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Zwiesel

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Zwiesel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 49° 1′ N, 13° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Regen
Höhe: 580–750 m ü. NN
Fläche: 41,14 km²
Einwohner: 10.070 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 245 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94227 (alt: 8372)
Vorwahl: 09922
Kfz-Kennzeichen: REG
Gemeindeschlüssel: 09 2 76 148
Stadtgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Stadtplatz 27
94277 Zwiesel
Webpräsenz:
www.zwiesel.de
Bürgermeister: Robert Zettner (CSU)

Zwiesel ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Regen und seit 1972 staatlich anerkannter Luftkurort. Der Name der Stadt wurde vom bajuwarischen Wortstamm zwisl abgeleitet, der die Form einer Gabelung bezeichnet. Die Gabelung der beiden Flüsse Großer Regen und Kleiner Regen und das dazwischenliegende Land nannte man Zwiesel.

Die Stadt im Bayerischen Wald ist bekannt für die Glasindustrie (Zwiesel Kristallglas AG), Kristallmanufakturen (Theresienthal) und die Glasfachschule. Zwiesel nennt sich aus diesem Grund auch „die Glasstadt“. In dem Ort befinden sich noch zahlreiche weitere Glasherstellungs- und Glasveredelungsbetriebe.

Der Wahlspruch der Stadt lautet: „Fein Glas, gut Holz sind Zwiesels Stolz“.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Zwiesel liegt am Zusammenfluss des Großen und Kleinen Regen zum Schwarzen Regen in einem weitläufigen, sonnigen Talkessel am Fuß der Waldberge des Hinteren Bayerischen Waldes (Großer Arber, 1.456 m; Großer Falkenstein, 1.315 m; Kiesruck, 1.265 m) etwa 10 km nordöstlich der Kreisstadt Regen, 35 km von Deggendorf, 30 km von Grafenau sowie 15 km vom Grenzübergang zu Tschechien in Bayerisch Eisenstein entfernt. Zwiesel verfügt neben der Straßenanbindung über die B 11 auch über einen bedeutenden Knotenbahnhof der Bayerischen Waldbahn mit Verbindungen im Stundentakt nach Plattling, Bayerisch Eisenstein und Bodenmais sowie im Zwei-Stundentakt nach Grafenau.


Mineralogie:

Zwiesel verfügt über mannigfaltige mineralogische Aufschlüsse, die mit ihrem Quarzreichtum vor allem den Glas verarbeitenden Betrieben zu Gute kamen. Die bekannteste dieser Abbbaustätten ist wohl der Quarzbruch am Hennenkobel (Hühnerkobel), wo viele seltene und begehrte Mineralien zu Tage getreten sind. Das dort vorkommende Mineral "Zwieselit" (engl.: Zwieselite) wurde nach der Glasstadt benannt.

Stadtgliederung

Neben dem Stadtzentrum gibt es folgende Ortsteile:

Geschichte

Die ersten Siedler waren der Sage nach Goldwäscher. Erstmals wird Zwiesel 1255 als Dorf mit einer hölzernen Kapelle erwähnt. 1280 ist der Ort ein wichtiger Umschlagplatz nach Böhmen. Ab 1313 wird Zwiesel bereits als Markt erwähnt, dem am 11. September 1560 von Herzog Albrecht V. von Bayern das heute noch aktuelle Wappen verliehen wurde.

Die Entwicklung Zwiesels wurde immer wieder von Brandkatastrophen, Kriegen und Seuchen behindert. So wurde der Ort 1431 von den Hussiten und 1633 von den Schweden eingeäschert. 1741 fielen die Panduren ein und 1809 gab es eine große Schlacht am „Landwehrbergl“ mit einer Horde böhmischer Plünderer.

Doch wurde der Markt immer wieder neu aufgebaut. 1767 wurde die Bergkirche errichtet und 1838 das jetzige Rathaus erbaut. In den Jahren 1891 bis 1896 wurde die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus erbaut. 1904 wurde Zwiesel zur Stadt erhoben und stieg rasch zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Mittleren Bayerischen Waldes auf. Von Beginn an waren Glas und Holz die bestimmenden Faktoren in der weiteren Entwicklung. Die Glasindustrie im Zwieseler Winkel geht bis ins 15. Jahrhundert (Rabenstein 1421) zurück. 1836 wurde die Krystallglasfabrik Theresienthal gegründet und 1872 begann der Glasmeister Anton Müller den Bau der Glashütte „Annathal“, der späteren Schott-Werke, die nun als Zwiesel Kristallglas AG firmieren und der größte Kelchglasproduzent Deutschlands sind. 1904 wurde die Glasfachschule gegründet, die in der Folge zum Staatlichen Bildungszentrum für Glas avanciert ist.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges, am 20. April 1945 mittags um 12 Uhr, wurden bei einem Bombenangriff auf die Eisenbahnbrücken mehrere Häuser zerstört, 15 Zivilisten kamen dabei ums Leben. Am 22. April wurde Zwiesel ohne weiteres Blutvergießen an die Amerikaner übergeben.

Am 13. August 1994 zog ein 310 Meter langer Gespannszug, bestehend aus 158 Kaltblutpferden vor mehreren Zehntausend Zuschauern von Lindberg nach Zwiesel. Dieser Weltrekord im Mehrspännigfahren wurde 1995 in das Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.

Ein herausragendes Ereignis in der jüngsten Geschichte der Stadt war die Bayerische Landesausstellung "Bayern–Böhmen: 1.500 Jahre Nachbarschaft", die in der Zeit vom 25. Mai bis 14. Oktober 2007 über 86.000 Besucher nach Zwiesel lockte. Rund ein Viertel der Besucher kamen aus der benachbarten Tschechischen Republik.

Religionen

Bereits im Jahre 1356 hatte der Ort einen eigenen Seelsorger, der als Vikar dem Pfarrer von Regen unterstand. 1558 wurde die Expositur Zwiesel zur Pfarrei erhoben.
Nach dem bayerischen Religionsedikt des Kurfürsten Maximilian 1803 ließen sich in Zwiesel evangelische Christen nieder. 1885 wurde der Evangelische Verein Zwiesel gegründet, der erreichte, dass Zwiesel 1889 Sitz einer Reisepredigerstelle wurde. Am 29. Mai 1895 konnte die neugotische Kirche in der Bahnhofstraße (heute Dr.-Schott-Straße) eingeweiht werden. 1922 erfolgte die Erhebung zur Pfarrei.


Politik

Stadtrat

Der Stadtrat von Zwiesel setzt sich seit der Kommunalwahl am 2. März 2008 wie folgt zusammen (Wahlergebnis in Klammern)


Bürgermeister

Erster Bürgermeister von Zwiesel ist seit 1.November 1999 Robert Zettner (CSU).


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Museen

Kino

Am 23. März 1898 wurde durch ein Wanderkino im Saal des Gasthauses Janka erstmals in Zwiesel ein Filmprogramm vorgeführt, das aus fünf Kurzfilmen bestand. Ab 27. Oktober 1917 wurden im Pfeffersaal regelmäßig Filme gezeigt. Am 29. April 1923 wurde in der Hafnerstadt das erste stationäre Kino in Zwiesel eröffnet, am 8. Dezember 1950 folgte nach 16-monatiger Bauzeit das neue Filmtheater.

Tourismus

Ein wichtiges wirtschaftliches Standbein Zwiesels ist der Tourismus. Zwiesel liegt an der Glasstraße. Diese 270 Kilometer lange touristische Route führt von Neustadt an der Waldnaab bis nach Passau und wurde 1997 vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet. In vielen Orten der Route – so auch in Zwiesel – kann man den Glasmachern bei ihrer Arbeit zusehen und auch selbst sein Talent unter Beweis stellen.

In Zwiesel gibt es ca. 3.800 Gästebetten in allen Kategorien und zwei Campingplätze. Das „Zwieseler Erlebnisbad“ bietet neben einem 25 m Schwimmbecken, einem Außenbecken mit Strömungskanal auch Wohlfühl-Einrichtungen (Warmwassermassage, Kneipptretbecken etc.), sowie ein Dampfbad und anderes. Mit der Bayerwald-Sauna - gleich neben dem "Zwieseler Erlebnisbad" - steht ein weiteres Wellness-Angebot zur Verfügung.

Wintersport

Die Wintersportregion Zwiesel ist eines der größten Skigebiete des Bayerischen Waldes. Aufgrund der Höhenlage (bis 1.456 m am Großen Arber) ist ab Anfang Dezember bis zum Frühjahr mit ausgezeichneten Schnee- und Pistenverhältnisse für Carver, Langläufer und Boarder zu rechnen. Die Skigebiete sind mit Seilbahnen und Liften erschlossen. Über 150 km umfasst das Loipennetz um Zwiesel, von Anfängerloipen am Skistadion bis zur anspruchsvollen Loipe am Kaisersteig. Durch Zwiesel verläuft die insgesamt 180 km lange Bayerwald-Loipe, eine für sportliche Langläufer besonders interessante Strecke.

Der Arber wurde vom Deutschen Skiverband als fester Bestandteil in den alpinen Ski-Weltcup-Kalender aufgenommen. Im Wechsel mit einem Ort aus dem Allgäu werden ab dem Winter 2006/2007 im Zwei-Jahres-Rhythmus Weltcup-Rennen am Arber stattfinden − und zwar Slalom und Riesenslalom der Damen. Die letzten Weltcup-Rennen der Damen am Arber wurden am 10./11. März 2007 von über 10.000 Zuschauern besucht.

Weitere touristische Angebote sind Wanderungen auf präparierten Winterwegen, Pferdeschlittenfahrten durch den verschneiten Nationalpark sowie Schneeschuhlaufen und Fackeltouren.

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Glasherstellung: Ungefähr 2000 Menschen verdienen durch die Herstellung von Glas ihren Lebensunterhalt. Das wichtigste Glasunternehmen ist die Zwiesel Kristallglas AG. Mehr als 15 Bläsereien, Studios und Malereien befinden sich aktuell in Zwiesel.

Verkehr

Der Zwieseler Bahnhof – auch Zwieseler Spinne genannt – stellt den wichtigsten Bahnknotenpunkt im Bayerischen Wald dar. Er liegt an der Bayerischen Waldbahn Plattling-Bayerisch Eisenstein, und ist Ausgangspunkt der Kursbuchstrecken 906 nach Grafenau und 907 nach Bodenmais.

Zwiesel ist in das Bussystem der RBO integriert. Daneben existiert Buslinien zu den touristischen Gegenden rund um Zwiesel, der Falkenstein-Bus und der Stadtbus.

Zwiesel liegt an der Bundesstraße 11. Vor dem Bau einer Umgehungsstraße führte diese bis Mitte der 80er Jahre durch den Ort.

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

Partnerstädte

Brake (Unterweser) seit 05. Mai 2006

Literatur

 Commons: Zwiesel – Bilder, Videos und Audiodateien