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Kiowa

Dieser Artikel behandelt den Indianerstamm Kiowa. Für weitere Erklärungen, siehe Kiowa (Begriffsklärung).

Die Kiowa (Hauptleute) sind ein Indianerstamm der Kiowa-Sprachfamilie.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gemäß den Überlieferungen der Kiowa lebten sie früher zunächst im Quellgebiet des Yellowstone Rivers, bevor sie später in die tiefer gelegenen Ebenen zwischen dem Missouri Rivers in Nord-Montana und des Arrow Rivers im südlichen Kanada zogen. Dort lebten sie in enger Beziehung zu den Sarcee, einem der ersten Prärie-Indianer-Stämme, die bereits in Tipis lagerten und von der Büffeljagd lebten. Die Kiowa übernahmen rasch deren Lebensweise und wandelten sich ebenfalls von Jägern und Sammlern zu einem Volk von nomadischen Prärieindianern.

Vermutlich um das Jahr 1700 migrierten die Kiowa, deren relativ kleiner Stamm wahrscheinlich nie mehr als 4.000 Personen zählte, in die Black Hills. Die Gründe dafür sind nicht genau bekannt, alte Kiowa-Erzählungen besagen, dass der Stamm sich aufgrund eines Streits zweier Häuptlinge spaltete, und der größere Teil südöstlich abwanderte. In den Black Hills verbündeten die Kiowa sich mit den Absarokee, von denen sie nun vollends den Lebensstil der Plains-Indianer übernahmen. Durch die Crows (Absarokee) kamen die Kiowa auch in den Besitz ihrer ersten Pferde, die sie bald zur Jagd nutzten. Auch die Zeremonie des Sonnentanzes, die sich bald in den Great Plains ausbreiten sollte, übernahmen sie von den Crows. Als Nomaden der Prärie lebten die Kiowa nun von der Büffeljagd. Später wurden die Kiowa für ihre großen Pferdeherden bekannt und für ihre Raubüberfälle berüchtigt, bei denen sie sehr weite Distanzen zurücklegten und die sie bis nach Kanada oder tief in den Süden von Mexiko führten. Tatsächlich wurden die Kiowa im 19. Jahrhundert als "notorische Räuber" bekannt, vor deren Überfällen weder die Amerikaner, noch die Mexikaner oder feindliche Stämme sicher waren. Allerdings reagierten die Kiowa dabei oft nur auf Überfälle anderer, denn die Kiowa waren, ihrer großen Pferdeherden wegen, ein Ziel etlicher anderer Indianerstämme.

Nachdem die Lakota (Sioux), Arapaho und Cheyenne von Osten in die Black Hills drängten, mussten die Kiowa nach Süden ausweichen. Über den North und den South Platte River gelangten sie um 1790 in den nördlichen Teil des heutigen US-Bundesstaates Texas und versuchten sich dort anzusiedeln. Die Comanchen, in deren Gebiet sie dort eindrangen, bekämpften sie zunächst, schlossen jedoch mit den Kiowa zwischen den Jahren 1790 und 1800 einen dauerhaften Friedensvertrag. Fortan kontrollierten beide Stämme zusammen erfolgreich das riesige Stammesgebiet, das sich auf die Bundesstaaten Kansas, Oklahoma, New Mexico und Texas verteilte. Das Gebiet wurde aufgrund seiner fast nahtlosen Kontrolle durch diese beiden Stämme auch als Comancheria bezeichnet.

Die Kiowa lebten oft in nächster Nachbarschaft zu den Comanchen, beide Stämme bewahrten jedoch ihre kulturellen Unterschiede. Bei den Kiowa lebten auch Prärie-Apachen, die Kiowa-Apachen, die kulturell zu den Kiowa zählen, sprachlich jedoch den Apachen zugerechnet werden. Diese eigentümliche Verbindung bewirkte, dass die Kiowa gegenüber der Feindschaft zwischen Comanchen und Apachen Neutralität bewahren konnten. In den Jahren von 1800 bis 1850 bekämpften sich die Kiowa vor allem mit anderen Indianer-Stämmen, die versuchten in die Comancheria einzudringen. So gab es Auseinandersetzungen mit den Cheyenne, Arapaho, Osage, Ute, Diné und Pawnee, alles alte Feinde der Kiowa bzw. der Comanchen. Sogar Raubzüge bis zu den Sioux im Norden und entlang des Mississippi/Missouri gegen die Sauk & Fox, die Kansa und die Oto sind bekannt. 1840 wurde das Bündnis der Kiowa und Comanche um die nach Süden drängenden (Southern) Arapaho und auch der (Southern) Cheyenne erweitert, mit denen nach jahrelangen Kämpfen ein Friedensvertrag geschlossen werden konnte.

Ab 1850 vermehrten sich die Kämpfe mit der US-Armee, die einen 1837 mit den Kiowa vereinbarten Vertrag brach. Kurzzeitig mussten einige Landstriche in Texas durch die Amerikaner aufgrund der Überfälle durch Kiowa und Comanchen wieder geräumt werden, aber um 1855 gelang es der US-Armee, das Gebiet wieder zu befrieden. Erst um 1865, nach Beendigung des amerikanischen Bürgerkriegs, nahm der Druck der US-Armee auf die Kiowa erneut zu. 1867 waren die Kiowa zusammen mit ihren Verbündeten, den Comanche und Southern Cheyenne deshalb bereit, den Vertrag von Medicine Lodge zu unterschreiben. Der Vertrag sah die Umsiedlung der Prärieindianer in eine Reservation bei Fort Sill vor. Nachdem zunächst der größte Teil der Kiowa in die Reservation ging, riefen einige Kiowa-Häuptlinge den Stamm auf, nach dem Washita-Massaker im Winter 1868 an den Cheyennes, das Reservat wieder zu verlassen. So kam es erneut zu Kämpfen und Überfällen in Texas von 1869-1871, bevor durch die Festnahme der Häuptlinge Satanta, Satank und Big Tree die Kiowa sich in die Reservation zurückbegaben.

Letztmals versuchten die Kiowa, gemeinsam mit den Comanchen, zwischen 1874-1875 sich der amerikanischen Übermacht zu erwehren, auch in der Hoffnung, so die letzten in der Gegend noch vorkommenden Bisonherden vor der Vernichtung durch die Weißen bewahren zu können. Aber Satanta musste sich nach einer verheerenden Niederlage im Palo Duro Canyon im November 1874 ergeben. Kurz danach gab auch Lone Wolfe mit den letzten 252 freien Kiowa im Mai 1875 den Widerstand auf, so dass es der US-Regierung bis zum Sommer 1875 gelang, die Kiowa wieder sämtlich in die Reservation bei Fort Sill in Oklahoma umzusiedeln.

1878 lebten dort ca. 1.200 Kiowa. Am 6. August 1901 wurde das Land der Kiowa zur Besiedlung durch die Weißen freigegeben, de facto wurde damit die Reservation aufgelöst. Jedes Familienoberhaupt erhielt damals 80 acres. Bis 1990 wuchs die Zahl der Kiowa, die im Gebiet der ehemaligen Reservation leben, wieder auf ca. 5.500 an. In den gesamten USA leben heute etwa 8.000-10.000 Nachfahren der Kiowa-Indianer.

Siehe auch

Liste nordamerikanischer Indianerstämme

Literatur

 Commons: Kiowa – Bilder, Videos und Audiodateien