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Stadtbezirk Dortmund-Mengede

Dieser Artikel erläutert den Stadtbezirk Dortmund-Mengede; zu dem gleichnamigen Stadtteil siehe Dortmund-Mengede.
Stadtbezirk Mengede
Stadt Dortmund
Koordinaten: 51° 34′ N, 7° 23′ OKoordinaten: 51° 34′ 29″ N, 7° 23′ 6″ O
Höhe: 69 m ü. NN
Fläche: 28,7 km²
Einwohner: 38.178 (31. Dez. 2007)
Eingemeindung: 1. Apr. 1928
Postleitzahlen: 44339, 44357, 44359, 44369
Vorwahl: 0231
Lage des Stadtbezirks Mengede innerhalb Dortmunds.

Mengede ist ein Stadtbezirk im Dortmunder Nordwesten.

Inhaltsverzeichnis

Stadtteile

Zum Stadtbezirk Dortmund-Mengede gehören die Ortsteile Schwieringhausen, Groppenbruch, Ellinghausen, Nette, Westerfilde, Oestrich, Brüninghausen, Mengede und Bodelschwingh. Im Stadtbezirk Mengede lebten zum 31. Dezember 2006 38.285 Einwohner.

Geschichte

Erste Besiedlungen im Raum Mengede konnten bis in die keltische Zeit von 500 bis 200 v. Chr. archäologisch nachgewiesen werden. Damit gehört der Ort zu den ältesten besiedelten Regionen im Emscherraum. In den Heberegistern des Klosters Werden wird Mengede erstmals im Jahre 890 n. Chr. urkundlich erwähnt. Der Stammsitz der Ritter von Mengede, ursprünglich das heutige Gut Altmengede in Schwieringhausen, wurde im 13. Jahrhundert das an der Emscher gelegene Haus Mengede. Bekanntester Vertreter des Adelsgeschlechts war Johann von Mengede, der von 1450 bis 1465 Hochmeister des Deutschen Ordens in Livland war. Die erhaltenen Fundamente von Haus Mengede sind als Bodendenkmal heute wieder zu besichtigen. Der Name Mengede bedeutet „große Heide“ und wird aus dem Altsächsischen „Mengithi“ abgeleitet.

Das Industriezeitalter begann in Mengede im Jahre 1848 mit dem Bau der Cöln-Mindener Eisenbahn und dem Abteufen der Zeche Adolf von Hansemann ab dem Jahr 1873. Im Westen wuchs der Ort mit der Bauernschaft Oestrich und im Süden mit Nette zusammen. Der heutige Mittelpunkt Mengedes entstand nach einem Beschluss der Gemeindevertretung im Jahr 1913, wonach der Marktplatz, die Feuerwache und der Saalbau südwestlich des alten Ortskerns neu errichtet wurden.

1867 wurde in Mengede eine eigene jüdische Kultusgemeinde unter dem Namen „Israelisitischer Wohltätigkeitsverein Mengede“ gegründet. Gemeindevorsteher war der Kaufmann Levi Baum.

Mengede in der Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg organisierten sich in Mengede viele Bergarbeiter der Zechen und heimkehrende Kriegsteilnehmer in anarcho-syndikalistischen Strukturen. Im Frühjahr 1919, zeitgleich mit den großen Bergarbeiterstreiks im Ruhrgebiet die auch die Zechen in Mengede betrafen, wurde die „Freie Arbeiter-Union Mengede“, eine Ortsgruppe der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD), gegründet. 1920 wurde aus Mitgliedern des Ortsverbandes, der über 1.000 Mitglieder besaß, eines der ersten Bataillone der Roten Ruhrarmee rekrutiert.

1922 kam es zu Spaltungen innerhalb der Freie Arbeiter Union-Mengede, einige Mitglieder spalteten sich ab und gründeten die „Wirtschaftliche Einheitsorganisation der Zeche Adolf von Hansemann“. Diese zunächst nur als Betriebsgruppe tätige Organisation wechselte alsbald das politische Lager und gründete zusammen mit dem Bergmann Wilhelm Moog, einem Mitglied des Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbundes, einen Ortsverband der NSDAP. Die Gründung des Ortsverbandes ist auf den 9. Juni 1922 datiert.

Am 17. Januar 1923 marschierten belgische und französische Truppen im Rahmen der Ruhrbesetzung in Mengede ein. Ein Großteil der Mengeder Bergleute leistete passiven Widerstand und weigerte sich einzufahren.

1923 erreichte die Dortmunder Straßenbahn Mengede. Die Linie 5 wurde über Huckarde Abzweig verlängert und sollte Teil einer nicht verwirklichten Schnellstraßenbahnlinie durch das nördliche Ruhrgebiet bis nach Duisburg werden.

Im Oktober kommt es im zum damaligen Amt Mengede gehörenden Ortsteil Nette zu Kartoffelunruhen, bei denen insgesamt 41 Personen wegen Plünderung und Landfriedensbruch verhaftet und angeklagt werden.

Mit der Auflösung des Landkreises Dortmund wurde der Ort im Jahre 1928 als eigener Stadtbezirk in die Stadt Dortmund eingemeindet. In der Mengeder Zeitung erscheint ein Grußwort des Dortmunder Oberbürgermeisters „Willkommen in Dortmund“.

Kurz darauf wurde die Mengeder Zeitung umbenannt und erschien dann unter dem neuen Namen „Dortmund Mengeder Lokal-Anzeiger“.

Nach Lohnkürzungen kam es im Januar 1931 zu Streiks auf der Zeche Hansemann. Die Streiks wurden vorwiegend von kommunistischen Arbeitergruppen initiiert. Die äußerste Rechte, Stahlhelm und NSDAP, betätigte sich als Streikbrecher. Am 3. Januar kam es vor der Zeche zu Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen in deren Verlauf der 22-jährige Arbeiter Josef Schramowski einen tödlichen Brustschuss erhielt und damit das erste Opfer rechtsextremer Gewalt in Mengede wurde. Bei der Auseinandersetzung wurden drei weitere Personen durch Schüsse schwer verletzt.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Bei den Wahlen zum Preußischen Landtag am 24. April 1932 wurde die NSDAP stärkste politische Kraft. 3.699 von 12.930 Stimmen entfielen auf ihre Liste. Der Kandidat Franz Land, der eigentlich Krajewski hieß, wurde Mitglied des Landtags. Franz Land war auch Ortsgruppen-Leiter der NSDAP in Mengede. Anmerkung: Kraj ist das polnische Wort für Land.

Bei der Reichstagswahl November 1932 musste die NSDAP in Mengede einen Verlust hinnehmen, die KPD wurde kurzfristig zur stärksten politischen Partei.

Nach der Berufung von Hitler zum Reichskanzler führten nationalsozialistische Organisationen am 6. Februar 1933 in Mengede einen Fackelzug durch. Trotz der Übernahme der politischen Macht durch die NSDAP auf Reichsebene kam es in Mengede weiterhin zu Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Gruppen. Am 28. Februar 1933 wurde bei Kämpfen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten die herbeigeeilte Polizei angeschossen.

Am 1. April kam es auf dem Mengeder Markt zu einer Kundgebung zum Boykott jüdischer Geschäfte. Im September wurde der Arbeiterturn- und Sportverein Vorwärts Mengende 07 aufgelöst.

Am 15. Juli waren auf der Zeche Hansemann bei einer schweren Explosion 10 tote und 26 verletzte Bergleute zu beklagen.

Am 23. Oktober fand in Mengede eine erste Verdunkelungsübung statt. Bürger und Kaufleute des Ortes mussten Lichtreklame und Schaufensterbeleuchtung auf ein Mindestmaß reduzieren.

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde das Haus des Mengeder Kaufmanns Salomon Heimberg in der Williburgstraße geschändet. Es wurde später zum Judenhaus, in dem die Mengeder Juden vor der Deportation zusammengetrieben wurden. 1943 gab es in Mengede keine Juden mehr.

Am 5. März 1943 wurden die Glocken der St. Remigius Kirche demontiert und zu Kriegszwecken wegtransportiert.

Anfang April 1945 wurde Mengede zur Front. Ein Artillerieduell zwischen deutschen und amerikanischen Truppen hielt die Bevölkerung eine Woche in den Kellern. Die St. Remigius Kirche wurde durch zwei Granattreffer beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Die erhaltenen Gebäude der im Jahre 1967 stillgelegten Zeche Adolf von Hansemann sind, ebenso wie der Volksgarten, mittlerweile Bestandteil der Route der Industriekultur.

Verkehrsanbindung

Mengede besitzt heute einen Anschluss an das S-Bahn- und das Regionalexpressnetz mit seinem Bahnhof Dortmund-Mengede an der Cöln-Mindener Eisenbahn. Mit direkten Anschlüssen an die Autobahnen A2, A45 und A42 liegt Mengede gleichzeitig in einem Schnittpunkt überregionaler Verkehrsverbindungen.

Presse

Von 1920 bis 1990 erschien in Mengede die „Mengeder Zeitung“. Gegründet wurde sie von Ernst Arnold, dem Inhaber des gleichnamigen Mengeder Druckerei- und Verlagshauses. Die Mengeder Zeitung war eine typische Heimatzeitung. Der Lokalteil wurde in Mengede produziert, die Mantelseiten wurden von kooperierenden Zeitungsverlagen zugeliefert. 1941 fiel sie der ersten von insgesamt drei kriegsbedingten Schließungswellen zum Opfer. Gemeinsam mit der Lütgendortmunder Amts-Zeitung erschien sie 1949 unter dem Namen „Dortmunder Nord-West-Zeitung“ neu. 1990 ging die Mengeder Zeitung in den Dortmunder Ruhr Nachrichten auf.

Vorläuferin der Mengeder Zeitung war eine gleichnamige Nebenausgabe der Castroper Zeitung, die von 1911 bis 1914 in Mengeder verkauft wurde, mit der späteren Mengeder Zeitung aber nicht in Verbindung stand.


Visiten von Prominenten

Am 29. Mai 2005 besuchte Bundespräsident Horst Köhler im Rahmen des 1. Mengeder Musikfestivals den Stadtteil.

Weiterhin besuchte der chinesische Staatspräsident Hu Jintao am 12. November 2005 die Mengeder Heide, um eine Bergbauingenieurfamilie zu sprechen. Diese Visite fand im Rahmen seines viertägigen Aufenthaltes vom 10. bis 13. November 2005 in Deutschland statt. Hu Jintao besuchte die Familie Twardy in der Kleinen Riedbruchstraße.

Karneval in Mengede

Seit 1979 gibt es in Mengede eine Karnevalsgesellschaft. Die Karnevalsgesellschaft Blau-Rot Dortmund-Mengede wurde in der ehemaligen Gaststätte „Alte Wache“ (bereits abgerissen, heute Zufahrt zur Heimbrügge) gegründet.

Die Mengeder Karnevalisten verfügen über eine selbstständige Jugendabteilung, die Tanzsportgarde Dortmund-Mengede.

Literatur