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Corpus Iuris Canonici

Das Corpus Iuris Canonici (CIC, CICa oder auch CICan) ist eine Sammlung von katholischem Kirchenrecht, die im Mittelalter nach und nach geschaffen wurde.

Das CICa besteht aus sechs Teilen:

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Decretum Gratiani

Am Anfang des Corpus Iuris Canonici stand das Decretum Gratiani oder - wie das Werk von Gratian selbst genannt wurde - die Concordantia discordantium canonum (frei übersetzt das Werk, das die widersprüchlichen Kirchenrechtsquellen in Übereinstimmung bringt). Bereits der Titel zeigt Gratians Ziel, Ordnung in die unübersichtliche Vielzahl an verschiedenen, sich teils widersprechenden kirchenrechtlichen Bestimmungen zu bringen. Gratian gliederte seine Rechtssammlung nach inhaltlichen Gesichtspunkten, ordnete die verschiedenen bestehenden Kirchenrechtsquellen wie Konzilsbeschlüsse und Papsterlasse systematisch zu und erklärte, wie die Rechtsquellen miteinander zusammenhängen. Dadurch schaffte er eine gut handhabbare Rechtssammlung, die das Kirchenrecht wesentlich übersichtlicher machte.

Vor Gratian gab es auch schon andere Kirchenrechtssammlungen, z. B. der Pseudoisidor und die Sammlungen von Burchard von Worms und Ivo von Chartres. Allerdings war die Sammlung Gratians besser als die anderen Sammlungen, sodass das Decretum Gratiani bald alle anderen Kirchenrechtssammlungen verdrängte und diejenige Kirchenrechtssammlung wurde, die von allen Juristen angewandt wurde. Bald auch begannen Glossatoren das Decretum Gratiani wissenschaftlich zu bearbeiten.

Compilationes Antiquae

In der Zeit nach Gratian fand in der der Kirche ein Organisationswandel statt. Das Kirchenrecht war in der Spätantike und im frühen Mittelalter vor allem durch Bischofsversammlungen, die Konzilien, geschaffen worden (siehe auch Canones). Seit dem Spätmittelalter hatten aber die Päpste innerkirchlich so viel Macht erlangt, dass nun sie hauptsächlich die Rechtsetzung durchführten.

Die Weiterentwicklungen des Kirchenrechts nach Gratian sowie die immer wichtiger werdenden Dekretalen (päpstliche Rechtssprüche) wurden in fünf neuen Gesetzbüchern, den sogenannten Compilationes Antiquae festgehalten:

Liber Extra

Um 1230 beauftragte Papst Gregor IX. den Dominikaner Raymund von Peñafort mit einer Sammlung des gesamten bisherigen Kirchenrechts, die die bisherigen Sammlungen ersetzen sollte. 1234 erschienen seine in fünf Bücher gegliederten Sammlungen, die mit fast 2000 Dekreten das seit dem Decretum Gratiani neu geschaffene Recht enthielt. Die Gliederung in Codex und Digesten orientiert sich am Aufbau des Corpus iuris civilis, der Sammlung des weltlichen Rechts. Die neue unbetitelte Sammlung wurde als Decretales Gregorii IX, manchmal auch in Anklang an die fünf früheren Sammlungen als Compilatio Sexta, meist jedoch als Collectio seu liber extra oder einfach Liber Extra bezeichnet.

Weitere Ergänzungen

Das nach dem Liber Extra entstandene neue Recht veröffentlichte Papst Bonifaz VIII. 1298 im Liber Sextus (Das sechste Buch), das als Ergänzung der fünf Bücher des Liber Extra konzipiert war und dessen Gliederung übernahm.

Wie das Liber Extra und das Liber Sextus versammeln auch die ergänzenden Clementinen (1317) und Extravaganten (1325-1327) hauptsächlich päpstliche Rechtssprüche (Dekretalen).

Alle Bücher des Corpus Iuris Canonici wurden durch Glossatoren und Kommentatoren wissenschaftlich bearbeitet (vgl. auch Gemeines Recht).

Das Corpus Iuris Canonici wurde im 16. Jahrhundert durch die sog. "Correctores Romani" einer amtlichen Bearbeitung unterzogen und 1582 neu veröffentlicht. Erst 1917 wurde es vom Codex Iuris Canonici abgelöst.

Literatur