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Canudos

Canudos war der Name einer Ansiedlung in der brasilianischen Wüstenregion Sertão (Provinz Bahia).

Gegründet wurde die Siedlung 1893 von Antônio Conselheiro, einem katholischen Pfarrer und seinen Anhängern. Die "Sertoes" wie sie sich nannten, bestand aus einer sehr armen Bevölkerung, deren Durchschnittsalter die 27 nicht überschritt, denn es herrschte einer Hungersnot, da in der Wüstenregion eine sehr lang andauernde Dürre geschah. Innerhalb von kurzer Zeit wuchs Canudos auf ca. 20.000 Bewohner. Der Pfarrer von allen Conselheiro genannt, kümmerte sich jedoch nicht ausschließlich um ihre Seelen, sondern viel eher um die konkreten gesellschaftlichen Probleme vor allem im Nordosten Brasiliens, wie beispielsweise die bittere Armut und die politische Unterdrückung im Nordosten Brasiliens.

Der Bewegung in Canudos gelang es, in etwa so wie die ersten Christen, eine Art Kommunismus zu leben. Alle arbeiteten und alle teilten auch die Erträge ihrer Arbeiten untereinander. Da sie jedoch in Canudos vollkommen von der Außenwelt abgeschirmt waren, zahlten sie auch keine Steuern, was später zu einem der blutigsten Kriege in Brasiliens Geschichte geführt hat. Ein bitterer Bürgerkrieg zwischen Sertanejos und dem Militär.

Die Überlebenden siedelten sich teilweise in der Gegend von Rio de Janeiro an und gründeten dort eine der ersten Favelas. Einige Sprachforscher führen die Einführung des Begriffs "Favela" für die Bezeichnung einer slumartigen Siedlung auf diese Gründung zurück, da "Favela" ursprünglich eine Pflanze im Sertão bezeichnet.

Der Kampf um Canudos und sein blutiges Ende wurde von zahlreichen südamerikanischen Autoren behandelt. Die bekanntesten Bearbeitungen stammen von Mario Vargas Llosa ("Der Krieg am Ende der Welt") und Euclides da Cunha ("Krieg im Sertão").

Koordinaten: 9°57'50" S, 39°9'50" W