurückkehren… C) Die Inselgruppe der Kurilen soll der Sowjetunion übergeben werden.“

In der Nacht vom 26. auf den 27. Juli erhielt Japan dann die lang ersehnte Antwort in Form eines von Truman, Churchill und im Auftrag von Marschall Chiang Kai-shek gezeichneten Ultimatums, in dem es unter anderem hieß:

„Wir verlangen von der japanischen Regierung, sofort die bedingungslose Kapitulation aller Streitkräfte anzuordnen und angemessene Sicherheit für die Durchführung dieser Maßnahmen zu bieten. Für Japan bleibt keine andere Lösung, es sei denn die totale Vernichtung der japanischen Rasse.“

Die strenge Bestrafung aller Kriegsverbrecher der japanischen Seite wurde gleichzeitig angekündigt. Für die Regierung erschien es ganz unmöglich dieses Ultimatum anzunehmen, da wieder nicht geklärt war, ob dem Tenno nicht auch eine Bestrafung als Kriegsverbrecher anstünde. Japan hatte sich schwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht, vor allem Grausamkeiten gegenüber Zivilisten in China (Nanking-Massaker, Einheit 731, Tokioter Prozesse). Während Hirohito stets erklärte, dass sein persönliches Schicksal nichts bedeute und er sich nach der Annahme des Ultimatums freiwillig für den Bestand des japanischen Volkes opfern wolle, fürchteten seine Berater nach seinem Verlust eine kommunistische Machtergreifung und hofften immer noch, dass Moskau vermitteln würde.

Japan hatte während des Krieges schließlich auch streng darauf geachtet, Deutschland während seines Krieges gegen die UdSSR keinesfalls zu unterstützen und ist dem Neutralitätsabkommen bis zu jenem Tage treu geblieben. So gingen Telegramme zwischen Außenminister Togo und dem Botschafter Naotake Sato hin und her, jedes einzelne wurde aufgefangen, entziffert und der amerikanischen Staatsführung vorgelegt, sodass man sich dort im Klaren war, dass die japanische Kapitulation einzig und allein von dem Fortbestand der kaiserlichen Dynastie abhängig war. Konzessionen an den Feind hätten aber nach amerikanischer Sicht keinem totalen Sieg entsprochen und überzeugte Republikaner bestanden auf dem Kopf des Tenno als Unterzeichner der Kriegserklärung. Nach tagelangen Beratungen gebrauchte Premierminister Suzuki das japanische Wort mokusatsu als Antwort, wie auf das Ultimatum zu reagieren sei. Gemeint war „Antwort zurückhalten“, weil man noch Stalin um Verhandlungen bitten wollte, von der Firma Domei jedoch wurde es für Radiosendungen ins Ausland mit reject, also „ablehnen“ übersetzt, der negativsten Bedeutung des Wortes. Vieles spricht dafür, dass dieses Missverständnis den Tod von Hundertausenden von Zivilisten verschuldet hat. So wurde als „Demonstration der vollen Anwendung der militärischen Möglichkeiten“ die erste Atombombe ohne Vorwarnung am 6. August 1945 über der besonders bevölkerungsreichen Stadt Hiroshima abgeworfen. Noch am selben Tag fielen die sowjetischen Truppen Stalins in Mandschukuo ein und fanden nur geringen Widerstand, da die Besatzungstruppen im Vorfeld an andere Fronten verlagert worden waren. „Wir müssen uns dem Unvermeidlichen beugen! Ganz gleich, was mir geschehen wird, darf sich eine Tragödie wie in Hiroshima nicht mehr wiederholen!“ erklärte Hirohito, doch viele Fanatiker wollten weiterkämpfen und so gingen die Beratungen drei Tage und drei Nächte ununterbrochen weiter, bis am 9. August 1945 die zweite Atombombe über der Stadt Nagasaki gezündet wurde. Mit den Worten „Ich kann nicht mitansehen, dass mein unschuldiges Volk noch länger leidet! Die Zeit ist gekommen, das Untragbare zu ertragen!“ verkündete der Tenno seinen Ministern, dass er sich gegen Militär und Regierung dafür entschied, seine nahezu unbegrenzten Vollmachten einzusetzen und Japan und seine Einwohner vor der endgültigen Vernichtung zu retten.

Die Zeit nach dem Krieg

So wurde bereits am 10. August 1945 den Regierungen der USA, Großbritanniens, Nationalchinas und der UdSSR die Annahme des Ultimatums mitgeteilt. Am 12. August erhielten sie Antwort aus Washington:

„Beginnend mit dem Zeitpunkt der Übergabe ist die Autorität des Kaisers und der japanischen Regierung dem Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte unterworfen. Der Kaiser ist verpflichtet … der japanischen Armee, Flotte und Luftwaffe die Ausführung aller notwendigen Maßnahmen zu befehlen… Die endgültige Regierungsform Japans soll nach dem freien Willen des japanischen Volkes bestimmt werden.“

So wurde Japan zwar die Entscheidung überlassen, ob es den Tenno und seine Blutlinie erhalten möchte, jener sollte aber auch persönlich für die Niederlegung der Waffen sorgen und die volle Verantwortung für deren Ablauf tragen, was auf Grund der vielen Fanatiker natürlich leichter gefordert als durchgeführt war. So erlebte Japan, das in den 2.600 Jahren seiner Geschichte nie einen Krieg verlor, am 15. August einen Tag, an dem sich in ganz Japan die Ereignisse überschlugen. Schließlich sprach der Tenno Hirohito selbst zum ersten Mal durch eine Radio-Proklamation zu dem gesamten Volk, obwohl dies von vielen Seiten und auf vielerlei Arten zu verhindern versucht worden war:

„Der Kriegsverlauf hat sich nicht unbedingt zu Japans Vorteil entwickelt… Überdies hat der Feind begonnen, eine neue und furchtbare Bombe anzuwenden. Sollten wir den Kampf fortsetzen, wird die völlige Vernichtung unserer Nation die Folge sein… Wir haben uns demgemäß zum Weg des Friedens entschlossen… Wir müssen dulden und ertragen, was untragbar scheint… Hütet euch vor allen Ausbrüchen der Leidenschaft, denn sie würden Japan unabsehbare Schwierigkeiten bereiten… Lasst unser Volk als eine einheitliche Familie fortbestehen in Frieden, von einer Generation zur anderen. Vereint alle Kräfte der Nation und widmet sie entschlossen dem Aufbau der Zukunft… Gehe an die Arbeit, getreues Volk, zum Segen des Kaiserreiches, und nimm teil an den Fortschritten der Welt.“

Die Amerikaner besetzten Japan ohne dass sich jemand gegen die bedingungslose Kapitulation wehrte. Die von den Alliierten befürchteten Anschläge auf die Besatzer und die Millionen Selbstmorde blieben aus. General MacArthur, der nun das japanische Volk regierte, nannte dann für die neue Verfassung seine Richtlinien der neuen Regierungsform: „Der Kaiser soll das Symbol des Staates und der Einheit des Volkes sein. Seine Stellung ist abhängig vom Willen des Volkes, welches die souveräne Macht besitzt.“ Nachdem sich zunächst gespenstische Stille in ganz Japan breit gemacht hatte, stritten die Alliierten wieder darum, ob Hirohito nun nicht doch als Kriegsverbrecher besser an den Galgen gehört. Am 26. September 1945 stattete Hirohito zum Erstaunen der Alliierten deren Oberkommandierendem MacArthur einen überraschenden Besuch ab. In Hemdsärmeln empfing er den Tenno, um so recht zu zeigen, wie wenig ihm die japanische Majestät in Cutaway und Zylinder imponierte, von der ganz Amerika wie selbstverständlich erwartete, dass sie um ihr Schicksal besorgt sei und darlegen wolle, wie er nach besten Kräften bemüht gewesen war, die japanische Aggression zu verhindern, da es ja um sein Leben ging. Aber es kam vollkommen anders, als es die USA und MacArthur je erwartet haben, so sprach Hirohito nach MacArthurs Bericht (Außer einem Dolmetscher wohnte kein Zeuge dem Gespräch bei) ohne den sonst üblichen Austausch von Höflichkeiten: „Ich komme zu Ihnen, General, um mich dem Urteil der Mächte, die Sie repräsentieren, auszuliefern. Ich allein trage die Verantwortung für jede militärische und politische Entscheidung, ebenso für alle Aktionen meiner Untertanen während des Kriegsverlaufs“, woraufhin MacArthur fortfährt zu berichten, dass ihn „tiefste Bewegung“ überkam. Die Übernahme aller Schuld, den inzwischen bekannt gewordenen Tatsachen völlig widersprechend, hätte für den Tenno in einem Kriegsverbrecherprozess zweifellos das Todesurteil bedeutet. So musste MacArthur feststellen: „Er war ein Kaiser von Geburt, aber noch mehr, wie ich nun erkannte, nämlich der feinste Gentleman in Japan.“ und ließ am selben Tage noch seine Regierung wissen, dass eine Anklage gegen Hirohito unmöglich und der Tenno für Japan nicht zu entbehren sei. Die Gegner Hirohitos in der neuen amerikanischen Regierung zwangen darauf die japanische Presse jenes bekannte Foto zu veröffentlichen, welches Hirohito im offiziellen Dress neben dem hemdsärmeligen MacArthur zeigt, der ihn um eine Haupteslänge überragt und schief stehend die Hände in den Hosentaschen verbirgt, während sein gelangweilter Blick der Kamera ausweicht. Gedacht war dieses Foto eigentlich, um das Ansehen des Tenno zu senken, ihn klein und bescheiden darzustellen, und MacArthur zum großen Beherrscher der Nation zu erheben. Allerdings fasste es die japanische Bevölkerung genau anders herum auf, und so hängt jenes Foto aus der Zeitung ausgeschnitten sorgfältig gepflegt noch heute in einigen japanischen Wohnungen an einem Ehrenplatz oder gar in der Tokonoma.

Als bekannt wurde, dass die kaiserlichen Gärten verwilderten (Hirohito konnte keine Gärtner mehr entlohnen, da sein Vermögen von der neuen Regierung konfisziert worden war), meldeten sich innerhalb weniger Tage 20.000 Männer und Frauen aller Altersklassen, um die Arbeit kostenlos zu übernehmen. Die Polizei musste einschreiten, sonst hätten sich jene vor den Toren gegenseitig erdrückt. Da die Amerikaner immer noch der Ansicht waren, dass der Tenno zu hohes Ansehen genieße, forderten sie ihn dazu auf, öffentlich zu bekennen, dass er kein Gott und ein Mensch wie jeder andere auch sei. Da niemals ein Tenno behauptet hatte, er wäre ein göttliches Wesen, erklärte Hirohito in seiner üblichen Neujahrsbotschaft einfach: „Jene Bande, die mich und mein Volk umschließen, beruhen nicht auf der falschen Vorstellung, dass der Tenno göttlich sei.“ Was für die Japaner nichts an der uralten Überlieferung änderte, dass seine Vorfahren von der Sonnengöttin Amaterasu abstammten.

Spätere Herrschaft

Für den Rest seines Lebens war Kaiser Hirohito eine aktive Figur des japanischen Lebens und übte zahlreiche Aufgaben eines Staatsoberhauptes aus. Der Kaiser und seine Familie zeigten starke öffentliche Präsenz, waren oft auf öffentlichen Wegen zu sehen und traten auf besonderen Ereignissen und an Feiertagen auf.

Hirohito spielte auch eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau von Japans diplomatischer Stellung im Ausland. Auf Auslandsreisen traf er sich mit vielen ausländischen Führern, einschließlich dem US-Präsidenten und Königin Elizabeth II.

Hirohito war stark an Meeresbiologie interessiert und der Kaiserliche Palast beherbergte ein Laboratorium. Hirohito veröffentlichte mehrere wissenschaftliche Arbeiten zur Meeresbiologie.

Tod

Am 22. September 1987 unterzog sich Hirohito einer Operation an der Bauchspeicheldrüse, nachdem er mehrere Monate Verdauungsprobleme gehabt hatte. Dies war das erste Mal, dass sich ein japanischer Kaiser operieren ließ. Die Ärzte entdeckten, dass er Krebs im Zwölffingerdarm hatte, aber in Übereinstimmung mit der japanischen Tradition sagten sie ihm dies nicht. Hirohito schien sich nach der Operation gut zu erholen. Etwa ein Jahr später, am 19. September 1988, brach er in seinem Palast zusammen und seine Gesundheit verschlechterte sich in den folgenden Monaten, da er an ständigen inneren Blutungen litt. Am 7. Januar 1989, um 6:33 Uhr starb Hirohito. Um 7:55 Uhr verkündete der Oberste Kammerherr von Japans kaiserlichem Hofamt, Shoichi Fujimori, offiziell den Tod des Kaisers und machte erstmalig Details zu seiner Krebserkrankung bekannt. Mit seinem Tod wurde er nach der Ära, in der er regierte „Kaiser Shōwa“ (Shōwa Tennō) genannt. Das Begräbnis fand am 24. Februar statt, und in Gegensatz zu allen seinen Vorgängern erfolgte dieses nicht strikt nach den Regeln des Shintō, eine Anzahl von Regierungsoberhäuptern aus aller Welt nahm an ihm teil. Er ist im Kaiserlichen Mausoleum in Hachioji in Tokyo neben anderen Kaisern begraben.

Yasukuni-Schrein

Hirohito hielt sich von den politischen Auseinandersetzungen um den umstrittenen Yasukuni-Schrein, einen Shinto-Schrein für die Soldaten, die für den japanischen Kaiser gestorben sind, fern. Nachdem ihm bekannt wurde, dass auch der ehemalige Premierminister Hideki Tojo dort geehrt wurde, boykottierte Hirohito den Schrein von 1978 bis zu seinem Tode. Dieser Boykott wurde von seinem Sohn und Nachfolger, Akihito, weitergeführt, der sich seit 1978 ebenfalls weigerte, den Yasukuni zu besuchen, ganz anders als der spätere Premierminister Koizumi.

Siehe auch

Quellen

  1. Yoshimi and Matsuno, Dokugasusen Kankei Shiryô II (Material on Toxic Gas Warfare), Kaisetsu, 1997, p.25-29
 Commons: Hirohito – Bilder, Videos und Audiodateien
Personendaten
Hirohito
裕仁 (japanisch); Shōwa-Kaiser (Post-mortem-Name); 昭和天皇 (Post-mortem-Name; japanisch)
124. Tennō von Japan
29. April 1901
7. Januar 1989