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DFS-Kopernikus

DFS-Kopernikus (Deutscher Fernmeldesatellit Kopernikus, nach dem Astronomen Nikolaus Kopernikus) war der Name dreier geostationärer Nachrichtensatelliten der Deutschen Bundespost (später Deutsche Telekom). Sie sind inzwischen alle außer Dienst gestellt und in einen Friedhofsorbit verbracht worden.


Inhaltsverzeichnis

Technik

Produziert wurden sie durch das GESAT-Konsortium, bestehend aus den Firmen MBB/ERNO und ANT (vormals AEG Telefunken). Sie hatten eine Startmasse von ca. 1400-1415 kg und am Beginn ihrer Lebenszeit auf der Geostationären Umlaufbahn eine Masse von 850 kg. Ihre Solarpanele haben eine Spannweite von 15,5 Metern und lieferten bis zu 1550 Watt elektrische Leistung. Die Kommunikationsausrüstung besteht aus zehn 14/11–12 GHz Transpondern (plus fünf als Reserve) sowie einem experimentellen 30/20 GHz Transponder. Die Sendeleistung pro Transponder betrug 20 Watt. Die drei 11 GHz Band (FSS-Band)-Transponder haben eine Bandbreite von je 72 MHz. Die sieben Transponder für das 12 GHz Band (SMS-Band) eine Bandbreite von je 36 MHz. Der Preis der Kopernikussatelliten betrug damals je 50 Millionen US-Dollar.

Als die Entwicklung 1983 begann, sollten sie zwei Zwecken dienen:

  1. Als Fernmeldesatelliten für Daten, Telefon, Telex und Telefax Verbindungen innerhalb des Bundesgebietes und nach Berlin (West)
  2. Für die Übertragung von Fernsehbildern von Ü-Wagen in die Sendeanstalten und der Zuführung von Fernsehprogrammen in die sich damals in Planung befindlichen Kabelnetze

Einsatzgeschichte

Nach seinem Start am 5. Juni 1989 wurde DFS Kopernikus 1 auf 23,5° Ost positioniert. Ab August 1989 nahm er seine Arbeit auf. Obwohl er dafür weder ausgelegt noch geplant wurde, verwendete die Deutsche Bundespost ihn zu dieser Zeit hauptsächlich nicht als Fernmeldesatellit, sondern als Fernsehsatellit. So sollte nach dem Verlust des DBS Fernsehsatelliten TV-SAT 1, das Eindringen des Astra 1A-Satelliten in den Deutschen Fernsehmarkt verhindert werden. Nach dem Start von Kopernikus 2, der auf 28,5° Ost positioniert wurde, übernahm dieser alle noch auf Kopernikus 1 verbliebenen Fernmeldedienste und alle Transponder wurden mit Fernsehprogrammen belegt, was ihre Zahl noch weiter erhöhte. Nach dem Start von Kopernikus 3 löste dieser Kopernikus 1 auf 23,5° Ost ab. Kopernikus 1 wurde auf 33,5° Ost verschoben, wo er als Fernmeldesatellit arbeitete bis er außer Kontrolle geriet.

Nach dem Start des Satelliten Astra 1C und der Aufschaltung von ARD und ZDF auf das Astrasystem befanden sich erstmals mehr deutschsprachige Fernsehprogramme auf diesem als auf Kopernikus 3. In der Folge nahm die Bundespost ihn relativ schnell vom Markt der Fernsehsatelliten. Die Strategie der Post war endgültig gescheitert.

In der Folge wurden nur noch für den durchschnittlichen Satellitenzuschauer unbedeutende Zuspielungen zu Kabelnetzen durchgeführt. Z. B. liefen auf Kopernikus 3 im Sommer 1995 die ersten Sendungen der deutschen Ausgabe des privaten Kinderprogrammes Nickelodeon. Daneben arbeitete der Satellit jetzt wie ursprünglich geplant als Fernmeldesatellit. Im Jahre 2002 vermietete die Deutsche Telekom den Satelliten für seine restliche Lebenszeit an die Griechische Hellas Sat wo er bis zum Ende der Lebenszeit im Jahr 2003 unter dem Namen HellasSat 1 lief.

Die "Aushilfe"

Nach dem Mauerfall entstand rasch ein hoher Bedarf an "innerdeutschen" Telefonverbindungen. Da die Kabel nicht schnell genug ausgebaut werden konnten, wurde der neue Kopernikus 2 zwischenzeitlich als Telefonsatellit eingespannt.

Der Nachfolger

Weil kein deutscher Satellit sie belegte drohte nun Deutschland der Verlust der Orbitalposition 23,5° Ost. Die Telekom war an einem eigenen neuen Satelliten nicht interessiert, obwohl Bedarf für einen Kommunikationssatelliten vorhanden war und ist. Deshalb wurde eine Vereinbarung mit der Astra Betreibergesellschaft SES geschlossen. Diese sieht den Betrieb eines Astrasatelliten auf der deutschen Orbitalposition vor, der die dort Deutschland zugeteilten Frequenzen nutzt. Der Satellit Astra 3A nahm als Nachfolgesatellit von Kopernikus 3 im Jahre 2002 seine Arbeit auf.

Empfangsvoraussetzungen

Die Kopernikussatelliten waren Anfang der 1990er Jahre mit Satellitenschüsseln ab ca. 85 cm Durchmesser in Deutschland empfangbar (während für Astra 1A 60 cm Durchmesser reichten). Anders als für Astra 1A benötigte jedoch der Zuschauer für DFS Kopernikus einen teuren LNB der sowohl den (von ASTRA 1 A ausschließlich genutzten) Frequenzbereich von 10,95–11,7 GHz wie auch den Frequenzbereich von 12,5–12,75 GHz empfangen konnte. Wegen der höheren Kosten und der größeren benötigten Satellitenschüssel konnten sich die Kopernikussatelliten trotz des damals größeren Programmangebotes nicht im Massenmarkt behaupten.

Marktanteile etwa 1990 in Deutschland:

Siehe auch