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Georg Leibbrandt

Georg Leibbrandt (* 5. September 1899 in Hoffnungsthal bei Odessa; † 16. Juni 1982 in Bonn) war deutscher Ministerialdirektor im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete während der Zeit des Nationalsozialismus und Mitglied der SA.

Leben

Geboren in Hoffnungsthal bei Odessa besuchte er das Gymnasium in Dorpat und Odessa. Nach der Oktoberrevolution flüchtete er nach Berlin. Ab 1920 studierte er Theologie, Philosophie und Volkswirtschaft in Tübingen und Leipzig. Während des Studiums trat er dem Tübinger und Leipziger Wingolf bei, dessen Mitglied er bis zu seinem Tod blieb. Es folgten Studienreisen bzw. -aufenthalte in Paris, nach London, in die UdSSR und USA (Rockefeller Fellowship). Er promovierte 1927 zum Dr. phil. und trat 1933 in die NSDAP ein. Im Außenpolitischen Amt der NSDAP war er Leiter der Ostabteilung, danach war er zuständig für antikommunistische und antisowjetische Propaganda. Ab 1938 war er Beisitzer am Volksgerichtshof. Im Juli 1941 wurde er zum Leiter der Hauptabteilung I (Politik) im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete.

Von 1941 bis 1943 unterstanden Leibbrandt die Abteilungen Allgemeine Politik, Reichskommissariat Ukraine, Ostland, Kaukasus, Sowjetunion sowie Presse und Kultur. In dieser Funktion war er in hohem Maße in den Völkermord an den Juden einbezogen. Bereits im Oktober 1941 nahm Leibbrandt an einer Besprechung mit Reinhard Heydrich teil, in der über die Einbeziehung aller Juden in das Vernichtungsprogramm beraten wurde. Zwei Tage nach der Wannsee-Konferenz lud er zu einer Dienstbesprechung über die Definition des Begriffs Jude in den Ostgebieten ein. Im Sommer 1943 meldete er sich zum Dienst in der Kriegsmarine.

Leibbrandt wurde von 1945 bis 1949 interniert. Im Januar 1950 gab es eine Voruntersuchung durch das Landgericht Nürnberg-Fürth, die im August 1950 eingestellt wurde. Ein Gerichtsverfahren wurde nicht eröffnet.

Personendaten
Leibbrandt, Georg
deutscher Ministerialdirektor im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete während der Zeit des Nationalsozialismus
5. September 1899
Zebrykowe
16. Juni 1982
Bonn