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Diskussion:Otto Douglas Douglas-Hill

Es ehrt mich, dass der/die Autor/in meine Artikel als Quelle aufgeführt hat. Lieber wäre mir, er hätte diese Quellen auch richtig gelesen und mir dadurch diese lästige aber notwendige Stellungnahme erspart. 1)Den Auftrag für das Reichsluftfahrtministerium hat Douglas-Hill weniger irgendwelchen NS-Eliten (sic!) sondern indirekt seiner Freundschaft mit Mendelsohn zu verdanken: Architekt des Baus war Mendelsohns ehemaliger Mitarbeiter Sagebiel. 2)Die Amtseinführung Douglas-Hills als ordentlicher Professor wurde durch die Gestapo verhindert. Dort hatte der Künstler sich unter anderem dadurch unbeliebt gemacht, das er die Freilassung eines Neffen von Georg Wertheim aus dem KZ erwirkt hatte. Nach kurzer Euphorie anläßlich der "Machtübernahme" 1933 brachte sich Douglas-Hill in der Folge durch regimekritische Äußerungen und Handlungen in Gefahr: Er setzte sich u.a. für den von den Nazis abberufenen Hochschuldirektor Poelzig ein und bot gar dem damals steckbrieflich gesuchten, späteren DDR-Ministerpräsidenten Grotewohl ein Zimmer als Versteck an! Trotz seines Alters wurde Hill als erster Lehrer der Hochschule und Schwerkriegsbeschädigter des 1.Weltkrieges noch 1943 eingezogen. 2)Die handwerkliche Brillanz seiner Arbeiten ist den von ihm ausgewählten ausführenden Mitarbeitern zu danken, weder hatte er selbst jemals das Drehen auf der Töpferscheibe erlernt noch ist überliefert, das er mehr als die Gipsformen für die Herstellung seiner aufgebauten bzw. ausgeformten Gefäße schuf. Diese "Aufbaukeramik" entstand ab ca. 1935, davor beeindruckte Hill durch Entwürfe für auf der Drehscheibe entstandene Gefäße mit stereometrischen und später ovoiden Formen. 3)Zu den Arbeiten für Göring kam es durch Hills Mitarbeiter Campenhausen, der über Görings erste Frau Carin weitläufig mit diesem verwandt war. Douglas-Hill kannte Göring nicht persönlich und war kein Parteimitglied. Im übrigen waren die Aschenschalen Douglas-Hills von ausgezeichneter künstlerischer Qualität - ungeachtet ihres Käufers! 3)Diese herausragende Qualität von Douglas-Hills Glasuren und Formen erreichte im letzten Drittel der dreissiger Jahre ihren Höhepunkt, wie auch die 1937 im demokratischen Frankreich errungene Goldmedaille der Pariser Weltausstellung unterstreicht. In Paris wurde eine große Anzahl deutscher Keramiker - nicht wegen, sondern trotz des NS - ausgezeichnet. Vielen Künstlern mit Berufsverbot wie Richard Haizmann und Otto Hofmann, aber auch Jan Bontjes van Beek, dessen Tochter Cato später als widerstandskämpferin hingerichtet wurde, bot die Keramik eine Überlebensnische, da "entartete Vasen und Schalen" für die braunen Ideologen schwer zu definieren waren. So erklärt es sich, dass die deutsche Keramik vor allem nach 1933 eine führende Position in Europa innehatte und sich nicht, wie häufig behauptet, auf Entwürfe lehmbrauner Suppenteller für Eintopfsonntage beschränkte! 4)Nach 1945 war Douglas-Hill erzwungenermaßen keineswegs so produktiv wie im Artikel beschrieben: Dem durch eine Verwundung in einem österreichischen Lazarett liegenden Künstler teilte man mit, die Berliner Hochschule sei aufgelöst worden und jegliche Ansprüche hinfällig, so dass Hill einer Einladung ehemaliger Studenten nach Chile folgte, die er noch während eines Urlaubes gegen Ende des Krieges vor der Einberufung zum Volkssturm bewahrt hatte. Erst 1955 kehrte er zurück und war gezwungen, durch eine Reihe von Prozessen seine Wiedereinsetzung zu erstreiten, da er als Südamerikaheimkehrer natürlich wunderbar das Clischee des ausgewanderten Nazis bediente. Trotz vieler Intrigen ehemaliger Kollegen und seines Nachfolgers erreichte Douglas-Hill, u.a. durch Schreiben von Grotewohl (!), den Wittwen Mendelsons und Poelzigs und dem Wertheimneffen Kurt Jaruslawski aus Australien sein Ziel. 1962 erfolgte die Ernennung zum beamteten Professor durch den Senat von Berlin, kurz darauf jedoch sein Ausscheiden aus dem Dienst mit Erreichen der Pensiongrenze. Winfried Winnicke