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Marie Antoinette (Musical)

Marie Antoinette ist ein Musical von Michael Kunze (Text) und Sylvester Levay (Musik), den Autoren von Elisabeth, Mozart! und Rebecca. Das Libretto wurde in Englisch verfasst und für die asiatische Inszenierung ins Japanische übersetzt.
Die Premiere fand am 1. November 2006 im Imperial Garden Theater in Tokio, Japan statt. Regie bei der Produktion führte Tamiya Kuriyama. Nach Aufführung in Tokio wurde das Musical in Fukuoka, Osaka und von April bis Mai 2007 wieder in Tokio inszeniert.
In Deutschland soll das Musical 2009 uraufgeführt werden; Spielstätte wird das Musical Theater in Bremen sein.

Infos

Die Idee zu Marie Antoinette basiert auf einem Buch des japanischen Autors Shusaku Endo. Die japanische Theaterproduktionsgesellschaft Toho machte Michael Kunze auf dieses Buch aufmerksam und gab ihm den Auftrag, daraus ein Drama-Musical zu machen. Eine Idee des Buches war die, der unglücklichen Königin von Frankreich ein gleichaltriges Mädchen aus dem Volke gegenüberzustellen. Während der Stern von Marie Antoinette sinkt, steigt dieses Mädchen, ihr Name ist Margrid Arnaud, mit der Revolution auf. Im zweiten Teil des Musicals treffen Margrid Arnaud und Marie Antoinette aufeinander. Damit entwickelt die Geschichte eine Dramatik, die weit über die Darstellung der historischen Tatsachen hinausgeht.

Synopsis & Musikstücke

Prolog

Cagliostro, der Magier und ewige Meister der Illusion, erscheint. Er erinnert sich an glorreiche Tage, als er berühmt und bewundert war. Es war eine Zeit der Liebe und Lügen, der Intrige und Gier, erhabener Ideale und blutiger Grausamkeit – das Frankreich des 18. Jahrhunderts. Cagliostro ist ein Alchimist. Sein Prinzip ist: „Je geringer die Ursache, desto größer die Wirkung.“

Es ist das Jahr 1779. Beaumarchais, ein Bühnendichter, führt uns in das Frankreich Ludwigs des XVI. und Marie Antoinettes ein. Wir erfahren, dass der Herzog von Orléans einen Ball in seinem Pariser Palais gibt.

1. AKT

In den Straßen von Paris leiden die Menschen an Hunger und Armut. Ein Mädchen verkauft Veilchen. Ihr Name ist Margrid Arnaud. Ihre Initialen M. A. sind dieselben wie die Marie Antoinettes, doch ist das die einzige Ähnlichkeit zwischen der Königin und der Armen. Marie Antoinette ist die Tochter der Österreichischen Kaiserin und mit dem König von Frankreich, Ludwig XVI., vermählt. Margrid ist seit früher Kindheit ein bettelarmes Waisenkind.

Beaumarchais, auf dem Weg zum Ball des Herzogs von Orléans, kauft Margrid einen Strauß Veilchen ab. Sie fragt ihn, warum die meisten Menschen im Elend leben müssen, während wenige Auserwählte in Luxus schwelgen. Beaumarchais bezahlt Margrid mit einer Münze. Zu spät bemerkt sie, dass er ihr Falschgeld gegeben hat.

In der großen, von tausenden Kerzen erleuchteten Halle des Königspalastes, ist der Ball des Herzogs von Orléans in vollem Gange. Königin Marie Antoinette tanzt mit Fersen, einem jungen schwedischen Edelmann.

Der Tanz wird von Margrid unterbrochen. Irgendwie ist es ihr gelungen, an den Wachen am Eingang vorbei zu Beaumarchais vorzudringen. Sie findet und konfrontiert ihn, und fordert Bezahlung. Dies lenkt Marie Antoinettes Aufmerksamkeit auf das zerlumpte, aufgebrachte Mädchen. Margrid wendet sich direkt an die Königin und fleht um Hilfe für die hungernden Armen von Paris. Marie Antoinette, angeheitert, tut Margrids Bitte mit einem Lachen ab.

Zurück auf der Straße sieht sie das Elend einer verhungernden Mutter. Sie hat ein schicksalhaftes Treffen mit Schwester Agnès, ihrer Lehrerin aus der Kinderzeit in der Klosterschule.

Im Palast zu Versailles arbeiten Rose Bertin, die Schneiderin der Königin, und ihr Friseur, Léonard, angestrengt daran, Marie Antoinette in die schönste Frau des Königreichs zu verwandeln. Als der Schatzminister die Königin warnt, verschwenderische Ausgaben zu vermeiden, reagiert Marie Antoinette aufgebracht. Sie verlangt von ihrem Mann, dem König, diesen Minister sogleich zu entlassen. Der König ist zu schwach, um die Forderung seiner Frau zu verweigern.

In seinem Labor ist Cagliostro damit beschäftigt, „aus Schmutz Gold zu machen“. Seine Magie führt Margrid zu Madame Lapin, die in Paris ein Freudenhaus namens „Hôtel d’Orléans“ führt.

Margrid folgt Madame Lapin zum Hôtel d’Orléans, wo sie Verpflegung und guten Rat erhält. Sie beschließt, bei ihrer Gönnerin zu bleiben und für sie zu arbeiten.

Antoinette und Fersen treffen einander heimlich. Sie lieben einander, doch werden sie niemals zusammen leben können. Cagliostro führt Margrid zum Herzog von Orléans. Der Herzog und Margrid haben etwas gemeinsam – beide hassen Marie Antoinette.

In seiner privaten Schmiede in Versailles trifft König Ludwig XVI. Dr. Guillotin, der gekommen ist, seine neueste Erfindung, eine moderne Exekutionsmaschine, vorzustellen. Der König und Marie Antoinette, die nicht um ihr Schicksal wissen, sind vom Anblick der scharfen Klinge fasziniert. Der König macht einen Verbesserungsvorschlag.

Fünf Jahre später. Vor Notre Dame sieht die Menge Beaumarchais und einer Gruppe von Pantomimen zu, wie sie Marie Antoinette verhöhnen. Königliche Wachen zerren Madame Lapin durch die Menge zu einem erhöhten Exekutionsplatz und peitschen sie öffentlich aus. Margrid und Agnès werden Zeugen der grausamen Bestrafung. Margrid ist empört und gibt der Königin selbst die Schuld für diese Ungerechtigkeit. Nachdem das Auspeitschen beendet ist und die Wachen abgezogen sind, wendet sie sich an die Menge und ermutigt die Bürger von Paris für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Madame Lapin stirbt. Agnès rät Margrid, die Rache Gott zu überlassen.

An einem Sommerabend trifft Marie Antoinette Fersen zum letzten Abschied. Er steht vor dem Aufbruch nach Nordamerika, wo er für die Unabhängigkeit Amerikas kämpfen will. Die Königin ist wegen Fersens Entscheidung am Boden zerstört. Er versichert sie seiner unabänderlichen Liebe. Fersen rät Marie Antoinette auch dem Leid des Volks mehr Interesse zu schenken. Als er Margrids Rede vor Notre Dame erwähnt, wird die Königin eifersüchtig und aufgebracht.

Der Herzog von Orléans, ein enger Verwandter des Königs, plant, das regierende Régime zu stürzen. Daher tut er alles, um dem Ruf Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes zu schaden. Beaumarchais empfiehlt, Cagliostros Magie einzusetzen. Der Alchimist mixt ein tödliches Gift. Er manipuliert Kardinal de Rohan, seine Maitresse, Madame La Motte und den Juwelier Boehmer und schmiedet das Komplott um die berühmte Halsband-Affäre.

15. August 1785. Im Palast von Versailles findet zu Mariä Himmelfahrt ein Königlicher Empfang statt. Boehmer nützt diese Gelegenheit, sich der Königin zu nähern, um sie an die Bezahlung des Halsbandes zu erinnern, da er meint, sie hätte es gekauft. Dies führt zur Aufdeckung der Halsband-Affäre. Kardinal Rohan gesteht, er hätte der Königin als Strohmann gedient, das Halsband in ihrem Auftrag gekauft und es ihr bei einem geheimen Treffen in ihrem Park übergeben. Die Königin bestreitet das kategorisch und bezichtigt den Kardinal der Lüge. Sie vermutet ein Komplott, um sie in Misskredit zu bringen und lässt Rohan verhaften. Margrid, die beim „Geheimen Treffen“ des Kardinals als Königin ausgegeben wurde, nützt die Gelegenheit, um Marie Antoinette des Mordes an Madame Lapin anzuklagen. Rohan erkennt Margrid als diejenige, die ihn betrogen hat. Sie wird ebenfalls verhaftet.

2. AKT

31. Mai 1786. Die Menge wartet vor dem Justizpalast in Paris auf das Ergebnis im Halsbandprozeß. Als Kardinal de Rohan erscheint und der Menge mitteilt, dass er freigesprochen wurde, beginnen alle, Marie Antoinette zu beschimpfen. Margrid, die auch aus dem Gefängnis entlassen wird, sagt dem Volk von Paris, dass es an der Zeit sei, die Königin loszuwerden. Agnès wirft Margrid vor, die Menge zur Rebellion angestachelt zu haben.

THE BELLS OF JUSTICE

Mai 1789. Am Tag der Eröffnungssitzung der Generalstände wird Marie Antoinettes kranker Sohn, der Dauphin Louis Josèphe, in einen gepolsterten Stuhl gesetzt, um dem feierlichen Umzug des Klerus, der Adeligen und Abgeordneten durch die Straßen von Paris beizuwohnen. Marie Antoinette glaubt, dass ihr Sohn die Monarchie retten werde. Doch er stirbt als die Regierungsmacht auf die Generalstände übergeht.

Weil Adel und Klerus jeden Schritt Richtung mehr Gerechtigkeit für die Bürger blockiert haben, hat die Menge in Paris die Bastille gestürmt. Die Französische Revolution hat begonnen. Margrid wird eine ihrer Führerinnen. Sie fordert die Wäscherfrauen an der Seine auf, ihren Männern und Söhnen beim Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit zu helfen und schlägt den Frauen von Paris vor, zum Palast des Königs in Versailles zu marschieren. Da die armen Frauen nichts weniger als begeistert sind, bietet der Herzog von Orléans ihnen Geld, wenn sie mitmarschieren.

In Versailles schreibt Marie Antoinette einen Brief an ihren Liebhaber Fersen. Plötzlich kommt die wütende Menge in den Palast und dringt in das Zimmer der Königin ein. Der Pöbel wird vom Herzog von Orléans angeführt. Er bringt die königliche Familie nach Paris, wo sie im Tuileries-Palast unter Hausarrest gehalten werden.

Im Geschäft der Rose Bertin sprechen die Leute über die abrupte Wende der politischen Situation.

Beim Treffen einer Gruppe radikaler Republikaner – des sogenannten Klubs der Jakobiner - schlägt der Herzog von Orléans vor, Margrid zur Königin zu senden, wie man sagt als Dienerin, doch in Wahrheit um zu spionieren und über das Leben der königlichen Familie zu berichten. Hinter den Kulissen zieht Cagliostro die Fäden.

Margrid beginnt, bei ihrer Tätigkeit als Dienerin der Königin sie auszuspionieren. Fersen ist aus Amerika zurückgekehrt und es gelingt ihm, die Königin zu treffen. Er bereitet die Flucht nach Österreich vor. In der Nacht des 20. Juni 1791 schleicht die königliche Familie aus dem Palast und verlässt Paris in einer Kutsche. Doch ihre Flucht wird entdeckt und endet in Varennes. Sie werden nach Paris zurückgebracht und sind nun Gefangene des französischen Volks.

Die königliche Familie wird im Turm des Tempels festgehalten. Margrid ist noch bei ihnen. Ludwig XVI. versucht, seinem Sohn seine Gefühle zu erklären. Margrid hört erstaunt, wie Marie Antoinette ein Lied singt, das sie von ihrer Mutter gelernt hat. Marie Antoinette bittet Margrid, Fersen einen geheimen Brief zu überbringen. Robespierre erklärt, dass Frankreich nicht länger eine Monarchie sei. Von nun ab sind der König und die Königin nur noch Bürger.

Außerhalb des Tempels führt Orléans die rebellische Menge. Agnès ist aufgebracht über die Grausamkeiten des Revolutionskomitees im Namen der Freiheit. Sie steht den Rebellen gegenüber, die drohen, sie umzubringen. Margrid kommt gerade rechtzeitig, um ihre ehemalige Lehrerin zu retten. Nachdem die Menge abgezogen ist, nähert sich Fersen Margrid und fragt nach Marie Antoinettes Brief. Margrid möchte wissen, was die Königin geschrieben hat. Es stellt sich heraus, dass es schließlich kein Liebesbrief ist, sondern ein offizielles Ansuchen an fremde Heere, den König zu retten. Fersen ist schockiert. Er weiß, dass der Brief Hochverrat bedeutet, und er ist in den Händen einer Frau, die eine Feindin der Königin ist.

1792 wird Ludwig XVI. exekutiert.

Margrid kann sich des Mitgefühls für die inhaftierte und verwitwete Marie Antoinette nicht erwehren. Um deren Verzweiflung zu lindern, lässt sie Fersen zu einem geheimen Treffen in den Tempel. Marie Antoinette bittet Fersen, sie zu vergessen. Beide wissen, dass sie einander niemals wieder sehen werden. Nach Fersens Besuch wird Marie Antoinettes kleiner Sohn, Louis Charles, seiner Mutter gewaltsam weggenommen. Margrid ist empört.

Am 15. Oktober 1793 steht Marie Antoinette wegen Verrats am Französischen Volk unter Anklage. Unter den Zeugen ist Margrid. Als sie in den Zeugenstand gerufen wird, leugnet sie, den verräterischen Brief je gesehen zu haben. Es scheint, als würde die frühere Königin von Frankreich freigesprochen werden. Doch ein Journalist, Hébert, bringt eine böse und abscheuliche Anklage vor. Margrid ist schockiert. Marie Antoinette antwortet mit einem Appell an alle Frauen im Gerichtssaal. Viele sind tief bewegt, doch die Mehrheit des Pöbels will Marie Antoinettes Tod.

Auf der Place de la Révolution in Paris, wartet eine blutdürstige Menge auf die Exekution der ehemaligen Königin von Frankreich. Die Atmosphäre ist beinahe feierlich. Margrid und Agnès sind unter den Schaulustigen als Marie Antoinette vom schäbigen Karren steigt. Sie stolpert und fällt. Die Menge bricht in brüllendes Gelächter aus, doch Margrid kniet nieder und reicht Marie Antoinette die Hand, um ihr aufzuhelfen. Sie sehen einander an, und Marie Antoinette nennt Margrid „Schwester“. Der Scharfrichter stößt Margrid weg und zerrt Marie Antoinette zum Schaffott. Als ihr Kopf in den Korb fällt, herrscht für einen Moment Totenstille. Dann beginnt die Menge zu singen. Der Pöbel glaubt, dass Blut für Freiheit fließen müsse, doch Cagliostro, Beaumarchais und Agnès sind anderer Meinung. Margrid widerspricht allen. Sie glaubt, dass sich die Welt nur zum Besseren wende, wenn wir lernen zu lieben und zu vergeben.