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Franz Mueller-Darß

Franz Mueller-Darß (* 29. April 1890 in Lindau, Landkreis Northeim; † 18. Juni 1976 in Lenggries, Oberbayern; eigentlich Franz Mueller) war ein deutscher Forstmann. Er wirkte von 1925 bis 1945 als Forstmeister auf dem Darß und war als hochrangiges SS-Mitglied hauptamtlich als Standartenführer im Stab Heinrich Himmlers tätig. Er war ein bedeutender Kynologe, in Fachkreisen wurde er daher auch „Hundemüller“ genannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Franz Mueller wurde am 29. April 1890 als Sohn des späteren Forstmeisters Hans Friedrich Wilhelm Mueller (1857-1924) in Lindau geboren. An einer Kadettenanstalt in Berlin legte er 1909 sein Abitur ab und leistete seinen Militärdienst beim dortigen Kadettenkorps ab. Anschließend absolvierte er in der Mark Brandenburg eine Lehre im Forstamt Menz am Stechlinsee und studierte dann Forstwissenschaften in Eberswalde und München. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Kriegsfreiwilliger vier Jahre lang teil. Von 1916 bis 1918 war er Kommandeur einer Kriegshundeschule.[1] Anschließend setzte Mueller seine forstliche Laufbahn fort und bestand noch 1918 sein Staatsexamen als Forstassessor. 1919 fand er dann zunächst in Schlesien Verwendung als Revierassistent im Forstamt Reinerz im Glatzer Bergland und bewarb sich dann um die Leitung des Forstamtes Kreuzburgerhütte.

Im Jahr 1923 wurde er als Oberförster zur Unterstützung des erkrankten Forstmeisters Wendt an das Forstamt Born auf dem Darß versetzt und übernahm 1925 dessen Leitung. Er bezog das gleiche Gebäude, in dem schon sein bekannter Vorgänger Ferdinand von Raesfeld gewirkt hatte. Wie dieser widmete sich auch Mueller jagdlichen Themen, speziell jedoch der Ausbildung von Jagdhunden, zu der er zusammen mit Konrad Most 1934 das Standardwerk Anweisung zum Abrichten und Führen des Jagdhundes vorlegte. In Born errichtete er auch die „Diensthund-Lehr- und Versuchsanstalt“. Seinem Lieblingshund ließ er einen Stein setzen, der die Inschrift „Wie immer, im Leben seinem Herrn einen Schritt voraus.“ trug.[2]

In jagdlicher Hinsicht führte Mueller die Hegeideen seiner Vorgänger Raesfeld und Wendt fort. Um den Darßer Rotwildbestand „aufzuarten“, kreuzte er Rominter Blut ein. 1931 forderten er, sein Freund Bengt Berg und Dr. Lutz Heck einen Urwildpark auf dem Darß.[3] Diese Bestrebungen sind im Zusammenhang mit Muellers starken naturschützerischen Bestrebungen zu sehen, die er Anfang der 1930er-Jahre auch in einer Reihe von Artikeln propagierte. Als Mueller in einem dieser Artikel, der in zahlreichen Zeitungen erschien, den Darß als Naturgebiet schilderte und die Einrichtung eines großen Naturschutzgebietes vorschlug, erregte dies Unmut bei seinen vorgesetzten Behörden, aber auch das Interesse von Reichsjägermeister Hermann Göring, der am 3. Oktober 1934 auf dem Darß eintraf und die Halbinsel unter Muellers Führung erkundete.[4] Der Forstmeister verfolgte sein Projekt weiter, indem er erhebliche Flächen aufkaufen und den Darß arrondieren ließ. Waldbaulich strebte er Vielfalt und Artenreichtum an und gestaltete den Wald verstärkt nach forstästhetischen Gesichtspunkten im Sinne Heinrich von Salischs. Am 11. Juni 1941 wurde das Forstamt Born per Erlass zum Staatsjagdrevier erklärt und Mueller führte Göring sowie viele weitere hochrangige Gäste häufig bei der Jagd. Auf Weisung des Reichsjägermeisters entstand auf dem Darß auch eine Wisentverdrängungszucht. Während der Amtszeit Muellers wurde in Born zudem die Biologische Forschungsanstalt eingerichtet, deren Leitung der Zoologe Heinz Brüll übernahm.

Doch Mueller erlebte auch Kurioses: Als Göring sich besorgt über die auf dem Darß häufigen Kreuzottern äußerte, erschien in einer Jagdzeitung eine Notiz, in der um Übersendung von Igeln zwecks dortiger Schlangenbekämpfung gebeten wurde. In der Folge trafen aus dem gesamten Deutschen Reich 867 Igel auf dem Darß ein, die Mueller allesamt dort aussetzen ließ. Später kam auf Vermittlung von Lutz Heck auch ein Schlangenfänger auf die Halbinsel, musste jedoch erfolglos wieder abziehen, nachdem er lediglich eine Kreuzotter zur Strecke gebracht hatte.[5]

Für die Waldarbeiter ließ Mueller die darßtypischen rohrgedeckten Häuser, die vorzüglich in die Landschaft eingepasst waren, errichten. Diese Gebäude konnten die Waldarbeiter bei Interesse auch kaufen. Muellers eigenes Jagdhaus wurde später nach Prerow umgesetzt. Es befindet sich heute in Privatbesitz.[6]

Der diplomatisch geschickte Mueller knüpfte viele Kontakte zu bedeutenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kunst. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann er umgehend, sich aktiv in deren Organisationen zu engagieren. So trat er am 1. Mai 1933 der NSDAP bei und wurde am 18. September 1936 in die SS aufgenommen. In dieser NS-Organisation stieg er kontinuierlich bis zum SS-Offizier auf und wurde im Juli 1942 hauptamtlich als SS-Standartenführer in den persönlichen Stab Heinrich Himmlers einberufen und am 20. April 1944 zum SS-Oberführer (Brigadekommandeur) befördert.[7] In Himmlers Stab war Mueller „Beauftragter für das Diensthundewesen“ und „Beauftragter für das Forst- und Jagdwesen“. Nebenamtlich übernahm Mueller die Leitung der Hauptabteilung DI/6 „Schutz- und Suchhunde“ im Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) der SS, die auch für den Einsatz von Hunden in Konzentrationslagern zuständig war.[8] Schon vor seiner hauptamtlichen Tätigkeit für die SS hatte Mueller im März 1942 Himmler beraten, wie die Polizei und die SS ihren Einfluss im „Verband der Hundehalter“ vergrößern könne.[9] Für die Entscheidung, das Hundeversuchswesen in die SS zu integrieren, erhielt er im November 1944 den Rang eines Generalmajors der SS und im gleichen Jahr per Dekret den Namen Mueller-Darß, um Verwechslungen mit gleichnamigen Führungspersonen auszuschließen.[10] In dieser Zeit war er nur noch selten auf dem Darß anwesend, allerdings jedoch in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs. Auch nach dem Einmarsch der Roten Armee harrte Mueller noch wochenlang in seinem Waldversteck, einem Bunker der Waffen-SS, aus, bis es ihm glückte, in einem Boot über den Bodden in Richtung Hamburg zu flüchten.[11] Nach der Entlassung aus britischer Gefangenschaft konnte Mueller-Darß allerdings aufgrund seiner Vergangenheit nicht mehr in die Forstverwaltung zurückkehren. Er arbeitete in den folgenden Jahren auf den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern, darunter auch für den Bundesnachrichtendienst (BND).[12]

Seine Erlebnisse auf dem Darß, speziell in den Kriegsjahren hatte er in Tagebüchern festgehalten, die er unter dem Titel Kein Ort zu bleiben 1949 zunächst nur in einem Schweizer Verlag veröffentlichen konnte. Im Jahr 1952 folgte eine niederländische Übersetzung, und der Schriftsteller Dr. Wolfgang Frank nutzte sie, um auf deren Grundlage die romanhafte Biographie Verklungen Horn und Geläut. Die Forstmeisterchronik. Ein Leben mit Wäldern und Hunden (1959) zu verfassen, die sich umgehend als Bestseller erwies und bis 2001 17 Auflagen erlebte. Die Schilderung des unverwechselbar Archetypischen des Darßes machte den Landstrich weit über Deutschland hinaus bekannt. Mueller selbst wurde dank der Werke Franks bei einem breiten Publikum fast so bekannt und beliebt wie sein Vorgänger Ferdinand von Raesfeld. Im Gegensatz zu den romantisch-abenteuerlich verbrämten Darstellungen in Franks Romanen war Mueller allerdings ein nüchtern denkender Mensch.[13]

Mueller war drei Mal verheiratet, zuerst mit Ilona geborene Linde, mit der er einen Sohn hatte, in zweiter Ehe dann mit Clara geborene von Faber, die ihm eine Tochter und einen Sohn schenkte. 1954 heiratete er Christa geborene von Bodien.[14]

Forstmeister Franz Mueller-Darß starb im Alter von 86 Jahren am 18. Juni 1976 im oberbayerischen Lenggries.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 185
  2. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 187
  3. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 186
  4. Andreas Gautschi: Der Reichsjägermeister, 3. Auflage, Hanstedt 2000, S. 79-80
  5. Andreas Gautschi: Der Reichsjägermeister, 3. Auflage, Hanstedt 2000, S. 188
  6. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 186
  7. Andreas Gautschi: Der Reichsjägermeister, 3. Auflage, Hanstedt 2000, S. 79
  8. Bertrand Perz: „… müssen zu reißenden Bestien erzogen werden“. Der Einsatz von Hunden zur Bewachung in Konzentrationslagern. In: Dachauer Hefte, Band 12(1996), ISSN 0257-9472, S. 139-158, hier S. 143.
  9. Der Dienstkalender Heinrich Himmlers: 1941/42. (im Auftrag der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg bearbeitet, kommentiert und eingeleitet von Peter Witte). Christians, Hamburg 1999 ISBN 3-7672-1329-X, S. 368, 704
  10. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 187
  11. Waldemar Martens: Wo Adler noch und Stürme jagen... Drei Jahrzehnte Forstmann und Jäger auf dem Darß. 5. Auflage. Neumann-Neudamm, Melsungen 2004, ISBN 3-7888-1012-2, S. 104
  12. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 186
  13. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 186
  14. Manfred Wetzel: Franz-Mueller-Darß. In: Forstliche Biographien aus Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1999, S. 187
Personendaten
Mueller-Darß, Franz
Mueller, Franz (eigentlicher Name)
deutscher Forstmeister, SS-Oberführer und Jagdautor
29. April 1890
Lindau (Eichsfeld), Kreis Northeim
18. Juni 1976
Lenggries, Oberbayern