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Ingo Schulze (Autor)

Ingo Schulze (* 15. Dezember 1962 in Dresden) ist ein deutscher Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Schulze, Sohn eines Physikprofessors und einer Ärztin, wuchs nach der Scheidung der Eltern bei seiner Mutter auf. Nach seinem Abitur 1981 absolvierte er den zweijährigen Grundwehrdienst in der NVA; bis 1988 studierte er Klassische Philologie an der Universität Jena. Anschließend war Schulze für zwei Jahre als Dramaturg am Landestheater Altenburg, das er verließ, um als Journalist zu arbeiten: 1990 gründete er die »unabhängige Zeitung« Altenburger Wochenblatt, die bis Herbst 1991 erschien, sowie ein Offertenblatt namens Anzeiger; beide wurden im Altenburger Verlag publiziert, dessen Geschäfte Schulze bis Ende 1992 leitete. Anfang 1993 ging er im Auftrag eines Geschäftsmannes nach Russland, wo er die Annoncenzeitung Привет Петербург (Privet Peterburg) lancierte. Seit Mitte der 90er Jahre lebt Schulze als freier Schriftsteller in Berlin. Mit seiner Lebensgefährtin hat er zwei Töchter.

Werk

Seine Erfahrungen aus der Zeit in Sankt Petersburg flossen in Schulzes erste Buchveröffentlichung ein. Die Erzählungen in 33 Augenblicke des Glücks (1995) sind im Umfeld der russischen Großstadt angesiedelt. Schulze greift hierbei auf eine Herausgeberfiktion zurück, die seine Texte einem literarisch gebildeten Journalisten aus Deutschland zuschreibt, der in Sankt Petersburg verschwunden sei. Der Erzählband wurde von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen. Seine 1998 veröffentlichten Simple Storys spielen im thüringischen Altenburg, wo Schulze gelebt und gearbeitet hatte; im Mittelpunkt stehen die Folgen der Wende auf das Leben seiner Figuren, deren Darstellung das Fehlen jeglicher »Nachwendeweinerlichkeit« [1] attestiert wurde. Geprägt war der Text durch einen Stil, den Rezensenten als mitleidslos und genau bezeichneten, der Autor selbst als »diesen Short-Story-Ton, [der] die Sache einfacher« [2] gemacht habe. Günter Grass würdigte Schulze nach Erscheinen des Werkes als einen der »großartigen Erzähler« [3] der neuen Bundesländer. Nach der Veröffentlichung mehrerer Erzählungen folgte erst 2005 der nächste Roman Neue Leben. Erzählt wird darin die Geschichte des Autors und Zeitungsredakteurs Enrico Türmer, der im Jahr der deutschen Wiedervereinigung einem Freund, seiner Schwester und einer Geliebten schreibt. Schulze zieht sich erneut in die Position eines Herausgebers zurück, der die Briefe, aus denen der Roman besteht, lediglich aufbereitet habe; er bedient sich damit eines für den Briefroman des 18. Jahrhunderts typischen Kunstgriffs, dessen Reaktivierung von der Kritik nicht einhellig begrüßt wurde. Während FAZ-Kritiker Richard Kämmerlings fragte »Geht es nicht noch ein bißchen altbackener?«,[4] sah Jörg Magenau von der tageszeitung in dieser Verknüpfung den »eigentliche[n] Clou des Romans«.[5] Das Werk ordneten einige Rezensenten, nicht immer ohne Ironie, als den lange erwarteten »ultimativen Wenderoman« [6] ein. Schulzes Erzählsammlung Handy. 13 Geschichten in alter Manier, die 2007 in die Läden kam, rief fast einhelliges Lob hervor. So beurteilte ihn etwa Volker Weidermann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, verglichen mit Neue Leben, als »lässiger, einfacher, ruhiger und einfach sehr, sehr schön geschrieben«.[7]

Für breite Aufmerksamkeit auch in überregionalen Medien sorgte Schulzes Dankesrede zur Verleihung des Thüringer Literaturpreises 2007, in der er die steigende Bedeutung des Sponsorings im Kulturbereich bei gleichzeitigem Rückzug des Staates aus diesem thematisierte.[8][9]

Veröffentlichungen

Auszeichnungen

Quellen

  1. Stuttgarter Zeitung: Ingo Schulze. Simple Storys. 30.04.1998.
  2. die tageszeitung: »Literatur ist zu jeder Zeit wichtig« – Ein Gespräch mit Ingo Schulze. 13.10.2005.
  3. Focus: „Heinrich, was meinst du dazu?“ – Interview mit Günter Grass. 04.10.1999
  4. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Enrico Türmers unternehmerische Sendung. 19.10.2005.
  5. die tageszeitung: Die Entdeckung der Bilanzen. 19.10.2005.
  6. Die Welt: Enrico, mir graut vor Dir! 15.10.2005.
  7. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: Gibt es denn keine Welt da draußen? 11.03.2007.
  8. Ingo Schulze: Was wollen wir? – Dankesrede zur Verleihung des Thüringer Literaturpreises am 4. November 2007 in Weimar
  9. Literarische Gesellschaft Thüringen e. V.: Pressespiegel zur Verleihung des Thüringer Literaturpreises 2007
Personendaten
Schulze, Ingo
deutscher Schriftsteller
15. Dezember 1962
Dresden