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Decretum Gratiani

Das Decretum Gratiani (um 1140) war das Hauptwerk des in Bologna lebenden und als Vater der Kanonistik geltenden Mönchs Gratian.

Es bildet den ersten Teil einer Sammlung von sechs Rechtsbüchern, die im Corpus Iuris Canonici zusammengefasst sind. Name und Idee dieses Corpus laufen parallel zum Corpus Iuris Civilis, einer Sammlung des Römischen Rechts.

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Gratians Quellen waren das Römische Recht, die Bibel, Dekretale (Papstbriefe), Konzils- und Synodalakten und ältere Rechtssammlungen. Die Erstellung seines Decretum hatte Signalwirkung: Ab dieser Zeit wurde das Kanonische Recht an der Rechtsschule von Bologna wissenschaftlich gelehrt und bearbeitet.

Es wurde gelegentlich behauptet, Gratian habe Burchard von Worms (Decretorum Libri XX, Ex officina Melchioris Nouesiani, Coloniae 1548) nicht verwendet. Diese Behauptung ist nicht zutreffend. Zwar wurden andere Rechtssammlungen wesentlich systematischer von Gratian verwandt, doch kommt der Name Burchards sogar zweimal im Decretum vor: Beide Male D.73 c.1. Freisen weist sogar nach, dass Gratian eine von Burchard verwendete, wohl verfälschte, Stelle in sein Dekret aufnimmt und sie korrigiert: C.35 q.5 c.1 und C.35 q.4 c.1 - bei Burchard Bur. 7.10 (Lit.: Freisen, S. 16, 417, 421).

Eine sehr wichtige Quelle ist die sogenannte Collection in three books, einer nur in zwei Handschriften erhaltenen Sammlung (Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. lat. 3831, und Pistoia, Archivio Capitolare del Duomo, C 109) die wesentlichen Einfluss auf die zweite Redaktion des Decretum Gratiani besitzt. Es ist das Verdienst von Anders Winroth, hierüber gearbeitet zu haben.

Entstehung

Gratian lehrte Recht oder kanonisches Recht in Bologna. Die Beschäftigung mit diesem Sujet ließ es sinnvoll erscheinen, ein dem Corpus Iuris Civilis vergleichbares Standardwerk auch für das Kanonische Recht zu besitzen: Die Geburtsstunde des Decretum.

Wirkung

Gratian selbst nannte sein Werk Concordia Discordantium Canonum. Der Name ist Programm: Gratian versuchte scheinbar gegensätzliche Canones miteinander zu harmonisieren, er diskutiert unterschiedliche Meinungen und entscheidet sich für eine Lösung. Diese dialektische Arbeitsweise machte es für andere Rechtslehrer interessant mit dem Dekret zu arbeiten und eigene Lösungen und Kommentare zu entwickeln.

Diese Kommentare wurden zunächst - ebenso wie in der Legistik - in der Form von Glossen verfasst. Gedruckte Ausgaben des 16. oder 17. Jahrhunderts sind sehr häufig mit Glossen ediert. Sammlungen von Glossen nennt man Glossenapparat oder Lectura in Decretum (siehe auch Glossatoren). Systematische Kommentare nennt man Summen. Sehr bald waren einige dieser Summen zum Dekret im Umlauf und erlangten vergleichbare Berühmtheit. Frühe Kommentatoren waren Paucapalea (vor 1148) und Magister Rolandus, den man - wohl irrtümlich - mit Papst Alexander III. (1159-1181) identifizierte.

Die wohl wichtigsten Kommentatoren waren Rufin von Bologna († vor 1192) und Huguccio († 1210). Weniger bekannt, vielleicht weil vom gewichtigeren Werk Huguccios und Rufins überlagert, war das des Simon von Bisignano. Sein Werk besteht aus Glossen zum Dekret und der Summa Simonis.

Eine der wichtigen Auswirkungen des Decretum gratiani war die Tatsache, dass das altkirchliche Zinsverbot in der mittelalterlichen Kirche allgemeine Verwendung fand.

Literatur