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Gustav Lombard

Gustav Lombard (* 10. April 1895 in Klein-Spiegelberg, Kreis Prenzlau; † 18. September 1992 in Mühldorf am Inn) war als SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Kommandeur mehrerer SS-Divisionen. Während seiner Zeit als Regimentskommandeur im Kommandostab RFSS prägte er die Bezeichnung „Entjudung“ für die Ermordung der jüdischen Bevölkerung in den deutschbesetzten Gebieten Osteuropas. Als Kriegsverbrecher wurde er in der Sowjetunion zu 25 Jahren Haft verurteilt, jedoch bereits 1955 im Rahmen der von Konrad Adenauer erreichten Amnestie für deutsche Gefangene freigelassen (vgl. Heimkehrer). In Deutschland wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I 1970 eingestellt mit der Begründung, es könne „die öffentliche Anklage nicht mit Aussicht auf Erfolg erhoben werden“.[1]

Inhaltsverzeichnis

Rolle bei Judenvernichtung und Völkermord

Polen 1940

Als Führer der 3. Reiterschwadron der 1. SS-Totenkopf-Reiter-Standarte gab er am 7. April 1940 in Krolowiec den Befehl: „Im Gefechtsstreifen im Hinblick auf die Kampfmethoden der irregulären, poln[ischen] Truppen sofort auf Nichtdeutsche schießen.“[2] Am selben Abend erhielt die Schwadron über Funk den Befehl bei der Besetzung und Durchsuchung weiterer Ortschaften in der Umgebung „die gesamten, im Gefechtsstreifen liegenden Dörfer für die nachrückende Pol[izei]-Truppe zu umstellen und die gesamte männl[iche] Bevölkerung gefangen zu nehmen. Abtransport erfolgt durch die nachfolgende Pol[izei]-Truppe. Bei Widerstand werden sämtliche Männer im Alter zwischen 17 und 60 Jahren erschossen und das gesamte Dorf eingeäschert. Jeder Fluchtversuch bedingt sofortiges Erschießen.“[3] Im Abschlussbericht gibt Hermann Fegelein, Kommandeur der Standarte, für die Aktion 250 Erschossene an.[4]

Weißrussland 1941

Ende Juli 1941 befehligte Lombard die Reitende Abteilung des 1. SS-Kavallerie-Regiments östlich von Brest. Seine Anweisung für die Durchsuchung der Gegend lautete: „Es bleibt kein männl[icher] Jude leben, keine Restfamilie i[n] d[en] Ortschaften“.[5] In diesem Zusammenhang prägte Lombard auch den Begriff „Entjudung“, der sich nun auf die physische Vernichtung der jüdischen Menschen in der Region bezieht.[6] Im Laufe der nächsten Tage und Wochen ermordeten die SS-Soldaten unter Lombards Kommando mindestens 11.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder sowie über 400 versprengte Rotarmisten.[7]

„Partisanenkampf“

Bereits 1941 wurde klar, dass die Vernichtungsaktionen der Waffen-SS gegenüber der Wehrmacht als „Partisanenbekämpfung“ getarnt werden sollten. Vereinzelte versprengte Rotarmisten boten den Vorwand für „Säuberungsaktionen“, die jedoch in erster Linie die Ermordung der jüdischen Bevölkerung zum Ziel hatte. 1942 führte Lombard im Rahmen einer Besprechung zwischen SS und Wehrmacht jedoch aus: „Man kann vielleicht über die Maßnahmen verhandeln, wie der Jude am zweckmäßigsten aus den uns anvertrauten Gebieten verschwinden soll, aber daß er beseitigt werden muß, steht fest, denn der Jude ist der Partisane!“[8]

Nachkriegszeit

In sowjetischer Kriegsgefangenschaft wurde Lombard 1947 wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer Russin sowie der Erschießung von Partisanen durch Angehörige seines 1. Reiterregiments zu 25 Jahren Haft verurteilt. Am 10. Oktober 1955 wurde er im Rahmen der von Adenauer erreichten Amnestie für deutsche Gefangene aus dem Kriegsgefangenenlager Woikowo entlassen. Mit der Hilfe seiner Kameraden erhielt er in München eine Wohnung übertragen und wurde bald darauf als Versicherungskaufmann von der Allianz-Versicherung eingestellt. In den seit 1962 laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I wegen der Vernichtung der jüdischen Gemeinden im Pripjatgebiet wurde auch Lombard als Beschuldigter geführt. Die Einstellung des Verfahrens am 22. Dezember 1970 war aufgrund einer Novelle des § 50,2 des Strafgesetzbuches möglich geworden, wonach eine besonders grausame Tatausführung oder niedere Beweggründe nachgewiesen werden mussten, was einer „kalten“ Amnestie für NS-Mörder gleichkam.[9]

Lombard war aktiv in der Bewegung der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS und trat bei Kameradschaftstreffen öffentlich in Erscheinung. Er starb 97jährig am 18. September 1992 in Mühldorf am Inn.

Laufbahn in der SS

Beförderungen

Auszeichnungen

Kommandos

Literatur

Einzelnachweise

  1. Cüppers, Wegbereiter, S. 324.
  2. Kriegstagebuch 3. Schwadron. vom 7. April 1940, BA-MA, RS 4/310.
  3. Befehl 1.SS-Totenkopf-Reiter-Standarte an 3. Schwadron vom 7. April 1940, 21.50, BA-MA, RS 4/683.
  4. Cüppers, Wegbereiter, S. 57f.
  5. Abteilungsbefehl Nr.28, Kommandeur Reitende Abteilung vom 1. August 1941, BA-MA, RS 4/441.
  6. Abteilungsbefehl Nr. 36 u. 37 vom 9. u. 11. August 1941, BA-MA, RS 4/441.
  7. Cüppers, Wegbereiter, S. 142-151.
  8. Redemanuskript Kdr. SS-KR 1 (undat./gehalten 25. September 1941, BA-MA, RH 22/225. siehe auch Cüppers, Wegbereiter, S. 221f.
  9. Cüppers, Wegbereiter, S. 324.


PND: Datensatz zu Gustav Lombard bei der DNB
Keine Treffer im DNB-OPAC, 06. Januar 2008
Personendaten
Lombard, Gustav
SS-Brigadeführer, Kriegsverbrecher
10. April 1895
Klein-Spiegelberg, Kreis Prenzlau
18. September 1992
Mühldorf am Inn