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John Tyler

John Tyler (* 29. März 1790 in Charles City County, Virginia; † 18. Januar 1862 in Richmond, Virginia) war 10. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 6. April 1841 bis 4. März 1845.

Er stammte aus einer reichen Pflanzerfamilie und war Rechtsanwalt. Ursprünglich war er Vizepräsident von William Henry Harrison, kam aber nach dessen plötzlichen Tod zur Präsidentschaft. Er war der erste Vizepräsident, der durch den Tod seines Präsidenten selbst zu diesem Amt kam. Es war während seiner ganzen Amtszeit umstritten, ob er Acting President oder Präsident in vollem Sinn sei. Er vertrat mit Entschiedenheit die Interpretation, tatsächlich Präsident zu sein und ließ alle Briefe ungeöffnet, die an den Acting President gerichtet waren. Er half entscheidend, diese Interpretation durchzusetzen.

Als Südstaaten-Aristokrat war der ehemalige Gouverneur und Senator des Staates Virginia nur aufgestellt worden, um südliche Wähler für Harrison zu gewinnen (der Slogan war: Tippecanoe and Tyler, too). Seine politischen Ansichten waren aber der Whig-Partei entgegengesetzt, die die Interessen der Nordoststaaten mit ihrer aufstrebenden Industrie und Geschäftswelt vertrat - so legte er sein Veto gegen die Gründung einer Nationalbank ein, die ein Grundanliegen der Whigs und ihres prominentesten Senators Henry Clay war. Im Herbst 1841 wurde er aus der Whig-Partei ausgeschlossen. Die Reaktion war, dass er immer mehr mit den Demokraten zusammenging und 1844 sogar den prominenten Südstaaten-Demokraten John C. Calhoun zum Secretary of State ernannte.

Damit war das Zweiparteiensystem bis zum Sezessionskrieg unauflöslich mit dem Nord-Süd-Konflikt verknüpft: nun waren die Whigs unwiderruflich die Nordstaaten- und die Demokraten die Südstaatenpartei.

1842 konnte sein Staatssekretär Daniel Webster einen Grenzvertrag mit Großbritannien erzielen, bei dem die Grenze zwischen Maine und Kanada festgelegt wurde.

Im Vorfeld des Bürgerkrieges setzte er sich für die Sezession ein, wurde auch in den Kongress der Konföderation gewählt, starb aber an einem Schlaganfall, bevor er dieses Amt antreten konnte.

Da er den Präzedenzfall schuf, dass der Vizepräsident ins Präsidentenamt nachrückt, hat er für die Verfassungsgeschichte der USA eine gewisse Bedeutung. Ansonsten konnte er nicht allzu viele politische Lorbeeren sammeln; Theodore Roosevelt nannte ihn gar "a politician of monumental littleness" (Deutsch in etwa: Ein Politiker von monumentaler Unbedeutsamkeit).

PND: Datensatz zu John Tyler bei der DNB
Keine Treffer im DDB-OPAC, 11. Oktober 2007
Personendaten
Tyler, John
10. Präsident der USA (1841-1845)
29. März 1790
Charles City County, Virginia, USA
18. Januar 1862
Richmond, Virginia, USA