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Graues Kloster (Berlin)

Dieser Artikel beschreibt die Geschichte des Grauen Klosters in Berlin bis zur Reformationszeit; für das dann darin eingerichtete Gymnasium siehe Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster; zur Klosterkirche siehe Franziskaner-Klosterkirche (Berlin)

Als Graues Kloster wurde das Franziskanerkloster im mittelalterlichen Berlin bezeichnet. Nach der Überlieferung des märkischen Chronisten Andreas Angelus geht der Name auf die graue Tracht der Franziskanermönche zurück. Das Berliner Franziskanerkloster befand sich in der heutigen Klosterstraße. Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg galt das Kloster als das wichtigste mittelalterliche Bauwerk der Stadt. Heutzutage stellt die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche eine der letzten erhaltenen gotischen Sehenswürdigkeiten Berlins dar.

Geschichte

Die Bettelorden hatten einen wichtigen Anteil an der deutschen Besiedlung der Gebiete zwischen Elbe und Oder. Das mittelalterliche Mitteldeutschland gilt neben dem Rheinland als eines der klassischen Länder der Bettelorden. In der Mark Brandenburg setzten die askanischen Landesherren die Bettelorden zur planmäßigen Besiedlung des Landes ein.

Im Jahr 1250 tritt in den Urkunden ein Herman Langelis als Lectoris im Grawen Kloster zum Berlin in Erscheinung. Dieser war geistlicher Berater und Beichtvater der brandenburgischen Prinzessin Mechthild. Diese Tatsache lässt auf eine enge Verbindung der Franziskaner zum brandenburgischen Markgrafenhof schließen. Weitere Hinweise auf eine Franziskanerniederlassung ab dem Jahr 1249 gehen auf den Chronisten Andreas Angelus zurück. Die ursprüngliche Niederlassung befand sich laut dem Chronisten in der Spandauer Straße (heutige Hausnummer 49). Feldsteinreste einer romanischen Saalkirche aus der Zeit vor 1250, die unter der Klosterkirche gefunden wurden, deuten aber daraufhin, dass die Franziskaner von Beginn an auf dem Areal ansässig waren. Diese Annahme scheint durch die Abhaltung eines Provinzialkapitels bereits im Jahre 1252, welches sicher geeignete Räumlichkeiten benötigte, bestätigt zu werden. Der Chronist Angelus überliefert den Namen "Graues Kloster" als Bezeichnung für den Berliner Konvent. Das Kloster selbst grenzte direkt an den markgräflichen Hof (Aula) in der Klosterstraße. Insgesamt umfasste das Kloster das Areal zwischen der heutigen Klosterstraße, Grunerstraße und Littenstraße. Neben dem Areal in der Klosterstraße verfügte das Kloster noch über ein Terminierhaus in Spandau.

Neben dem Franziskanerkloster in Berlin gab es auch noch ein Dominikanerkloster in der Schwesterstadt Cölln. Dieses wird erst seit dem Jahr 1297 erwähnt und entstand vielleicht durch die Auflösung eines möglichen Dominikanerkonvents in der älteren Stadt Spandau. Die Existenz von gleich zwei Bettelordenkonventen in der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln ist ein Indiz für deren hohe Bedeutung im Mittelalter.

Das Berliner Franziskanerkonvent war ein Bestandteil der Kustodie Brandenburg der mittelalterlichen Franziskanerprovinz Saxonia.

Eine Inschrift, die sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Kloster selbst befand, besagte, dass die brandenburgischen Markgrafen Otto V. und Albrecht III. den Franziskanern das Grundstück nahe der Stadtmauer in direkter Nachbarschaft zur markgräflichen Residenz (Hohes Haus) im Jahr 1271 schenkten. Außerdem erhielten die Franziskaner im Jahr 1290 eine Ziegelei des Ritters Jakob von Nybede als Schenkung, die den Bau des eigentlichen Klosters erst ermöglichte. Reste dieser Ziegelei wurden nahe der heutigen Kreuzbergstraße gefunden. Der Bau des Klosters wurde wohl im 14. Jahrhundert abgeschlossen. Vom guten Verhältnis der Mönche zu den Berliner Bürgern und den brandenburgischen Markgrafen geben zahlreichen Begräbnisstätten Aufschluss.

Große Beliebtheit erfuhren die Berliner Franziskaner wohl durch die geistliche Unterstützung der Berliner Bevölkerung während des Interdikts von 1325–1347. Diese gab möglicherweise auch den Ausschlag für die Ausgestaltung des Totentanzes in der St. Marienkirche.

Im Zuge der Reformation mussten die Franziskaner Berlin verlassen. In dem ehemaligen Kloster wurde ein Gymnasium eingerichtet, das Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster genannt wurde. Einer der bekanntesten Leiter dieser Schule war der berühmte Kirchenliederdichter Michael Schirmer (1606-1673). Die Gebäude des ehemaligen Klosters wurden im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört und anschließend abgerissen. Heute sind daher lediglich noch Ruinen der Klosterkirche zu sehen.

Literatur

Koordinaten: 52° 31' 6" N, 13° 24' 46" O