Heim

Nurek

Nurek ist das optisch-elektronische System zur Kontrolle über den Weltraum in der zentralasiatischen Republik Tadschikistan, es ist eines der wertvollsten Objekte Russlands im Ausland.

Der auch unter dem Namen „Okno“ (Fenster) bekannte Komplex, der in einer Höhe von 2200 Metern über dem Meeresspiegel liegt, ermöglicht eine effektive Kontrolle über den Weltraum, vor allem über die Situation in hochelliptischen und geostationären Umlaufbahnen.

„Okno“ ist im Grunde genommen ein Auge der Weltraumtruppen Russlands. Das optische System, welches das All unter Kontrolle hält, ähnelt einer Kanone mit kurzem Lauf. Zu dem Komplex gehören zehn solche mit Elektronik gespickte „Kanonen“ mit einem Gewicht von je 41 Tonnen. Demnächst (Stand 2005) sollen noch vier dazu gebaut werden. Der Komplex ist vollkommen automatisiert. Das betrifft die Ortung von Objekten in einer Höhe von 2.000 bis 40.000 Kilometern, die Erfassung und Auswertung der diese Objekte betreffenden diversen Daten sowie Koordinaten und sonstige photometrische Informationen, die Berechnung der Bahnparameter und die Übertragung der Ergebnisse an die zuständigen Kommandozentralen. An dem von einem Raumapparat reflektierten Sonnenlicht werden sämtliche Informationen über ihn abgelesen, bis hin zu den winzigsten Details der Konstruktion, und es wird auch seine Zweckbestimmung ermittelt.

Der Komplex eignet sich auch für die Beobachtung von in niedrigen Umlaufbahnen mit einer Höhe von 120 bis 2000 Kilometern eingesetzten Raumapparaten.

Die Möglichkeiten des Komplexes resultieren in vieler Hinsicht aus seinem einmaligen Standort. Fast das ganze Jahr hindurch ist das Wetter in dieser Gebirgsgegend klar, was für Beobachtungen ideal ist. Der Zahl der für die Arbeit geeigneten Nachtstunden - etwa 1500 Stunden im Jahr - sowie dem Astroklima (Transparenz und Stabilität der Atmosphäre) nach ist der Ort, wo sich „Okno“ befindet, mit der in dieser Hinsicht besten Region der Welt vergleichbar wie etwa dem chilenischen Berg Cerro Tololo. Aber das tadschikische Gebirge hat im Vergleich zu beliebigen anderen Regionen unbestreitbare Vorteile.

Die Amerikaner haben vier ähnliche Beobachtungsstationen, die sich etwa in gleichem Abstand entlang des Äquators befinden (in den USA, auf der Insel Diego Garcia, in Südkorea und auf Hawaii). Aber die Zahl der jährlichen Sonnentage ist an diesen Orten deutlich geringer.

Die geographische Lage des russischen Komplexes ist so, dass ein von einem beliebigen US-amerikanischen Gelände in eine Höhe von über 200 Kilometer gestarteter Raumapparat bereits bei den ersten Erdumrundungen in den Zuständigkeitsbereich von „Okno“ gelangt.

Der Komplex in Nurek kann auch diverse Aufgaben lösen, die kosmische Aktivitäten ziviler Behörden betreffen. In dem Komplex werden auch einheimische Forschungssatelliten und Raumapparate mit sozialer und wirtschaftlicher Bestimmung erprobt und betrieben, die auf hohe Umlaufbahnen gebracht werden. Eine besonders große Bedeutung spielt der Komplex bei außerordentlichen Situationen wie zum Beispiel dem Verlust eines Satelliten oder Pannen in Bordsystemen, wo der technische Zustand der Steuersysteme des Satelliten kaum eingeschätzt werden kann.

Der Komplex kann auch für das ökologische Monitoring des Weltraumes genutzt werden. Es geht zum Beispiel um die Lösung des Problems des so genannten Weltraummülls. Beobachtet werden kleine Objekte, die eine Gefahr für Raumapparate darstellen könnten. Aber in erster Linie sind solche Aktivitäten für die bemannte Raumfahrt äußerst wichtig.

Ziemlich akut ist gegenwärtig auch das Problem der Kontrolle über die Einhaltung der rechtlichen Normen bei der Beförderung von Kommunikationssatelliten in geostationäre Umlaufbahnen. Im Zusammenwirken mit funktechnischen Beobachtungsmitteln ist der Komplex „Okno“ hierbei ein wichtiges Instrument für die Durchsetzung staatlicher und wirtschaftlicher Interessen Russlands.

Der Bau des Komplexes in Nurek hatte 1979 begonnen. Nach der Zuspitzung der Situation in Tadschikistan im Jahr 1992 musste die Finanzierung vorübergehend eingestellt werden. Erst 1997 floss wieder Geld in das Projekt. Seit Sommer 2002 gehört der Komplex versuchsweise zum militärischen diensthabenden System Russlands. Während eines Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Oktober 2004 in Tadschikistan wurden Dokumente über die Übereignung des Komplexes an Russland unterzeichnet.