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Jungfrau Maleen

Jungfrau Maleen ist ein Märchen. Es stammt aus Karl Müllenhoffs Sammlung Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg von 1845. Die Brüder Grimm übernahmen es in ihre Kinder- und Hausmärchen an Stelle 198 (KHM 198). (Typ 870 nach Aarne und Thompson)

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Ein Prinz liebt eine Prinzessin namens Jungfrau Maleen. Ihr Vater will sie einem anderen geben und mauert sie mit ihrer Dienerin ein. Als nach sieben Jahren die Nahrung ausgeht und niemand sie rauslässt, durchbohren sie die Mauer und finden das Reich zerstört. Sie wandern fort und nähren sich von Brennesseln. Erst am Hof ihres Geliebten darf Jungfrau Maleen in der Küche helfen. Dessen vom Vater bestimmte Braut schämt sich ihrer Hässlichkeit und zwingt sie, sie auf dem Hochzeitszug zur Kirche zu vertreten. Jungfrau Maleen spricht dabei zu einer Brennessel, zur Kirchentreppe und zum Kirchentor. Auf die Frage des Prinzen sagt sie, sie habe nur an Jungfrau Maleen gedacht. Er hängt ihr ein Geschmeide um. Als abends die falsche Braut zu ihm geführt wird, fragt er sie, was sie gesagt hat. Sie lässt sich dreimal von ihrer Magd einsagen. Zuletzt fragt er nach dem Geschmeide. Sie gibt die Vertauschung zu und will Jungfrau Maleen köpfen lassen, aber der Prinz kommt und erkennt sie. Sie werden zusammen glücklich, die falsche Braut wird geköpft.

Stilistische Besonderheiten

Der sonst auf hochdeutsch abgedruckte Text enthält einige Formeln im Dialekt. Jungfrau Maleen sagt auf dem Weg zur Kirche:

"Brennettelbusch, (Brennesselbusch,)
Brennettelbusch so klene, (Brennesselbusch so klein,)
Wat steist du hier allene? (Was stehst du hier allein?)
Ik hef de Tyt geweten, (Ich hab die Zeit gewartet,)
Da hef ik dy ungesaden, (Da hab ich dich ungesotten,)
Ungebraden eten." (Ungebraten gegessen.)
"Karkstegels, brik nich, bün de rechte Brut nich." (Kirchentreppe, brich nicht, bin die rechte Braut nicht)
"Karkendär, brik nich, bün de rechte Brut nich." (Kirchentür, brich nicht, bin die rechte Braut nicht)

Die falsche Braut hilft sich gegen die Fragen des Prinzen mit dem Satz:

"Mut heruet na myne Maegt, (Muss heraus nach meiner Magd,)
De my myn Gedanken draegt." (Die mir meine Gedanken trägt)

Der Text endet mit einem Gedicht, das Kinder am verlassenen Turm der Jungfrau Maleen singen:

"kling, klang kloria,
wer sitt in dissen Toria?
Dar sitt en Königsdochter in,
Die kann ik nich to seen krygn.
De Muer, de will nich bräken,
De Steen, de will nich stechen.
Hänschen mit de bunte Jak,
Kumm unn folg my achterna."

Herkunft

Jungfer Maleen stammt laut Karl Müllenhoffs Sammlung Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (1845) aus Meldorf. Die Brüder Grimm übernahmen es für ihre Kinder- und Hausmärchen ab der 6. Auflage (1850) als Nummer 198 Jungfrau Maleen. Sie veränderten den Wortlaut, z.B. lassen sich im Original die Mädchen vom Turm hinab (anstatt zu springen). Das Schlussgedicht wird als mutmaßlich auf ein solches Märchen bezogen separat berichtet, mit folgender Variante ab Zeile 5:

Nä, Mutter, schaet ni', baet ni':
Steen unn Been verlaet my;
Kumt de olle bunte Rock
Unn faet my achter an.

Vergleiche

Die einsame treue Jungfrau, die sich hier mit der Schuttpflanze Brennessel vergleicht, entspricht vielen anderen Märchen. Das Motiv der Jungfrau im Turm entspricht dem griechischen Mythos von Danaë und kommt auch in KHM 12 Rapunzel, KHM 69 Jorinde und Joringel, KHM 76 Die Nelke vor. Bei Jungfrau Maleen ist wohl auch an Maria Magdalena gedacht (vgl. KHM 76 Die Nelke). Auch die falsche Braut, die keine eigenen Gedanken hat (KHM 13, 21, 65, 89, 135, 186), lädt besonders zu tiefenpsychologischen Deutungen ein. Dass der Prinz um den Gefängnisturm seiner Geliebten herumwandert steht nicht im Müllenhoff'schen Original. Die Brüder Grimm ergänzten das wohl in Anlehnung an KHM 69 Jorinde und Joringel und KHM 181 Die Nixe im Teich, ebenso der Name Aschenputtel für die Küchenhilfe. Umgekehrt könnte das Märchen bereits im Einfluss früherer Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen stehen. Ähnliche Märchen wären:

Wirkung

Börries von Münchhausen schrieb 1910 eine Ballade vom Brennesselbusch, die offenbar auf dem Märchen beruht. Die Märchensammlerin Sigrid Früh wurde persönlich von dem Märchen beeinflusst, das sie als Kind im Luftschutzkeller hörte. Holger Teschke produzierte 2003 ein Kinderhörspiel. Bei den Brüder-Grimm-Märchenfestspielen in Hanau war Jungfrau Maleen 2005 im Programm.

Literatur

 Wikisource: Jungfrau Maleen – Quellentexte