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Isa ibn Maryam

Isa ibn Maryam arabisch عيسى بن مريم‎, DMG ʿĪsā b. Maryam, „Jesus der Sohn der Maria“ – heißt Jesus von Nazaret im Koran, der Heiligen Schrift des Islam. Dort ist er der vierte von den fünf bedeutenden Propheten neben Adam, Ibrahim, Musa und Mohammed. Dieser ist für den Koran der letzte Prophet Allahs.

Die Darstellung Isas im Koran zeigt Gemeinsamkeiten, aber auch wesentliche Unterschiede zum Jesus Christus im Neuen Testament (NT): Isa wird als Masih („Gesalbter“, Messias), Rasul („Gesandter“), Nabi („Prophet“) und Wort Gottes, nicht aber als Sohn Gottes bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Jesus im Koran

Nach Sure 2:87 ist Jesus Sohn der Maria. Er ist das Ergebnis eines schöpferischen Akts Gottes, entstanden durch das Wort „sei!“ (3:47). Darin „ist er vor Gott gleich wie Adam“ (3:59). Die Geburt Jesu ohne einen biologischen Vater, seine jungfräuliche Geburt, ist auch aus islamischer Sicht ein Wunder. Maria wurde durch Gottes Macht schwanger. Der Heilige Geist (der im Koran oft als Erzengel Gabriel erscheint) brachte Maria diese Botschaft:

Da nahm sie sich einen Vorhang (um sich) vor ihnen (zu verbergen). Und wir sandten unseren Geist zu ihr. Der stellte sich ihr dar als ein wohlgestalteter Mensch. Sie sagte: 'Ich suche beim Erbarmer Zuflucht vor dir. (Weiche von mir) wenn du gottesfürchtig bist!' Er sagte: '(Du brauchst keine Angst vor mir zu haben.) Ich bin doch der Gesandte deines Herrn. (Ich bin von ihm zu dir geschickt) um dir einen lauteren Jungen zu schenken.' Sie sagte: 'Wie sollte ich einen Jungen bekommen, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Hure bin?' Er sagte: 'So (ist es, wie dir verkündet wurde). Dein Herr sagt: Es fällt mir leicht (dies zu bewerkstelligen). Und (wir schenken ihn dir) damit wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen, und weil wir (den Menschen) Barmherzigkeit erweisen wollen. Es ist eine beschlossene Sache.' (Koran 19:17-21)

Jesus ist im Koran das „Wort Gottes“ (kalimatuhu), „das Gott Maria entboten hat, und ein Geist von ihm“ (4:171). Jesus ist der Masih (4:71). Dieser Titel erscheint auch in Sure 3:45:

(Damals) als die Engel sagten: 'Maria! Gott verkündet dir ein Wort von sich, dessen Name Jesus Christus, der Sohn der Maria, ist! Er wird im Diesseits und im Jenseits angesehen sein, einer von denen, die (Gott) nahestehen.'

Jesus ist der Gesandte Gottes (rasul allah, 4:157) und ein Prophet (nabi 19:30). Er hat eine eigene Schrift empfangen (5:46), das Evangelium (Indschil) (57:27). Er konnte bereits in der Wiege sprechen (3:46) und Vögeln aus Ton Leben einhauchen, Blinde und Aussätzige heilen und Tote erwecken (5:110). Jesus ist das „Wort der Wahrheit“ (qaul al-haqq, 19:34). Er brachte „klare Beweise“ (43:63). Gott stärkte Jesus mit dem „heiligen Geist“ (al-ruh al-qudus) und lehrte ihn die „Schrift, die Weisheit, die Thora und das Evangelium“ (5:110). Er ist ein Diener Gottes, dem besondere Gnade erwiesen wurde, und ein „Beispiel für die Kinder Israel“ (43.59).

Zur Kreuzigung heißt es in Sure 4:157:

und (weil sie) sagten: 'Wir haben Christus Jesus, den Sohn der Maria und Gesandten Gottes getötet.' - Aber sie haben ihn (in Wirklichkeit) nicht getötet und (auch) nicht gekreuzigt. Vielmehr erschien ihnen (ein anderer) ähnlich, so dass sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten. Und diejenigen, die über ihn (oder darüber) uneins sind, sind im Zweifel über ihn (oder: darüber). Sie haben kein Wissen über ihn (oder: darüber), gehen vielmehr Vermutungen nach. Und sie haben ihn nicht mit Gewissheit getötet (d.h. sie können nicht mit Gewissheit sagen, daß sie ihn getötet haben). Nein, Gott hat ihn zu sich erhoben.

Von der christlichen Trinitätslehre grenzen sich folgende Textbelege ab: Er ist Gott, ein Einziger (Sure 112:1). Er hat weder gezeugt, noch ist er gezeugt worden (112:3). Jesus, Sohn der Maria! Hast du (etwa) zu den Leuten gesagt: 'Nehmt euch außer Gott mich und meine Mutter zu Göttern!'? (5:116). Jemandem, der Jesus und Maria als Gott verehrt, ist der „Eingang in das Paradies versagt. Das Höllenfeuer wird ihn (dereinst) aufnehmen“ (Sure 5:72).

Diese Auffassung stimmt mit dem Standpunkt von christlichen Antitrinitariern überein. Jesus ist im Koran keinesfalls ein Teil Gottes und nicht mit ihm vergleichbar (siehe Tauhid).

Jesus in außerkoranischen Quellen

Nach Darstellung in der Prophetenbiographie von Ibn Ishaq trifft Mohammed bei seiner Himmelsreise Jesus im zweiten Himmel: Sodann brachte er mich hinauf in den zweiten Himmel, und siehe, da waren die beiden Vettern Jesus, der Sohn der Maria und Johannes, der Sohn des Zacharias. [1] Die Hadith hat es mehr als die Sira verstanden, Mohammeds Himmelfahrt (al-Isra) mit weiteren Einzelheiten auszustatten. al-Buchari überliefert in seiner Hadithsammlung al-Kutub as-sitta diese Begegnung wie folgt: Da sagte man: 'Er sei willkommen, und wohl seiner Ankunft!' Da machte er auf, und als ich eintrat, waren Johannes und Jesus, die beiden Vettern, da und (Gabriel) sagte: ' Das sind Johannes und Jesus, grüße sie' Da grüßte ich sie, und sie erwiderten den Gruß und sagten darauf: 'Willkommen sei der rechtschaffene Bruder und der rechtschaffene Prophet[2]

Jesu Zweite Ankunft

Besonders in der islamischen Endzeitlehre spielt Jesus eine große Rolle. Ähnlich wie die Evangelien künden auch der Koran und die Sunna die Rückkehr Jesu als Heilsbringer an. Mit seiner Wiederankunft wird der große Krieg beendet, und folgt eine Zeit der absoluten Glückseligkeit, die mit der christlichen Vorstellung des Millenniums zu vergleichen ist. Die drei Buchreligionen werden vereinigt werden.

Christus ist auch derjenige, der in der Endzeit den Antichrist, oder 'Masih al-Dajjal' (den falschen Messias), besiegen wird. Gemeinsam mit dem Mahdi, einer weiteren islamischen Endzeitgestalt, wird er die Welt bis kurz vor ihrem Untergang regieren, bis er dann schließlich eines natürlichen Todes stirbt. Zu dieser Zeit treten all die Zeichen ein, die unmittelbar vor dem Ende der Welt eintreten sollten. Dazu zählen zum Beispiel das Erscheinen von Gog und Magog und das Auftreten einer tierähnlichen, sprechenden Kreatur, die die Menschen zur Anbetung Gottes ermahnt. Wenn schließlich die Sonne im Westen aufgeht statt im Osten steht das Weltgericht kurz bevor. Mit diesem großen Zeichen hören die Engel auf, die guten und schlechten Taten der Menschen niederzuschreiben, weil dann der eindeutige Beweis gekommen ist, dass der Islam die Wahrheit ist. Schließlich werden die Seelen der Gläubigen durch einen leichten Windhauch aus deren Körpern geholt, diejenigen jedoch, die auch zu dieser Zeit die Gnade Gottes verleugnen, bleiben bis zur Zerstörung der Welt am Leben. Die Rückkehr Jesu wird vor allem in der eschatologischen Hadithliteratur beschrieben.

Sonstiges

Nach dem Glauben der Ahmadiyya-Religionsgemeinschaft ist Isa nach Indien ausgewandert und in Kaschmir gestorben.

Bei den Sufis wird Isa besonders als der Prophet der Liebe verehrt, weshalb man auch manchmal sagt, dass er der Prophet der Sufis sei.

Siehe auch

Einzelbelege

  1. Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten. Kandern 2004, S. 87
  2. Joseph Schacht: Der Islam mit Ausschluss des Qorʾāns. In: Alfred Bertholet (Hrsg.): Religionsgeschichtliches Lesebuch. Heft 16 (Zweite Auflage), Tübingen 1931, S.5

Literatur