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Emanuel Hirsch

Emanuel Hirsch (* 14. Juni 1888 in Bentwisch bei Wittenberge; † 17. Juli 1972 in Göttingen) war ein evangelischer Theologe. Er ist Sohn eines brandenburgischen Pfarrers.

Inhaltsverzeichnis

Theologischer Werdegang

Hirsch verbrachte seine gesamte Studienzeit an der Universität Berlin. Seine Lehrer waren u. a. Karl Holl und Adolf von Harnack. Er gehörte dem Wingolfsbund an, einer christlichen Studentenvereinigung. Dort lernte er Paul Tillich kennen, mit dem er auch kurze Zeit befreundet war. Nach Habilitation (1915) und Privatdozentenzeit an der Universität Bonn war er seit 1921 Professor für Kirchengeschichte an der Universität Göttingen, ab 1936 auch für Systematische Theologie.

Er war Luther- und Kierkegaardspezialist. Kierkegaard übersetzte er ins Deutsche. Darüber hinaus war er ein großer Kenner des deutschen Idealismus. Hirschs Ansatz ist dadurch bestimmt, dass es kein Zurück hinter die moderne Frage nach persönlicher Gewissheit gibt. Vor diesem Hintergrund kann Theologie keine traditionell autorisierten Dogmen wiederholen, sondern muss das Gewissen des Einzelnen ansprechen. "Gewissen" ist in Hirschs Denken ein Zentralbegriff. Hirsch beschäftigte sich ebenfalls mit neutestamentlichen Fragen wie der Geschichte der Evangelientradition oder dem Wesen des Osterglaubens. In seinen späteren Jahren verarbeitete er religiöse und theologische Erfahrungen auch literarisch, so etwa in mehreren Romanen.

Hirschs Werk ist außerordentlich vielseitig und findet bis heute Berücksichtigung im theologischen und philosophischen Lehrbetrieb. Dennoch blieb die Rezeption seines Werkes hinter seinem Potential zurück, was eindeutig im Zusammenhang steht mit seiner aktiven Unterstützung der nationalsozialistischen Ideologie.

Nationalsozialismus

Während der Weimarer Republik war Hirsch Anhänger des deutschnationalen Parteiführers Alfred Hugenberg. Er wurde zu den Wortführern der "Deutschen Christen" und theologischer Berater des späteren Reichsbischofs Ludwig Müller. Obwohl er sich zunächst selbst nicht als Nationalsozialisten bezeichnete, betrachtete er Hitler bei der Reichspräsidentenwahl 1932 als einzige Hoffnung auf eine nationale "Wiedergeburt". Nach dessen Machtergreifung schrieb er:

Kein einziges Volk der Welt hat so wie das unsere einen Staatsmann, dem es so ernst um das Christliche ist; als Adolf Hitler am 1. Mai seine große Rede mit einem Gebet schloß, hat die ganze Welt die wunderbare Aufrichtigkeit darin gespürt.

Ziemlich bald sollte der Göttinger Theologieprofessor Mitglied der NSDAP werden.

Hirsch verurteilte jene, die Hitler kritisch gegenüberstanden, und ging sogar soweit, Kollegen und Studenten zu denunzieren. So hatte er z. B. entscheidenden Anteil an der Entlassung seines reformierten Kollegen Karl Barth aus dessen Bonner Lehramt[1]. Kurz nach dem Krieg quittierte er seinen Dienst, ohne das Recht auf Pension in Anspruch zu nehmen. Er selbst begründete dies mit gesundheitlichen Problemen. In der Tat war er schon seit 1931 fast blind, doch wird allgemein angenommen, dass er mit der Pensionierung vor allen Dingen der Entnazifizierung entgehen wollte.[2][3]

Veröffentlichungen

Literarisches Werk

Literatur

Quellen

  1. http://www.uni-koblenz.de/~assel/buch_zeitworte.html
  2. Robert P. Ericksen: Theologians under Hitler: Gerhard Kittel, Paul Althaus, and Emanuel Hirsch.
  3. Martin Schuck: Das historische Bewusstsein des Protestantismus, evangelische aspekte 1/2005, S. 22-25.
Personendaten
Hirsch, Emanuel
evangelischer Theologe
14. Juni 1888
Bentwisch bei Wittenberge, Brandenburg
17. Juli 1972
Göttingen