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Bundestagswahl 1957

Die Bundestagswahl 1957 fand am 15. September 1957 statt. Bei der Wahl zum 3. Deutschen Bundestag wurde Konrad Adenauer als Bundeskanzler bestätigt, nachdem die Unionsparteien die absolute Mehrheit erringen konnten.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Der Wahlkampf wurde äußerst polarisiert geführt. Bundeskanzler Konrad Adenauer meinte auf dem CDU-Parteitag im Juli 1957, ein Sieg der SPD würde das Ende Deutschlands bedeuten. Die SPD, die sich der Kampagne Kampf dem Atomtod angeschlossen hatte, behauptete, es gäbe eine klerikal-faschistische Gefahr, einen neuen militaristischen Nationalismus in den Reihen der CDU/CSU. Die oftmals gehässigen Angriffe verdeckten aber, so Joseph Rovan, dass sich zwischen den beiden Lagern in der Bundesrepublik doch allmählich ein breiter Konsens hergestellt hatte. Die Wähler sahen trotzdem oder deswegen noch keinen Grund, die Führung auszuwechseln. Adenauer hatte mit der Rückkehr des Saarlandes einen großen Erfolg vorzuweisen, in einer Angelegenheit, die der SPD als ein Argument gegen die Adenauer-Außenpolitik gedient hatte. Populär war auch Adenauers Rentenreform.[1]

Bei den Wahlen erlebten die Unionsparteien ihren bis heute größten Wahlsieg. Zum ersten und bisher einzigen Mal gelang es einer Fraktion, bei einer Bundestagswahl die absolute Mehrheit der Stimmen und Mandate zu erlangen.

Für die CDU/CSU trat zum dritten Mal der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Konrad Adenauer an (Wahlslogan: Keine Experimente), für die SPD zum zweiten Mal der Partei- und Fraktionsvorsitzende Erich Ollenhauer. Auch wenn die SPD gegenüber 1953 3,0 % zulegte, wurde ihr Verharren knapp über 30 % als klare Niederlage gesehen.

Die DP schaffte den Einzug in den Bundestag trotz Verfehlens der Fünf-Prozent-Hürde, da die CDU zu deren Gunsten in einigen Wahlkreisen auf die Aufstellung von Direktkandidaten verzichtete. Die DP erzielte sechs Direktmandate und zog daher in den Bundestag ein.

Die KPD trat zum ersten Mal nicht zur Wahl an, da sie im Vorjahr verboten worden war.

Endergebnis

270

50,2%

169

31,8%

41

7,7%

4,6%
17

3,4%

1,0%
0,9%
0,2%
0,1%
0,1%
0,1%
0,0%
CDU/CSU SPD FDP GB/BHE DP DRP FU BdD Mittelstand SSW DG VU

obere Zahl = Sitze; untere Zahl = Stimmenanteil; fett gedruckte Parteien = Regierungsparteien

Das Endergebnis lautete:

Partei Zweitstimmen Prozent Sitze¹ Verschiebung Wahlkreise Überhangmandate Bemerkungen
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 11.875.339 39,7 215 (7) +24 147 3
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 9.495.571 31,8 169 (12) +18 46
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 3.133.060 10,5 55 +3 47
Freie Demokratische Partei (FDP) 2.307.135 7,7 41 (2) −7 1
Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) 1.374.066 4,6 −27
Deutsche Partei (DP) 1.007.282 3,4 17 +2 6
Deutsche Reichspartei (DRP) 308.564 1,0
Föderalistische Union (FU) 254.322 0,9
Bund der Deutschen, Partei für Einheit, Frieden und Freiheit (BdD) 58.725 0,2
Deutscher Mittelstand (Mittelstand) 36.592 0,1
Südschleswigscher Wählerverband (SSW) 32.262 0,1
Deutsche Gemeinschaft (DG) 17.490 0,1
Vaterländische Union (VU) 5.020 0,0

¹in Klammern Zahl der am gleichem Tag vom Abgeordnetenhaus von Berlin gewählten, nicht stimmberechtigten Berliner Bundestagsabgeordneten.

Ein weiterer Berliner Bundestagsabgeordneter wurde von der FDV (Freie Deutsche Volkspartei) gestellt.

Folgen

SPD und FDP bildeten die Opposition. Erich Ollenhauer blieb Partei- und Fraktionsvorsitzender der SPD, verzichtete aber bei der Bundestagswahl 1961 auf eine erneute Kanzlerkandidatur.

Einzelnachweise

  1. Joseph Rovan: Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Fischer, Frankfurt 1980 (Paris 1978), S. 221.