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Das Halstuch

Filmdaten
Deutscher Titel: Das Halstuch
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
Erscheinungsjahr: 1962
Länge (PAL-DVD): 217 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Stab
Regie: Hans Quest
Drehbuch: Marianne de Barde
Produktion: Westdeutscher Rundfunk
Musik: Hans Jönsson
Kamera: Bruno Stephan, Karl-Heinz Werner
Schnitt: Alexandra Anatra , Monika Pancke
Besetzung

Das Halstuch ist ein sechsteiliges Fernsehspiel des britischen Autors Francis Durbridge, das der WDR 1961 produzierte und im Januar 1962 erstmals im Deutschen Fernsehen ausstrahlte.

Nachdem die ersten beiden Durbridge-Sechsteiler Der Andere und Es ist soweit bereits erfolgreich waren, stellte diese Produktion alles bisher da gewesene in den Schatten. Sie wurde der größte Straßenfeger des Deutschen Fernsehens und ist inzwischen legendär geworden.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

In dem kleinen Ort Littleshore in der Nähe von London wird eine junge Frau tot aufgefunden, die mit einem Schal erwürgt wurde. Die Ermittlungen übernimmt der ortsansässige Polizei-Inspektor Harry Yates. Die Tote wird von dem reichen Gutsbesitzer Alistair Goodman als Faye Collins identifiziert, der Schwester des gehbehinderten Musikers Edward Collins, der sie am Vorabend zu einem Besuch erwartete. Marian Hastings, die Verlobte Goodmans, behauptet, Faye Collins am Abend vor ihrer Ermordung mit einem ihr unbekannten Herrn gesehen zu haben. Einige Tage später erkennt sie den Mann auf einem Zeitungsfoto wieder. Es handelt sich um den Londoner Verleger Clifton Morris. Gerald Quincey, ein Geigenschüler von Edward Collins, findet in seinem Geigenkasten das Halstuch, mit dem Faye ermordet worden ist. Als Yates Clifton Morris aufsucht und ihm den Schal zeigt, erkennt er ihn als seinen, bestreitet aber, irgendetwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben.

Der Maler John Hopedean sucht Inspektor Yates auf und berichtet von mehreren Drohbriefen, die er nach dem Mord erhalten haben will. Kurze Zeit später erhält Morris einen Anruf des Revuegirls Kim Marshall, das ihm für 18.000 £ einen Brief und eine Tonbandaufnahme verkaufen will, die ihn eindeutig mit Faye Collins in Verbindung bringen und schwer belasten. Inzwischen hat er Kontakt zu der Journalistin Diana Winston aufgenommen, die bereit ist, ihm ein Alibi für den Mordabend zu geben. Am nächsten Abend findet die Polizei in seiner Wohnung die Leiche der erwürgten Diana Winston. Da er zur fraglichen Zeit von der Polizei observiert worden ist, kommt er als Täter nicht in Betracht.

Als Clifton Morris Edward Collins wegen eines Buches aufsucht, das er Faye geliehen hat, wird er von Collins mit einem Revolver bedroht. Als Collins durch das Klingeln des Telefons kurz abgelenkt wird, schlägt der Verleger ihn nieder. Als der Inspektor Kim Marshall im Nachtclub Finale aufsucht, stellt er sie zur Rede. Sie bestreitet, etwas mit der Erpressung zu tun zu haben. Clifton Morris sei ihr neuer Freund, behauptet sie. Yates, der die Sache durchschaut, warnt das Mädchen und erinnert sie daran, was mit Faye Collins und Diana Winston geschehen ist. Erst als Marian Hastings vor ihrem Modesalon angeschossen wird, bekommt sie Angst. Sie gesteht Yates, nur im Auftrag von Marian Hastings Kontakt mit Morris aufgenommen zu haben.

Yates, der Morris endlich zum Sprechen bringen will, lässt sich in dessen Gegenwart von Sergeant Jeffries anrufen und mitteilen, dass Edward Collins an den Folgen eines Handgemenges in seiner Wohnung verstorben sei. Der verzweifelte Morris bittet seinen ehemaligen Studienkollegen Vikar Nigel Matthews, der auch mit Yates befreundet ist, zu sich. Ihm gesteht er seine Verbindung zu Faye Collins, mit deren Ermordung er aber nichts zu tun hat. Als der Vikar erzählt, dass Edward Collins gesund und munter ist, erklärt er sich erleichtert bereit, mit der Polizei zusammen zu arbeiten und geht zum Schein auf die Erpressung ein. Daraufhin taucht Marian Hastings bei ihm auf und verkauft ihm Brief und Tonband. Doch anstatt sich jetzt herauszuhalten, wie es der Inspektor von ihm verlangt hat, verfolgt er Marian Hastings mit seinem Wagen. Als er ihr Auto vor einer verlassenen Scheune entdeckt, betritt er das Gebäude und kann im letzten Moment verhindern, dass der Halstuchmörder Hopedean auch Marian Hastings tötet. Als Hopedean versucht zu fliehen, wird er von der Polizei vor dem Gebäude verhaftet.

Termine der Erstausstrahlung

Der Sechsteiler wurde später in der ARD, den dritten Fernsehprogrammen, Eins Plus und Eins Festival mehrfach wiederholt. Der Film ist auch als Videokassette im Handel erhältlich.

Hintergründe

Das Drehbuch hielt sich ziemlich genau an die Romanvorlage. Allerdings verlegte man die zeitliche Handlung vom Januar in den Juni, da Durbridge die Leiche auf einem beladenen Erntefahrzeug des Gutsbesitzers Alistair Goodman auffinden ließ. Das passte nicht in den Januar. Im Unterschied zur Serie wird am Anfang des Romans über die Erkrankung und Genesung von Edward Collins berichtet, der unter einer schweren Form der Kinderlähmung litt.

Aus Kostengründen fanden die Außenaufnahmen für die Serie nicht in England statt. Deshalb wurde sehr lange nach einem passenden Drehort in der Bundesrepublik gesucht, der möglichst stilecht sein sollte. Schließlich wurde man im nordrhein-westfälischen Remscheid fündig, das nun als Kulisse für den fiktiven Ort Littleshore diente.

Der Film wurde in sechs Teilen gesendet, die zwischen 35 und 40 Minuten lang waren. Die Folgen 1-5 endeten mit einem Cliffhanger, also einer spannenden oder überraschenden Szene. So entdeckt am Ende der ersten Folge Gerald Quincey in seinem Geigenkasten das Halstuch, mit dem Faye Collins ermordet wurde. Die zweite Episode endet damit, dass der Gutsbesitzer Goodman bei Yates ein Feuerzeug abgibt, das Morris gehört und in der Nähe des Tatortes gefunden wurde. Am Ende des dritten Teils kehrt Clifton Morris in seine Wohnung zurück und findet die Polizei vor, die dort kurz zuvor die Leiche der Journalistin Diana Winston entdeckt hat. Als Kim Marshall ihre Garderobe im Finale betritt und dort von Inspektor Yates mit den Worten „Hallo Liebling“ begrüßt wird, endet der vierte Teil. In der vorletzten Folge klingelt es in der Wohnung von Clifton Morris. Als er die Tür öffnet, steht Vikar Nigel Matthews vor ihm und begrüßt ihn mit den Worten: „ 'Abend Terry, ich glaube, du erwartest mich.

Für die musikalische Untermalung war der Komponist Hans Jönsson zuständig, von dem auch die Musik zu den Paul-Temple-Hörspielen stammte. Viele der verwendeten Motivate hat er schon in Paul Temple und der Fall Lawrence eingesetzt.

Auswirkungen

Die Bundesrepublik Deutschland befand sich im Januar 1962 regelrecht im Ausnahmezustand, die Frage nach der Identität des Halstuchmörders beschäftigte die ganze Nation. Theater, Kinos, Volkshochschulen und andere öffentlichen Einrichtungen blieben an den sechs Sendeabenden praktisch leer, auch Wahlkampfveranstaltungen der politischen Parteien fanden kein Interesse. Sogar die Nachtschichten in vielen Fabriken mussten ausfallen. Wer damals noch kein Gerät hatte, besuchte entsprechend ausgestattete Nachbarn, Freunde oder Verwandte bzw. suchte eine Kneipe mit Fernsehgerät auf. Die menschenleeren Straßen führten zur Prägung des Begriffes Straßenfeger für eine besonders erfolgreiche Produktion.

Die Zuschauerbeteiligung lag bei 89%. Das 2. Programm, ein Vorläufer der späteren Dritten Fernsehprogramme, fand nur wenige Zuschauer. Der Programmbeirat des Fernsehens urteilte zur Situation: Das deutsche Kulturleben ist zum Erliegen gebracht worden, und die Fernsehzeitung Funk Uhr schrieb ein Jahr später: „Ein Spiel beherrschte die Schlagzeilen der größten Zeitungen" (Ausgabe 2/1963).

Am 15. Januar 1962, zwei Tage vor Ausstrahlung der letzten Halstuch-Folge, veröffentlichte der Berliner Kabarettist Wolfgang Neuss in einer Zeitungsannonce für seinen Kinofilm Genosse Münchhausen den Namen des Halstuchmörders, um so mehr Zuschauer in die Kinos zu locken. Das löste einen regelrechten Skandal aus. Neuss erhielt Morddrohungen, und die Bild-Zeitung bezeichnete ihn in einem Artikel als Vaterlandsverräter. Später gab Neuss an, den Mörder lediglich richtig erraten zu haben.

Weitere Verfilmungen

Die Durbridge-Vorlage wurde auch in anderen Ländern für das Fernsehen umgesetzt, erstmals 1959 unter dem Titel The Scarf für die BBC in England, ebenfalls 1962 unter dem Titel Halsduken für das schwedische Fernsehen und 1963 unter dem Titel La Scarpia für das italienische Fernsehen und wurde damit genauso oft verfilmt wie der Roman Melissa von Durbridge.

Siehe auch

Für weitere Informationen zu Filmen und Hörspielen, die nach Vorlagen von Francis Durbridge entstanden sind, siehe:

Medien