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Kongokrieg

Der Kongokrieg war ein Krieg, der von 1996 bis Anfang 2008 auf dem Territorium der Demokratischen Republik Kongo ausgetragen wurde. Vom Kongokrieg sind die Kongo-Wirren mit dem anschließenden Sezessionskrieg und dem Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit des Landes zwischen 1960 und 1965 zu unterscheiden.

Der Kongokrieg wird oft in den ersten Kongokrieg von 1996 bis 1997 und den zweiten Kongokrieg seit 1998 eingeteilt, der manchmal auch Afrikanischer Weltkrieg oder Dritter Weltkrieg genannt wird, obwohl man beide Kriege auch als zwei Phasen eines einzigen Konflikts betrachten kann. Der Konflikt wurde zwar im Jahre 2003 für beendet erklärt, ethnische Konflikte ließen aber immer wieder neue Kämpfe aufflammen, an deren Begrenzung wenig internationales Interesse bestand.

Die Ursachen für den Krieg im Kongo sind vielfältig. Hauptauslöser des Krieges waren die nach dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994 entstandenen Flüchtlingslager im Osten des damals noch Zaire genannten Kongo, wo sich viele der für den Völkermord verantwortlichen Génocidaires und Angehörige der früheren ruandischen Armee FAR aufhielten.

Der harte Kern der am Völkermord beteiligten Hutu begann bald von Zaire aus Angriffe auf Ruanda zu verüben, um die zwischenzeitlich gebildete neue Regierung wieder zu stürzen. Der zairische Präsident Mobutu Sese Seko, dessen Macht damals schon sehr angeschlagen war, sah diesen Konflikt als Mittel wieder zu einem wichtigen Faktor im Weltgeschehen zu werden, indem er das Flüchtlingselend und die internationale Aufmerksamkeit ausnutzte und sich auf die Seite der Hutu stellte. Dies führte zum Einmarsch der militärisch weit überlegenen RPF aus Ruanda nach Zaire, um die Lager aufzulösen und die Beteiligten am Völkermord zur Rechenschaft zu ziehen. Gleichzeitig bildeten sie dort eine Koalition um Laurent-Désiré Kabila zum Sturz Mobutus. Diese Koalition wurde auch von den USA und Uganda gestützt.

Nach dieser ersten Phase kam es 1998 zu einer zweiten Auseinandersetzung, in die diesmal neben dem Kongo und Ruanda auch Uganda, Namibia, Angola, Burundi, Simbabwe, Tschad, der Sudan sowie indirekt auch die USA, Frankreich, Libyen, Tansania, Sambia und Südafrika verwickelt waren, daher auch die Bezeichnung "afrikanischer Weltkrieg". Auch Söldner aus Serbien, Rumänien, der Ukraine, Belgien, Frankreich und Südafrika beteiligten sich, sogar ein Korps aus Nordkorea. Dabei wandten sich die vormaligen Unterstützer Kabilas gegen ihn, worauf mehrere südliche Nachbarländer des Kongo Kontingente zur Unterstützung der Regierung Kabilas entsandten.

Gründe für diesen zweiten Krieg waren hauptsächlich die im Osten der Demokratischen Republik Kongo reichlich vorhandenen Bodenschätze wie Diamanten, Gold, Erdöl und das strategisch überaus wichtige Coltan, deren Ausbeutung viele Begehrlichkeiten weckte. Die in den Krieg verwickelten Staaten verfolgten zumeist wirtschaftliche und strategische Interessen oder versuchten von heimischen Problemen abzulenken.

Im Juli 1999 wurde in Lusaka das Waffenstillstands- bzw. Friedensabkommen von Lusaka geschlossen; welches zunächst jedoch nicht eingehalten wurde.

Die Vereinten Nationen bildeten im Jahr 2000 die Mission der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo (MONUC), die seitdem versucht im Konflikt zu vermitteln. Am 16. Januar 2001 fiel Laurent-Désiré Kabila einem Attentat eines seiner Leibwächter zum Opfer, worauf sein Sohn Joseph Kabila das Amt des Präsidenten übernahm. Ihm gelang es zeitweise mit Unterstützung der UNO, die Verhandlungen mit den abtrünnigen Provinzen wieder aufzunehmen und im Juli 2003 eine neue Regierung mit Vertretern der verschiedenen Rebellengruppen zu bilden.

Vor allem die Provinzen im Osten des Landes stellten jedoch weiterhin einen Unruheherd dar. Bis Ende 2007 fanden in östlichen Landesteilen noch regelmäßig Kämpfe statt, deren angeblich ethnische Gründe eher wirtschaftliche Interessen verbergen sollten. Außer versprengten Rebellengruppen waren auch unbezahlte Regierungstruppen daran beteiligt, wobei letztere oft Dörfer auch nur angriffen, um sich zu verpflegen. Gemäß dem amerikanischen Time Magazine (Mai 2006) wurden mindestens 3,2 Millionen Dollar des Acht-Millionen-Monats-Budget der kongolesischen Streitkräfte gestohlen und nicht als Sold ausbezahlt, was einen großen Risikofaktor darstellte.

Angeführt wurden die Rebellengruppen von Laurent Nkunda, der 2004 die kongolesische Übergangsregierung abgelehnt und sich daraufhin in die Provinz Kivu zurückgezogen hatte. Im Dezember 2007 erklärte Nkunda sich zu Friedensgesprächen bereit; am 23. Januar 2008 wurde in Goma ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Nkunda, der Regierung der DR Kongo und Vertretern regionaler Gruppen unterzeichnet. [1]

Während der Friedensverhandlungen gab das International Rescue Committee bekannt, dass einer Untersuchung zufolge der Kongokrieg seit Ausbruch bereits 5,4 Mio. Todesopfer forderte – mehr als jeder andere Konflikt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.[2]

Einzelnachweise

  1. die tageszeitung: Friedensabkommen doch noch gerettet vom 23. Januar 2008.
  2. IRC Study Shows Congo’s Neglected Crisis Leaves 5.4 Million Dead auf http://www.theirc.org, vom 22. Januar 2008

Siehe auch

 Commons: Kongokrieg – Bilder, Videos und Audiodateien