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Hans Humann

Hans Humann (* 1878 in Smyrna, † Oktober 1933[1]) war ein deutscher Offizier, Diplomat (Marineattaché) und Geschäftsmann. Humann wurde bekannt als einer der wichtigsten Vertreter des kaiserlichen Deutschlands im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs sowie als Verleger der vielgelesenen Deutschen Allgemeinen Zeitung in den 1920er Jahren.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Jugend und Anfänge (1878-1913)

Humann wurde 1878 als Sohn des deutschen Archäologen Carl Humann, dem Entdecker des berühmten Pergamonaltars, und seiner Gattin Louise in der türkischen Stadt Smyrna (İzmir) geboren. Humanns Schwager, der Ehemann seiner Schwester Maria, war der Archäologe Friedrich Sarre, der spätere Direktor des Deutschen Orientalischen Museums in Berlin.

Die ersten zwölf Jahre seiner Kindheit verbrachte Humann in der Türkei, wo er gemeinsam mit dem späteren türkischen Politiker Enver Pascha aufwuchs. Pascha und Humanns lebenslang währende Freundschaft war dabei so eng, dass sie einander dutzen und gelegentlich als „Milchbrüder“[2] bezeichnet wurden.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1890 und dem Abschluss seiner schulischen Ausbildung schlug Humann gegen Ende der 1890er Jahre eine Laufbahn in der Kaiserlichen Marine ein.

Als Protegé des Großadmirals Alfred von Tirpitz, dem Staatssekretärs im Reichsmarineamt (i. e. Marineminister), stieg Humann in der Reichsmarine rasch auf. Er wurde zum Fregatten- und schließlich zum Korvettenkapitän befördert und leitete zeitweise die Nachrichtenabteilung im Berliner Reichsmarineamt.

Deutscher Vertreter im Osmanischen Reich (1913–17)

Im Herbst 1913 wurde Humann von der deutschen Marineleitung nach Istanbul entsandt, wo er zunächst ohne klar umrissene Zuständigkeiten tätig war. In den ersten Monaten seiner Anwesenheit im Osmanischen Reich beschränkte er sich im wesentlichen darauf die Lorelei, die Yacht des deutschen Botschafters in Istanbul, zu befehligen. Daneben übte er de facto bereits 1914 die Tätigkeit eines Marineattachés aus, ohne diesen Titel vorerst offiziell zu führen.

Den offiziellen Rang eines Attachés erhielt er schließlich 1915 und firmierte unter ihm bis 1917, als er nach Deutschland zurückbeordert wurde.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 entwarf Humann den erfolgreich umgesetzten Plan, die im Mittelmeer liegenden deutschen Kriegsschiffe Goeben und Breslau dem Zugriff der überlegenen britischen Marine zu entziehen, indem man diese Zuflucht in (vorerst) neutralen türkischen Häfen nehmen ließ. Dort ließ er die beiden Schiffe von deutschen auf britische Hoheitszeichen „umflaggen“ und übergab sie nominell der Kontrolle der türkischen Regierung. Die türkische Führung nutzte die unklare Staatszugehörigkeit der beiden Schiffe (deutsche Besatzungen auf deutschen Schiffen unter osmanischer Flagge) mit dem Ziel, den türkischen Kriegseintritt, den die Regierung wünschte, gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung, die diesen ablehnte, durchzusetzen. Indem man die beiden deutschen/türkischen Schiffe russische Stellungen im Schwarzen Meer beschießen ließ und sich dann bewusst provokativ abewechselnd mal darauf berief, dass diese deutsch seien (während des Beschusses) und mal, dass sie ja unter türkischer Flagge stünden (beim Anlaufenlassen in türkischen Häfen), veranlasste man Russland gemäß den Vorstellungen Humanns zur Kriegserklärung an das Osmanische Reich.

Der Historiker Malte Furmann sieht in Humann in den Jahren 1914 bis 1917 den „wichtigsten Vermittler“ zwischen der türkischen Führung, der deutschen Obersten Heeresleitung und der deutschen Marine. Durch seine „Busenfreundschaft“ mit Enver Pascha habe Humann eine Machtfülle erlangt, die „weit über seine nominelle Stellung“ hinaus gegangen sei und so die deutsche Mittelmeerdivision und die kaiserliche Botschaft in Istanbul praktisch dominierte. Außerdem habe er maßgeblich zum Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg beigetragen.[3] Furmanns Kollegin Marian Kent urteilt ganz ähnlich, dass Humann in den Jahren 1915 bis 1917 „wahrscheinlich [der] wertvollste Kontakmann zum CUP-Regime [war] den die Deutschen hatten.“[4]

Spätere Jahre (1917–33)

1917 kehrte Humann ins Deutsche Reich zurück. Dort fungierte er der Reichsleitung als Ratgeber und Berichterstatter in verschiedenen das Osmanische Reich und die dortige Kriegsfront betreffenden Angelegenheiten. Von Mai bis September führte er das Kommando über den deutschen Schlachtkreuzer SMS Moltke.[5]

Im Juli 1920 erhielt Humann seinen Abschied aus dem Reichswehrministerium. Danach holte sein Freund, der Unternehmer Hugo Stinnes, ihn in die Privatwirtschaft und machte ihn zum Verlagsleiter eines seiner Unternehmen, der vielgelesenen Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ).[6] Unter seiner Ägide sprach die DAZ sich hartnäckig für die Rückkehr zur monarchischen Staatsform aus. Außerdem betrieb Humann mit Hilfe des Blattes die Apologie des Genozids an Armeniern.

In den 1920er Jahren stand Humann auch abseits seiner Tätigkeit als Verlagsleiter den national-konservativen Kreisen um Stinnes nahe. So unterhielt er Kontakte zu Edgar Jung und war einer der wichtigsten Berater des konservativen Zentrums-Politikers Franz von Papen, den er im Mai 1932 in einem persönlichen Gespräch zur Annahme des Amtes des Reichskanzlers riet, das Papen zu dieser Zeit angeboten wurde.[7]

Humann starb im Oktober 1933. Bei seiner Totenrede würdigte Papen, zu dieser Zeit Vizekanzler in der Regierung Hitler, Humanns „Verdienste in der Marine und der Deutschen Allgemeinen Zeitung“ und stellte ihn rhetorisch in die Reihe der „geistigen Kämpfer“ für „dieses neue […] Deutschland […] das wir heute im Begriff sind zu bauen“.[8]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Gebursort nach Marian Kent: The Great Powers and the End of the Ottoman Empire, 1996, S. 115. Geburtsjahr nach Michael Epkenhans [Hrsg.]/ Albert Hopman: Das Ereignisreiche Leben eines "Wilhelminers", 2004, S. 1208.
  2. Franz von Papen: Vom Scheitern einer Demokratie.
  3. Malte Furmann: Der Traum vom Deutschen Orient. Zwei Deutsche Kolonien im Osmanischen Reich, 2006, S. 362.
  4. Marian Kent: The Great Powers and the End of the Ottoman Empire, 1996, S. 115.
  5. Gary Staff/ Tony Bryan: German Battlecruisers 1914-18, 2006, S. 14.
  6. Raffael Scheck: Alfred Von Tirpitz and German Right-Wing Politics, 1914-1930, 1998, S. 98.
  7. Franz von Papen: Vom Scheitern einer Demokratie, 1967, S. 398. Das Angebot Reichskanzler zu werden war Papen Ende Mai 1932 durch Kurt von Schleicher unterbreitet worden. Unschlüssig ob er das Amt annehmen sollte erbat Papen nach eigener Aussage sich einen Tag Bedenkzeit. Danach sei er nach Neubabelsberg gefahren um seinen „alten Freund“ Humann um Rat zu fragen ob er das ihm angetragene Amt annehmen oder ablehnen sollte. Dieser habe ihn während einer gemeinsamen Bootsfahrt auf dem Wannsee mit Nachdruck zur Annahme ermutigt.
  8. Malte Furmann: Der Traum vom Deutschen Orient. Zwei Deutsche Kolonien im Osmanischen Reich, 2006, S. 362.


PND: Datensatz zu Hans Humann bei der DNB
Keine Treffer im DNB-OPAC, 26. Mai 2008
Personendaten
Humann, Hans
deutscher Diplomat in der Türkei
1878
Smyrna (Kleinasien)
Oktober 1933