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Nantes

Nantes
Staat Frankreich
Region Pays de la Loire (Präfektur)
Département Loire-Atlantique
Arrondissement Nantes
Kanton Chef-lieu von 11 Kantonen
Geographische Lage 47° 13′ N, 1° 33′ WKoordinaten: 47° 13′ N, 1° 33′ W
Höhe 8 m
(2 m–52 m)
Fläche 65,19 km²
Einwohner
– mit Hauptwohnsitz
– Unité urbaine
– Bevölkerungsdichte
– Unité urbaine
(2005)
289.600 Einwohner
544.932 Einwohner
4442 Einw./km²
1.146 Einw./km²
Postleitzahl 44000, 44100, 44200 und 44300
INSEE-Code 44109
UN/LOCODE FR NTE
Website Stadt Nantes

Nantes [nɑ̃t] (bretonisch: Naoned, lateinisch: Portus Namnetus) ist eine Großstadt im Westen Frankreichs, Präfektur im Département Loire-Atlantique und Hauptort der Region Pays de la Loire.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Klimadiagramm von Nantes

Mit 289.600 Einwohnern rangiert Nantes in der Reihe der größten Städte Frankreichs auf Platz sechs (Stand: 2005). Die Einwohnerzahl der Agglomeration beträgt rund 550.000. Bei Nantes mündet die Erdre in die Loire. Die Stadt befindet sich etwa 55 Kilometer östlich des Atlantiks und liegt zum größten Teil am Nordufer der Loire. Die klimatischen Bedingungen von Nantes werden durch die Nähe zum Atlantik bestimmt. Der Winter ist mild und feucht, die Sommer warm und nicht zu trocken. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 11,9 °C.

Geschichte

Altertum und Völkerwanderung

Zwischen 900 und 600 v. Chr. sind bereits Siedlungsreste am Ufer der Loire nachgewiesen. Gegen 500 v. Chr. siedelten in der Region um das heutige Nantes Kelten. Im Gallischen Krieg wurde das Gebiet 56 v. Chr. der römischen Herrschaft unter Caesar unterworfen. Im Jahr 50 v. Chr. wurde auf dem Gebiet der heutigen Stadt Nantes die römische Hafenstadt Portus Namnetus gegründet. Im dritten Jahrhundert traten die Bewohner zum Christentum über. Etwa zeitgleich fielen ab 285 die Sachsen in die Region ein.

Im 5. und 6. Jahrhundert kamen angeblich Bretonen von den Britischen Inseln, die schriftlichen und archäologischen Belege für solche Ansiedlungen sind jedoch denkbar gering. 843 ist die erste Brandschatzung durch die Normannen überliefert.

Mittelalter bis zur Neuzeit

1066 unterwarf sich der Graf von Nantes dem Herzogtum der Bretagne. Im Jahr 1154 wurde Nantes an Heinrich II. übergeben, der im gleichen Jahr den englischen Thron bestieg.

1460 wurde in Nantes die Universität gegründet. Nach dem Tod der Anne de Bretagne (1477-1514) wurde die Bretagne dem französischen Stammland angegliedert.

Mit dem Edikt von Nantes (Toleranzedikt), von Heinrich IV. am 13. April 1598 verabschiedet, wurde die jahrzehntelange Unterdrückung und Verfolgung der Hugenotten durch die katholische Kirche und den französischen Staat beendet. Diese hatte ihren Höhepunkt 1572 in der sogenannten Bartholomäusnacht. Das Edikt von Nantes, das den französischen Calvinisten freie Religionsausübung zugestand, wurde jedoch im Jahr 1685 von Ludwig XIV. widerrufen (Edikt von Fontainebleau).

Aufgrund seiner günstigen Lage an der Loire-Mündung, erlebte die Stadt im 18. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde zur bedeutendsten Hafenstadt Frankreichs. Dies verdankte sie vor allem dem florierenden Sklavenhandel.

Das Gebiet des Vendee-Aufstandes, der sich gegen eine Radikalisierung der Französischen Revolution und gegen die Terrorherrschaft wandte, umfasste auch die Gegend um Nantes. Der Vendee-Aufstandes wurde von den Truppen der Französischen Revolution blutig niedergeschlagen. Auch nach bereits erfolgter Niederschlagung des Aufstandes ließ die Pariser Regierung noch weitehin ihre plündernden und brandschatzenden „höllischen Kolonnen“ auch an der Zivilbevölkerung Vergeltung üben und den Landstrich verwüsten. Die Vertreter der Pariser Revolutionsregierung ließen in Nantes angeblich 16.000 Bürger hinrichten.

1826 wurde in Nantes die erste öffentliche Omnibuslinie der Welt eingeweiht.

Nantes im Zweiten Weltkrieg

1940 erfolgte im Zuge des deutschen Frankreichfeldzugs die Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen. Am 20. Oktober 1941 wurde der deutsche Stadtkommandant Oberstleutnant Fritz Hotz von der Résistance getötet. Aus Rache wurden 50 Geiseln hingerichtet (die Hauptverkehrsstraße Cours des 50 Otages erinnert an diese Tragödie). Bis Juni 1941 war Nantes Hauptstadt der Bretagne, dann wurde die Stadt durch die Vichy-Regierung von der Region abgetrennt. Zwischen dem 16. und dem 23. September 1943 wurde Nantes durch alliierte Luftangriffe stark getroffen. Infolge der Landung der Alliierten in der Normandie wurde die Stadt am 12. August 1944 von den deutschen Besatzungstruppen geräumt.

Gegenwart

1962 wurde die Universität von Nantes wieder eröffnet. Der Niedergang der Werftenindustrie Ende der 80er-Jahre stürzte Nantes in eine tiefe Krise. Die Folge waren hohe Arbeitslosigkeit und sozialer wie kultureller Zerfall (höchste Alkoholikerquote Frankreichs). Die TGV-Verbindung mit Paris und eine starke Auslagerung der nationalen Verwaltung von Paris in die Provinz bedeuteten den Anfang für den Wiederaufstieg Nantes. Auch die Wiedereinführung der Straßenbahn (Tram) und die Organisation zahlreicher kultureller Festivitäten (Festival de l´Erdre, Royal de Luxe) trugen zum erneuten Aufstieg der Atlantik-Metropole bei. Die Konkurrenten Rennes und Angers hat Nantes bereits weit hinter sich gelassen, der neue Maßstab heißt jetzt Bordeaux. Gegenwärtig gibt es Bestrebungen, die Region neu zu formen und zu vereinen, um die kulturellen Gemeinsamkeiten stärker ins Licht zu stellen. Die letzte inoffizielle Volksabstimmung im Jahre 2003 wies eindeutig in diese Richtung. Oberbürgermeister von Nantes ist derzeit Jean-Marc Ayrault, zugleich Abgeordneter in der Nationalversammlung.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1750 57.000
1954 222.800
1962 246.200
1968 260.244
20. Februar 1975 256.693
4. März 1982 247.227
5. März 1990 244.995
8. März 1999 277.728
2005 280.600

Wirtschaft und Verkehr

Die Bedeutung von Nantes als Seehafen nahm mit zunehmender Größe der Schiffe immer weiter ab. Der Hafen besitzt heute keinerlei Bedeutung mehr, die großen Frachter löschen heute ihre Waren 50 Kilometer westlich von Nantes in St. Nazaire ab. Im 19. Jahrhundert wurde der schiffbare Canal de Nantes à Brest errichtet, der heute hauptsächlich von Sport- und Hausbooten touristisch genutzt wird.

Wichtige Industriezweige sind die Eisen-, Glas-, Textil-, Zuckerindustrie und die Lebensmittelindustrie, beispielsweise wurde hier 1891 Saupiquet gegründet. Zahlreiche Feingebäck-Firmen von internationalem Renommee hatten ihre Gründung in Nantes: BN (biscuit nantais) und LU (Lefèvre Utile) sind nur einige Beispiele. Am südlichen Stadtrand von Nantes befindet sich ein Airbuswerk mit ca. 10.000 Beschäftigten.

Der Großraum Nantes besitzt ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz. Es wird von der Semitan' (=Société d'économie mixte des transports en commun de l'agglomération nantaise) betrieben. Hauptverkehrsmittel sind:

  • 3 Straßenbahnlinien (Gesamtlänge 40 km; Eröffnung der ersten Linie: 1985),
  • 70 Buslinien.

Seit November 2006 fährt auch die Linie 4 (der sog. Busway). Das ist eine Buslinie, die konsequent auf eigenen Fahrbahnen geführt wird und auch an den Kreuzungen absoluten Vorrang hat.

Nantes hatte bereits seit 1885 eine Straßenbahn. Die Fahrzeuge wurden zunächst mit Druckluft betrieben. 1913 wurden die Strecken elektrifiziert. Die Einstellung des Betriebs erfolgte Anfang des Jahres 1958.

Der Flughafen Nantes Atlantique im Südwesten der Stadt ist gut ausgelastet, weshalb ein Neubau im Norden der Stadt in Planung ist.

Von Paris aus ist Nantes in gut zwei Stunden per TGV erreichbar.

Kultur

Bildung

In Nantes studieren etwa 54.000 Studenten, größtenteils an der Universität Nantes (etwa 36.000). Daneben gibt es aber auch zahlreiche private Hochschulen.

Medien

Die meistgelesene regionale Tageszeitung ist die Ouest France, die allerdings in Rennes erscheint. Neben weiteren Zeitungen und Magazinen strahlen zwei Fernsehsender und eine Vielzahl von Radiostationen von Nantes aus.

Sport

Die wichtigste Sportmannschaft in Nantes ist die Fußballmannschaft FC Nantes Atlantique, die schon mehrmals, zuletzt in 2001 die französische Meisterschaft gewinnen konnte.

    • Hermine de Nantes Atlantique (Basket-ball)
    • Nantes Atlantique Baseball (Baseball)
    • ASPTT Nantes Football (Fußball)
    • La Nantaise (Gymnastik)
    • HBC Nantes (Handball)
    • Centre Subaquatique nantais (Hockey)
    • Les Corsaires (Hockey)
    • Stade Nantais Université Club (Rugby)
    • Saint-Joseph Volley Nantes Atlantique (Volleyball)
    • Stade Nantais Athlétique Club (Leichtathletik)
    • Racing Club Nantais (Leichtathletik)


Musik

Seit 1971 besteht das Orchestre national des Pays de la Loire, ein professionelles Symphonieorchester, das je zur Hälfte in Nantes und Angers spielt. Ebenfalls mit Angers teilt sich Nantes eine Oper, die im Theater Graslin spielt.

Museen

Nantes verfügt über mehrere bedeutende Museen, darunter das Musée des Beaux Arts, ein Jules Verne Museum, das Musée Dobrée und ein Naturkundemuseum.

Sehenswürdigkeiten

Bedeutende Sehenswürdigkeiten sind das Grafenschloss Château des ducs de Bretagne, das nach 15 Jahren Restauration Anfang 2007 seine Tore geöffnet hat, die Kathedrale Saint-Pierre sowie eine Vielzahl weiterer Kirchen, Parks und Einkaufsstraßen wie z.B la rue Crébillon und le passage Pommeraye.

Ereignisse

Ende Januar bis Anfang Februar findet das klassische Musikfestival La Folle Journée statt, das viele internationale Gäste anzieht. Am ersten Septemberwochende findet jährlich ein großes Jazzfestival am Ufer der Erdre statt.

Söhne und Töchter der Stadt

Städtepartnerschaften

 Commons: Nantes – Bilder, Videos und Audiodateien

Galerie