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Nil

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Nil (Begriffsklärung) aufgeführt.

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Nil

Der Nil sowie die Nebenflüsse und dessen Länder

Daten
Lage in Nord- und Ostafrika, in den Ländern Burundi, Ruanda, Tansania, Uganda, Sudan und Ägypten
Länge 6.671 kmdep1
Quelle Luvironza
(Oberster Quellfluss des Weißen Nils)Vorlage:Infobox Fluss/QUELLKOORDINATE_fehlt
Quellhöhe Ruandischer Quellfluss ~ 2.700 m
Burundischer QuellflussVorlage:Infobox Fluss/HÖHENBEZUG-QUELLE_fehlt
Mündung Nördlich von Kairo in das MittelmeerVorlage:Infobox Fluss/MÜNDUNGSKOORDINATE_fehlt
Mündungshöhe mVorlage:Infobox Fluss/HÖHENBEZUG-MÜNDUNG fehlt
Höhenunterschied ~ 2.700 mdep1
Flusssystem Nil
Einzugsgebiet 3.254.853 km² (Burundischer Quellfluss)dep1
Großstädte Alexandria, Assuan, Atbara, al-Chartum Bahri, Fajum, Giseh, Jinja, Dschuba, Kairo, Kampala, Khartum, Kigali, Kusti, Luxor, Malakal, Omdurman, Port Said, Rabak, Tanta
Mittelstädte Mahalla al-Kubra, Asyut, Banha, Beni Suef, Bur, Damanhur, Damietta, Heliopolis, Helwan, Imbaba, Ismailia, Kafr asch-Schaich, Mansura, Minya, Qena, Sohag, Shibin al-Qaum, Wadi Halfa, Zagazig
Rechte Nebenflüsse Sobat, Blauer Nil, Atbara
Linke Nebenflüsse Bahr al-Ghazal
Durchflossene Seen Viktoriasee
Durchflossene Stauseen Nassersee
Satellitenaufnahme des Nil
Der Nil bei Assuan
Assuan-Staudamm
Der Nil bei El-Minija

Der Nil (arabisch النيل‎, an-Nīl) ist ein Strom in Afrika.

Der Nil entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi und mündet ins Mittelmeer. Dazwischen durchfließt er die Gebiete von sechs Staaten: Burundi, Ruanda, Tansania, Uganda, Sudan und Ägypten. Besonders für Ägypten hat der Nil überragende wirtschaftliche Bedeutung.

Mit 6.671 Kilometer Länge ist der Nil der längste oder zweitlängste Fluss der Erde, da die Länge des Amazonas je nach Definition zwischen 6.500 Kilometer und 6.800 Kilometer angegeben wird. Die ungenaue Angabe beruht darauf, dass der Quellfluss des Amazonas nicht eindeutig zu bestimmen ist.

Siehe auch: Liste der längsten Flüsse der Erde

Inhaltsverzeichnis

Flusslauf, -länge und Einzugsgebiet

Der Nil besitzt zwei Quellflüsse – den kürzeren Blauen Nil und den wesentlich längeren, eigentlichen Weißen Nil.

Quellflüsse

Der Hauptfluss des Nils, der Weiße Nil, entsteht aus den Quellflüssen des Akagera-Nil, der oftmals nur Kagera-Nil genannt wird und in den Tälern der Gebirge von Ruanda und Tansania aus zwei Quellflüssen gespeist wird:

  1. „Burundischer Quellfluss“, der in Burundi entspringt
  2. „Ruandischer Quellfluss“, der in Ruanda entspringt

Burundischer Quellfluss: Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera

Der Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera bildet den südlichsten und längsten Quellfluss des gesamten Nils: Dieser Flusslauf ist von der Quelle bis zur Mündung 6.671 Kilometer lang; sein Einzugsgebiet umfasst 3.254.853 km² (Angabe von NBI, NBI = Nile Basin Initiative); nur der Kongo, welcher der wasserreichste Strom Afrikas ist, hat in Afrika ein noch größeres Einzugsgebiet, nämlich 3.730.881 km². Weil der Nil von der Quelle des Luvironza aus gemessen insgesamt länger und größer als der nachfolgend genannte „Ruandische Quellfluss“ ist, stellt er den tatsächlichen Quellfluss des Nils dar.

Die Quelle des „Burundischen Quellflusses“, welche die südlichste des Nils und auch die vom Nildelta beziehungsweise von der Mündung des Nils am weitesten entfernte ist, liegt in den östlichen Randgebirgen des Ostafrikanischen Grabenbruchs beziehungsweise in den südlichen Hochgebirgen von Burundi. Sie befindet sich etwa 45 Kilometer östlich des Tanganjikasees zwischen Bururi und Rutana; sein Quellbach heißt Luvironza. Von dort aus fließt dieser über den Ruvuvu, der auch Ruwubu oder Ruwuwu genannt wird, und über den Ruvusu, der auf den letzten Kilometern schiffbar ist, in Richtung Norden und heißt nach 350 Kilometer Länge Akagera.

Ruandischer Quellfluss: Rukarara-Nyabarongo

Der Rukarara-Nyabarongo bildet den nördlicheren und kürzeren Quellfluss des gesamten Nils. Er gilt als einer der beiden Quellflüsse des Weißen Nils. Entdeckt wurde die Quelle des Rukarara im Jahr 1898 durch Richard Kandt.

Sein Quellgebiet liegt rund 185 Kilometer weiter nördlich, als die des zuvor genannten „Burundischen Quellflusses“. Die Quelle, Source du Nil (Nilquelle) genannt (daher ein Mineralwasser namens Nil) liegt im südlichen Ruanda ebenfalls in den östlichen Randgebirgen des Ostafrikanischen Grabens. Sie befindet sich in etwa 2.700 Meter Höhe im Nyungwe-Wald etwa 40 Kilometer südöstlich des Kiwusees, der oft auch Kivusee genannt wird. Von dort aus fließt er als Rukarara 50 Kilometer in östlicher Richtung ab und bildet später – mit dem ihm zufließenden Mwogo – den etwa 225 Kilometer langen Nyabarongo (auch Njawarongo genannt). Dieser fließt zuerst in Richtung Nordosten, um dann nach Osten abzuknicken; die dort mehr als rechtwinklige Laufänderung ist geologisch/tektonisch durch die Entstehung der Virunga-Vulkane und des Ostafrikanischen Grabens bedingt. Danach steuert der Nyabarongo auf Kigali zu, ohne die Hauptstadt von Ruanda direkt zu erreichen. Südlich dieser Stadt, von der er mit kleinen Schiffen mit wenig Tiefgang nutzbar ist, nimmt er den 165 Kilometer langen Akanyaru (auch Akanjaru genannt) auf, der aus Richtung Süden kommt und ebenfalls in seinem Unterlauf mit kleinen Schiffen mit wenig Tiefgang befahrbar ist. Der Nyabarongo setzt seinen Lauf an der Grenze von Ruanda und Burundi sowie an der Grenze von Ruanda und Tansania nach Osten fort und passiert den Rugwero See (Lac Rweru). Ab dort trägt der Fluss den Namen Akagera.

Weiterer Flusslauf

Der Flusslauf Akagera-Nil-Viktoria-Nil-Albert-Nil-Weißer Nil-Nil bildet ab der oberhalb der Rusumo Falls liegenden Grenze von Ruanda und Tansania die Fortsetzung der zuvor genannten Flussläufe – Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera („Burundischer Quellfluss“) und Rukarara-Nyabarongo („Ruandischer Quellfluss“). Er entsteht in knapp über 2.000 Meter Höhe in der Bergwelt von Ruanda, fließt überwiegend in nördliche Richtungen und mündet in Ägypten in das Mittelmeer:

Akagera-Nil

Der rund 850 Kilometer lange Akagera-Nil (auch Kagera-Nil und früher teils Alexandra-Nil genannt) ist vorerst nur die Fortsetzung des Flusslaufs Rukarara-Nyabarongo in den Gebirgstälern von Ruanda. Er fließt – schiffbar – zuerst innerhalb Ruandas und dann rund 175 Kilometer auf den zuvor erwähnten Grenzen nach Osten. An seinem etwas östlich beziehungsweise unterhalb von Ngara liegenden „Südknie“ nimmt der Akagera-Nil den Ruvusu auf, welcher der Unterlauf des „Burundischen Quellflusses“ ist.

Danach knickt er nach Norden ab und stürzt nur wenige hundert Meter nach dieser Flusseinmündung über die Rusumo Falls (Chutes Rusumu). Nach dem Wasserfall ist der Akagera bis zum „Nordknie“ wieder schiffbar und bildet nicht nur im dortigen Akagera-Nationalpark die Grenze von Ruanda und Tansania, um rund 180 Kilometer weiter im Norden sein „Nordknie“ und das Dreiländereck Ruanda-Tansania-Uganda zu erreichen. Dort wechselt der Flusslauf abermals geologisch/tektonisch bedingt und wieder mehr als rechtwinklig seine Fließrichtung nach Osten. Fortan fließt er erst ein Stück direkt auf der Landesgrenze von Uganda und Tansania; danach verlässt er diese, um über zahlreiche Stromschnellen durch die nördlichen Teile von Tansania zu fließen. Später steuert er in Richtung Nordosten, um rund 270 Kilometer nach seinem „Nordknie“ und unweit der Grenze der beiden zuletzt genannten Staaten in den Westteil des Viktoriasees zu münden.

Seltsamerweise wird der Flusslauf bis zu diesem See oftmals nicht als Teil des Nils angesehen (siehe Die Entdeckung des tatsächlichen Quellflusses des Nils).

Viktoria-Nil

Der Nil fließt dann in Uganda als Viktoria-Nil aus dem Norden des Viktoriasees, in dem die überfluteten Owen- und Ripon Falls liegen, durch den Kyogasee, und über die Murchison Falls, die man auch Kabalega Falls nennt und die im Murchison Falls National Park liegen, in den Albertsee, der früher auch Lac Mobutu-Sese-Seko hieß.

Albert-Nil

Unterhalb des Albertsees wird das Fließgewässer Albert-Nil genannt. Seinen Namen trägt er – gemeinsam mit dem Albertsee – zu Ehren des Prinzgemahls der Königin Victoria von England, Prinz Albert. Er fließt innerhalb Ugandas vorbei an der Ruinenstätte Wadelai weiter nach Norden und erreicht die Grenze zu Sudan.

Bahr al-Dschabal

Ab der Grenze zu Sudan heißt der Flusslauf Bahr al-Dschabal (arabisch: Bergfluss; auch Bahr al-Jabal und Bahr el-Dschebel genannt). Bei der Stadt Bur fließt er in den Sudd ein, ein großes Sumpfgebiet, in dem 53 Prozent des Wassers verdunsten.

Weißer Nil

Nach Verlassen des Sudd trifft der Bahr al-Dschabal mit dem Fluss Bahr al-Ghazāl im No-See zusammen und wird ab da als Weißer Nil bezeichnet, der nun ostwärts weiterfließt. Bei der Stadt Malakal trifft er auf den Jonglei-Kanal und den Zufluss des Sobat. Dann fließt er nordwärts weiter in Richtung Khartum und Omdurman, wo er auf den Blauen Nil trifft, der von rechts beziehungsweise Südosten aus Äthiopien kommt.

Nahr an-Nīl

Von Khartum flussabwärts wird der Strom als Nahr an-Nīl (arabisch: Nilfluss) bezeichnet. Von dort an fließt er als so genannter Fremdlingsfluss durch ausgedehnte Steppen und Wüstenlandschaften s-förmig weiter nach Norden, ohne noch nennenswerte Nebenflüsse aufzunehmen. Während er dabei die Nubische Tafel durchbricht, passiert er die an seine östlichen Ufer angrenzende Nubische Wüste. Somit erreicht er den Nassersee, der durch den von 1960 bis 1971 errichteten Assuan-Damm aufgestaut wird. Darin überquert der Nil die Grenze vom Sudan nach Ägypten, welches der Strom von Süd nach Nord durchfließt. In den Wüstengebieten Oberägyptens bildet der Nil dabei eine fünf bis 20 Kilometer breite Niederung, eine lebenswichtige Fluss-Oase, die landwirtschaftlich nutzbar ist. Durch den eben erwähnten und zum Zweck der umfangreichen Bewässerung errichteten Staudamm, der die Schwebstoffe und Sedimente zurückhält, lässt mit der dauerhaften Nutzung der Felder deren Fruchtbarkeit nach; dies liegt auch daran, dass die Versalzung der Böden zunimmt, so dass mit Düngern nachgeholfen wird. In der nubischen Wüste in der Nähe des vierten Kataraktes und etwa 400 Kilometer nördlich von Khartum wird zurzeit eine weitere Talsperre gebaut, der Merowe-Staudamm.

Nil

Nil bei Assuan 2002

Nördlich bzw. unterhalb des Assuan-Staudamms und etwa ab Qena trägt der Strom nur noch seinen eigentlichen Namen – Nil. Nun tangiert er die östlich angrenzende Arabische Wüste. Weiter nördlich fließt sein Wasser östlich am Fayyum-Becken vorbei, eine große oasenartige und reichlich besiedelte Beckenlandschaft, mit der er über den Bahr Yusuf (Kanal) verbunden ist.

Rund 140 Kilometer nördlich von Luxor wird zurzeit die Naga Hammadi Staustufe umgesetzt. Sie ist eine von drei Staustufen die zurzeit im Verlaufe des Nils gebaut werden um die Wasser- und Stromversorgung Oberägyptens zu verbessern.

Delta

Unterhalb von Kairo und damit noch weiter nördlich, fächert sich der Nil zum etwa 24.000 km² großen Nildelta auf, nach dessen Durchfließen er schließlich in das Mittelmeer mündet; der Assuan-Staudamm ist auch der Grund, warum dieses Flussdelta nicht mehr weiter ins Meer vorgeschoben, sondern durch die dort oftmals sehr starke Brandung abgetragen wird.

Nebenflüsse

Linke bzw. westliche Nebenflüsse:

  • Bahr al-Ghazal
  • Wadi al-Malik (oft ausgetrocknet)
  • Wadi Howar (auch Gelber Nil, meist ausgetrocknet)

Rechte bzw. östliche Nebenflüsse:

  • Atbara (auch Schwarzer Nil)
  • Blauer Nil
  • Sobat

Wasserfälle

Kaskaden und Stromschnellen

Im Oberlauf des Weißen Nils (mit all seinen ihn speisenden Flüssen) muss das Nil-Wasser zahlreiche kleinere und größere kaskadenartige Wasserfälle überwinden; dazu gehören:

Katarakte

Im Mittellauf des Nils, unterhalb der Einmündung des Blauen Nils in den Weißen Nil, muss(te) das Nil-Wasser zwischen Omdurman und Assuan insgesamt sechs Katarakte überwinden. Dies sind explizit bei Niedrigwasser schwer passierbare Stromschnellen, die nicht nur im alten Ägypten sehr gefürchtet waren, weil sie zwischen teils spitzen und nur schwer überschaubaren Felsklippen hindurchführen, so dass man sie mit großen Booten oder Schiffen nicht befahren kann. Auch heute noch stellt es eine Herausforderung dar, diese Katarakte mit Kleinbooten zu überwinden. Früher bildeten sie die Grenze zwischen den Königreichen.

Diese sechs natürlichen Granitbarrieren sind Hunderte Millionen Jahre alte Zeugnisse von übereinander geschobenen Kontinentalplatten, die wesentlich härter sind, als das weiche Sedimentgestein, das der Nil selbst abgelagert hatte. Man nannte diese Barrieren schlicht und einfach Katarakte und gab ihnen eine zusätzliche Nummer; die Nummerierung erfolgt flussaufwärts: Der 1. Katarakt liegt bei Assuan, der heute allerdings – wie der zweite – von den Wassermassen des Nassersees überlagert ist. Der 3. Katarakt liegt nur etwas nördlich von Kerma, der vierte östlich von Meroe und der fünfte 50 Kilometer nördlich von Berber. Der oberste Katarakt liegt etwa 75 km nördlich von Omdurman.

Durch diese Katarakte fließt das Nil-Wasser aufgrund des schmaleren und tieferen Flussbettes und des stärkeren Gefälles zumeist reißend, insbesondere wenn weiter südlich die Regenzeit tobt und die Wassermassen nach Norden kommen. Bei Assuan wird die Nilschifffahrt durch das 1. Katarakt nach wie vor unterbrochen: Alles was per Schiff weiter nach Süden will, Material und Menschen, muss umgeladen werden beziehungsweise umsteigen, um einen Umweg über Land zu nehmen und dann die Fahrt auf dem Assuan-Stausee weiter fortzusetzen und umgekehrt.

Einige interessante Längen und Daten des Nils

Von seiner am weitesten entfernten Quelle in Burundi legt der Nil bis zu seiner Mündung insgesamt 6.671 Kilometer Flussstrecke zurück. Vom Viktoriasee sind dies noch 5.588 Kilometer, von Khartum, wo der Blaue Nil in den Weißen Nil fließt, rund 2.700 Kilometer und von der Landesgrenze von Sudan/Ägypten bis zur Mündung noch 1.550 Kilometer.

Geologische Untersuchungen ergaben, dass sich erst vor etwa eine Million Jahren der Viktoriasee durch Absenkung des dortigen Hochlandes gebildet hat. Nach dem Ende der letzten Eiszeit ist dieser See vor etwa 12.000 Jahren erst übergelaufen und ließ den Viktoria-Nil, beziehungsweise den Weißen Nil entstehen.

Geschichte

Altes Ägypten

Erst durch den Nil wurde das Leben und die Kultur an den Nilufern des Alten Ägyptens möglich. Ohne ihn wäre das Land eine einzige Wüste. Man sieht es daran, dass er im Westen von der Libyschen und im Osten von der Nubischen Wüste sowie der Arabischen Wüste eingefasst wird, wo bis auf ein paar Oasen kein Wasser existiert und somit Landwirtschaft und Kultur unmöglich waren bzw. sind. Erst durch den fruchtbaren Schlamm, den der Nil bei seinen Hochwassern über das Land verteilt, konnten Nutzpflanzen angebaut und Landwirtschaft betrieben werden. Außerdem wurde der sehr tonhaltige Schlamm, den die Nilschwemme brachte, zum Häuserbau benutzt.

Während die vom Nil geführte Wassermenge, die fast ausschließlich von den Niederschlägen in den Ländern um den Viktoriasee abhing, ihren Tiefstand zumeist im April erreicht(e), stieg diese bis Ende August auf das etwa 50- bis 60-fache an:

Einmal im Jahr überschwemmte der Nil das Land und bedeckte einen bis zu mehrere Kilometer breiten Streifen Land (sog. Nilschwelle). Wenn das Wasser abfloss und verdunstete, hinterließ er fruchtbaren, dunklen Schlamm (so wäre dies auch heute noch, wenn es den Assuan-Staudamm nicht gäbe), der dem Alten Ägypten seinen Namen gab (Kemet – „Das schwarze Land“). Um diese Anbaufläche für Getreide vollständig nutzen zu können, siedelten die Ägypter meist direkt entlang des Nils, aber auch etwas abseits des Flusses in der Wüste. Um für die Wüstensiedlungen und für Trockenzeiten Wasser speichern zu können, mussten sie Kanäle und künstliche Seen anlegen. Da der einzelne ägyptische Bauer diese nicht bauen konnte, schlossen sich die Bewohner eines Landstriches zusammen und bildeten Gaue, die von Gaufürsten verwaltet wurden.

Der Pegelstand des Nils zur Zeit der Überschwemmung schwankte stark. Er wurde an sog. Nilometern gemessen. Da bei niedrigem Stand manche Landstriche nicht überschwemmt wurden und die dort lebenden Bauern hungerten, wurden die Steuern nach dem Stand des Nils festgesetzt. Stieg der Nil aber zu hoch, drohte das Brechen von Dämmen und die Zerstörungen der Häuser. Dadurch wurden schon früh Geometer benötigt, die das Land neu ausmaßen und die Feldergrenzen neu festlegten.

Der Nil war der Haupthandelsweg Ägyptens. Über den Fluss wurde beispielsweise Holz transportiert, das in Ägypten fast überhaupt nicht vorkommt. Es wurde aus Syrien und Palästina importiert. Außerdem wurden Steinblöcke für den Bau von Pyramiden auf Schiffen transportiert. Der Schiffsverkehr war auf den Tag begrenzt, da man in der Nacht Gefahr lief, auf Sandbänke zu laufen. Bei sehr niedrigem Wasserstand wurden die Schiffe über kurze Strecken über Land gezogen. Das Segel wurde erst 3350 v. Chr. eingeführt.

Römer- bis Neuzeit

Bereits die alten Römer waren auf der Suche nach den Quellen des riesigen Stromes ("caput Nili quaerere", im Vulgärlateinischen doppeldeutig, da auch als "Das Haupt des Nichts suchen" übersetzbar.). Der portugiesische Jesuitenmissionar Pater Pedro Páez (1564–1622) entdeckte 1613 die Quelle des Blauen Nils. Der schottische Afrikaforscher James Bruce (1730–1794) entdeckte die Quelle am 4. November 1770 wieder und beanspruchte den Ruhm (vergeblich) für sich; er befuhr 1771 den Blauen Nil bis zur Vereinigung.

Für die Entdeckung der tatsächlichen Quelle des Nils am Luvironza haben viele Afrikaforscher meist vergeblich gesucht und Hypothesen aufgestellt. Bei einer Expedition, die von 1821 bis 1822 dauerte, erreichte der Franzose Frédéric Cailliaud (1787–1869) die Mündung des Blauen- in den Weißen Nil. 1861 stellte die niederländische Afrikaforscherin Alexandrine Tinné in Kairo eine Expedition zusammen, musste diese aber aus logistischen Gründen nach einigen Monaten erfolglos abbrechen. 1866 machte sich der berühmte britische Forscher David Livingstone (1813–1873) auf Expeditionen zu den Quellen des Nils und des Kongo; er meinte sie im viel weiter südlich liegenden Bangweulusee gefunden zu haben, erreichte die wirkliche Quelle aber nie. 1857 gingen die Briten John Hanning Speke und Richard Francis Burton gemeinsam auf Erkundung des Viktoriasees: John Speke sah in ihm die Quelle – Richard Burton jedoch im südlicherem Tanganjikasee; 1858 machte sich John Speke, nun in Begleitung mit James Augustus Grant, erneut auf Expedition und sie entdeckten 1862 die seit langem überfluteten Ripon Falls (die damals wohl noch freilagen) im Norden des Viktoriasees, welcher fälschlicherweise oft als Nilquelle angesehen wird. Die Quelle des Kagera Nils am Luvironza, die der tatsächlichen Nil-Quelle entspricht, wurde 1893 von den Österreichern Oscar Baumann (1864–1899) und Oskar Lenz (1848–1925) gemeinsam entdeckt; erst 1898 wurde die geographische Lage dieser Quelle vom Deutschen Dr. Richard Kandt (1867–1918) genau bestimmt. Auch der Brite Samuel White Baker und der Italiener Romolo Gessi, die sich ebenfalls auf die Suche machten, haben erfolgreiche Expeditionen unternommen.

Die Entdeckung des tatsächlichen Quellflusses des Nils

Weil der Weiße Nil – mit seinen sich daran anschließenden und oben genannten Quellflüssen – deutlich länger als der Blaue Nil ist und auch ein wesentlich größeres Einzugsgebiet als dieser aufweist, ist er der tatsächliche und seit langem unumstrittene Quellfluss des Nils.

Allerdings galt der Blaue Nil früher auch als dessen Quellfluss, wohl auch weil zu seinem Namen die Bezeichnung Nil gehört; dies geschah, bis 1893, als man die Quelle des obig genannten Luvironza fand und sich in der Folgezeit daran machte, den sich daran anschließenden Flusslauf zu vermessen. So fand man heraus, dass der Weiße Nil mit seinen Quellflüssen der deutlich längere Fluss ist, so dass dieser der tatsächliche Quellfluss des Nils ist. Wohl der Tradition wegen wird oft auch noch der Viktoriasee (bzw. die darin liegenden und seit langer Zeit überfluteten Ripon Falls) als Flussursprung genannt; dabei werden allerdings 1.083 Kilometer (fast die Länge der Elbe) von der Quelle des Luvironza bis zum Ausfluss des Nils aus diesem See unterschlagen.

Fasst man die zuvor genannten Erkenntnisse über die Länge und Einzugsgebiet des Stroms zusammen, so ist der Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera-Weißer Nil-Nil der tatsächliche – gesamte – Flusslauf des Nils.

Fauna

Der Nil besitzt eine artenreiche und einmalige Tierwelt. Viele erhielten nach dem Fluss auch ihren Namen, so etwa das Nilkrokodil, der Nilhecht, die Nilgans, die Nil-Grasratte, der Nilwaran und auch das Nil- oder Flusspferd, welches aber heute im Unterlauf nicht mehr vorkommt. Viele Tiere nutzten die Ägypter als Haustiere oder Vorbilder für Götter.

Städte am Nil-Ufer

Die Millionenstädte Kairo, Gizeh (beide Ägypten) und Khartum (Sudan) sind die größten Städte. Die alten Ägypter bauten ihre Städte oft an den fruchtbaren Ebenen des heiligen Flusses. Viele Katarakte und Stauanlagen wurden, unter anderem für die Besiedlung, errichtet.

Städte am Ufer mit über 100.000 Einwohnern:

Kanäle

Künstliche angelegte Kanäle, welche den Nil begleiten, oder von ihm abzweigen sind unter anderen:

Literatur

 Commons: Nil – Bilder, Videos und Audiodateien