Heim

Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing (* 22. Januar 1729 in Kamenz (Sachsen); † 15. Februar 1781 in Braunschweig) war der wichtigste deutsche Dichter der Aufklärung. Mit seinen Dramen und seinen theoretischen Schriften hat er die weitere Entwicklung der deutschen Literatur wesentlich beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Kamenz

Geboren als drittes Kind und zweitältesten Sohn des Kamenzer Archidiakons Johann Gottfried Lessing und seiner Frau Justina Salome (geb. Feller), wurde Gotthilf Ephrahim nach den Sitten der damaligen Zeit, am 24. Januar in der Kamenzer St. Marienkirche durch seinen Großvater Gottfried Feller getauft [1]. Lessing wuchs in seinen ersten Lebensjahren in einer befestigten sächsischen Kleinstadt auf, die zu seiner Zeit etwa 2500 Einwohner zählte. Geprägt in einem theologischen Umfeld, wuchs er in einer Familie heran, welche in der lutherischen Orthodoxie verhaftet war.

Von einer weit verzweigten sächsischen Pfarrer- und Juristenfamilie abstammend, wurde er in frühster Jugend von seinem Vater geprägt. Dieser war ein typischer Vertreter der lutherischen Orthodoxie, der durchaus gelehrt, sozial veranlagt, aber in Glaubensfragen patriarchalisch starr und exegetisch streitbar war. Sein Vater war es auch, der Gotthilf Ephraim seine erste Bildung zukommen ließ. Dabei bot vor allem die Bibliothek seines Vaters, für den Sohn eine reichhaltige Ressource seinen kindlichen Wissenshunger zu stillen. Von 1737 bis 1741 besuchte Lessing die Lateinschule seiner Heimatstadt [2].

Hier wirkte der junge Rektor Johann Gottfried Heinitz, der zum Missvergnügen des Camenzer Bürgermeisters und des Vaters von Lessing, im Theater eine Schule der Beredsamkeit sah. Dazu richtete er in der Anstalt eine Schulbühne ein, dichtete ein Schäferspiel, ließ Johann Christoph Gottsched’s sterbenden Cato aufführen, brachte Philippe Destouches und Ludvig Holberg auf die Bühne [3]. Damit dürfte dieser keinen unwesentlichen Einfluss auf den jungen Lessing ausübt haben. So erwarb sich Lessing in seiner Heimatstadt Einsichten und Erfahrungen, die Charakter und Lebensart herausbildeten und nachhaltig prägten.

Weiterer Bildungsweg

Am 22. Juni 1741 wechselt er an die Fürstenschule St. Afra in Meißen , für die er von Familie von Carlowitz ein Stipendium bekommen hatte. Dort erwarb er sich unter dem Rektor Theophilus Grabener die Reife um ein Hochschulstudium beginnen zu können. Lessing entschied sich an der Universität Leipzig ein Studium aufzunehmen und immatrikulierte sich am 20. September 1746, nach dem Wunsch des Vaters, an der Leipziger Hochschule um Theologie zu studieren. 1748 wechselte er zum Medizinstudium und begibt sich am 20. August desselben Jahres zu weiteren Studien an die Universität Wittenberg.[4]. Im November desselben Jahres, zog er nach einer überstandenen Krankheit in die brandenburgische Residenzstadt Berlin. Hier rezensierte er die Berlinerische Privilegierte Zeitung (die spätere Vossische Zeitung), wurde 1750 Mitarbeiter bei den Critischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit und begegnete unter anderem 1750 Voltaire.

Ab 1551 konzentrierte sich Lessing weiter auf sein Studium in Wittenberg. Als Medizinstudent verfolgte er ein Studium an der philosophischen Fakultät. Dort standen ihm die Vorlesungen von Johann Heinrich Martius in Poetik, Martin Hassen in Ethik, von Johann Daniel Ritter in Geschichte, von Georg Wilhelm Kirchmaier in Griechischer Sprache und Literatur, von Karl Gottlob Sperbach in Philosophie, von Georg Friedrich Bärmann, sowie Johann Friedrich Weidler in Mathematik, von Georg Matthias Bose in Physik und von Johann Wilhelm von Berger in Rhetorik zur Verfügung[5]. Als Medizinstudent waren zu seiner Studienzeit Georg August Langguth, Abraham Vater, Daniel Wilhelm Triller und Georg Rudolf Böhmer seine Lehrer [6]. So gebildet absolvierte Lessing am 29. April 1752 die Promotion zum Magister der Sieben Freie Künste.[4]

Als Lessing im November 1752 nach Berlin zurückkehrte, bezog er gemeinsam mit Christian Nicolaus Naumann eine Bleibe, machte Bekanntschaft mit Karl Wilhelm Ramler, Friedrich Nicolai, Ewald Christian von Kleist, Johann Georg Sulzer und schloss Freundschaft mit Moses Mendelssohn. Im Oktober 1755 kehrte er nach Leipzig zurück. Im folgenden Jahr begann er eine auf mehrere Jahre angelegte Bildungsreise durch die Niederlande, England und Frankreich als Begleiter von Johann Gottfried Winkler, die er jedoch wegen des Siebenjährigen Krieges bereits in Amsterdam abbrechen musste. Im selben Jahr begegnete er dann Johann Wilhelm Gleim, Friedrich Gottlieb Klopstock und Conrad Ekhof.

1758 zog Lessing erneut nach Berlin, wo er mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn zusammen die Briefe, die neuste Literatur betreffend veröffentlichte.

Von 1760 bis 1765 war er in Breslau als Sekretär beim General Tauentzien beschäftigt. 1765 kehrte er zurück nach Berlin, um dann 1767 für drei Jahre als Dramaturg und Berater an das Hamburger Nationaltheater zu gehen, welches aber bereits 1769 aus finanziellen Gründen wieder geschlossen wurde. In dem Theater wurde Lessings Stück Minna von Barnhelm aufgeführt. Während seiner Tätigkeit am Hamburger Theater machte er unter anderem Bekanntschaft mit Friedrich Ludwig Schröder, Philipp Emanuel Bach, Johann Melchior Goeze, Johann Friedrich Löwen und den Familien Reimarus und König. Dabei lernte er seine spätere Frau Eva König kennen, deren Mann Engelbert König zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Im selben Jahr wurde er zum auswärtigen Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften gewählt.

In Wolfenbüttel wurde er am 7. Mai 1770 Bibliothekar in der Herzog August Bibliothek. Dort entdeckte er das hochmittelalterliche Werk Schedula diversarum artium des Theophilus Presbyter, das er 1774 unter dem Titel Vom Alter der Ölmalerey aus dem Theophilus Presbyter herausgab.

Am 14. Oktober 1771 wurde Lessing in die Freimaurerloge Zu den drei Rosen in Hamburg aufgenommen, in einer abgewandelten Zeremonie in der Wohnung des Logenmeisters von Rosenberg, und in alle drei Grade eingeführt. Er war zwar bis 1780 Mitglied, besuchte die Loge aber nie wieder. Er schätzte die Freimaurerei hoch, wie an seinem 1778 und 1780 erschienenen Werk Ernst und Falk zu sehen, nicht aber die reale Freimaurerei, wie sie sich damals zeigte.[7]

1771 verlobte er sich mit der 1768 verwitweten Eva König. 1775 wurde seine Arbeit in der Bibliothek unterbrochen durch mehrere Reisen zu Eva Königs jeweiligem Aufenthaltsort, nach Wien über Leipzig, Berlin, Dresden und Prag und einer Audienz bei Kaiser Joseph II. Als Begleiter des Braunschweiger Prinzen Leopold reiste er nach Italien mit Aufenthalten in Mailand, Venedig, Florenz, Genua, Turin, Rom, Neapel und auf Korsika.

Am 8. Oktober 1776 heirateten er und Eva König in Jork bei Hamburg. Am Weihnachtsabend 1777 gebar sie einen Sohn (Traugott), der aber am folgenden Tag starb. Am 10. Januar 1778 starb auch Eva Lessing an Kindbettfieber.

1779 verschlechterte sich Lessings Gesundheitszustand. Am 15. Februar 1781 starb Lessing an Brustwassersucht bei einem Besuch in Braunschweig im Hause des Weinhändlers Angott nach vierzehntägiger Krankheit.

Er wurde auf dem Braunschweiger Magni-Friedhof beigesetzt. 1793 setzte ihm der Braunschweiger Verleger Johann Heinrich Campe einen einfachen Stein mit Lessings Namen und Geburts- und Todestags. Sein Grab galt als verschollen und wurde 1833 von dem Braunschweiger Privatgelehrten und Kunsthistoriker Carl Schiller wieder aufgefunden. „Erst 1874 wurde es nach einem Entwurf von Friedrich Lilly im Atelier des Hofbildhauers Theodor Strümpell ausgeführt, das auf der Vorderseite das Reliefporträt Lessings von Hermann Stümpell jun. zeigt. Gestiftet wurde das Denkmal mit Genehmigung des Herzogs Wilhelm von der Hofttheater-Intendanz.[8]

Wirken

Lessing war ein vielseitig interessierter Dichter, Denker und Kritiker. Als führender Vertreter der deutschen Aufklärung wurde er zum Vordenker für das neue Selbstbewusstsein des Bürgertums. Seine theoretischen und kritischen Schriften zeichnen sich aus durch einen oft witzig-ironischen Stil und treffsichere Polemik. Das Stilmittel des Dialogs kam dabei seiner Intention entgegen, eine Sache stets von mehreren Seiten zu betrachten und auch in den Argumenten seines Gegenübers nach Spuren der Wahrheit zu suchen. Diese erschien ihm dabei nie als etwas Festes, das man besitzen konnte, sondern stets als ein Prozess des sich Annäherns.

Schon früh interessierte er sich für das Theater. In seinen theoretischen und kritischen Schriften zu diesem Thema, wie auch in seinen eigenen Arbeiten als Autor, versuchte er beizutragen zur Entwicklung eines neuen bürgerlichen Theaters in Deutschland. Er wandte sich dabei gegen die herrschende Literaturtheorie Gottscheds und seiner Schüler. Insbesondere kritisierte er die bloße Nachahmung des französischen Vorbilds und plädierte für eine Rückbesinnung auf die klassischen Grundsätze von Aristoteles, insbesondere mit der Einführung der Katharsis in seinen Tragödien (siehe auch: Poetik); sowie für die Anlehnung an die Werke Shakespeares. Lessing war es, der die Shakespeare-Rezeption in Deutschland überhaupt begründete. Er arbeitete mit mehreren Theatergruppen zusammen (z.B. mit Friederike Caroline Neuber).

Seine eigenen Arbeiten erscheinen uns heute wie die Prototypen für das sich später entwickelnde bürgerliche deutsche Drama. Miss Sara Sampson und Emilia Galotti gelten als erste bürgerliche Trauerspiele, Minna von Barnhelm als Vorbild für viele klassische deutsche Lustspiele, Nathan der Weise als erstes weltanschauliches Ideendrama. Seine theoretischen Schriften Laokoon und Hamburgische Dramaturgie setzten Maßstäbe für die Diskussion ästhetischer und literaturtheoretischer Grundsätze.

In seinen religionsphilosophischen Schriften verteidigte er die Gedankenfreiheit des gläubigen Christen. Er argumentierte gegen die Offenbarungsgläubigkeit und das Festhalten am „Buchstaben“ der Bibel durch die herrschende orthodoxe Lehrmeinung. Dem gegenüber vertraute er als Kind der Aufklärung auf ein „Christentum der Vernunft“, das sich am Geist der Religion orientierte. Er glaubte, dass die menschliche Vernunft (angestoßen durch Kritik und Widerspruch) sich auch ohne die Hilfe einer göttlichen Offenbarung entwickeln würde. Um eine öffentliche Diskussion gegen die orthodoxe „Buchstabenhörigkeit“ anzuregen, veröffentlichte er 1774-1778 sieben Fragmente eines Ungenannten, was zum so genannten Fragmentenstreit führte. Sein Hauptgegner in diesem Streit war der Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze, gegen den Lessing unter anderem als Anti-Goeze benannte Schriften von Hermann Samuel Reimarus herausgab.[9]

Außerdem trat er in den zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Vertretern der herrschenden Lehrmeinung, (z.B. in den Anti-Goeze), für Toleranz gegenüber den anderen Weltreligionen ein. Diese Haltung setzte er auch dramatisch um (im Nathan der Weise), als ihm weitere theoretische Veröffentlichungen verboten wurden. In der Schrift Die Erziehung des Menschengeschlechts legte er seine Position zusammenhängend dar.

Der Gedanke der Freiheit (für das Theater gegenüber der Dominanz des französischen Vorbilds; für die Religion vom Dogma der Kirche) zieht sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Leben. Folgerichtig setzte er sich auch für eine Befreiung des aufstrebenden Bürgertums von der Bevormundung durch den Adel ein. In seiner eigenen schriftstellerischen Existenz bemühte er sich ebenfalls stets um Unabhängigkeit. Sein Ideal eines Lebens als freier Schriftsteller ließ sich jedoch nur schwer gegen die ökonomischen Zwänge durchsetzen. So scheiterte in Hamburg das Projekt „Deutsches Museum“, das er 1768 mit Johann Christoph Bode durchzuführen versuchte.

Werke (Auswahl)

Neuere Ausgaben:

Ehrungen

Lessing wurden mehrere Denkmäler gesetzt:[10]

Zu Lessings Ehren wurden unterschiedliche Lessing-Preise gestiftet:

Die nach ihm benannte Lessing-Akademie widmet sich Lessings Werk und der Aufklärungsepoche.

Literatur

Korrektur: Lessing, Gotthold Ephraim. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 45, Leipzig 1900, S. 669.
 Commons: Gotthold Ephraim Lessing – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Gotthold Ephraim Lessing – Zitate
 Wikisource: Gotthold Ephraim Lessing – Quellentexte

Einzelnachweise

  1. Monika Fick: Lessing-Handbuch: Leben-Werk-Wirkung, Metzler Verlag, 2000, ISBN:3476016854 S. 458
  2. Xlibris Gotthold Ephraim Lessing / Biographie vom 29. Juni 2008
  3. Ernst Consentius: Mylius, Christlob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 52, Leipzig 1906, S. 545.
  4. a b Fritz Juntke: Album Academiae Vitebergensis – Jüngere Reihe Teil 3; Halle (Saale), 1966 S. 274
  5. Heinz Kathe: Die Wittenberger Philosophische Fakultät 1501–1817, Böhlau, Köln 2002 ISBN 3412044024 S. 455-470
  6. Walter Friedensburg: Geschichte der Universität Wittenberg. Max Niemeyer, Halle (Saale) 1917 S. 580
  7. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Herbig 2006, ISBN 978-3-7766-2478-6, S. 506-508
  8. Rolf Hagen: Lessing in Braunschweig, S. 639 (siehe Literatur)
  9. siehe auch Artikel Religionskritik
  10. vgl. Hermann Maertens: Die deutschen Bildsäulen-Denkmale des XIX. Jahrhunderts. Stuttgart 1892
  11. vgl. Hartwig Fiege: Hamburger Denkmäler erzählen Geschichte. Hamburg 1980 und Thieme-Becker: Allgemeines Künstler-Lexikon. Band 24, Artikel Schaper, Fritz
Personendaten
Lessing, Gotthold Ephraim
deutscher Dichter der Aufklärung
22. Januar 1729
Kamenz (Freistaat Sachsen)
15. Februar 1781
Braunschweig