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Woltersdorf (bei Magdeburg)

Wappen Deutschlandkarte

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Koordinaten: 52° 9′ N, 11° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Jerichower Land
Verwaltungsge-
meinschaft:
Biederitz-Möser
Höhe: 50 m ü. NN
Fläche: 8,89 km²
Einwohner: 403 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39175
Vorwahl: 039292
Kfz-Kennzeichen: JL
Gemeindeschlüssel: 15 0 86 245
Adresse der Gemeindeverwaltung: Hauptstraße 10
39175 Woltersdorf
Bürgermeister: Thomas Ehlert
Lage der Gemeinde Woltersdorf im Landkreis Jerichower Land

Woltersdorf ist eine kleine Gemeinde am Westrand des Flämings, der mit dem zwei Kilometer östlich des Ortes gelegenen Spitzen Berg (68 m) seine westlichste Erhebung hat. Mit seinen Nachbargemeinden Körbelitz im Norden und Königsborn im Süden ist Woltersdorf durch eine Landstraße verbunden, die bei Königsborn von der Bundesstraße 246 abzweigt. Außerdem liegt der Ort an der Bahnstrecke Magdeburg–Loburg. Das Umland ist rein landwirtschaftlich geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nördlich von Woltersdorf wurden bei Ausgrabungen Gräber aus dem 3. Jahrtausend vor Christus und dem 3. Jahrhundert n. Chr. gefunden. Außerdem gibt es Hinweise auf eine slawische Besiedlung. Da der Ortsname (1200 Walterestorp) deutschen Ursprungs ist, geht der Anfang der heutigen Siedlung wahrscheinlich auf deutsche Einwanderer zurück. Die Erwähnung von 1200 ist der erste offizielle urkundliche Nachweis, daneben gibt es noch eine offensichtlich jüngere Urkunde, in der die Schenkung des Ortes an das Kollegiatstift des Magdeburger Klosters Unser Lieben Frauen bestätigt wird, mit dem gefälschten Datum von 1015. Aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind weitere echte Urkunden, die den Namen „Wolterstorp“ beinhalten, bekannt.

Gut Woltersdorf um 1750

Seit 1491 war die Adelsfamilie von Lossow Rittergutsbesitzer in Woltersdorf, die jedoch dem Bischof zu Brandenburg tributpflichtig war. Ende des 18. Jahrhunderts waren die von Alvensleben Gutsherren, sie wurden 1881 von bürgerlichen Eigentümern abgelöst. 1840 besaß das Gut 650 Hektar Land, während die Kommunalgemeinde nur über 225 Hektar landwirtschaftliche Flächen verfügte.

Einige kleine Industriebetriebe siedelten sich an, als Woltersdorf 1892 an die Eisenbahnlinie Magdeburg - Loburg angeschlossen wurde. Doch mussten die Dampfmühle, ein Sägewerk und die Harmonikafabrik schon bald wieder ihren Betrieb einstellen. Auf dem Grundstück der Harmonikafabrik wurde später ein großer Getreidesilo errichtet.

Seit 1818 gehörte Woltersdorf zum preußischen Kreis Jerichow I mit der Kreisstadt Burg. Bei dieser Kreisstadt blieb es auch, als die DDR mit ihrer Gebietsreform von 1952 den neuen Kreis Burg schuf. Bereits 1945 war das Rittergut durch die von der sowjetischen Besatzungsmacht angeordneten so genannten Bodenreform enteignet und der Grundbesitz unter 52 Neubauern aufgeteilt worden. Deren Selbständigkeit dauerte jedoch nur bis 1953, dann wurden ihre Höfe im Rahmen der von den DDR-Behörden betriebenen Kollektivierung der Landwirtschaft in eine LPG überführt. 1960 schlossen sich vier LPG aus Königsborn, Nedlitz, Büden und Woltersdorf zur Groß-LPG „Ernst Thälmann“ zusammen. Sie hatte ihren Sitz in Woltersdorf und bewirtschaftete 2.500 Hektar Land.

Nach dem Ende der DDR entstand im Nachbarort Büden eine Agrargenossenschaft, die auch die Bewirtschaftung der Woltersdorfer Flächen übernahm. Damit hatte der Ort keinen ansässigen Gewerbebetrieb mehr. Der ehemals landwirtschaftliche Charakter änderte sich zugunsten einer Wohnsiedlung. Mit der politischen Neuordnung kam Woltersdorf 1990 zum Landkreis Jerichower Land. Seit 2005 ist der Ort Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Biederitz-Möser.

Kommunale Selbstverwaltung

Am 6. Juli 2003 wurde der ehrenamtliche Bürgermeister Thomas Ehlert mit 81,4% der Wahlberechtigten erneut gewählt. Er übt das Amt bereits seit der Bürgermeisterwahl vom 22. September 1996 aus.

Evangelische Kirche

Das ursprüngliche Kirchengebäude stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde offensichtlich als Wehrkirche angelegt. Es ist ein aus Feldsteinen errichteter spätromanischer Saalbau mit quadratischem Chor und einer halbkreisförmigen Apsis. Erst 1730 wurde an der Westfront ein quadratischer Turm angefügt, der eine geschweifte Haube erhielt, die mit einer Laterne abschloss. In den 1920er Jahren erhielt der Turm ein einfaches Zeltdach. Das Kircheninnere überrascht mit seiner vielfältigen Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, wie die aufwändig geschnitzte Kanzel, ein mehrgliedriger Altar und Deckenmalereien. Ältestes Inventarstück ist das spätromanische Taufbecken. Von 1665 stammt eine Bronzeglocke, die mit dem Wappen der Rittergutsfamilie von Lossow geschmückt ist.


Siehe auch