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Gustav Adolf Michaelis

Gustav Adolf Michaelis (* 9. Juli 1798 in Kiel; † 8. August 1848 in Lehrte) war ein deutscher Arzt, Professor und Geburtshelfer. Er war der Vater des Archäologen Adolf Michaelis (1835-1910).

Nach dem frühen Tod seines Vaters Gottfried Philipp Michaelis, der als praktischer Arzt und Geburtshelfer in Harburg schon mit dem medianen Dammschnitt und der prophylaktischen Uterusexstirpation beim Kaiserschnitt auf sich aufmerksam machte, fand der 13-jährige elternlose Knabe liebevolle Aufnahme bei seiner Tante Luise Wiedemann in Kiel. Er besuchte hier das Gymnasium und zog im Frühjahr 1817 als junger Student der Medizin nach Göttingen. Die medizinische Fakultät stand unter dem Einfluss des Chirurgen Konrad J. M. Langenbeck in der Blüte. Geburtshilfe wurde von Friedrich Benjamin Osiander gelehrt. Durch Wiedemann war Michaelis weitgehend mit den Gedankengängen der Wiener Schule vertraut, die unter Boer eine ausgesprochen konservative Geburtshilfe lehrte. Im völligen Gegensatz dazu vertrat Osiander eine interventionelle Geburtsmedizin. Dies äußerte sich unter anderem darin, daß in seiner Abteilung 40 % der Geburten vaginal-operativ mit der Zange beendet wurden. Es entsprach Michaelis´ Naturell, sich nicht kategorisch einer der Schulen zu verschreiben, sondern sich vom jeweiligen klinischen Erscheinungsbild leiten zu lassen. Dennoch verdankte er sowohl Osiander als auch Langenbeck eine Schulung, die ihn später zu einem hervorragenden geburtshilflichen Operateur werden ließ. Über das Studium der Medizin hinaus befasste sich Michaelis mit Literatur und Kunst und vor allem Mathematik und Naturwissenschaften, die ihm zur Ergänzung seines Fachwissens unentbehrlich erschienen.

Am 25. Juli 1820 kehrte er mit dem eben erworbenen Doktorgrad nach Kiel zurück. Im Sommer 1821 trieb ihn das Bedürfnis nach Erweiterung seiner medizinischen Kenntnisse noch einmal zusammen mit J. Ohlshausen, Victor Aimée Huber und Heinrich Splitter für ein Jahr nach Paris. Auf der Rückreise nach Kiel wurde er in Heidelberg auf die Arbeiten des Professors Karl Friedrich Naegele zum weiblichen Becken in der Geburtsmedizin aufmerksam. Es ist zu vermuten, daß Michaelis Interesse an seinem wichtigsten wissenschaftlichen Gegenstand aus dieser Zeit stammte. Michaelis hatte die Absicht, sich in Schleswig-Holstein niederzulassen und sah sich als "Ausländer" zunächst gezwungen, sein Examen und die Doktorprüfung zu wiederholen. Er ging an die Auswertung seiner in Paris gemachten Beobachtung über Zellgewebsverhärtung der Neugeborenen und konnte am 23. Oktober 1825 sich mit der Schrift "De induratione telae cellulosae recens natorum" habilitieren. Als Deutschem blieb ihm trotz seiner frühen Habilitation 1823 eine Professur in Kiel vorerst versagt.

Im Jahr 1828 heiratete Michaelis Julie Jahn, die er beim gemeinsamen Musizieren kennen und lieben gelernt hatte. Leider musste Michaelis das Hauptgewicht seiner ärztlichen Tätigkeit auf den Ausbau einer eigenen Praxis legen, weil die Deutsche Kanzlei in Kopenhagen nicht zu bewegen war, ihn als ausübenden Arzt und Assistenten Wiedemanns zu bestätigen. Diese Bestätigung erfolgte erst im Jahre 1830, nachdem er seinem Onkel als Lehrer und Leiter der Anstalt schon lange Jahre hilfreich zu Seite gestanden hatte und unentbehrlich geworden war. Dennoch übernahm er die Arbeitslast, die sein Onkel Wiedemann von Jahr zu Jahr weniger zu tragen vermochte und es lagen von 1836 an die Geschäfte weitgehend in seiner Hand. 1836 erlangte er den Status eines Physikus für Kiel, Bordesholm und Kronshagen und avancierte schließlich zum außerordentlichen Professor ohne Besoldung. Mit dem Tode Wiedemanns am 21. Dezember 1840 führte er die Anstalt zunächst interimistisch und es waren letztendlich seine Studenten, die mit einer Bittschrift an den Dänischen König schließlich die Ernennung zum Vorsteher des Gebärhauses und Oberlehrers der Hebammenanstalt durchsetzten. Die Ernennung dazu erfolgte am 28. August 1841, allerdings blieb die ordentliche Professur aus.

Auf der ganzen Welt ist den Geburtshelfern noch heute die Michaelissche Raute vertraut. Die Beschreibung derselben geht auf seine ausgedehnten Studien zur Form des weiblichen Beckens zurück. Seine prominenteste Patientin mit rachitisch verformten Becken war Frau Adametz, bei der er 1836 den vierten Kaiserschnitt durchführte. Michaelis war außerdem einer der ganz wenigen Geburtshelfer seiner Zeit, der die bahnbrechenden Erkenntnisse Semmelweis´ akzeptierte. Als durch das Puerperalfieber 1847 dreizehn Wöchnerinnen in weniger als sechs Wochen starben, schloss er die Anstalt und beschloss, eine völlig neue in Kiel aufzubauen. Umso tragischer empfand er den Tod seiner geliebte Cousine, die am Kindsbettfieber verstarb. Aufgrund einer tiefen seelischen Krise nahm er sich am 8. August 1848 in Lehrte das Leben.

Nach seinem Tode übernahm Carl Conrad Theodor Litzmann die Leitung und führte die Arbeit seines Vorgängers erfolgreich fort.

Nach ihm wurde die Hebammenschule und eine Straße in Kiel benannt. Goethe hat sich, wie aus seinem Tagebucheintrag vom 21. Oktober 1830 hervorgeht [1];durch die Erklärung des Meeresleuchtens durch Gustav Adolf Michaelis im Jahre 1830 an der Arbeit zur Meeresgötterszene im Faust beeinflussen lassen.

Werke

Literatur

Weblinks und Quellen

  1. [www.malteherwig.com/meeresleuchten.pdf Pdf Datei]
Personendaten
Michaelis, Gustav Adolf
deutscher Arzt, Professor und Geburtshelfer
9. Juli 1798
Kiel
8. August 1848
Lehrte