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Diskussion:Befehlsnotstand

Im Artikel steht: "Gerade im dritten Reich hat es bei den schwersten Verbrechen meist keinen echten Befehlsnotstand gegeben. Man weiß heute, dass etwa ein Mord auf Befehl meist durchaus verweigert werden konnte, ohne, dass der Befehlsempfänger ernsthafte Konsequenzen zu befürchten hatte." Nur, warum hätten sie es tun sollen? Im Artikel fehlt mir der Hinweis auf das Gewissen des Einzelnen. Man kann von einem einfachen Soldaten nicht verlangen, juristisch ausgebildet zu sein, wohl aber sein Gewissen als oberste Instanz anzuerkennen. Hier kann sich keiner rausreden.


Ich denke, Vergewaltigung gehört hier nicht rein.
Natürlich ist Vergewaltigung ein Kriegsverbrechen, darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten, und jeder sieht auch offensichtlich, daß Vergewaltigung verboten ist.
Allerdings kann ich mir im Zusammenhang mit Befehlsnotstand nicht vorstellen, daß der Tatbestand auch nur annähernd mit Befehlsnotstand zu entschuldigen versucht werden kann. Bei Mord, Plünderung oder Folter kann immerhin noch glaubwürdig konstruiert werden, daß der Befehl einen Zweck hatte; Vergewaltigung ist IMHO aber immer etwas zum persönlichen "Spaß" des Ausführenden und kann deswegen nicht befohlen werden (was heißt, auch nicht mit Befehlsnotstand entschuldigt werden).
--Dingo 15:05, 9. Mär 2004 (CET)

Das trifft leider nicht immer zu. Im Jugoslawienkrieg ist es nachweislich mehrfach vorgekommen, dass Soldaten befohlen wurde, Frauen und Mädchen in besetzten oder eroberten Gebieten vor aller Augen zu vergewaltigen. Und aktenkundig sind mehrere Soldaten, die sich geweigert haben, wegen Befehlsverweigerung hingerichtet worden. Das gleiche gilt auch für den Tscheschenienkonflikt.

Das ist selbstverständlich die Ausnahme und in den allermeisten Fällen liegt tatsächlich kein Befehlsnotstand vor, aber es muss erwähnt werden (vor allem auch in Gedenken an die Soldaten, die tatsächlich den Mut aufgebracht haben, sich zu weigern, in einer solchen Situation absolut keine Selbstverständlichkeit!).

Ehrlich gesagt, kann ich es mir nicht vorstellen, wie "es" auf Befehl funktionieren soll, auch bei einem gesunden jungen Mann. Und das dann einer erschossen wird, weil er "es" nicht kann... Naja, im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer und Kriegspropaganda ist sprichwörtlich. Ich bin auch dagegen, Vergewaltigung mit Befehlsnotstand in Verbindung zu bringen, also bitte löschen. Danke. Nitec 02:43, 10. Jan 2005 (CET)

Ich schlage eine Neufassung vor, die ich bis morgen fertig habe. Bin via Gustav Radbruch auf den Artikel gekommen. Freue mich auf Anregungen, Gruß --Allons! 6. Jul 2005 19:10 (CEST)


Befehlskette

Die strafrechtliche Konstruktion einer Befehlskette gestaltet sich nämlich schwierig. Wo ein eindeutiger Befehl schriftlich oder vor Zeugen abgegeben wurde ist die Beweislage eindeutig. Schwierig wird es in den Fällen, bei denen der konkrete Befehl in Erfüllung eines nicht eindeutigen Auftrages gegeben wurde. Die Grenzen zwischen verbindlichem Befehl und unausgesprochener Erwartung verliefen fließend und ohne Kenntnis der exakten Tatumstände konnte ein Urteil kaum gefunden werden. Es war auch eine Taktik im NS- Regime, erwartete Kriegsverbrechen nicht ausdrücklich zu befehlen sondern Verantwortung zu teilen und lediglich die Erwartungshaltung auszusprechen (bspw. "gegen Freischärler ist mit äußerster Härte vorzugehen"). Jeder wusste worum es ging, und in einer Gruppe war offener Widerstand doppelt schwierig.

Hat dieser Absatz nicht eher was mit der Strafbarkeit der Befehlsgeber zu tun? Nach §47 Abs.1 MilStGB erhöhten unklare Befehle wegen des eventuellen Überschreitens des Befehls sogar die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausführenden in Westdeutschland strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde. Ich schlage deshalb vor, diesen Absatz zu löschen. --Sebastian Huber 15:01, 12. Okt. 2006 (CEST)

Wie mans nimmt, in der nationalsozialistischen "Rechtspraxis" dürfte das Risiko der Mißinterpretation eher beim Befehlsempfänger als beim Befehlsgeber gelegen sein, was wie beschrieben die strafrechtliche Entlastung des Handelnden nicht förderte. Die Dilemmasituation bestand beim Befehlsempfänger also selbst dann, wenn der gegebene Befehl das geforderte Handeln nicht wörtlich umfasste. Die von dir zitierte westdeutsche Rechtsprechung war da noch in weiter Ferne. Zumindest für den "rechtsfreien Raum" wie er in Diktaturen typischerweise auftritt müßte der Absatz imho drinbleiben oder entsprechend ergänzt werden. Gruß, --Allons! 17:25, 26. Apr. 2007 (CEST)