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Enthauptung

Die Enthauptung, das Köpfen oder die Dekapitation (über französisch décapiter „enthaupten“ von lateinisch caput „Kopf“) ist die gewaltsame Abtrennung des Kopfes vom Rumpf, entweder als aktive Handlung zum Zwecke der Hinrichtung oder als Unfallverletzung.

Inhaltsverzeichnis

Historische europäische Entwicklungen der Gerichtspraxis

Die Enthauptung wurde früher meist mit einem Schwert oder einer speziellen Axt (Richtbeil) durchgeführt. Seit der Französischen Revolution wurde meist ein Fallbeil eingesetzt, die sogenannte Guillotine. Sie galt im Verhältnis zur Enthauptung durch einen Henker als zuverlässiger und sollte sicherstellen, dass der Tod schnell und sicher eintritt, um unnötige Qualen beim Opfer zu verhindern.

Im Mittelalter galt die Enthauptung im Gegensatz zum Erhängen am Galgen nicht als ehrenrührige Todesstrafe und war dem Adel vorbehalten. In der Französischen Revolution wurde diese Todesart dann auf alle Verurteilten ausgeweitet. Sie wurde auch „Richten mit blutiger Hand“ genannt, im Gegensatz zum Erhängen, dem „Richten mit trockener Hand“.

Zeitweilig war in England den Hochadeligen die Enthauptung in aufrecht kniender Haltung mit dem Schwert vorbehalten, während niedere Ränge auf einem hölzernen Richtblock mit dem Beil enthauptet wurden. Da die Enthauptung des knienden Todeskandidaten mit dem Schwert eine erheblich schwierigere Methode darstellte und nur von wenigen Scharfrichtern beherrscht wurde, wurde unter anderem bei der Hinrichtung von Anne Boleyn, der zweiten Frau Heinrichs VIII., für ihre Exekution 1536 ein entsprechend versierter Scharfrichter namens Jean Rombaud aus Frankreich eingeladen.

In der Zeit des Nationalsozialismus war das Enthaupten im Dritten Reich die bevorzugte gerichtlich angeordnete Exekutionsmethode. Diese Hinrichtungsmethode wurde bei politischen Gegnern Hitlers angewandt, da er fand, dies sei eine besonders entwürdigende Todesart. Zur Zeit des Nationalsozialismus starben ca. 10.000 Menschen durch die Guillotine.

Beim traditionellen rituellen Selbstmord der japanischen Samurai-Kriegerkaste (Seppuku) wurde der Kopf durch den Kaishaku-Nin mit einem Katana oder Wakizashi vom Rumpf getrennt. Hier musste der Schlag so perfekt ausgeführt werden, dass der Kopf erst durch den Fall des Torsos auf den Boden endgültig abgetrennt wurde.

Todeseintritt nach Abtrennung des Kopfes

Es sind zahlreiche Geschichten von Enthaupteten bekannt, die nach ihrer Exekution noch eine Zeit lang weitergelebt haben sollen. So soll der Pirat Klaus Störtebeker nach seiner Hinrichtung noch ohne Kopf an 11 Matrosen seiner versammelten Mannschaft vorbeigelaufen sein, um sie damit (der Sage nach) vor der Hinrichtung zu retten.

Giovanni Aldini, der Neffe von Luigi Galvani, führte auch öffentlich galvanische Experimente [1] an Enthaupteten durch.

Auch aus der Zeit der Französischen Revolution sind Aussagen z. B. über vermeintliche Sprechversuche abgetrennter Köpfe überliefert. Der deutsche Arzt Johannes Wendt und der Franzose Séguret stellten Versuche an, um die Reaktionen der Köpfe zu erforschen. Danach sollten sie beispielsweise noch reflexartig die Augen schließen, wenn eine Hand schnell auf das Gesicht zubewegt oder der Kopf hellem Licht ausgesetzt wurde. Nach einem Bericht des französischen Arztes Beaurieux von 1905 hatte der Kopf eines guillotinierten Verbrechers sogar noch etwa 30 Sekunden auf Zurufe reagiert. Ähnliches wird von Hamida Djandoubi berichtet, der letzten in Frankreich enthaupteten Person (1977).[2]

Der forensische Pathologe Ron Wright ging davon aus, dass nach der Abtrennung des Kopfes das Gehirn für etwa 13 Sekunden weiterleben könne, zumindest seien Augenbewegungen usw. innerhalb dieses Zeitraums möglich. Die genaue Spanne, die das unversorgte Gehirn überlebe, sei von chemischen Faktoren abhängig wie z. B. von der verfügbaren Sauerstoffmenge zum Zeitpunkt der Enthauptung.

Ereignisse nach Abtrennen des Kopfes aus neurophysiologischer Sicht

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Die früher oft lebhaft diskutierte Spekulation um die Geschehnisse unmittelbar nach einer Hinrichtung durch Köpfen ist historisch gesehen immer wieder aufgeflammt. Offensichtlich haben sich die Menschen oft gefragt, ob abgetrennte Köpfe noch bewusste Leistungen erbringen können. Erwiesen ist lediglich, dass das unverletzte Gehirn eine Zeit lang ohne Sauerstoffzufuhr überleben und damit arbeiten kann, sofern die Erregungsausbreitung nicht gestört wird – was beim Köpfen aber der Fall ist.

Nach heutiger Ansicht treten unmittelbar nach der Hinrichtung folgende Ereignisse ein: Das Durchtrennen spinaler Nervenfasern bewirkt innerhalb der Axone (Bestandteil von Nervenfasern) eine im physiologischen Höchstmaß ansteigende Frequenz von Aktionspotentialen, was gleichzeitig mit dem sofortigen Ausfall hemmender Funktionen verbunden ist. Dadurch setzt sich innerhalb von 300 Millisekunden eine massive und unkontrollierte Ausbreitung der Erregungsmuster ins Gehirn fort, wobei sich sämtliche Formationen beteiligen. Das führt zu einer sofortigen Bewusstlosigkeit und einer tiefgreifenden, irreversiblen Störung sämtlicher zerebraler Funktionen. Eine vergleichbare, aber um viele Potenzen schwächere unkontrollierte Erregungsausbreitung ist auch von epileptischen Anfällen bekannt, bei denen sich aber nur einige wenige Areale beteiligen. Die Bewusstlosigkeit eines abgetrennten Kopfes hingegen ist massiv. Bewusste oder höher verarbeitete Reaktionen eines abgetrennten Kopfes auf Zurufe sind nach Ablauf von 300 Millisekunden zuverlässig auszuschließen. Man spricht hier auch von einem zerebralen Schock, der nicht nur eintreten kann, sondern in jedem Falle eintreten wird.

Die Abläufe innerhalb der ersten Sekunden nach der Abtrennung sind heute ebenfalls sicher bekannt. Da die enorme unkontrollierte Erregung in den durchtrennten und tödlich (letal) geschädigten Axonen aus zellphysiologischen und energetischen Gründen nur über wenige Sekunden aufrechterhalten werden kann, setzt deren biologischer Tod bereits innerhalb weniger Sekunden nach ihrer Durchtrennung ein. Dies ist deshalb so, weil die Fähigkeit, Aktionspotentiale zu transportieren, ein essentieller und lebensnotwendiger Stoffwechselbestandteil aller Nervenzellen ist. Werden die intrazellulären Reserven an Adenosintriphosphat (ATP) erschöpft, kommt die Tätigkeit der Ionenpumpen (aktive membrandurchspannende Proteine) zum Erliegen, was zum sofortigen biologischen Tod der (durchtrennten) spinalen Axone führt. Das Absterben der Axone setzt sich wie ein Lauffeuer von der Stelle der Durchtrennung bis ins Gehirn fort, wo es nach ca. 5 Sekunden die zugehörigen Somata (siehe Pyramidenzelle), von denen sie stammen, erreicht. In diesem Moment sterben diese Somata unabhängig vom verfügbaren Sauerstoff ab (funktioneller Tod), da die Erregungsmuster einen wichtigen Faktor im Zellstoffwechsel darstellen. Die ältere Ansicht, die Zellsomata könnten noch bis zur Erschöpfung der Sauerstoffversorgung (z. B. 3 Minuten) weiterleben und funktionieren, ist falsch.

Auch höhere Projektionsgebiete dieser sterbenden Zellen – d. h. weitergeschaltete Verbindungen, die mit Anbruch der ersten 300 Millisekunden erregt wurden – tragen diese Erregung zwangsläufig so lange fort, bis ihre eigenen intrazellulären Reserven erschöpft sind. Da das Gehirn aber über Gliazellen (Zellen mit Stütz- und Versorgungsfunktionen für die Neurone) noch etwa 20 Sekunden nach Unterbrechung der Blutzufuhr mit Sauerstoff versorgt werden kann, können die Reserven der Projektionsgebiete noch bis zum Ablauf dieser Zeit teilweise ersetzt werden. Diese Zellen leben zwar noch im physiologischen Sinne, sind aber nicht mehr in der Lage, eine sinnvolle Informationsverarbeitung aufrechtzuerhalten. Sie generieren Aktionspotentiale nicht mehr in differenzierter Weise, sondern im physiologisch höchstmöglichen Maße. Bald tritt auch hier der biologische Tod ein.

Nicht berücksichtigt ist hierbei der enorm ansteigende Energiebedarf der Zellen, der mit der Aktivitätserhöhung einhergeht. Die Reserven sind vermutlich wesentlich schneller verbraucht als beispielsweise bei einer Unterbrechung der Blutzufuhr, wie sie bei Unfallopfern vorkommen kann, bei denen der zerebrale Schock unterbleibt. In jedem Fall sind bei abgetrenntem Kopf innerhalb von ca. 20 Sekunden, vermutlich aber früher, alle ATP-Reserven verbraucht, und die Repolarisationsfähigkeit der Zellmembranen kommt generell zum Erliegen.

Eine Ausnahme hiervon bilden nur ganglienzellulär basierte Erregungskreise, die außerhalb des Gehirns lokalisiert sind und überwiegend Reflexe ermöglichen. Da diese Erregungskreise in Bezug auf das Gehirn vornehmlich afferent verschaltet (d. h. von der Peripherie zum Zentralnervensystem verschaltet) sind und nur wenig efferenten Input erhalten, können sie noch während der fatalen Vorgänge im Gehirn gezeigt werden. Der Lidschlussreflex zählt beispielsweise hierzu, der ähnlich wie spinale Reflexe funktioniert. (Analog dazu kann auch der vom Kopf abgetrennte, der sog. spinalisierte Körper, noch Reflexe zeigen.) Hieraus erklären sich Beobachtungen, nach denen ein abgetrennter Kopf noch auf eine schnell auf ihn zubewegte Hand reagiert haben soll. Reflexe wie diese sind jedoch kein Zeichen einer zerebralen Präsenz oder gar einer bewussten Reaktion. Beobachtungen wie Kiefer- und Zungenbewegungen entstammen efferenten Reaktionen, wie sie auch bei epileptischen Anfällen auftreten. Sie bedeuten nicht, dass der Kopf noch etwas sagen wollte, sondern sind unbeabsichtigten Muskelbewegungen gleichzusetzen. Entsprechende Berichte aus der Literatur entstammen wohl eher phantastischen oder makabren Ausschmückungen von naiven Vorstellungen, die sich die Zuschauer bei solchen Ereignissen von der Sache machten.

Vergleich der Enthauptung mit anderen Todesarten

Obwohl die Enthauptung wegen der sofortigen Bewusstlosigkeit mit weniger Belastungen für den Betroffenen verbunden ist als bei anderen Todesarten, stellt das Schicksal des Hinzurichtenden vor der Hinrichtung zweifellos eine erhebliche psychische Belastung dar. Der Anblick von abgetrennten blutigen Köpfen und Hinrichtungswerkzeugen trägt zur Bildung von kognitiver Todesangst bei. Eine autonome Todesangst wie beim Ertrinken (sogenannter Tod mit Behinderung der Atmung) kommt jedoch nicht vor.

Siehe auch

Schafott, Buch Judit, Holofernes, Kopfjagd

Einzelnachweise

  1. http://www.nzzfolio.ch
  2. http://www.20min.ch/print/story/28455498 Aufgerufen am 14. November 2007.

Literatur

 Commons: Enthauptung – Bilder, Videos und Audiodateien